Das Land Israel und das jüdische Volk haben für viele Menschen in Bergisch Gladbach eine neue, ganz besondere Bedeutung bekommen: Seit Januar 2013 hat Bergisch Gladbach eine 10. Städtepartnerschaft, die mit Ganey Tikva in Israel. Grund genug für 35 Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger zwischen 16 und 75 Jahren – unter ihnen auch sechs Stadtratsmitglieder und eine Kreistagsabgeordnete – im Oktober die Schwesterstadt, das Land und die Leute im Nahen Osten zu besuchen und näher kennen zu lernen.

1. Tag: Der Abflug von Köln

Wir sind doch alle Preußen im besten Sinne des Wortes. Pünktlich bei der Abfahrt von der heimatlichen Wohnung aus; ebenso auf den Punkt präsent 35 Männer und Frauen um 16.30 Uhr zum Einchecken am Schalter der German Wings im Flughafen Köln. Alles läuft wie am Schnürchen: Personenkontrolle – Warten – Personenkontrolle – Warten. Ich teile meine Sitzreihe mit einer Reisesolistin, der noch eine halbe Nacht auf „Ben Gurion“ bevorstehen wird in der Hoffnung, dann Richtung Nazareth abgeholt zu werden.

2. Tag: Nach kurzer Nacht die Altstadt von Jerusalem

Ortszeit TelAviv kurz nach 00.00 Uhr landen wir auf „Ben Gurion“. Wegen der israelischen Sommerzeit sind wir gehalten, unsere Uhren um eine Stunde vorzustellen (was Tage später noch für Aufregung sorgen sollte). Passkontrolle, Kofferempfang – um diese Zeit alles zügig. Die GLer finden sich schnell zusammen.  Gut so, denn erst nach getaner Arbeit treffen wir auf den Chef unseres israelischen Reisebüros, David Lessner, unseren Busfahrer Irua und unsere Reiseführerin Yael. David Lessner versorgt uns rasch mit den vorher bestellten Schekeln (der israelischen Währung) nebst Lunchpaket und überlässt uns Yael und damit dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Toll, ihre Bereitschaft, uns bereits zu nachtschlafender Zeit im Bus zu begleiten.

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In 50 Minuten geht es auf fast leerer Autobahn auf das 800 Meter hoch gelegene Jerusalem, durchflutet von unendlich vielen Lichtern. Dan Jerusalem erwartet uns unsere feudale Herberge für die kommenden zwei Übernachtungen und den Rest von heute. Denn inzwischen steht die Uhr bei 2:57. Noch schnell ein Stück Kuchen auf die Hand und ab in die Falle – nach kurzer Irritation im Aufzug, der von der Lobby aus nur nach unten fährt. Erst am nächsten Morgen wird uns bewusst, dass unser Hotel in einen Berg gebaut ist, dessen Eingang in der obersten Etage liegt, auf der sechsten.

Nach der kurzen Ruhe gibt es eine kleine Verwirrung am Frühstückstisch, weil unsere Tischecke unter der Bezeichnung „Gruppe Farber“ reserviert ist, und mit dem Namen können die wenigsten etwas anfangen. Die Aufklärung folgt auf dem Fuße: Klaus Farber war es, der in Bergisch Gladbach im Beisein von Achim Dehmel und Peter Schlösser den ersten Kontakt zum Reisebüro David Lessner hergestellt hat, der erste Schritt zu unserer Bürgerreise.

Ölberg, Garten Gethsemane, das Goldene Tor und der jüdische Friedhof

Nur wenige Minuten benötigen wir, auf die Höhen des Ölbergs zu gelangen, bei tiefblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Von hier aus genießen wir in tiefen Zügen einen atemberaubenden Panoramablick auf die Goldene Stadt, die Heilige Stadt, auf die Hauptstadt der Weltregionen. Sie liegt uns zu Füßen und immer wieder im Blickfeld die goldene Kuppel des Felsendoms, eingefasst von den wuchtigen Mauern der Altstadt. Vor uns auch der mit uralten Olivenbäumen bestückte Garten Gethsemane mit der Gethsemanekirche. Minuten später finden wir hier Eintritt. Wir stoßen mitten in einen katholischen Gottesdienst italienischer Christen, der gerade mit der Wandlung seinen Höhepunkt feiert. Wir genießen diesen Augenblick, und einige von uns nutzen die Gelegenheit, ins abschließende „Vater Unser“ mit einzustimmen.

Innerhalb des Gartengeländes taucht Yael mit uns in die biblische Geschichte ein – der Blut schwitzende Jesus und seine schlafenden Jünger, und Yael liefert auch eine Begründung für deren Müdigkeit vor 2000 Jahren: Der Wein ist damals wie heute besonderes Herausstellungsmerkmal des Heiligen Landes. Er gehört zu jeder Mahlzeit dazu, und in der Hitze Israel reichen wenige Gläser, um in einen tiefen Schlaf zu versinken … so könnte es gewesen sein.

