Lutz Urbach auf dem Rathaus-Balkon. Foto: Martin Rölen

Lutz Urbach, bis Herbst 2015 gewählter Bürgermeister Bergisch Gladbachs, hat entschieden, sich bereits am 25. Mai 2014 der Wiederwahl zu stellen. Entspannt und ohne merkbaren Zeitdruck begründet er im Interview mit dem Bürgerportal seine Entscheidung.

Bürgerportal: Herr Urbach, sind sie ab jetzt im Wahlkampf?
Lutz Urbach: Auf keinen Fall! Ich musste mich bis zum 30.11. entscheiden – und für heute vormittag hatte ich zufälligerweise einen Termin beim Landrat, da habe ich es gemacht. Aber bis zur Wahl ist es ja noch eine Weile hin.

Welche Argumente gaben den Ausschlag, nun doch vorzeitig anzutreten?
Zum einen geht es mir wirklich um die Wahlbeteiligung. Die ist einfach höher, wenn wir parallel zum Stadtrat wählen – und das gibt dem Bürgermeister ein stärkeres Mandat. Und auf diese Weise können wir auch noch Geld sparen.

Aber gibt es nicht aus taktische Gründe? Man zieht Wahlen ja nur dann vor, wenn die Aussichten auf Gewinne günstig sind, …
Die sichere Variante muss nicht immer die bessere Entscheidung sein.

Das hört sich sehr staatsmännisch an, …
Es ist aber so. Ok, wenn ich jetzt antrete, will ich natürlich gewählt werden. Aber ganz ehrlich – mein Leben wäre ohne das Amt des Bürgermeisters auch nicht schlechter.

Zuvor hatten Sie gesagt, die volle Amtszeit nutzen zu wollen, um wichtige Projekt zu Ende zu bringen. Wie sieht es damit aus?
In der Tat, damit sind wir sehr weit gekommen. Zum Beispiel bei den Finanzen: Ich habe eine Stadt im Nothaushalt übernommen. Mit zwei Haushaltssicherungskonzepten sind wir da raus gekommen. Das war ganz schön knackig – mit Protesten hier vor dem Rathaus und allem Zipp und Zapp. Aber wir haben es geschafft.

Sind die Sparerfolge nachhaltig? Ständig tauchen neue Ausgabenposten auf, die das Ziel gefährden, bis 2021 aus den roten Zahlen zu kommen, …
Ich war selbst acht Jahre lang Kämmerer, ich weiß, wie man da nachsteuern muss. Es gibt genügend Spielräume, um die Unwägbarkeiten aufzufangen und auch die Schulsanierung sicher zu finanzieren. Ein paar positive Effekte haben wir bei der Planung noch gar nicht eingepreist, …

… zum Beispiel das nächste große Projekt, die Neuordnung der Energieversorgung. Wie weit sind Sie damit?
Der Stadtrat wird nächste Woche die Entscheidung fällen, mit wem wir die Energieversorgung in Zukunft machen werden, da sind wir auf einem sehr guten Weg. Auch diese Einnahmen sind in der Haushaltsplanung noch nicht eingerechnet.

Was steht noch auf der Habenliste ihrer bisherigen Amtszeit?
Zum Beispiel die vielen Bauprojekte in Bensberg – vom Kino bis zur Marktgalerie. Und auch die Regionale mit der neuen Fußgängerzone sind ein großer Erfolg.

Gab es Misserfolge oder Niederlagen?
An einer Stelle bin ich froh, dass die Entwicklung anders gekommen ist, als geplant, beim Standort des NCG. Die Diskussion musste geführt werden. Aber es ist sehr gut, wie das jetzt ausgegangen ist: wir haben eine zweite Gesamtschule bekommen – und die Sanierung des NCG und der Otto-Hahn-Schulen gesichert.

Also keine wirklichen Niederlagen?
(Denkt nach.) Nein, keine.

Jetzt sind Sie gefragt:
Wie beurteilen Sie Urbachs Entscheidung? Sind Sie mit seiner Arbeit zufrieden?
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2009 haben Sie 50,5 Prozent bekommen. Was ist Ihr Ziel für 2014?
Ich hatte am Tag der Kommunalwahl 2009 kein Gefühl, wie die Wahl ausgeht – und auch jetzt nicht. Das ist mir aber auch egal, der Wähler soll das entscheiden.

2009 hatten Sie die Unterstützung der FDP, die jetzt aber auf Distanz geht. Kann es eng werden?
Inzwischen hat sich das Wahlrecht geändert, jetzt kann es wieder eine Stichwahl geben …

… und damit am Ende auf jeden Fall ein klares Mandat. Aber wie sieht es im Stadtrat aus, wo Sie Mehrheiten benötigen. Macht Ihnen die wachsende Zahl von kleinen Parteien Sorgen?
Nein, wir hatten auch in den vergangenen Jahren keine Schwierigkeiten, Mehrheiten zusammen zu bekommen. Viele wichtige Entscheidungen haben wir mit den Stimmen von Schwarz, Gelb und Grün getroffen. Hier in der Kommune geht es ja meistens um Sachthemen, anders als im Land- oder Bundestag spielt Ideologie weniger eine Rolle.

Mit welchen Themen wollen Sie in den Wahlkampf gehen?
Da gibt es schon ein paar Dinge, die mir wichtig sind. Auf jeden Fall muss die Schulsanierung durchgeführt werden – und dafür ist es wichtig dass der Stadthaushalt stabil bleibt. Außerdem müssen wir uns um die Nahversorgungszentren in Stadtteilen wie Herkenrath kümmern. Und um die Folgen der Überalterung – der Bevölkerung, aber auch der Verwaltung selbst.

Wie wichtig ist Ihnen der Plan, ein neues Stadthaus am S-Bahnhof zu bauen?
Da entscheidet am Ende einfach die Frage, ob es sich betriebswirtschaftlich rechnet. Wenn das nicht der Fall ist, dann werden wir halt mit den alten Immobilien weiter leben müssen.

Wo sehen Sie Ihre politische Zukunft, können Sie sich vorstellen, auch mal für den Landtag oder den Bundestag zu kandidieren?
Ich habe mich gerade entschieden, für weitere sechs Jahre als Bürgermeister anzutreten, das reicht mir erst einmal. Oder können Sie sagen, was Sie 2020 machen? Ich fühle mich hier in der kommunalen Welt zu Hause. Und hier ist es auch viel spannender.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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