Der Kölner Stadt-Anzeiger hat mit der betroffenen Frau gesprochen und beschreibt ihren Fall ausführlich (Ausgabe vom 25.11.2013). Demnach ist sie mit ihrem Hund bei einem Bekannten vorübergehend untergekommen, eine Wohnung hat sie bislang nicht gefunden. Eine zwischenzeitliche Rückfrage des Bürgerportals bei der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach hatte ergeben, dass diese keinen Spielraum sieht: eine Ausnahmeregelung, dass die Frau mit Hund in einer städtischen Unterkunft aufgenommen wird, sei nicht möglich.
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Der ursprüngliche Beitrag vom 19.10.2013 unter der Überschrift „Obdachlos in Bergisch Gladbach“:

Sicher findet ihr auch, dass ich malerisch aussehe, wie ich hier mitten in den bunten Herbstblättern liege. Da kommt doch mein gepflegtes glänzendes Fell so richtig zur Geltung, oder?

Man könnte mich süß finden und sich zufrieden im Sessel zurücklehnen. Doch gleichzeitig weiß man: Der Winter steht vor der Tür, wahrscheinlich mit Kälte, Nässe und Eis und Schnee, und damit das große Problem unserer Obdachlosigkeit. Der einzigen Obdachlosen in Bergisch Gladbach!

Viele von euch kennen sicher unser Schicksal, mein eigenes und das meines Frauchens. Wir wurden ja Opfer des Brandes in Bensberg, im April dieses Jahres. Nicht nur wir natürlich. Über dreißig andere Personen.

Doch mein Frauchen und ich sind die Einzigen, die bisher keine Unterkunft gefunden haben, obwohl Frauchen sich vielfach  darum bemüht hat. Und der einzige Grund besteht darin, dass wir uns nicht trennen wollen. Aber welche Mutter trennt sich schon von ihrem Kind, nur um eine Unterkunft zu bekommen! Sicher hätten wir lieber eine richtige Wohnung oder wenigstens ein Zimmer, doch wären wir zunächst auch mit einer Notunterkunft zufrieden.

Die Stadt Bergisch Gladbach muss man ja loben wegen ihrer vielen Notunterkünfte. So brauchte hier eigentlich niemand obdachlos zu sein. Doch da sind die leidigen –allzu bürokratischen- Vorschriften. Deshalb werden wir nicht in einer Notunterkunft untergebracht, weil die Vorschriften besagen, dass dort keine Haustiere zugelassen werden. Doch Vorschriften kann man ändern. Allen voran der Rat der Stadt.

Ich frage mich, wie die Verantwortlichen sich am Weihnachstfest fühlen werden, wenn man an die traurige Herbergssuche von Maria und Josef denkt. Müssten da nicht alle, die es können, dazu neigen, ein Auge zuzudrücken, über den eigenen Schatten zu springen, aus menschlichen, um nicht zu sagen, aus hündischen Gründen?

Aber ich muss mich ein wenig mehr vorstellen. Mein Name ist Mila. Den hat mein Frauchen sich ausgedacht, ohne sich etwas Besonderes dabei zu denken. Aber ist der Name nicht schön? Er klingt doch sanft und weist damit auf meinen Charakter hin, was alle, die mich kennen, bestätigen würden.

Ich gebe zu, dass ich keine Rassehündin bin, obwohl mich manche für einen Border-Collie halten. Sie denken dann an den berühmten Rico aus der Sendung „Wetten, dass?“ Man begeisterte sich damals für seine Intelligenz, die sich darin zeigte, dass er 77 Wörter den jeweiligen Spielzeugen zuordnen konnte. Die holte er dann auf Kommando aus einem anderen Raum. Ist das nicht toll?

Wie gesagt, ich bin kein Rassehund, und ich kann Rico natürlich nicht das Wasser reichen. Dafür habe ich eine andere, nicht selbstverständliche Fähigkeit: Ich verstehe die Traurigkeit meines Frauchens über ihre Lebensumstände sehr gut. Die Menschen nennen das neuerdings „emotionale Intelligenz“. Manchen würde man mehr davon wünschen, mit Verlaub gesagt.