Vom Gethsemanegarten aus gleiten unsere Blicke hinauf auf das verschlossene „Goldene Tor“ in der mächtigen Altstadtmauer, durch das nach den Vorstellungen der Juden der Messias schreiten wird. In seiner Erwartung ist auf dem Vorfeld der riesig erscheinende jüdische Friedhof angelegt, ein imposantes Steinfeld. „Und alle Toten starren auf das Goldene Tor, um die Ankunft des Messias nicht zu verpassen“ – kommentiert Yael.

In der Altstadt Jerusalem

Vorbei an der unterhalb der Stadtmauer gelegenen Stadt Davids führt unser Weg über den Berg Zion ins armenische Viertel der Altstadt. Jetzt befinden wir uns mittendrin und stoßen über verwinkelte Pfade und Gassen und über die alte Handelsstraße „Cardo“ auf das Nationalsymbol Israels, die „Menora“, den siebenarmigen Leuchter, verpackt in einer Glasvitrine. Und von hier aus öffnet sich der Blick auf das rege Treiben vor der Klagemauer mit ihren gewaltigen Quadern, die Ostmauer und Reste des Tempels Salomon. Ich begebe mich unter die betenden orthodoxen Juden, um das Steinmonument zu berühren, so wie ich es vor 42 Jahren schon einmal getan habe. Im angrenzenden Kellergewölbe ist das Gebet der tiefgläubigen Juden deutlich inniger mit Hingabe, Leidenschaft und körperlichem Einsatz.

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Im Österreichischen Hospiz, gelegen in der Via Dolorosa, kommen wir zur Ruhe. Meinen wir, denn: Die Bestellung unserer Stärkung zieht sich hin. Trotzdem kommen alle zu ihrer Mahlzeit und einer Entschädigung der besonderen Art. Der Ausblick auf die Altstadt vom Dachgarten aus. Und dann gehen wir auf der Via Dolorosa den Leidensweg Christi nach, bergan über die mit Stufen übersäten, engen, dunklen, teils überbauten Gassen und Durchlässe mit ihrem Schlusspunkt an der Grabeskirche. Später verlassen wir durchs Jaffator die Altstadt, lauschen kurz zwei Klezmermusikanten, noch einige Schritte über die Mamilla Avenue durchs moderne Jerusalem, bis uns Irua mit seinem Bus erwartet und zum Hotel  zurückbringt.

3. Tag: Das neue Jerusalem – Beit Jala/Palästina

Israelisches Museum, Jerusalem am Modell, die Schriftrollen von Qumran

Wecken: 6.30 Uhr, damit wir um 8 Uhr losfahren können, durch das Regierungsviertel, vorbei am Sitz des Staatspräsidenten und der „Knesset“, dem israelischen Parlament, bis zum Israel-Museum mit dem „Schrein des Buchs“. Zunächst arbeiten wir uns aber auf dem Freigelände am Modell des antiken Jerusalem – kurz vor der Zerstörung der Stadt im Jahre 70 – ab, bei wieder strahlend blauem Himmel. Aber kühl und windig ist es.

Auf 1.000 m² wurde das ursprüngliche Geländeprofil der Stadt im Maßstab 1:50 nachgebildet. Mit Yael umkreisen wir die Ansicht und lassen uns von ihrem Wissen und ihrer begeisternden Ansprache einnehmen. Wir vertiefen uns in eine Stadt, in der der Tempel Salomons erster Blickfang ist, in der die großen Höhenunterschiede innerhalb der Stadt auffallen. Wir verinnerlichen am Modell die Altstadt und können jetzt viel besser die Örtlichkeit der Klagemauer einordnen und empfinden.

Im „Schrein des Buchs“ gehen wir weit zurück in die Ursprünge Israels. Die Kuppel des Schreins erinnert an die Verschlüsse jener Tonkrüge, in denen von Beduinen zwischen 1947 und 1956 die Schriftrollen von Qumran gefunden wurden. Sie enthalten die ältesten Handschriften des Alten Testaments und stammen aus der Zeit des 3. vorchristlichen bis 1. nachchristlichen Jahrhunderts. Im Halbdunkel des Museums herrscht eine ehrwürdige Stille.

Yad Vashem

Die Stille wird bedrückend als wir uns der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nähern. Uns eröffnet sich das Dokument schrecklichster Zeitgeschichte, dem Naziterror. Vorbei an der Allee der Gerechten, wird es dunkel in der großen Halle der Erinnerung. Namentlich auf schwarzem Untergrund sind die Konzentrations- und Vernichtungslager benannt. Sie stehen für sechs Millionen durch die Nazis ermordete Juden. Die Situation ist schwer zu ertragen. Mir kommen die Tränen. Ich empfinde Scham und Abscheu für die grauenhaften Taten meiner Vorfahren.

Erschütterndes Mahnmal ist ebenso das „Children’s Memorial“. Wieder beschreiten wir einen dunklen Raum, diesmal unterirdisch gelegen. Beleuchtet wird er von sechs Kerzen, deren Flammen sich in einem Labyrinth von Spiegelwänden in unzählige Lichtpunkte auflösen. Und so steht jede Flamme für die Seele eines der 1,5 Millionen Kinder, die dem Holcocaust zum Opfer gefallen sind. Ich verliere in dem Spiegel- und Lichtergewirr die Orientierung, stolpere vor mich hin und fühle mich im Lichterhimmel der Kinder aufgenommen. Dabei ertönt unentwegt eine Stimme, die die ermordeten Kinder beim Namen nennt.

