Eisvogel mit Beute – Bergisches Land

Akribisch hat Thomas Will die Szene an der Agger vorbereitet, einen Ast zwischen Steinen im Flußbett gesteckt, den optimalen Blickwinkel und den besten Hintergrund für diesen Landepaltz gesucht. Seit Stunden sitzt er in einem Tarnnetz am Ufer, die Canon-Kamera mit dem großen 500er Teleobjektiv auf dem Stativ.

Thomas Will in freier Wildbahn

Und da kommt er tatsächlich, der Eisvogel. Setzt sich auf den Ast, mit einem erbeuteten Minifisch im Schnabel. „Zum Schluss gehört einfach Glück dazu“, urteilt der 49-Jährige aus Refrath, dem mit dem Eisvogel eines seiner besten Fotos gelang.

Oft genug hat Will am Ende des Tages kein einziges brauchbares Foto mit nach Hause gebracht – und dennoch ist sein Portfolio bei der Fotocommunity prall gefüllt mit ungewöhnlichen Aufnahmen kleiner Tiere. Wenn andere Fotografen bei internationalen Wettbewerben mit Geparden und Bären kommen punktet Thomas Will mit Eichhörnchen, Gottesanbetern oder Bienenfressern.

Ausgerechnet mit einem Beringten Schleimrübling, einem blassen Pilz im Gierather Wald vor seiner Haustür wurde Will 2012 beim renommierten Glanzlichter Wettbewerb in der Kategorie Pilz ausgezeichnet, im Jahr darauf war es eine filigrane Gottesanbeterin, mit dem er erneut erfolgreich war.

Gottesanbeterin – Kaiserstuhl

Das Fotografieren in der freien Wildbahn ist ganz offensichtlich Wills Paradedisziplin, dabei mag er die Architektur-Fotografie „noch einen Tick lieber“. Schon allein, weil er die Abwechslung braucht. Nachdem er in der Natur immer neu reagieren muss, stehen die Gebäude an ihrem Platz.

Könnte man meinen. Denn wenn man Wills Fotos betrachtet, dann liegen beide Themengebiete gar nicht so weit auseinander. Die Glieder der Gottesanbeterin wirken wie filigrane Bauteile  – und die Gebäude werden lebendig.

Zum Beispiel eins von Wills Lieblingsbildern, das er im Dämmerlicht von einem Gerry-Haus im Düsseldorfer Medienhafen machte. Eigentlich ist das Gebäude mit den markanten herausgestellten Fenstern strahlend weiß, doch im Licht der Straßenlaternen verfärbt es sich gelb. Und wer hat plötzlich die Lichter im zweiten Stock angemacht? Nicht geplant – und dennoch wichtiger Bestandteil des Fotos.

Asymetry – Gerry Bauten Düsseldorf

Thomas Will steckt einen hohen Aufwand in seine Bilder, an Material und Zeit. Nachdem ihm einmal, ausgerechnet als der Haubentaucher vor ihm einen Hecht verschlang, der Zwischenspeicher seiner Einsteigerkamera voll lief und er wertvolle Sekunden verlor, legte er sich eine gebrauchte Profikamera zu.

Aber die Ausrüstung, darauf besteht Will, ist nur ein kleiner Baustein des Erfolgs. Sein Credo:

Ein entschlossener Mensch wird mit einem Bleistift mehr anzufangen wissen, als ein unentschlossener mit einem ganzen Malkasten. Unsere Kameras oder Computer sind auch Werkzeuge, aber nicht die wichtigsten, viel mehr sind es unsere Ideen, Köpfe oder gerade unsere Augen.”

Und auch wenn die Bilder sicher auf der Festplatte sind, ist die Arbeit längst nicht vorbei. Geduldig optimiert er seine besten Fotos mit dem Verarbeitungsprogramm, um alles herauszuholen. Bei der Naturfotografie ist dabei die Realität sein Maßstab – und zum Beispiel die weißen Federn am Nacken und Hals des Eisvogels oder den schwarz-weiß Kontrast der Elster richtig hinzubekommen, fordert einige Akribie.

Bei der Architekturfotografie erlaubt sich Will dagegen mehr Freiheiten, um die Gebäude zu inszenieren. Da bekommt die Burg  im Nebel schon mal eine gewollt schummerige Atmosphäre: „Man soll das Gefühl haben, dass da gleich der Ritter heraustritt.” Und bei den Nachtaufnahmen werden oft fünf, sechs Einzelbelichtungen zusammengefügt, um die künstlichen Lichtquellen herauszufiltern.

