Marc Krüger. Juniorchef und Kaffee-Aficionado

Marc Krüger hat sich dem Kaffee verschrieben. Wo andere Manager ein Modell ihrer Yacht präsentieren, da stehen bei ihm acht Espressomaschinen. Und er nutzt sie: Am Ende unseres Gesprächs ist der Juniorchef der Krüger-Gruppe bei der vierten Tasse angelangt. Eine scharf gebrannte Sorte, viel frische Säure, erläutert er gerne. Das Label will er aber nicht nennen.

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Denn die Maschinen und der Kaffee stammen zwar alle aus dem eigenen Haus. Aber die Bergisch Gladbacher Nahrungsmittel-Gruppe liefert die Kaffeekapseln an Partner mit großen Namen. Und da reicht die Bandbreite von der teuren amerikanischen Branchenlegende Starbucks bis zum deutschen Discountgiganten Aldi. Alle Kapseln haben das gleiche Format, aber der Preis unterscheidet sich gewaltig. Und der Inhalt?

Willibert Krüger hatte die Firma 1972 mit Instant-Tee gegründet und mit Schokolade, Kakao und Instantkaffee groß gemacht. Schokolade läuft immer, aber wer rührt heute noch „Tee“ oder „Cappuccino“ aus gesüßtem Pulver an? Innovationen und Produkte werden dringend benötigt, die in das Zeitalter des iPhones und Latté Macchiato passen.

Dafür soll der 34-jährige Marc Krüger sorgen, die Existenz der Firma mit den hochwertigen Kaffeekapseln absichern und neue Märkte erobern. Zahlen lässt er sich nur sehr ungerne entlocken. Da ist die Firmenkultur bei Krüger ebenso geheimniskrämerisch wie beim Kunden Aldi. Aber vier spannende Neuigkeiten verrät der Geschäftsführer im Interview mit dem Bürgerportal dann doch.

In vier bis fünf Jahren, sagt der Juniorchef, soll der Bereich Kaffee-Kapseln genauso groß sein, wie die bislang drei wichtigsten Standbeine der Krüger-Gruppe (Schokolade, Halbfabrikate, Instantprodukte), die zusammen mit einer kleinen Sparte für Nahrungsergänzungsmitteln („Dr. Scheffler“) für den Umsatz von derzeit knapp zwei Milliarden Euro sorgen.

Daraus lässt sich schließen, dass mittelfristig ein Umsatzziel von rund einer halben Milliarde Euro angestrebt wird. 2012 machte Krüger mit Kaffeekapseln erst 100 Millionen Euro Umsatz, der Weltmarkt wird derzeit auf sechs Milliarden Euro geschätzt.

Zahlen und Fakten zur Krüger-Gruppe:
Umsatz in Mrd. Euro: 2011 1,6 – 2012: 1,8 – 2013: 1,92
Beschäftigte: 4800
Davon in Bergisch Gladbach: 1200
Eigenkapitalquote: über 30 Prozent
Gewinn: k.A.
Gewerbesteuerzahlungen: k.A.
Eigentümer: 50 Prozent Familie Krüger, 50 Prozent Pfeifer & Langen
Geschäftführer: Marc Krüger, Guido Colsman

Insgeheim experimentieren die Bergisch Gladbacher  mit den Kaffee-Kapseln schon seit 2008. Ein Prototyp fiel Marc Krüger in den Schoß, als er nach seinen Lehr- und Wanderjahren heimkehrte, 2010 stellte er ihn auf einer Messe in Chicago erstmals vor. Aldi Australien verkauft die Kapseln seit November 2011, Krügers Handelspartner in Finnland erreichen mit den Bergisch Gladbacher Plastikdingern einen Marktanteil von 50 Prozent.

+++ Zur Person: Marc (und Willibert) Krüger +++

Aber erst 2012 gelangt mit dem Starbucks-Deal der Durchbruch: für die amerikanische Kaffee-Ikone mit 17.000 Läden in aller Welt liefern zu können war für den Mittelständler aus Schäbbisch Gläbbisch ein gewaltiger Imagegewinn.

Auf dem Heimatmarkt jedoch war ein erster Versuch mit dem Discounter Penny an der harten Konkurrenz gescheitert. „Deutschland ist ein viel schwieriger Markt, da brauchten wir einen starken Partner”, sagt Marc Krüger.