Der Weg durch Yad Vashem endet für uns im eigentlichen Holocaust-Musem. Es ist ebenfalls unterirdisch angelegt und ähnelt einem Schiffsrumpf, an dessen offenem Ende sich der Blick auf das sonnendurchflutete Jerusalem öffnet …

Abstecher nach Bethlehem und Beit Jala

… und damit auch auf das fast benachbarte Beit Jala, unserer Partnerstadt in Palästina. Die Uhr zeigt Ortszeit 13.30 Uhr an, und ohne Yael wollen wir uns eine halbe Stunde später in Bethlehem mit Bürgermeister Dr. Nael Salman vor der Geburtskirche treffen. Doch zur vereinbarten Zeit ist niemand vor Ort. Wir zerstreuen uns, um Bethlehem auf eigene Faust zu erkunden.

Plötzlich klingelt das israelische Spezialhandy von Susanne, am anderen Ende Dr. Nael Salman, der uns sucht. Er hatte die Rufnummer aus dem Bergisch Gladbacher Bürgermeisterbüro gesteckt bekommen und muss jetzt erkennen, dass unser geplanter Treff am bestehenden Zeitunterschied fast gescheitert wäre. Wir hätten unsere Uhr wieder zurückstellen müssen, obwohl doch nur ein paar Kilometer zwischen israelischem und palästinensischem Boden liegen. Und so gibt es doch das erhoffte Wiedersehen mit der Zugabe, in die Geburtskirche in Bethlehem zu gelangen, ohne sich in eine lange Warteschlange einreihen zu müssen.

Dr. Salman gibt uns einen Guide zur Seite, der später auch Beit Jala ansteuert. Susanne Schlösser bittet ihn ausdrücklich, zunächst an der Mauer vorbeizufahren. Wir bekommen einen ersten Eindruck von den schwierigen Umständen, denen die palästinensischen Bewohner Tag für Tag ausgesetzt sind. Andererseits hat uns Yael zuvor dargelegt, dass erst die Mauer den ständigen Selbstmordanschlägen auf israelischen Boden ein Ende gesetzt hätte. In Israel wird die Mauer definitiv als Schutz verstanden, in Palästina als Bedrohung – die zwei Seiten einer Mauer.

In Beit Jala darf ein Blick auf das „Bergisch Gladbacher Projekt“, die Sportfläche des zukünftigen Kunstrasenplatzes nicht fehlen. Aktuell umkreist ein einsamer Jogger das noch holprige und von Steinen und Schotter übersäte Sportgelände. Noch bedarf es reichlicher Phantasie, sich an dieser Stelle eine Kunstrasenfläche vorzustellen.

Unsere kurze Stippvisite in Beit Jala endet in der Abrahamsherberge, Unterkunft bisheriger GL-Delegationen. Sie spendet uns in der hauseigenen Kapelle Schatten und Ruhezeit für eine kurze Andacht, denn die Gruppe hatte ja Pfarrer Achim Dehmel mit im „Gepäck“. Er findet in dem gerade erlebten Spannungsfeld die richtigen Worte. Es ist ein wärmender Moment, als wir uns bei den Händen fassen und in einem gemeinsamen „Vater Unser“ den Wunsch nach Frieden ausdrücken.

Jerusalem bei Nacht

In der Dämmerung passieren wir den Check-Point, und in der schnell einsetzenden Dunkelheit blendet uns bei der Vorbeifahrt das Flutlicht des neuen Fußballstadions von Jerusalem – kein Unterschied zu unseren heimischen Arenen – aber es liegen Welten zwischen dem Bolzplatz aus Beit Jala und der Jerusalemer Arena. Busfahrer Irua ist glücklich, als er uns auch ohne die Hilfe von Yael im Hotel wieder abliefern kann.

Nach dem Abendessen wartet noch eine Zugabe auf uns. Yael entführt uns in einer zweistündigen Fahrt zu beeindruckenden Gerüchen, Ansichten und Ausblicken auf ein Jerusalem bei Nacht.

4. Tag:  Massada – Totes Meer – See Genezareth – Golan

Der Höhenunterschied zum Ziel unserer Weiterfahrt beträgt 1.200 Meter. Direkt hinter den Stadttoren Jerusalems geht’s stetig bergab, die Judäische Wüste immer vor Augen. In der Ferne sehen wir die 25.000-Einwohnerstadt Jericho, die wahrscheinlich älteste Stadt der Welt mit einer Entstehungsgeschichte, die 8000 v.Chr. beginnt. Schließlich kommen wir auf dem Niveau des Toten Meeres an, bei minus 420 Metern. Es wird heiß. 30 Grad dürften es sein – und das Ende Oktober. Wir passieren die Höhlen von Qumran, die Fundstellen der biblischen Schriftrollen. Wir streifen die Oase En Gedi mit dem südlichsten Kibbuz Israels und treffen auf Steinböcke, die es sich auf Bäumen bequem machen.