Das Datenvolumen der Bilder auf seinen Festplatten liegt inzwischen im Terrabitbereich, doch pro Woche veröffentlicht Will nur drei bis vier Fotos in der Fotocommunity. Und freut sich, wenn die Qualität dort wahrgenommen wird. Immer wieder werden seine Aufnahmen von den anderen Fotografen so gut bewertet, dass sie in die Galerie der besten Bilder aufgenommen werden.

Einzelne Bilder von Will wurden mehrere hunderttausend Mal angeklickt, diese Foto von einem Eisvogel mit ausgebreiteten Flügeln sogar weit über eine Million mal, dank der Verbreitung und Empfehlung über Facebook.

Aufgeregt – Eisvogel mit offenen Flügeln

Rund um Bergisch Gladbach und auch in Köln hat der Refrather längst fast alles fotografiert, was zu fotografieren ist. Dennoch ist er immer auf der Suche nach einem neuen Blick, einer neuen Perspektive, die noch nicht von hunderten Fotografen entwertet worden ist.

Mit Geduld und guten Argumenten verschaffte er sich Zugang zum Mediterana, zum Bensberger Schloss oder zum Kölner Oberlandesgericht, wo er Fotos vom Treppenhaus schuf. Und genauso arbeitet er daran, endlich mal in die Kranhäuser am Rhein zu kommen, um diese noch unbekannte Blickrichtung auf den Dom einzufangen.

Will, der gerlernter Maschinenschlosser ist, hat im Moment viel Zeit für sein Hobby, fast zuviel. Seit sein Arbeitgeber Insolvenz anmeldete, ist er mit seinen 25 Jahren Berufserfahrung im Bereich Logistik und Lagerverwaltung arbeitslos. Also schreibt er Bewerbung umd Bewerbung, kümmert sich um die fünfjährige Tochter – und fotografiert. „Wenn ich das nicht hätte, hätte ich hier schon die Tapeten mit den Fingernägeln runter gekratzt”, gibt der ruhige Grauhaarige einen Einblick in sein Inneres.

Das Hobby zum Beruf zu machen, das hat er sich natürlich schon oft überlegt. Aber angesichts der geringen Preise, die man selbst für außergewöhnliche Fotos von den Verlagen oder Agenturen bekommt, ist das keine tragfähige Basis.

Statt dessen setzt sich der Refrather konkretere Ziele, die durchaus große Formate annehmen dürfen. So fährt er in den Kaiserstuhl, weil nur dort in Deutschland Vögel wie der Bienenfresser zu beobachten sind. Oder nach Lüttich, wo er ihm fast surrealistische Aufnahmen des neuen futuristischen Bahnhofs gelingen.

Gerne würde Will eine Ausstellung seiner Fotos, die sich sehr gut auch für Großformate eignen, organisieren. Einen Sponsor, der die teuren professionellen Drucke finanziert, wird gesucht. Oder eine Galerie, ein Veranstalter, … Und auch dabei beweist Will eine ordentliche Portion Geduld. Wie in der freien Wildbahn.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Als Physiker bewundere ich Tierfotografen schon lange.
    Thomas Will gehört zu den richtig Guten, wie man an seinen spektakulären Bildern sieht. Er hat auch den richtigen Blick für statische Objekte, was selten ist.

  2. ….immer wieder schön, deine qualitativ hochwertigen Fotos zu betrachten.
    vg kj gramann

  3. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie groß der Aufwand für solche Bilder ist. Ich wohne und arbeite ebenfalls in Refrath, als niedergelassener Fotograf im Bereich Business und Medizin. Naturfotografen sind ein “eigenes Volk” und von unglaublicher Ausdauer, auf der Suche nach diesen Motiven, wie wir sie hier sehen. Mich hat im Fall von Herrn Will aber vor allem begeistert, dass er in seinem Portfolio auch noch ganz andere Seiten zeigt. Die Architekturaufnahmen zeigen das, fantastisch. Großes Kompliment, Hut ab und alles Gute für die Zukunft.

  4. Fantastische Bilder, festgehalten in liebevoller Präzision. Es ist wohl die Kombination aus Leidenschaft für die Natur, die Architektur und die Fotografie im Allgemeinen und andererseits einer zielgerichteten Akribie und Geduld, die seine Bilder so besonders machen.
    Grosses Kompliment!

  5. Ich bin begeistert. Selten habe ich so schöne Fotos von Tieren und Architektur gesehen.
    Engelbert Manfred Müller