Das Special Team bei der Ehrung im Belkaw-Stadion

Einen Kunstrasenplatz kann sich unser kleiner feiner Verein DJK-SSV Ommerborn Sand e.V. nicht leisten, ein echter Rasenplatz sollte es aber schon sein. Das ist schließlich kein Luxus, wie unser langjähriges Vereinsmitglied MdB Wolfgang Bosbach meint.

Dafür hat der Verein mit seinen insgesamt 220 aktiven Fußballern und Fußballerinnen und dem alten maroden Ascheplatz ein starkes Argument: Zur Sportgemeinschaft gehört auch das Special Team Sand, in dem Menschen mit Behinderung Fußball spielen – und die aufgrund von rechtlichen Vorschriften keine Ligaspiele auf Ascheplätze durchführen dürfen. Das will das Specialteam aber. Und daher muss ein Naturrasenplatz her.

Die Satzung des Behindertensportverbandes schreibt vor, dass die 30 behinderten Sportler und Sportlerinnen des Spezialteams wegen der größeren Verletzungsgefahr auf dem Sand-Asche Platz keine Ligaspiele in der Behinderten Liga Rheinland durchführen dürfen; daher müssen sie immer auf fremde Plätze ausweichen.

Das Special Team auf dem Aschenplatz

Aber nicht nur das Spezialteam, auch die Damen-, Herren- und Jugendmannschaften würden sich gerne von der roten Asche verabschieden und genauso würden die Kinder der Grundschule in Sand eine rasengrüne Zukunft bevorzugen.

150.000 Euro für Platz, Zaun und Wasserversorgung

Allerdings ist so ein Platz nicht preiswert – und allein bei der Platzsanierung würde es nicht bleiben. Die Gesamtkosten für die Umgestaltung der Anlage, einer notwendigen Zaunanlage und einer teuren Wasserversorgung belaufen sich auf circa 150.000 Euro, wahrscheinlich durch Kostensteigerung etwas mehr. Ein Kunstrasenplatzes wäre allerdings doppelt zu teuer!

Zur Senkung der höheren Wasserkosten für einen neuen Rasenplatz wird beabsichtigt, in Abstimmung mit der Stadt durch eine Fachfirma einen Brunnen bauen zu lassen und dadurch die Wasserkosten von etwas über 20.000 Euro jährlich sehr deutlich und vor allem  nachhaltig zu reduzieren.

Ein Finanzkonzept aus eigener Kraft

Die Stadtverwaltung hat frühzeitig klar gemacht, dass sie angesichts der aktuellen Haushaltslage nichts zu den Kosten beitragen kann. Dennoch unterstützt Bürgermeister Lutz Urbach das Projekt:

Ich freue mich über das Engagement des Vereins. Mit dem Spezialteam gibt es beim DJK-SSV Ommerborn Sand e.V. eine Gruppe von Menschen, für die der Sport eine besonders große Bedeutung hat. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das Team sehe, über die unglaubliche Sportbegeisterung der Spielerinnen und Spieler. Alleine dafür lohnt sich schon die Mühe.“

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Vereins hat mit überwältigender Mehrheit die Weichen für den Naturrasen gestellt und ein vom Vorstand Daniel Schmidbauer erarbeitetes Konzept mit einem Kosten- und Finanzierungsplan beschlossen. Allerdings weist das Konzept noch eine größere Lücke auf und die soll nun durch eine Spendenaktion verkleinert werden.

Um die Ausgaben zu finanzieren will der Verein bei der Landesbank einen Kredit von allerhöchstens 100.000 Euro aufnehmen, möglichst weniger, weil der Verein “finanziell nicht auf Rosen gebettet ist”.

Das Special Team bei einem Auswärtsspiel

Die ersten Spenden-Zusagen stehen

Die im Behindertensektor im Regierungsbezirk Köln sehr aktive Kölner Kämpgen Stiftung will das Sportplatzprojekt mit bis zu 16.500 Euro bezuschussen. Eine weitere Zusage der Uwe Seeler Stiftung in Höhe von 5.000 Euro liegt vor. Spenden in einer Gesamthöhe von 4000 Euro sind außerdem von der AVEA, der Firma Cronitex und der FHDW eingegangen.

Der Geschäftsführer des Vereins Dirk Winkler bedankt sich herzlich für alle Zuwendungen von Sponsoren, Stiftungen und Privatpersonen und auch alle Aktivitäten im Verein. Die Schatzmeisterin Silke Sagolla drängt darauf, die Finanzierungslücke durch die große Spendenaktion der Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer des Vereins zu verringern.

Die Bethe-Stiftung hat zugesagt, alle Spenden für das Projekt bis Ende Februar und bis zu einem Betrag von 3.500 Euro zu verdoppeln. Dazu wurde unter der Federführung des früheren Stadtverordneten Adolf Neu im Bereich des Ortsteiles Sand eine private Spendensammelaktion gestartet.