Die Festung Massada – unser südlichstes Ziel

Und dann türmt sich vor uns die mächtige Wüstenfestung Massada auf, dem letzten Bollwerk der jüdischen Rebellion im Kampf gegen Rom. Herodes der Große erbaute sie in unfassbarer Größe in den Jahren 37 bis 31 v. Chr. Regelrecht in den Berg. Es ist der südlichste Zipfel unserer Reiseroute.

Wir wechseln das Gefährt, steigen um in eine Seilbahn wie wir sie von der Größe her nur aus den Alpen kennen. Sie überwindet in wenigen Minuten 400 Meter Höhenunterschied; einige von uns hätten den Weg auch liebend gerne über einen Serpentinenweg zu Fuß gemacht. Hoch oben tut sich ein gigantisches Plateau auf mit ebenso aufregenden Ausgrabungen der Herodesbauten. Doch zunächst gehen wir in ein abgedunkeltes Museum, das uns auf das Massada um 70 n.Chr. einstellt. Wieder am Tageslicht genießen wir hoch über der Wüste den Blick über das Tote Meer und auf die noch sichtbaren Lager der Römer von der Belagerung am Fuße des Berges.

Yael wird nicht müde, uns bei sengender Sonne die spannende und gleichermaßen tragische Geschichte von zuletzt 967 Männern, Frauen und Kindern zu erzählen, die sich noch vor Beginn des Aufstandes in Jerusalem auf Massada festsetzten, solange bis die Römer nach monatelanger Belagerung den letzten Widerstand brachen. Sie fanden nur Tote eines kollektiven Selbstmordes vor, verbranntes Hab + Gut, aber auch gefüllte Speicher mit Lebensmitteln und Wasser, um den Römern zu demonstrieren, dass nicht Hunger und Durst dieses Ende erzwungen haben. Aus dieser Dramatik um Massada beziehen der Stadt Israel und deren Armee bis heute einen guten Teil ihres Selbstverständnisses. Bei den dortigen Rekrutenvereidigung heißt es: „Nie wieder darf Massada fallen!“

„Erfrischung“ im Toten Meer

Wir begeben uns mit der Seilbahn zurück auf die Talebene, stärken uns mit Speis und Trank und bekommen unsere „Erfrischung“ im Toten Meer mit erlebter Schwerelosigkeit und der Bestätigung, dass man in Rückenlage bequem die Zeitung lesen kann. Kein Wunder, der Salzgehalt liegt bei 33 Prozent.

Durch das Jordantal zurück

Wir fahren wieder gen Norden, zunächst am Toten Meer entlang, das langfristig mangels Wasserzufluss aus dem Jordan auszutrocknen droht. Wir durchfahren das Jordantal, rechts Jordanien, links Israel gelegen, der Jordan markiert die Grenze. Die Weite des Landes ist immer noch sehr karg, auffallend allerdings der sich hinziehende üppiggrüne Streifen Jordanischer Plantagen, ermöglicht durch israelisches Bewässerungs-Knowhow. Dennoch ist der Wasserlauf mehr als spärlich.

Yael gibt Aufklärung: Es wird zum größten Teil unterhalb des See Genezareth für die Trinkwasserversorgung und die Bewässerung Jordaniens und Israels gestaut. Je näher wir an den größten Süßwassersee Israels kommen, je grüner wird es.

Im Kibbuz-Gästehaus auf dem Golan

Wir passieren den Südzipfel des Genezareth, den wir am rechten Ufer umfahren. Bald entschwindet er unseren Augen, weil mit dem Untergang der Sonne die Dunkelheit hereinbricht. Noch liegen rund 50 Kilometer vor uns, aber kurz vor 19.30 Uhr erreichen wir unser Kibbuz-Gästehaus nördlich von Qiryat Schemona, diesmal am nördlichsten Punkt Israels auf den Golanhöhen. Ein langer Tag liegt hinter uns. Wir sind richtig platt, freuen uns auf das Essen und genießen zu später Stunde bei einem guten Glas Wein unsere Talkrunde im Kibbuzgarten.

5. Tag:  Banias – Dan-Jordanquelle – Golanhöhen

Ein Wasserfall am Jordan

Wir sind wieder früh auf den Beinen. Wie in all den Tagen blauer Himmel, herrliches Wetter und wir sehen von unserem Kibbuz aus wie eine Wand die hohen Berge des Golan. Zunächst führt uns Yael in eine üppig grüne Buschgegend, in der uns neugierige Vierbeiner begegnen, die Erdmännchen gleichen. Deutlich hörbares Rauschen kündigt uns den von Yael versprochenen Wasserfall an. Wir bewegen uns unter einem dichten Blätterdach. Auf dem stolperigen Pfad finden wir Eicheln doppelt so groß wie wir sie aus der Heimat kennen. Eichenbäume gibt’s hier also auch – toll. Und dann bestaunen wir das herabstürzende Wasser des Jordan, eine Ansicht wie gemalt. Und eine Bestätigung der immer wieder von Yael heraufbeschworenen Weisheit „Wo Wasser ist, ist Leben“.