Krüger-Kaffee im Aldi-Gewand. Foto: Screenshot

Der wurde jetzt mit dem Discounter Aldi gefunden, der Kapseln und Maschinen unter dem Markennahmen „Expressi“ in seinen 1800 Filialen vertreibt. Und zwar zum Kampfpreis von 19 Cent. Die edle Nespresso-Alukapsel kostet 40 Cent, die Starbucks-Kapsel aus dem Hause Krüger sogar 42 Cent.

Kurze Nachfrage: Wie ist das Geschäft mit Aldi denn inzwischen angelaufen, wieviele Maschinen wurden schon verkauft? Wieviel Kapseln nimmt Starbucks ab? Mal wieder: k.A.

Klar, das Familienunternehmen tritt auf einem heiß umkämpften Markt an – und den Respekt vor der Aufgabe merkt man dem Geschäftsführer durchaus an. „Das Naturprodukt Kaffee ist für uns eine neue Welt, ein ganz anderes Metier”, sagt Krüger. „Den Instantkaffee dosiert der Kunde selbst, die Kapsel ist normiert – da muss der Kaffee jeden Tag gleich perfekt schmecken.”

„2014 verkünden wir einen weiteren großen Partner“

Krüger ist klar, dass er in der Branche als Herausforderer auftritt. Allenfalls vier Kapselsysteme könnten weltweit überleben – und wenn die Bergisch Gladbacher dazu gehörten, wäre das ein Riesenerfolg. „Aber wir sind ja jung und naiv”, gibt sich Krüger unerschrocken.

Und 2014, da wagt er sich jetzt doch ein Stück weit aus der Deckung, werde Krüger einen weiteren „großen Partner“ verkünden. Nach Starbucks und Aldi wäre das noch einmal „etwas ganz neues, ganz anderes”. Das wäre schon Neuigkeit Nummer zwei.

Bis dahin kämpft Krüger um Qualität und Kapazitäten. Um das Produkt von der grünen Bohne bis hin zur fein aufeinander abgestimmten Kapsel und Espressomaschine genauso gut zu produzieren wie der Marktführer Nestlé („Nespresso“), hat Krüger unter dem Namen „K-fee“eine Fabrik in der Fabrik gegründet und ein Team von Spezialisten aufgebaut, vom Chefröster bis hin zur Cupperin – einer hochspezialisierten Verkosterin, die am Ende die Qualität kontrolliert.

Bis zu 350 Mitarbeiter allein in der Kaffeeproduktion

Gut 90 Personen arbeiten bereits in diesem hoch automatisierten Bereich, 135 sollen es im nächsten Jahr werden – und wenn die neue Rösterei 2015 voll läuft, können es 300 bis 350 Mitarbeiter sein, verrät Krüger. Zum Teil wandern Mitarbeiter anderer Unternehmensteile in die Kapselfertigung, aber auch das diene der Standortsicherung.

Die Fachleute für die neue Linie kommen aus ganz Deutschland nach, wurden zum Teil bei den Marktführern abgeworben. Ist das nicht schwierig, jemanden von Hamburg nach Bergisch Gladbach zu holen? Nein, berichtet Marc Krüger. Weil er den Leuten das Gefühl vermitteln könne, etwas ganz neues aufzubauen. Der Standort sei dann zweitrangig.

Viele der klassischen Maschinenführer für die hoch automatisierte Produktion finden sich dagegen vor der Haustür: „Wir haben Leute von Stollwerk übernommen, aber auch von Zanders”, sagt Krüger junior. Auch diese alten Hasen fühlten sich als Teil eines „dezidierten Teams“, ließen sich in ihrer Freizeit freiwillig zu Kaffeespezialisten ausbilden.

Im Industriegebiet Hüttenstraße wird das neue Kaffee-Werk gebaut

Starbucks liefert seinen Kaffee zwar fertig gebrannt zu. Doch die Kapseln für Aldi und eine Reihe von Abnehmern im Ausland werden mit selbst geröstetem Kaffee gefüllt. Bereits jetzt arbeitet K-Fee an der Kapazitätsgrenze, aber eine neue Rösterei mit einem 40 Meter hohen Schornstein ist im Bau. Investitionssummen, die zwischen 40 und 80 Millionen Euro gehandelt werden, will Krüger nicht bestätigen. Nur soviel: „Das ist die größte Einzelinvestitionen, die Krüger bislang getätigt hat.“

Fragen zur Kapazität lässt Marc Krüger natürlich unbeantwortet, die genauen Zahlen habe er „gerade vergessen“. Eine bewährte Strategie seines Vaters, der mit einer vorgetäuschten Schwerhörigkeit neugierige Journalisten regelmäßig auflaufen lässt.