Spenden sind ab sofort möglich:
Konto: 3500565020
BLZ: 370 626 00 VR-Bank e.G. Bergisch Gladbach
Stichwort: BETHE Spendenverdopplung Rasenplatz

Weit mehr als als nur ein Fußball-Team

Das Projekt Special Team wurde 2009 vom damaligen Vorsitzenden Gerd Langmak ins Leben gerufen und wird von Eltern und Betreuern sowie dem DJK Dachverband in Köln als außerordentlich erfolgreiches Beispiel für praktizierte Inklusion beurteilt, gerade weil es bei diesem Projekt bei weitem nicht nur um Fußball geht. Zum Beispiel wurden Bundesliga Spiele besucht, ist ein Segelflug-Wochenende auf einem Zeltplatz geplant, wurde erstmals war eine Teilnahme am Karnevalszug in Sand möglich.

Das Special Team beim Karnevalszug

Die fünf Fußballerinnen und 25 Fußballer des Special Teams sind zwischen 17 und 54 Jahre alt. Einige von ihnen sind Schüler an der Friedrich Fröbel Förderschule in Bergisch Gladbach Moitzfeld, viele arbeiten in den Werkstätten in Leverkusen Bürrig, den Gemeinnützigen Werkstätten Köln oder in Bergisch Gladbach Refrath, weil sie nicht am regulären Arbeitsmarkt teilnehmen können. Ihren Lebensunterhalt bestreiten Sie von Sozialhilfe in Form von Grundsicherungsleistungen.

Dennoch will der Verein gerade diesem Personenkreis soviel wie möglich spielerische und sportliche Möglichkeiten bieten, um sie  größtmöglich zu fördern. Aufgrund ihrer durchgängigen Entwicklungsrückstände müssen viele auch durch Therapien, Spiel und Sport erst dazu motiviert werden, auch im Bereich der Kulturtechniken zu lernen.

Durch das regelmäßige Fußballspielen wird die Motorik stetig verbessert. Durch gemeinsame Freizeitaktivitäten tragen wir dazu bei, das Sozialverhalten deutlich zu stärken. Die erlebte Lebensfreude, die vorbildliche Teilnahme am Training und der große Andrang mit der Gründung einer 2. Mannschaft zeigen, dass durch das Projekt „eine Marktlücke geschlossen“ worden ist.

Der Cheftrainer des Teams Jürgen Münsterteicher und die Co Trainerin Britta Serafin berichten, dass die Mitglieder des Special Teams wirklich in geradezu vorbildlicher Weise am Training und an den sonstigen Aktivitäten im Verein teilnehmen. Sie besuchen gern Bundesligaspiele und spielen regelmäßig auch gegen Senioren, Herren, Damen und Jugendmannschaften des Vereins. Zudem nehmen sie an den Spielen einer speziellen Behindertenliga im Raum Köln, Bonn, Neuss, Eifel und Leverkusen teil. Zum Jahresanfang sind sie zum Turnier bei der Lebenshilfe Dortmund Waltrop eingeladen.

Hohe Zustimmung bei den Experten

Der Verein ist überzeugt, mit dem Spezialteam einen nachhaltigen Betrag zur realen Inklusion von Menschen mit Behinderung zu leisten, zumal er von manchen Menschen ohne persönlichen Bezug zu Behinderten im Alltag unterstützt werden. Das Projekt ist auch mit seinen Freizeitangeboten schon jetzt ein fester Bestandteil im Leben der teilnehmenden Akteure geworden.

Der Bergisch Gladbacher Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Ulrich Diehl, der viele der Fußballerinnen und Fußballer persönlich kennt, hat anerkennend gesagt, dass man ein solches nutzbringendes Projekt erfinden müsste, wenn es diese Truppe noch nicht gäbe.

Nach Meinung von Erhard Schönhofer, erfahrener ehemaliger Gruppenleiter der Gemeinnützigen Werkstätten Köln, hat das Special Team nicht nur manchen Teilnehmer vom Fernseher weg geholt, sondern auch von der Straße. Durch die Förderung stiegen Selbstständigkeit auch das Selbstwertgefühl, die Betreffenden seien weniger auf Hilfe durch die Gesellschaft angewiesen.,

Als Vater eines Fußball verrückten behinderten Jungen bin ich davon überzeugt, dass es letztlich unser spezielles Ziel sein sollte, besonders Denjenigen eine zusätzliche nachhaltige Heimstatt zu geben, bei denen Eltern nicht oder nur begrenzt zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen:

Armin Schmeil

ist pensionierter Beamter aus der Bundesverwaltung. Hat im Vorstand der Friedrich Fröbel Schule und durch den Club Junger Unternehmer (JUC) erfahren, dass es sehr wohl möglich ist, sich für gesellschaftliche und soziale Projekte erfolgreich einzusetzen, selbst wenn es manches Mal richtig in Arbeit...

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