Banias

Wir bleiben beim Wasser und begeben uns nach Banias, dem biblischen Caesarea Philippi. Die Ausgrabungen präsentieren sich vor einer riesigen Steilwand aus Fels. Und hier entspringt auch eine der drei Jordanquellen, die Dan-Jordanquelle. Glasklares Wasser, das durch Teiche weitergeführt wird. Wir bestaunen die kleinen Fische, die sich hier offensichtlich pudelwohl fühlen. Fauna und Flora sind richtig üppig mit großen Feigen- und Granatäpfelbäumen. Ein Fleckchen zum Verweilen, aber nur kurz, denn die Berge rufen, die Höhen des Golan.

Hoch im Golan und wir geraten in eine rege Diskussion

Die Rundumblicke in die Höhe wie in die Täler sind phantastisch. Weniger ansehnlich sind alte syrische Stellungen, von denen Israel bis zur Besetzung im Jahre 1967 beschossen wurde. An einem angelegten Panoramaausblick machen wir Halt. Wir schauen weit nach Syrien hinein, können kilometerweit den befestigten Grenzverlauf verfolgen und wir vernehmen das dumpfe Grollen ferner Kanonenschläge. Unser friedlicher Blick trügt, denn jenseits der Grenze tobt ein für uns unsichtbarer Bürgerkrieg.

Und schon entwickelt sich eine rege Diskussion zum Golan, der seit dem Sechstagekrieg im Jahre 1967 israelisches Gebiet ist; zur Mauer, die Übergriffe palästinensischer Selbstmordattentäter verhindern soll; zum jüngst entdeckten Tunnel aus dem Gazastreifen heraus Richtung Israel und zu den israelischen Siedlungsaktivitäten.

Yael hört sich das alles an. Sie ist keinesfalls glücklich über die Situation; alle die Menschen, die hier wohnen sehnen sich den Frieden herbei, aber die zerstrittenen Religionen und die große Politik finden keine Lösung. Sie erstaunt es, wie die gesamte arabische Welt ihnen das winzige Fleckchen Erde immer noch streitig macht, obwohl die riesigen Flächen um Israel herum um das Tausendfache größer sind und Raum zum Leben bieten. Und immer noch gibt es Staats(ver)führer, die proklamieren, die Juden ins Meer treiben zu wollen. Israel ist die einzige Demokratie im nahen Osten, umgeben von Ländern, Herrschern und Clanchefs, die ihre eigenen Leute knechten und terrorisieren und die sich gegenseitig bekriegen.

Die Menschen in Israel wünschen sich den Frieden, allerdings nur unter der Bedingung einer unumstößlich garantierten Sicherheit. Diese kann ihnen gegenwärtig niemand bieten und deshalb gehören die Schutzmaßnahmen wie Mauer, gesicherte Grenzen, präsentes Militär, auch auf dem Golan, als zur Lebens- und Überlebensstrategie.

Drusendörfer, Würstchen mit Sauerkraut und Bier

Bei unserer Weiterfahrt sehen wir drei von Drusen bewohnte Dörfer. Sie sind das beste Beispiel für eine gelebte Integration und friedliche Koexistenz, die ihnen ihre ureigene Religion gebietet. Und so teilen sie mit dem jüdischen Volk ein friedliches Miteinander mit allen Rechten und Pflichten. Wir kommen nach Qazrin, einer kleinen Stadt im Golan, ein richtig einladendes Städten mit gut ausgebauten Straßen, grünen Gärten und schmucken Häusern. In der hier gelegenen Olivenölproduktion nutzen wie die Gelegenheit, vom begehrten „Saft“ zu probieren und zu kaufen, und wir lernen Ysop als Gewürz kennen.

Später besuchen wir eine Brauerei, die eigenes israelischen Bier aus Jordanwasser braut. Wir besuchen sie nicht nur, wir machen auch Brotzeit – und wie. 35 Leute auf einen Schlag a la carte zu bewirten, ist nicht leicht. Aber Dank Yael lässt sich in wenigen Minuten ein Einheitsmenu vereinbaren: Gebratene Kartoffelchips, Bratwürstchen aus Rinderfleisch und echt gutes Sauerkraut mit kühlem Bier aus Israel und das im Golan – wow, da zischt das Bier die Kehle runter.

Kapernaum, Berg der Seligpreisungen

Doch irgendwann ist auch das letzte Bier ausgetrunken. Weiter geht’s, kräftig bergab. Das „Meer von Galiläa“, der See Genezarath, 220 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, kommt in unser Blickfeld. Wir machen Halt in Kapernaum, nach der Bibel vor 2000 Jahren der Wohnstätte Petrus, mit der beeindruckenden Synagoge aus dem 5. Jahrhundert, und gelangen zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise, dem Berg der Seligpreisungen, zu seinen Füßen der See Genezareth.

