Spannungsvolle Flächengestaltung

Unsere Stadtbücherei soll abgebrochen werden! Das muss man sich mal vorstellen! Die Bedeutung des Buchs auch in unserer Zeit braucht man nicht zu erwähnen, auch nicht, dass es längst Ergänzungen durch andere Medien gefunden hat, die man dort selbstverständlich auch ausleihen kann. Diverse Ausstellungen, Veranstaltungen, den Förder- und Schriftsteller-Verein Wort und Kunst, der seit vielen Jahren dort tagt, und den Eineweltladen im gleichen Gebäude sollte man nicht vergessen.

Nun  soll das Gebäude einfach abgerissen werden und die Stadtbücherei mal so eben umziehen. Aber wohin? In eines der hässlichsten Gebäude in der westlichen Fußgängerzone, ins Löwenzentrum.

Ansprechender turmartiger Baukörper, der die Bergische Bücherei beherbergt

Eine weitere Verlagerung nach Westen, die von vielen als Verwaisung der östlichen Fußgängerzone beklagt wird. Aber viel schlimmer: Hier soll ein architektonisch wichtiger Bau unserer Stadt einfach verschwinden zugunsten einer Unterbringung in einer unwürdigen und hässlichen Etage des Löwencenters, die am Rand der finanziellen Pleite angesiedelt ist.

Sicher, die Haut des Forums, des Gebäudes mit der Stadtbücherei, ist kein Ausbund von Schönheit. Doch alt gewordene Haut kann man pflegen oder erneuern. Aber die phantasievolle Anordnung der kubischen Baukörper, die spannende Flächenaufteilung und die angenehmen Proportionen des Baus und seiner Fenster verdienen Beachtung und Erhaltung.

Dazu passt die geschmackvolle Innenausstattung, um die sich die Leitung der Stadtbücherei verdient gemacht hat. Heute muss man übrigens oft lange suchen, bis man einen Neubau findet, der aus mehr besteht als einem langweiligen Quader. Manchmal hat man den Eindruck, als wenn sich Architekten hauptsächlich als Kosmetiker verstünden, die allenfalls für eine schöne Verpackung sorgen.

Die Front des Löwencenters

Um wie viel schlimmer steht es um die Alternative, das Löwencenter!

Hier findet man weder eine Gestaltung der Baukörper, noch der Flächen noch ein Gefühl für Proportionen. Nicht einmal um die Haut steht es besser.

Und am schlimmsten die zweite Etage: ein nahezu fensterloser, ungestalteter riesiger Raum mit einer unsäglichen Decke, deren Erneuerung Riesensummen verschlingen würde, die der Besitzer wahrscheinlich  nicht hat.

Wer also sollte sie bezahlen? Die Stadt, die angeblich eine preiswerte Miete zahlen soll?

Die Decke im Löwencenter

Wie hoch diese Miete sein wird, verschweigt des Sängers Höflichkeit. Wie er auch verschweigt, dass es sich bei dem Besitzer (mal wieder!) um ein Bergisch Gladbacher Ratsmitglied handelt.

Welch ein Zufall! Und welch ein Gschmäckle, wie man in Süddeutschland sagen würde!

Hinweis der Redaktion:  Udo Kellmann, 
Geschäftsführer des Löwencenters, ist
Schatzmeister des CDU-Stadtverbands,
aber nicht Mitglied des Stadtrats.

Wird über diese Zusammenhänge denn nicht im Rat diskutiert? Ruft die Entscheidung nicht lautstarke Proteste der gutwilligen Ratsmitglieder und der Opposition hervor? Beim einfachen Bürger dürfte es zumindest zu einem heftigen, verständnislosen Kopfschütteln führen.

Der Blick aus Richtung Bahnhof

Als das Forum/das Gebäude der Stadtbücherei damals geplant wurde, gab es intensive Auseinandersetzungen über die Lage dieses Gebäudes. Ist das alles in Vergessenheit geraten? Ganz bewusst wurde das Forum als Absperrriegel gegen Lärm und optische Belästigung durch den Durchgangsverkehr und als Eingang in die eigentliche Stadtmitte konzipiert.

Und auch heute noch schließen sich der stark frequentierte Spielplatz und der Forumspark mit seinen Ruhe ausstrahlenden herrlichen alten Bäumen organisch an. Hier kann man im Sommer ein Buch lesen, das man in der Bücherei ausgeliehen hat.

Der beliebte Spielplatz vor dem Forum

Die Lage in der kommerziellen Fußgängerzone ist kein Ersatz dafür.

Und schon gar nicht die unsägliche zweite Etage des Löwencenters. Soll hier eines der hässlichsten Gebäude der Stadt durch eine Zwangsfunktion aufgewertet werden? Für den Besitzer der Immobilie wäre es vielleicht ein Gewinn, für die Bürger unserer Stadt eine Niederlage.

