Klaus Heider

Am heutigen Donnerstag findet in der Kreissparkasse die nächste Aufführung der Bergischen Erzählkonzerte statt. Am Samstag steigt in der Kölner Hochschule für Musik und Tanz eine Neuauflage des Musicals „Gespensterball”. Der Mann hinter diesen und vielen anderen Projekten rund um die Themen Musik und Kinder ist Klaus Heider.

Doch seine Mitstreiter und „seine” Kinder müssen nun ohne den Bergische Gladbacher Musiker und Pädagogen auskommen: Der 73-Jährige wurde in der vergangenen Woche von einem Herzinfarkt sehr plötzlich aus dem Leben gerissen.

Erst im Dezember hatte Klaus Heider die Ehrennadel in Silber der Stadt Bergisch Gladbach erhalten, als geistigem Vater der „Bergischen Erzählkonzerte für Kinder“ und vieler anderer Projekte, nicht nur in seiner Heimatstadt.

Heider war über 35 Jahre Lehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln. An der Kölner Musikhochschule Köln war er fünf Jahre lang Dozent mit dem Fach „Improvisation und Arrangement“ im Bereich Schulmusik.

Lutz Urbach überreicht Klaus Heider die Ehrennadel

Aber Heider war nicht nur Musikpädagoge, sondern auch renommierter Musiker, der sich der Alten Musik widmete. Als Tenor und Altus bestritt er 30 Jahre lang Konzerte, sang im „Kölner Vokalconsort“ und mit „Ludus venti“.  Er arbeitete mit fast allen bedeutenden Interpreten für Alte Musik und leitete Arbeitstagungen für Renaissance- und Barockmusik.

Nachdem der Lehrer Klaus Heider in Rente ging, legte er richtig los. Zum Beispiel als Komponist in der Kammermusik und in der Musik für Kinder. Zudem schrieb er Lehrwerke wie „Die große Musikschule“, „Das große Buch der Kinderlieder“ oder „Die neue Keyboardschule“.

In Bergisch Gladbach wurde er durch groß angelegte Musicalprojekte bekannt, die er seit 2004  schulübergreifend organisierte. In der damals noch neuen Offen Ganztagsschule (OGS) wollte er den Kindern nachmittags Lust darauf machen, sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen. Und er hat immer dafür gestritten, dass die Musik in den Schulen einen größeren Stellenwert bekommt – statt immer wieder zusammengestrichen zu werden.

Das gelang ihm in Form einen Musiktheaters über alle Schulformen hinweg. Grundschulen, junge Solisten, und Instrumentalisten der Rheinischen Musikschule, der Max-Bruch-Musikschule, diverser Schulorchester und Theatergruppen von weiterführenden Schulen und die Kreativitätsschule kooperierten bei diesen Mammutveranstaltungen.

„Klaus Heider hat es geschafft, die unterschiedlichsten Akteure im Bereich der Musikpädagogik für seine Projekte zu begeistern und zu vernetzen. Mit großem Elan hat er immer wieder neue Ideen entwickelt und dabei immer sein Ziel vor Augen gehabt, Kinder für Musik zu begeistern. Dies ist ihm bei jeder Aufführung gelungen,“ bringt Friedrich Herweg, Leiter der Max-Bruch-Musikschule es auf den Punkt.

Heider hielt alle Fäden in der Hand, gewann immer neue Partner, sorgte für Sponsoren – damit wirklich alle Kinder mitmachen konnte. Und natürlich arrangierte Heider alle Stücke selbst, die er oft am Keyboard begleitete. Aber schon aus Prinzip sang er dabei nicht selbst – weil immer die Kinder im Mittelpunkt stehen sollen, die auch beim Schreiben der Stücke stark mit einbezogen wurde.

In Bergisch Gladbach gibt es wahrscheinlich nur wenige Familien mit Kindern, die in den vergangenen sieben Jahr nicht in Kontakt mit dem stets vor Energie und Begeisterung sprühenden Mann gekommen sind. Und davon stark profitiert haben.

2007 wurde das erste Musical auf die Bühne gebracht: der Gespensterball, der sofort den Bergischen Löwen füllte. 200 Kinder aus zehn verschiedenen Schulen standen auf der Bühne.

2009 folgte Brasiliano“, eine südamerikanische Revue, für die Heider Text und Musik geschrieben hatte und das sogar im Kölner Opernhaus aufgeführt wurde. 2011 kam „Ein tierischer Tag“. Das Musical „Ritter Rost“ wurde 2013 gezeigt, im Bürgerhaus Bergischer Löwe und in Köln im Konzertsaal der Hochschule für Musik und Tanz. Neben den Bergisch Gladbachern aren daran auch  Kölner Grundschulen, das Humboldt-Gymnasium Köln und die „The Voice Factory/Pop- und Musical-Akademie Köln“ beteiligt.

Und so sollte es eigentlich weiter gehen. Mit weiteren Ausgaben der „Bergischen Erzählkonzerten” und einem neuen Gespensterball in Köln. Der wird auf Wunsch der Familie Heider jetzt unter der Leitung seines langjährigen Mitstreiters Ulrich Steiner auch stattfinden – als Erinnerungsveranstaltung an einen großen Musiker und Pädagogen, dem Bergisch Gladbachs Kinder (und Eltern) sehr viel zu verdanken haben.

Mehr Informationen über Klaus Heider: 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Mir fehlen die Worte. Ein stiller Gruß aus dem Puppenpavillon an die Angehörigen – wir standen mit Klaus ja in gutem Kontakt und waren seinem Schaffen künstlerisch eng verbunden. Ich habe ihn sehr gemocht und sein Wirken geschätzt. Ein ungeheurer Verlust für die Kultur in Stadt und Region.