Einmal mehr zeigt sich die Bibelfestigkeit von Yael gerne auch im Austausch mit unserem evangelischen Pfarrer Achim Dehmel, der an diesem heiligen Ort die Gelegenheit nutzt, gemeinsam mit der gesamten Gruppe im Gebet innezuhalten und die einst von Jesus verkündigten acht Seligpreisungen Revue passieren lässt. Diese innere Ruhe tut uns gut.

Die besten Datteln der Welt und ein Taufbecken am Jordan

Wir fahren noch eine Strecke am Ufer des Sees entlang bis Tiberias mit seinen Thermalbädern und dem alten Zentrum jüdischer Schriftgelehrter. Aber ganz speziell interessieren uns die „besten Datteln“ der Welt. Dazu besuchen wir einen Familienbetrieb, und wir finden, kosten und kaufen sie. Wirklich, ich habe nie bessere gegessen.

Aus der Bibel ist überliefert, dass Jesus von Johannes im Wasser des Jordan getauft wurde. Am Jordan sind heute mehrere Taufstellen eingerichtet, ohne den Anspruch auf das Original zu erheben. Angelockt von einem Pulk Menschen ist es einigen von uns ein Bedürfnis, an einem dieser natürlichen Taufbecken zu verweilen, um den Kontakt zum Jordanwasser zu erleben. Und unser Pfarrer nimmt Jordanwasser mit für die Taufen im Heilsbrunnen.

Wie fast an jedem Tag, so holt uns auch auf unserer heutigen Route die Dunkelheit ein, und noch sind wir eine Stunde auf Achse, bis wir wieder hoch im Golan unser Kibbuz-Gästehaus erreichen.

6. Tag:  Rosh Haniqra – Naharia – Akko – Nazareth – Netanya

In den dunklen Gängen der blauen Grotte

Wir nehmen Abschied von unserem Kibbuz und den Golanhöhen und befahren die im Hochland von Galiläa gelegene kurvenreiche und bewaldete Straßenverbindung zum Mittelmeer. Die Route verläuft nahezu parallel zur Libanongrenze, die zum Greifen nahe ist. Vor uns öffnet sich der Blick auf das Mittelmeer. Wir erreichen Rosh Haniqra, die nördlichsteEcke am Mittelmeer. Wir steigen um in die Seilbahn, die uns direkt ans Wasser befördert. Anstelle eines Sandstrandes erwarten uns aber die höhlenartigen Gänge der „blauen Grotte“, entstanden durch das immer wieder einschlagende Wasser des Mittelmeeres. Der weiß anmutende Fels erinnert an die Steilküste Dovers.

Auf den Spuren der Kreuzritter in Akko

Nach dieser kurzen Stippvisite geht’s auf der Küstenstraße entlang durch Naharia, der ehemals von jüdischen Einwanderern aus Deutschland gegründeten Stadt am Mittelmeer. Wenig später erreichen wir unseren zweiten Etappenpunkt,  die alte Kreuzfahrerstadt Akko. Massive Ausgrabungen geben einen Eindruck von den Aktivitäten der Kreuzfahrerorden. Auf unterirdischen historischen Pfaden führt uns der Weg zum alten Kreuzritterhafen. Inmitten eines Shuk finden wir unser Quartier zur Mittagsmahlzeit. Ohne Yael wären wir in dem arabischen Freiluftimbiss allerdings niemals eingekehrt. So kann man sich täuschen: Herzhaft Kulinarisches aus der Region mit frisch gepresstem Granatäpfelsaft, einfach köstlich.

Nazareth, dort ist Jesu aufgewachsen

Wir verlassen das Mittelmeer und orientieren uns wieder ins Landesinnere. Wir haben die Stadt im Visier, in der Jesus seine Kindheit und den größten Teil seines Lebens verbracht hat: Nazareth. Die heutige 72.000-Einwohnerstadt und größte arabische Gemeinde Israels liegt in den Bergen Galiäas, 40 km südöstlich von Haifa. Es ist der Ort, in dem nach den Ausführungen der Bibel Maria vom Erzengel Gabriel die Geburt Jesu verkündet wurde. In der offenen Galerie eines großzügigen Innenhofs der Verkündigungskirche ist eine Vielzahl von imposanten Mosaikkunstwerken mit Bildnissen der Maria gewidmet, hergestellt von internationalen Künstlern. Hierunter auch der Beitrag eines deutschen Künstlers, der allerdings bei uns wenig Begeisterung auslöst. Die heutige Verkündigungskirche ist der größte neuzeitliche Kirchenbau in Israel. In einer eigenen Unterkirche ist die Verkündigungsgrotte dargestellt.

Durchatmen am Strand von Netanya

Wir verlassen den Ort, schlendern bergab zu unserem Bus und steuern wieder das Mittelmeer an. Kurz vor Netanya türmen sich direkt am Meer drei riesige Schornsteine zum Himmel empor. Hinter ihnen verbergen sich ein Stromkraftwerk und eine Meerwasserentsalzungsanlage als ein Standbein zur Sicherung der Trinkwasserversorgung Israels. Wir fahren in die Mittelmeerstadt Netanya ein mit unserer dritten Hotelunterkunft, die sich direkt an der 50 Meter abfallenden Meeressteilküste mit einem traumhaften Badestrand befindet. Alle Zimmer haben Meeresblick. Wir genießen ihn in vollen Zügen und dürfen die gerade ins Wasser abtauchende Sonne bewundern.