Sollte der Abrissplan Wirklichkeit werden, kann man wohl auch die (offiziell noch nicht zu Grabe getragene) Idee des Kulturparks vergessen. Vielleicht können sich die Vertreter der Stadt aber ja doch noch zu einem Umdenken aufraffen.

Leider scheint es ja Tradition geworden zu sein, sich die Dinge so zurechtzurechnen, wie man sie braucht. Vielleicht kostet die nötige Sanierung des Gebäudes ja doch nicht ganz die errechneten Millionen.

Wenn aber doch, hat man eigentlich schon daran gedacht, sich auf die Suche nach einem wohlmeinenden Sponsor zu machen? Der Forumpark müsste ja nicht unbedingt den Namen „Krüger-Nationalpark“ erhalten, aber eine Dankesplakette am erhaltenen und erneuerten Forumsgebäude mit einer entsprechenden Einweihungsfeier würde sicher einem betuchten und kulturfreundlichen Bürger dieser an vielen Stellen immer noch sehr lebenswerten Stadt gefallen.

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Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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8 Kommentare

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  1. Sehr geehrte Frau Helga,
    ich danke Ihnen für Ihren Kommentar unter meinem Artikel “Eine Lanze für die Stadtbücherei”. Ich freue mich über jede Art von Diskussion. Die öffentliche Diskussion anzuregen, war genau meine Absicht. Ich weiß nicht, ob Ihr Ausdruck “meckern” sich auf meinen Artikel bezieht. Wenn das aber so ist, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass ein sehr großer Teil des Artikels sich mit der ästhetischen Erscheinung des Forumsgebäudes befasst, was meiner Kenntnis nach noch nie in der Gladbacher Öffentlichkeit geschah, und, wie die Ausstellung von Herrn Hansen in der VHS zeigt, in unserer Stadt dringend nötig erscheint. Es dürfte Ihnen sicher auch nicht entgangen sein, dass ich einen Alternativvorschlag unterbreite, nämlich den, an einen potenten Sponsor heranzutreten. Wer das sein könnte, geht bei aufmerksamem Lesen ebenfalls aus dem Artikel hervor. Im Übrigen sollte man als Politiker eigentlich dankbar sein für eine wache Öffentlichkeit. Sie bekämpft letztlich das, was auch den Politikern am Herzen liegen müsste, die Politikverdrossenheit. Die hat nämlich ihren tiefsten Punkt erreicht, wenn die Öffentlichkeit – schweigt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Engelbert Manfred Müller

  2. Schade, dass in Bergisch Gladbach seit einiger Zeit jede Idee, die irgendjemand mal zur Diskussion stellt, sofort auf polemische Art und Weise madig gemacht und den Ortspolitikern Unfähigkeit und Schlimmeres unterstellt werden.
    Vielleicht mal nicht nur meckern , sondern mit besseren und sachlichen Vorschlägen aufwarten!

  3. Sehr geehrter Herr Müller,
    vielen Dank für den engagierten Artikel und für mir so nicht bekannte Informationen. Machen Sie bitte weiter so!
    Zu Herrn Höring: klar ist noch nichts entschieden, zumindest nicht offiziell. Aber wenn es entschieden ist, dann ist es zu spät. Diese Beschwichtigungen kommen nicht gut herüber.

    Mit den besten Grüßen

    G Hüpper

  4. Vorbemerkung: Etwas weniger Aufgeregtheit und mehr Sachlichkeit, weniger Polemik und vor allem keine Angriffe auf aktive Bürger (egal ob Ratsmitglieder, Geschäftsleute, Parteimitglieder oder Nicht-Mitglieder) unserer Stadt wäre hier angebracht.

    Fakt ist:

    1. Es ist noch gar nichts entschieden, denn es wurde noch gar nicht offiziell darüber diskutiert. Es gibt keine Vorlagen oder ähnliches, sondern nur die Information, dass
    2. das Gebäude am Forum stark sanierungsbedürftig ist. Ich erwarte als Ratsmitglied von der Verwaltung, dass sie a) prüft, ob und wie das Gebäude saniert werden kann und b) auch nach Alternativen in der Stadtmitte schaut,
    3. um die Stadtbücherei, die NIEMAND in Frage stellt, künftig zentral bereitstellen zu können.