Krüger wird auch Starbucks-Kaffee rösten – und neue Eigenmarke herausbringen

Doch dann präsentiert der Juniorchef die nächste Neuigkeit: Wenn die Rösterei fertig ist, dann werde auch der Starbucks-Kaffee in Bergisch Gladbach gebrannt. Und da er schon einmal dabei ist zeigt er stolz die fertigen Prospekte für eine weitere Produktline: Unter der Marke „Espresto“ wird K-Fee eigene Kaffeesorten mit Namen wie „Furioso“ oder „Passionato“ sowie die bereits bewährte Espressomaschine in drei neuen Varianten über das Internet vertreiben.

So schneidet die Krüger-Aldi-Kapsel im Test ab
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Was Sie über die Aldi-Krüger-Kapsel wissen müssen

Damit wird es langsam unübersichtlich, denn damit treten „Verismo” (Starbucks), „Expressi” (Aldi Süd) und „Espresto“ (Krüger) nicht nur gegen Nespresso an, sondern auch gegeneinander. Der gleiche Kaffee unter unterschiedlichen Namen und Preisen? Kanibalisieren sich die Produkte nicht gegenseitig?

Keineswegs, zeigt sich Marc Krüger überzeugt – und holt einen ganzen Schwung von Kartons aus dem Schrank. Allen gemeinsam ist das Betriebssystem, erkennbar am ovalen roten K-Fee-Logo das tatsächlich auch die teure Starbucks-Ware ziert.

Dazu passend liefert Krüger die Espressomaschinen (aus Schweizer Fertigung) und die nach dem Geschmack der Kunden gefüllten Kapseln. Wie der Partner das ganze System dann am Markt positioniert, ist seine Sache. Zum Beispiel sind die Expressi-Milchkapseln deutlich süßer als alle anderen – weil Aldi darauf besteht.

Laut Marc Krüger haben die Amerikaner keine Probleme damit, wenn Kunden die günstigen Aldi-Kapseln kaufen und dann auch noch in die Starbucks-Geräte stecken: „Die haben verstanden, dass der Kunde Auswahl schätzt.” Je weiter das K-fee-System verbreitet, desto größer sei auch für Starbucks die Chance, die eigenen Kapseln zu verkaufen – die dann durchaus auch in Aldi-Maschinen landen können.

„Eine Marke überzeugt doch über ihr Image – und damit kann Starbucks auch seine Preise durchsetzen”, sagt Krüger.

Die gleiche Frage, was Starbucks vom Aldi-Deal halte, hatte Willibert Krüger in einem anderen Interview nahezu zeitgleich ganz anders beantwortet: indem er sich taub stellte.

„Wir sind keine Finanzakrobaten“

In Bergisch Gladbach hat Krüger, obwohl größter Arbeitgeber, mit Vorbehalten zu kämpfen. Zum Beispiel mit Kritik, die Firma sei ein eher schwacher Gewerbesteuer-Zahler. Angaben darüber verweigern offizielle Stellen (Steuergeheimnis) ebenso wie Krüger. Das seien die einzigen Zahlen, sagt Marc Krüger, „die ich wirklich nicht kenne“.

Umso energischer weist er Vorwürfe zurück, Krüger nutze Steuersparmodelle, um Gewinne dort anfallen zu lassen, wo die Steuerbelastung geringer ist: „Wir sind doch keine Finanz-Akrobaten. Wir bezahlen die Gewerbesteuer genau da, wo sie entsteht.” Und das sei neben Bergisch Gladbach eben zum Beispiel auch Berlin, wo Krüger die weltgrößte Nussnougat-Produktion besitzt. Oder in Ostdeutschland, wo die Milchpulverfabriken stehen.

