Autor Jason Dark und Theaterintendant Gerd J. Pohl. Foto: Helga Niekammer

Autor Jason Dark und Theaterintendant Gerd J. Pohl. Foto: Helga Niekammer

Jason Dark schreibt zwar „nur“ Heftromane, aber mit einem gewaltigen Erfolg. Der Autor, der unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd in Bergisch Gladbach lebt, hat mehr als 350 Millionen Exemplare verkauft und genießt mit seiner Serie „Gespensterjäger John Sinclair“ Kultstatus. Seine Anregungen holt sich der Autor auch in seiner Heimat – bereits im vergangenen Jahr griff er auf die Identität von Gerd J. Pohl, Puppenspieler und Intendant des Puppenpavillons Bensberg aus für seine grausige Geschichte „Die lebenden Puppen des Gerald Pole“.

In dem Roman geht Pole einen Pakt mit dem Teufel ein, doch am Ende liegt er im Koma. Aber was ist ein Heftroman ohne Fortsetzung? Im Nachfolgeroman „Die Rache des Puppenspielers” wird Pole wieder höchst lebendig – und kein Stück liebenswürdiger als im ersten Roman.

Pohl Sinclair Feature

Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung des Bastei-Verlags einige Seite des Romans vorab, der ab dem 18. Februar 2014 als Band Nummer 1858 der Reihe “Geisterjäger John Sinclair” erscheint. Wir steigen ein, als sich Pole, aus dem Koma erwacht und die ersten Schreckenstaten bereits hinter sich, beim Erzähler John Sinclair am Telefon meldet. Wie die Geschichte ausgeht, verraten wir natürlich nicht. Nur soviel: angenehm wird es für Gerald Pole nicht.

Die Rache des Puppenspielers – Auszug

Ich hörte sein leises Fluchen, dann hatte er sich entschlossen, mir die Wahrheit zu sagen.

»Ich bin es, der Gerald.«

Jetzt kannte ich seinen Vornamen, aber weiter hatte mich das auch nicht gebracht.

»Und?«

»Du kannst dich nicht erinnern?«

»So ist es«, gab ich zu.

»Gerald Pole!«

Cover Die Rache des Puppenspielers

Jetzt war es heraus. Und ich sprang auch nicht sofort darauf an, sondern dachte kurz nach. Der Name Gerald Pole war mir nicht unbekannt, das stand fest. Aber ich wusste im Moment nicht, wie ich ihn einordnen sollte. Ich hatte schon mit ihm zu tun gehabt, und sicherlich nicht bei einem freudigen Ereignis.

»Denkst du noch immer nach?«

»Ja.«

»Du scheinst kein gutes Gedächtnis zu haben, Sinclair. Da hast du wohl nachgelassen.«

»Bestimmt nicht, aber ich kann mir beim besten Willen nicht alles merken.«

»Schon gut. Ich werde dir helfen. Ich bin Gerald Pole, der Puppenspieler. Erinnerst du dich? Es liegt ungefähr ein Jahr zurück, da trafen wir aufeinander.«

In meinem Kopf klickte es. Ein paar Mal musste ich gedanklich noch Luft holen, dann hatte ich es.

Gerald Pole. Der Mann, der von seinen eigenen Puppen fast getötet worden wäre. Der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte, wobei Asmodis ihn fallen gelassen und ihn somit praktisch zum Abschuss freigegeben hatte. Suko und ich hatten ihn an seinem Schreibtisch sitzend gefunden. Das Gesicht durch Wunden entstellt und nicht ansprechbar.

Wir hatten erst gedacht, er sei tot, doch das war nicht der Fall gewesen. Er lebte noch. Er war nur in ein tiefes Koma gefallen. Und so hatte man ihn auch in eine Klinik geschafft, in der er bis heute hätte liegen müssen.[1]

War das noch der Fall?

Ich wusste es nicht. Aber ich glaubte nicht, dass er aus der Klinik anrief.

»Sinclair, ich bin wieder frei!«

Das war der entscheidende Satz, den er mir hatte sagen müssen. Das war wichtig für ihn, und ich fragte: »Wieso wieder frei?«

»Das Leben hat mich wieder, und ich werde daran teilnehmen, darauf kannst du dich verlassen.«

»Klar, das kann Ihnen niemand verbieten, und wie wollen Sie daran teilnehmen?«

»Oh, das ist ganz einfach gesagt. Mit dir zusammen nehme ich daran teil, wenn du verstehst.«

»Noch nicht.«

»Dann sage ich es dir gern. Wir beide haben noch eine Rechnung offen. Da wirst du mir zustimmen, wenn du dich daran erinnerst.«

»Ich wüsste nicht, dass wir …«

»Hör doch auf«, keifte er. »Natürlich ist die Rechnung noch offen. Ich habe mein Gedächtnis nicht verloren. Ich weiß, wem ich das alles zu verdanken habe.« Die letzten Worte hatten wie eine Drohung geklungen.