    Die Überlegung, die Stadtbücherei in die seit dem Saturn-Auszug quasi nicht optimal genutzte OG-Fläche des Löwen-Centers zu verlegen, geistern seit mehr als einem Jahr quasi durch die Rathausflure. Es hätte zumindest den Charme, dass die Bücherei an zentraler Stelle, gut erreichbar für den ÖPNV und per PKW platziert bliebe. Ob eine Bücherei in diesem Gebäude auch richtig Platz hätte und eine solche Einzelhandelsimmobilie dafür geeignet ist, darüber habe ich bisher mehr als widersprüchliche Auskünfte gehört. Letztlich geprüft ist das nicht!

    Ich plädiere dafür, ohne Aufregung alle Varianten offen und transparent zu prüfen und dann zu der besten Sachentscheidung zu kommen.

    Die Zeit drängt nicht sehr, aber ewig auf die lange Bank können wir das Thema nicht schieben.

    Lennart Höring
    Mitglied des Stadtrates für die CDU-Fraktion
    Bücherei-affin, da 2. Vorsitzender des Fördervereins für die Bensberger Stadtteilbücherei

  5. Lieber Klaus Hansen,
    um Menschen zu motivieren, muss man sie da abholen, wo sie stehen. Und dafür ist Aufklärung wichtig. Da die Bürger bisher ignoriert wurden, darf man keine Bocksprünge seitens der Bürger erwarten.

    Aus meinem dürftigen Wissen heraus, kann ich nur sagen, absolut keinerlei Vertauen mehr in den Investor “der” Löwencenter zu haben.

    Wie kann es sein, das Unternehmer die eine Tür geschlossen haben, durch die Hintertür wieder hereinspazieren?

    Wie kann es sein, das Immobilien vernachlässigt werden, weil keine Investitionen getätigt werden, obwohl sie im öffentlichen Interesse stehen?

    Wie kann es sein, das nur nach “einem” Investor Ausschau gehalten wird ?

    Das kann nur passieren, weil seltsame Rechtsgebilde juristisch immer wieder eine Hintertür finden und durch diese wieder unter anderem Namen hereinspazieren.

    Wie kann es sein, das so viele Juristen im Stadtrat sitzen und niemand bemerkt etwas?

    Wie kann es sein, das niemand die Reißleine zieht?

    Warum, wird keine vernünftige Lösung gesucht, die der Stadt gut tun würde, indem man eine vernünftige Geschäftsübergabe des einen Besitzer an den nächsten Besitzer fordert ?
    Das heißt, Geschäftsschließung, wenn der Neue Inhaber gefunden wurde um lange Verwahrlosungen einer Immobilie zu vermeiden.

    Das ist aber sehr kompliziert, weil das Insolvenzrecht, berücksichtigt werden muss.

    Ich bin übrigends erstmal gegen den Abriss der Löwencenter und denke aus meinem einfachen Denken, Konzepte wie zum Beispiel in Köln Deutz können auch hier funktionieren. siehe alte Lufthansa über die ich zuwenig weiß.

    Fragen, nachdenken und Lösungen finden, viel Spass!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Meine Gedanken, sind alles nur einfache Gedanken eines Bürgers und das kann jeder!!!!!!!!!!!!!!!!!, jeweils aus seinem beruflichen Horizont!!!!!!!!!!

  6. Das Löwencenter sollte doch mal saniert werden. Angeblich hatte H&M Interesse bekundet, dort einzuziehen. Das war wohl ein Flop?

    Vom Aussehen her wäre mir lieber, das Löwencenter würde abgerissen. Nun sponsert die Stadt den Erhalt dieser Scheußlichkeit indem sie die 2. Etage mietet? Aber einen Ratskumpel kann man natürlich nicht einfach so hängen lassen. “Mach dir keinen Kopp, Ratsbruder, da können wir ganz bestimmt was klüngeln. Lass uns doch mal gucken, welches Gebäude wir dafür entsorgen können. *stadtplanausderschubladezieht* DA! Das Forum! Das ist sowieso nicht mehr so ganz heile. Und das ganze Papier darin kann auch in deinem Gebäude lagern.” Handschlag! Beschlossen! “Jetzt müssen wir es nur noch verkünden und die Aufregung im Volk aussitzen. Das wird schon!”

    Und nun sitzen die das aus, wetten?

  7. Der Umgang mit unserer Stadt durch Politik und Verwaltung scheint
    unverantwortlich. Wo sind die Fraktionen, wo sind die Persönlichkeiten,
    die dieses unwürdige Spiel nicht mehr mitmachen, endlich stoppen?
    Sind sie alle ahnungslos, desinteressiert, überfordert? Wir Bürgerinnen
    und Bürger müssen den unverantwortlich Handelnden in den Arm
    fallen, sonst verhalten wir uns selbst verantwortungslos. Die Aussagen
    des ISEK 2030-Konzepts scheinen bei einigen der von uns gewählten
    Vertreter nicht angekommen zu sein.
    Klaus Hansen
    Fotograf und Designer