Ich bin aber auch ein wenig stolz auf meine Geschicklichkeit. So einige Kunststückchen bringe ich schon zustande, zum Beispiel einen Salto in zwei Meter Höhe. Ist das nicht so etwas wie „praktische Intelligenz“? Den gewohnten Boden verlassen können und sich auch einmal um 180° drehen, wenn es nötig ist. Auch diese Art von Intelligenz würde man vielen Menschen wünschen. Dann würden sie vielleicht einsehen, dass sie die Probleme der Zukunft verringern, wenn sie sich mehr für die Lösung der Probleme der Gegenwart einsetzten.

Doch ich will keinen beschimpfen. Ich möchte euch nur in Erinnerung rufen, wie das ist, was die menschlichen Wissenschaftler als „Prägung“ bezeichnen. Der erste Augenkontakt einer Mutter mit ihrem Baby, wie rührend und bedeutsam ist das im Leben der Menschen und auch vieler Tiere! Mein Frauchen bekam mich kurz nach meiner Geburt durch meine leibliche Mutter Mollie, und sofort habe ich mich in meine Pflegemutter verliebt. Diese Liebe wird  wohl mein ganzes Leben anhalten. Wie kann dann jemand verlangen, dass wir uns trennen?!

Heute bin ich 3½ Jahre alt und habe zu meinen 8 Geschwistern keinen Kontakt mehr. Das ist für mich aber nicht schlimm. Mein Frauchen ist meine Welt. Deshalb appelliere ich hier an alle Vermieter, an das Amt für Jugend und Soziales und an die Ratsherren und –damen der Stadt, setzt euch dafür ein, dass wir eine gemeinsame Wohnung bekommen oder wenigstens eine Notunterkunft! Alle tragt ihr dann dazu bei, den Ruf unserer Stadt zu verbessern. Viele sagten mir, das sei sehr nötig, da sogar schon im Fernsehen Unschönes über sie berichtet wurde.

Wo wir im Augenblick wohnen? Mal hier, mal da, bei Freunden und Bekannten. Aber ihr werdet verstehen, dass das kein Zustand ist. Erstens verletzt das sehr den Stolz meines Frauchens, zweitens sind die Leute, die uns im Augenblick helfen, in Gefahr, Schwierigkeiten mit ihren eigenen Vermietern zu bekommen, oder sogar mit dem Gesetz.

Wenn sich doch jemand finden sollte, der unser Problem lösen kann, ob aus den Reihen der Vermieter – denen übrigens gesagt sei, dass ihnen eine Miete von bis zu 420 € auf jeden Fall gesichert ist, mit allen Einzelheiten im Mietvertrag festgelegt – oder aus den Reihen von Politik und Verwaltung, dann hinterlassen wir hier die Telefonnummer, bei der sie sich melden können: 0171/1594388

Schon jetzt mit den besten Wünschen für ein frohes Weihnachstfest im Kreise der eigenen Lieben,

eure Mila, die die Hoffnung noch nicht ganz verloren hat.

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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13 Kommentare

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  1. Unglaublich wie da mit Menschen umgegangen wird . Unsere Gesellschaft leidet an einem seltsamen Virus mit drei Buchstaben . ” ICH ” . Hauptsache den eigenen A… warm gehalten . Ich wünsche der jungen Frau ganz viel Mut und Glück und hoffe daß sie bald eine Unterkunft für sich und ihren treuen Kamerad findet .
    Daß mir der Hund das liebste sei , sagst du Oh Mensch , sei Sünde . Der Hund ist mir im Sturme treu , der Mensch nicht mal im Winde .

  2. Gibt es denn in dieser Stadt wirklich niemanden, der dieser Frau und ihrem Hund ein Dach über den Kopf verschaffen kann? Warum meldet sich niemand von den Vertretern der Stadt und sucht nach Lösungen? Bietet wenigstens eine Notunterkunft an.