7. Tag: Besuch in der Partnerstadt Ganey Tikva

Mit Achim Dehmel habe ich mich zum Joggen am Strand verabredet. Noch ist alles sehr ruhig, die Sonne noch nicht hervorgekrochen und wir beide traben parallel zum auslaufenden Wasser. Das Meeresrauschen ist wohltuend und der steigende Puls bringt Seele und Körper in Einklang. Als wir so richtig durchgeschwitzt sind, gönnen wir uns ein Bad im Meer – ein wunderschöner Einstieg in den Tag.

Dieser Tag vor dem Shabbat gehört Ganey Tikva. Yael hat jetzt zwei freie Tage. Der Besuch in Ganey Tikva läuft auf eigenes Ticket. Noch am Tage zuvor ist ungewiss, ob und wann wir in unserer israelischen Partnerstadt erwartet werden. Zwar ist seit Monaten bekannt, dass wir kommen. Aber uns fehlt immer noch das verbindliche Signal. Susanne und Achim suchen mit heißen Drähten die Verbindung, mit Handy und über Facebook. Endlich, am anderen Ende Leitung meldet sich Ruthy Vortrefflich (aus der Stadtverwaltung). Die gerade vollzogenen Kommunalwahlen in Ganey Tikva haben doch für eine Menge Stress gesorgt, aber nach einigen Telefonaten steht fest: Wir werden um 10 Uhr am Sportzentrum erwartet.

Diesmal geht unsere Uhr wieder richtig, und Bürgermeister Avishei Levin ist zur Stelle zu seiner letzten Amtshandlung, wie er zugeben muss. Er hat das Pensionsalter erreicht und ist nicht mehr zur Wahl angetreten. Seine Nachfolgerin ist bereits gewählt. Israels Kommunalwahlen am 22. Oktober bescheren Lizzie, der bisherigen Stellvertreterin Avishei Levins und unter diesem Namen auch in Bergisch Gladbach bekannt, den Wahlsieg. Lizzie ist die zweite Bürgermeisterin in Israel (neben der Bürgermeisterin von Netanya) und die einzige neu gewählte, so dass sogar das israelische Fernsehen darüber berichtet. 43,1 Prozent der Stimmen hat sie bekommen, allerdings keine Mehrheit im Stadtrat (6 von 13 Stimmen).

Avishei Levin, seine Frau Rachel, die deutschsprechende Ruthy Vortrefflich und Pressechefin Dalia stehen Spalier. Die Begrüßung ist herzlich. Seine letzte Amtshandlung führt die 35 aus Bergisch Gladbach nach einem Imbiss durchs moderne Sportzentrum. Die Stadt hat es gegen viele Widerstände gebaut. Genutzt wird es auf vielfältige Art von den Bürgerinnen und Bürgern auf eigene Rechnung. Sportvereine in unserem Sinne kennt man hier nicht. Aber das Sportzentrum ist kein Minusgeschäft. Es trägt sich selbst.

Im stadteigenen Theater lassen wir uns nieder. Avishei erzählt seine persönliche Geschichte, die auch die Geschichte Israels ist. Vor dem Hintergrund seines im Kriege schwerstverwundeten Sohnes Jonathan sehnt auch er sich nach Frieden und erklärt auch sein unverkrampftes Verhältnis zu Palästina. Wir machen dann eine kleine Rundfahrt durch die Stadt, einer Stadt, die die größten Bauaktivitäten in ganz Israel verzeichnet und das wegen des Flächenmangels in die Höhe. Für Ganey Tikva wird eine Verdoppelung seiner Einwohner auf insgesamt 40.000 prognostiziert.

Wir flanieren über den Hatikva-Boulevard – einer Galerie mit gemeißelten Texttafeln der Nationalhymne Israels in verschiedenen Fremdsprachen – und einen auffallenden Grüngürtel. Avishei zeigt uns hier sein Water-Recycling-Projekt. Wir erkennen eine langgestreckte Grün- und Wasserfläche, aufgeteilt in etliche unterschiedliche Becken. Hier wird das Dusch- und Spülwasser aus einem benachbarten Hochhauskomplex geklärt. Keinerlei Gerüche, dafür sauberes Wasser, bestätigt von den umher schwimmenden Fischen.

Am Nachmittag endet der Besuch in unserer Partnerstadt Ganey Tikva abrupt und leider etwas früh. Ich bin zuversichtlich, dass uns zukünftige Begegnungen auch mit Menschen und Bewohnern der Stadt zusammenbringen.