+++ Zur Sache: Die Krüger GmbH & Co KG +++

Gerade durch Zukäufe sei die Krüger-Gruppe in der Vergangenheit auch an anderen Standorten gewachsen. Dennoch sei die Entscheidung, K-fee und die zukunftsweisende Kapselproduktion in Bergisch Gladbach anzusiedeln, sehr bewusst getroffen worden.

Standortbekenntnis: „Ich bin ein Gläbbischer Jung“

Gut, die Autobahnanbindung sei in Bergisch Gladbach nicht toll, die öffentliche Förderung von Investitionen in Ostdeutschland immer noch bedeutend besser. „Aber am Ende des Tages sind wir ein Familienunternehmen – und wir wollen da wachsen, wo wir zuhause sind”, sagt Krüger.

Dafür stehe „Papa“ Krüger mit seinen vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten in Bergisch Gladbach, und dabei bleibe es auch, betont der Juniorchef. Bei solchen Aussagen verfällt er gerne in einen kölschen Tonfall, mehrfach bezeichnet er sich als „Gläbbischer Jung“, der als Schüler vom NCG mit dem Rad zum Jobben in die Fabrik gefahren sei.

Das alte Geschäft mit dem Instanttee stagniere bestenfalls, aber den Kaffeekapseln gehöre die Zukunft. Spätestens dann, wenn auch die Asiaten so richtig auf den Geschmack gekommen sind, schwärmt Krüger. Daher sei die neue Kaffeerösterei so wichtig, für das Unternehmen und für die Beschäftigten in Bergisch Gladbach.

Das Standortbekenntnis von Willibert Krüger, das er fast zeitgleich zu unserem Gespräch dem Kölner Stadt-Anzeiger diktierte (30.11.2013, offline), fällt ebenso glühend aus:

Es läuft gut. Deshalb bauen wir auch unseren Firmenstandort in Bergisch Gladbach gerade für einen erheblichen Investitionsbetrag aus. In Stendal hat man uns mit Fördermitteln gelockt, damit wir dorthin ziehen. Aber wir wollten hierbleiben. (…) Ich bin hier geboren. Ich bin mit der Stadt Bergisch Gladbach verwurzelt, und ich bin Gladbacher. Ich stehe auf dem Konrad-Adenauer-Platz und denke: was für eine schöne Stadt. Sie hat sicher auch schlechte Seiten. Natürlich. Der Verkehr ist furchtbar. Aber trotzdem würde ich niemals woanders hinziehen.“

Andererseits hatte sich der Unternehmer erst kürzlich an die Spitze einer „Industrie-Akzeptanz-Initiative“ gestellt, und sich darüber beklagt, dass die Industrie von vielen Bürgern als „Schädling, der Dreck macht“ missachtet werde.

Willibert Krüger (2.v.r.) mit Vertretern der regionalen Industrie

„Für Betriebsräte kein Bedarf“

Bereitwillig nimmt Marc Krüger auch zu einem weiteren Thema Stellung, nachdem er sich noch einen kleinen Schwarzen geholt hat. Ja, es gebe nach wie vor keine Betriebsräte, in keinem Unternehmen der Krüger-Gruppe. Und das sei auch gut so – denn in einem Familienunternehmen brauche man keine Zwischeninstanzen, man rede direkt miteinander.

Zum Beispiel an diesem Nachmittag bei einem „Brötchenessen“ mit der Belegschaft in der Kaffeerösterei, mit dem sich der Chef für den hohen Einsatz in der letzten Zeit bedanken will. Und auch das alljährliche Ritual, dass die Firmenleitung aus England ihr jährliches Countrymeeting in Bergisch Gladbach ausgerechnet am Tag der Weihnachtsfeier ansetzt, wertet Marc Krüger als Beleg des familiären Unternehmensklimas in der Senefelderstraße: „Die wollen doch auch ihren Spaß haben.“

Unternehmensporträts und Interview

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Hallo zusammen,

    wie sind denn die Erfahrung in Sachen Kundendienst bei K-fee. Seit einer Weile denke ich für mich privat über Veränderungen in Sachen Kaffee nach. Leider hörte ich in der Vergangenheit öfter über katastrophale Zustände beim Kundendienst. Das hat mich bisher davon abgehalten…

    Wer hat hier Erfahrungen gesammelt??

    Viele Grüße
    Michael Fischer