Seine Jugend verlebte er in Kroatien als Maurer Franjo Weissenberger, seine Boomjahre verbrachte er als zunächst höchst erfolgreicher Bauunternehmer Franz Weissenberger in den 60ern und 70ern  in Bergisch Gladbach. Doch nach Pleite und Prozess verschwand der schillernde Mann 1976 aus der Öffentlichkeit. Was aber nicht heißt, dass er von seinen grandiosen Plänen abließ. Im Gegenteil.

Franz Weissenberger in seiner Gladbacher Zeit. Foto: „Zehn Jahre Weissenberger KG – eine Firmenchronik”

Ende der 80er Jahren tauchte Weissenberger in seiner alten Heimat Kroatien wieder auf.  Seine ominöse Vergangenheit hat er inzwischen abgelegt, ist ganz in die Rolle des fleißigen und korrekten Deutschen geschlüpft, der hier nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens  Aufbauhilfe betreiben will. Natürlich nicht uneigennützig, aber sauber.

Der  anständige und fleißige Mann im Kampf mit dem korrupten Regime

Davon erfahren wir aus einem Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit” aus dem Jahre 1993. Der erfahrene Balkan-Experte Norbert Mappes-Niedick berichtet aus Valpovo, einem Kleinstädtchen mit rund 10.000 Einwohner im Nordosten des Landes,  wo er einem bemerkenswerten Mann begegnet sei:

Franz Weissenberger ist der Held des kroatischen Traums. Der anständige und fleißige Mann im Kampf mit dem korrupten Regime, die Flucht nach Deutschland, in das Land, dem die Heimat ähnlich wird, sind erst die balkanischen Geister vertrieben, der Reichtum, die Heimkehr ins Land der Eltern und die Genugtuung für deren erbärmliches Schicksal – alle Elemente dieses Traums sind in der Geschichte von Franz Weissenberger versammelt.”

Von seiner Vergangenheit als gescheiterter Baulöwe, der bei seiner Pleite eine ganze Reihe von bestechlichen Politikern mit sich riss, ist nicht mehr die Rede. Offenbar will Weissenberger von seiner Bergisch Gladbacher Zeit nichts mehr wissen und stellt sich als „erfolgreicher Kölner Bauunternehmer” vor, der nun, mit 62 Jahren noch einmal von vorne anfangen will.

Eine Holding, eine Bank, ein Gymnasium, ein Schloss

Und offenbar hat er aus der Konkursmaße genügend Finanzmittel geretttet, um in Valpovo die Firma Arcus Holding D.D. zu gründen und noch einmal groß einzusteigen. Und außerdem konnte er laut Zeit einige deutsche Investoren überzeugen, zehn Millionen Euro in das „Pilotprojekt City Marketing Valpovo“ zu stecken. Ein Geschäftszentrum mit einem neubarocken Giebel wurde gebaut, die Arcus-Verwaltung, weitere Geschäfts- und Wohnhäuser. Das City-Projekt Bergischer Löwe, mit dem Weissenberger in den 70ern Bergisch Gladbach komplett umgestalten wollte, lässt grüßen.

Ende der 60er

Lesen Sie mehr
Ein tragischer Held der 70er, von Horst Breiler, iGL 9.2.2014
Fluch der guten Tat, Die Zeit, 29.10.1993
Aufstieg und Fall eines Baulöwens, BLZ 2009
Höher als der Kirchturm: Der neue Bergische Löwe, KSTA 1969
Für manchen Bauherrn war Hausbau ein billiger Spaß, KSTA 1975

Und es gibt eine weitere Parallele zwischen den 70er un 90er Jahren: viele der Projekte in Valpovo wurden nicht fertiggestellt. Stürzte damals in Bergisch Gladbach Weissenbergers Finanzierungskartenhaus von selbst zusammen, so war es in Kroatien angeblich das örtliche postsozialistische Establishment, das Weissenberger zu Fall brachte.

Dabei hatte Kroatiens Präsident Franjo Tudjman das Projekt seines Namensvetters persönlich für gut befunden, Kroatien brauche „hundert Weissenbergers“ zitiert ihn Mappes-Niedieck in der Zeit. Die Stadtentwicklung von Valpovo sollte eines von vier nationalen Pilotprojekten werden, zudem das größte ausländische Investitionsprojekt in ganz Kroatien. Dem Bericht zufolge gründete Weissenberger mehrere Firmen und eine Privatbank, baute Wohungen, Büros und ein Gymnasium, legte Gasleitungen und fing mit der Renovierung des Barockschlosses Norman-Prandau an.

Bürgermeister Franz Weissenberger scheitert an der Provinzmafia

Das einst halb verfallene Schloss Norman-Prandau heute. Foto: Flammard CC-BY-SA-3.0, Wikimedia Commons

Den Höhepunkt erlebte Weissenberger 1993. Angeblich auf die persönliche Bitte von Tudjman, eine Gemeindeverwaltung nach deutschem Vorbild aufzuziehen, stellte er sich der Bürgermeisterwahl und gewann. Doch damit scheint er überzogen zu haben: der Widerstand gegen den Deutschen wurde lauter, das Amt des Bürgermeisters legte er rasch wieder nieder.

Weissenberger selbst, so der Zeit-Autor, habe über die Vorkomnisse nicht reden wollen, dafür aber ehemalige Angestellte und Investoren. Demnach habe der Chef der Provinzverwaltung, „ein Schutzgelderpresser, mutmaßlicher Kriegsverbrecher und Haupt einer Schlägertruppe“ Weissenberger unter Druck gesetzt, Schutzgeld in Millionenhöhe verlangt. Die habe der deutsche Investor nicht zahlen wollen, weil so viel Geld gar nicht in der Kasse war.

Flucht im roten Cabrio

Daraufhin habe der Provinzchef eine Kampagne gestartet, Weissenberger habe sich über Denkmalschutzauflagen hinweg gesetzt, das historische Zentrum zerstört, seine Arbeiter ausgebeute. Es folgte das gesamte Instrumentarium der im postsozialistischen Raum bekannten staatlichen Gewalt: willkürliche Steuerbescheide, Morddrohungen gegen Mitarbeiter, Betrugsklagen, Zollstrafen und schließlich Kontosperrungen.

Rot war schon immer Weissenbergers Lieblingsfarbe: Seinen Arbeitern in Bergisch Gladbach schenkte er rote Kadetts. Foto: „Zehn Jahre Franz Weissenberger KG“

Ein Vertreter der deutschen Botschaft bestätigte laut Zeit-Bericht Weissenbergers Schilderungen, sogar das Außenministerium schaltete sich demnach ein. Ohne Erfolg.

Franz Weissenberger stieg in sein rotes Cabrio und fuhr davon. Das muss Ende 1993 gewesen sein – und damit verschwand er auch wieder aus der Öffentlichkeit. Am 31. Januar ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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