8. Tag: Am Shabbat ruhen selbst die Knöpfe im Aufzug

Der Shabbat ist für Israel unantastbar, was selbst für einen unserer Hotelaufzüge gilt. Er ist auf Automatik eingestellt, hält auf jeder Etage zwei Minuten, um nicht in die Verlegenheit zu geraten, ihn per Knopfdruck bedienen zu müssen. Gleiches gilt für die Kaffeemaschinen im Frühstückssalon, die abgedeckt sind, um ja nicht die Knöpfe bedienen zu müssen. Wir nutzen die Gelegenheit, uns am Strand von Netanya einmal richtig auszustrecken. Wir bummeln durch die Stadt, in der nur die arabisch geführten Geschäfte und Cafes geöffnet haben. Wir lassen die vielen Eindrücke der vergangen Tage einfach sacken.

Am Abend in der Dunkelheit lädt Achim Dehmel an einem ruhigen Fleckchen der Strandpromenade zu einer letzten Andacht ein. Es ist bereits recht kühl. Unsere Gebete und Wortbeiträge werden vom Rauschen des Meeres begleitet.

9. Tag: Karmelgebirge – Haifa – Caesarea – Jaffa – und der Abschied

Bei einer Drusenfamilie

Wir sind prächtig ausgeschlafen, denn die seit wenigen Stunden geltende Winterzeit beschert uns zusätzliche 60 Minuten Nachtruhe. Der letzte Tag bietet wieder ein volles Programm. Die Freude ist groß, wieder Yael an Bord zu wissen. Bei unserer Fahrt ins Karmelgebirge wird es zunächst ganz familiär. Auf Vermittlung von David Lessner, dem Chef unseres israelischen Reiseunternehmens, gelangen wir in das Drusendorf Daliyat el Karmel. Hier herrscht lautes Getute, Autokorsos bewegen sich durch die Stadt und jeder denkt, es gehe um eine Hochzeit.

Weit gefehlt, es sind wahre Freudenfeste als Nachwirkungen der gerade vollzogenen Bürgermeisterwahl. Eine einheimische Familie empfängt uns in Haus und Garten, verwöhnt uns mit kleinen Speisen und Getränken und einer außergewöhnlichen Gastfreundschaft. Im Dreiklang zwischen der Frau des Hauses, David Lessner und Yael erfahren wir aus dem Alltagsleben der Drusenfamilie.

Das Karmelgebirge und Haifa

Wir fahren weiter auf dem Bergrücken des Karmel und bestaunen die steile, aber beeindruckende Abfahrt hinunter nach Haifa, gelegen an einer großen Mittelmeerbucht. Die ganze Stadt leuchtet in hellem Weiß. Der Panoramablick auf Israels größte Hafenstadt mit ihren prachtvoll angelegten Bahai-Gärten ist unvergesslich.

Caesarea, Jaffa und das „letzte Abendmahl“

Wir bewegen uns wieder auf Meeresniveau. Es ist bereits später Nachmittag aber die Zeit reicht, noch Caesarea Maritima näher unter die Lupe zu nehmen. Yael führt uns durch die alte Kreuzfahrerstadt, von einer neu angelegten Bühne erleben wir das römische Theater. Wir inspizieren den Palast des Herodes, das Hippodrom und bestaunen den Aquädukt, der direkt am Wasser des Mittelmeeres verläuft. Wieder bricht recht flott die Dunkelheit über uns herein, und wir starten nach Jaffa, dem Schlusspunkt unserer Reise. In einem arabischen Restaurant wartet auf uns das gemeinsame „letzte Abendmahl“, wie Yael es gerne augenzwinkernd betont, mit einer Vielfalt herrlicher Speisen.

Der Abschied

So wie wir gestartet sind, endet auch unsere erste Bürgerreise durch Israel, mit Yael und Irua am Flughafen. Wir winken unserem treuen Busfahrer noch zu. Yael aber begleitet die Gruppe bis zur letzten Kontrollschleuse. Der Abschied ist herzlich. Wir haben eine großartige Freundin gewonnen. In Erinnerung bleibt ihr immer wieder zweisilbig ausgesprochenes „je-hetzt“ = „jetzt“. Dann trennen sich auch unsere Wege mit ihrem letzten Gruß „Bis nächstes Jahr in Jerusalem“.

Rückblick

Israel, Ganey Tikva, Beit Jala – es war eine aufregende erste Bürgerreise, mit unendlich vielen Eindrücken, historischen wie aktuellen, die jeder und jede von uns noch verarbeiten muss. Es war auch eine Reise, die in der Gedenkstätte Yad Vashem unsere besondere Beziehung zu Israel herausstellte, die die Spuren Jesu nachzeichnete, die Gelegenheit bot, in Kurzandachten inne zu halten: am Berg der Seligpreisungen, in der Kappelle von Beit Jala und am Strand von Netanya.

Und uns ist der unschätzbare Wert des Wassers bewusst geworden: „Wo Wasser ist, ist Leben“.

Peter Schlösser

Ich bin verheiratet, Vater zweier Söhne und wohne seit mehr als 65 Jahren in Bergisch Gladbach, davon bis 1966 in Bensberg. Der Grund dieser Sesshaftigkeit: Ich habe mehr als 40 Jahre für die Stadt Bergisch Gladbach gearbeitet, davon mehr als 30 Jahre als Pressesprecher und Verantwortlicher für die...

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