Trotzdem fragte ich: »Sie meinen mich?«

»Wen sonst?«

»Nein, das war Ihre eigene Schuld. Ich musste gegen Sie vorgehen. Sorry, aber das ist die Wahrheit.«

»Ja, deine.«

»Meinetwegen«, sagte ich stöhnend. »Und wie geht es jetzt weiter? Auf was muss ich mich einstellen?«

»Darauf, dass ich wieder da bin!«, schrie er.

»Nun ja, das weiß ich jetzt.«

»Dann mach dich auf was gefasst, Sinclair. Nichts, aber auch gar nichts habe ich vergessen, das kann ich dir schwören.«

»Und was ist mit Ihren Puppen?«

»Du wirst sie noch erleben.«

Ich wollte noch etwas sagen, aber da hatte er schon aufgelegt. Ich stand da wie ein begossener Pudel und schaute ins Leere. Am liebsten hätte ich den Anruf ignoriert oder ihn für einen bösen Traum gehalten, aber das konnte ich nicht. Es hatte ihn wirklich gegeben, und da konnte ich nur den Kopf schütteln.

Jetzt stellte sich mir die Frage, was genau passiert war. Der Typ hatte mir keine Erklärung gegeben. Aber ich war schon in der Lage, ihm zu glauben.

Dann stellte ich mir Gerald Pole vor. Ich ging davon aus, dass er sich kaum verändert hatte. Man konnte bei ihm von einem düsteren Typ sprechen.

Er war dunkelhaarig, trug einen Bart, und die Augenbrauen wirkten wie zwei dunkle Striche, die seinem Gesicht einen noch düsteres Aussehen gaben.

Das war Gerald Pole. Das war der Puppenspieler mit seiner kratzenden Stimme. Das war der Mann, der Kinder und Erwachsene allein durch seine Stimme in seinen Bann ziehen konnte. Wie immer man zu ihm stand, man musste zugeben, dass er in seinem Fach ein wahrer Meister war. Daran gab es nichts zu rütteln.

Und jetzt?

Ich stand da und überlegte, was ich tun konnte oder sollte. Ich glaubte daran, dass es Gerald Pole war, der mich angerufen hatte. Daran gab es keinen Zweifel, und trotzdem wollte ich auf Nummer sicher gehen. Deshalb gab es für mich nur eines, ich musste in der Klinik anrufen, in der Pole lag oder hätte liegen müssen.

Zum Glück hatte ich noch den Namen behalten. Ich musste mir nur noch die Nummer der Klinik besorgen, was auch kein Problem war. Mit dem Anruf zögerte ich. Zu sehr beschäftigten mich die Erinnerungen an diesen Fall. Da war dieser Puppenspieler tatsächlich fast von seinen eigenen Figuren getötet worden. Im letzten Moment hatten wir eingreifen können. Und der Teufel hatte ihn verlassen, deshalb war er auch ohne Schutz gewesen.

Und jetzt?

Ja, jetzt hatte ich von Gerald Pole einen Anruf erhalten. So musste ich mir die Frage stellen, ob der Teufel ihn wieder in Gnaden aufgenommen hatte oder er es selbst gewesen war, der sich so erholt hatte. Ich wusste es nicht, aber ich glaubte auch nicht daran, dass Pole geblufft hatte. Je länger ich an ihn dachte, umso stärker kam er mir in den Sinn. Ich beschäftigte mich mit ihm, und ich fragte mich, wie er sich in der Klinik verhalten hatte und was wirklich mit ihm geschehen war.

Ich bekam schon ein leichtes Flattern, als ich die Nummer des Krankenhauses wählte. Hinzu kam das Zittern meines Fingers, ich hätte mich fast sogar noch verwählt, es dann aber geschafft und wartete darauf, dass die Verbindung zustande kam.

Ja, sie kam zustande. Ich war mit der Zentrale verbunden, sagte meinen Namen, fügte auch den Beruf hinzu und bat, mich mit der Station zu verbinden, in der Gerald Pole lag.

»Ja, Sir, aber ihn können Sie nicht sprechen.«

»Sie meinen Gerald Pole.«

»Genau.«

»Dann geben Sie mir bitte den Menschen, der mir Auskunft über ihn geben kann.«

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Der Roman „Die Rache des Puppenspielers” erscheint am 18. Februar 2014 als Band Nummer 1858 der Reihe “Geisterjäger John Sinclair”.

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Redaktion

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