  3. Lieber Anonymous,
    die von Ihnen gewünschten Informationen sind sinnvollerweise erstmal anonymous. Für Menschen, die ernsthaft eine Hilfe erteilen wollen, steht aber am Ende des Artikels die Telefonnummer, bei der man alle gewünschten Auskünfte haben kann.

  4. @Anonymus: Man kann sich telefonisch mit o.g. Handynummer in Verbindung setzen.

    Das eigentliche Dilemma ist ja, dass sie ohne jegliche Schuld ihre Wohnung durch den Brand verloren hat. Nun liegen ihr Steine im Weg, weil es in unserem Sozialstaat scheinbar auf kommunaler Ebene keine Möglichkeit gibt einem Bürer Obdach zu gewähren, nur weil er einen Hund besitzt. Es kann nicht Sinn und Zweck sein, dass man sein Tier abgeben muss um ein Zuhause zu haben. Zudem wäre das wirtschaftlich auch sehr fragwürdig. Ich hoffe einfach, dass die beiden bald eine Wohnung finden, in der sie sich wohlfühlen und endlich mal ohne der Ungewissheit “wo schlafen wir heute?” leben zu können.

  5. Die Infos sind ein bisschen dünn. Untergebracht werden soll ja nicht alleine Mila, sondern auch das Frauchen und da wäre es schön auch über die etwas zu wissen und wer ggf. noch einzieht, welche Ansprüche an die Wohnung gestellt werden. Muss es Bergisch Gladbach sein? Schon mal an die örtlichen und umliegenden Tierschutzvereine gewandt? Was haben die gesagt?

  6. Ich kenne Mila und ihr Frauchen vom Gassigehen mit unserem Hund. Wenn jeder mal über den Rand der Oberflächkeit schaut, erkennt man, dass Mila und ihr Frauchen zwei herzensgute Seelen sind, die die Chance auf ein “normales” Zuhause allemal verdient haben. – Aber die Stadt ist ja dafür bekannt “Dienst nach Vorschrift” auszuüben…

  7. Diese Stadt beweist immer wiede das sie nicht wirklich eine soziale Verantwortung übernimmt. Wie kann man Mensch und Tier nur so hängen lassen. Hoffentlich findet sich jemand der ein Herz hat und eine Chance gibt.

  8. Tieren wird oft ein Wohnrecht verweigert.
    Aber was tun sie ? Bellen ? Es gibt Menschen die schreien.
    Schmutz den man abwaschen kann ? Einige Menschen werfen alles hin,ohne sich Gedanken um die Umwelt zu machen.
    Haare verlieren auch wir Menschen.
    Wenn man putzt den Hund sauber hält macht er weniger Schmutz als einige Menschen.Darum versteh ich so eine Einstellung nicht,wenn der Hund kein Dauerbeller ist. .

  9. Tieren wird oft ein Wohnrecht verweigert.
    Aber was tun sie ? Bellen ? Es gibt Menschen die schreien.
    Schmutz den man abwaschen kann ? Einige Menschen werfen alles hin,ohne sich Gedanken um die Umwelt zu machen.
    Haare verlieren auch wir Menschen.
    Wenn man putzt den Hund sauber hält macht er weniger Schmutz als einige Menschen.Darum versteh ich so eine Einstellung nicht,wenn der Hund kein Dauerbeller ist. .

  10. Ich habe es auch in Facebook geteilt und hoffe das ihr beiden ganz bald eine feste Bleibe findet !!!!!

  11. Bitte Helft Rrauchen und Hund noch vor dem Winter eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. Es kann doch nicht sein das diese Seite übersehen wird und es keine Menschen mit Herz gibt die sagen ja ich helfe Euch. Vielen Dank

  12. habe es in Facebook und WKW geteilt, weil ich selber ein Hund habe ! Hoffe das ein Vermieter sich meldet.