Polizeiautos vor der Hauptwache

Wer die Meldungen im Blaulichtradar des Bürgerportals verfolgt und die Tageszeitungen durchblättert, der bekommt rasch ein mulmiges Gefühl. Fast jeden Tag, so scheint es, wird auf Bergisch Gladbachs Straßen jemand überfallen und beraubt. Es werde immer schlimmer, klagen viele Bürger. Doch dieser subjektive Eindruck ist falsch. Das belegt die Kriminalitätsstatistik 2013, die die Kreispolizeibehörde RheinBerg jetzt vorgestellt hat.

Tatsächlich wurden 2013 exakt 170 Gewalttaten allein in Bergisch Gladbach gezählt. Aber das waren nicht mehr, sondern weniger als in den Vorjahren – und auch weniger als vor zehn Jahren.

Das Kriminalitätsniveau in Bergisch Gladbach ist im Landesvergleich noch immer moderat – und die Zahl der Straftaten ist gegenüber 2012  zurückgegangen. Der gesamte Rückgang betrug zwar nur knapp zwei Prozent. Aber bei den Straftaten, die sich besonders nachdrücklich auf das Sicherheitsgefühl der Bürger auswirken, ist der Trend besonders positiv:

  • Bei der Gewaltkriminalität ging die Zahl der Fälle um 13,3 Prozent zurück: bei 170 Fällen geschieht zwar immer noch fast jeden zweiten Tag in Bergisch Gladbach ein Raub, eine schwere oder gefährliche Körperverletzung, eine Tötung oder eine Vergewaltigung – aber das waren dennoch 26 Fälle weniger als im Vorjahr.
  • Bei der Straßenkriminalität verringerte sich die Zahl der Fälle um 17,6 Prozent.
  • Bei den Wohnungseinbrüchen wurden 10,1 Prozent weniger Fälle gezählt.

Details der Kriminalitätsentwicklung in Bergisch Gladbach. Doppelklick öffnet große Ansicht.

Einzige Ausnahme bei den schweren, gegen Personen gerichteten Taten: die Zahl der Sexualstraftaten stieg in Bergisch Gladbach um 20,9 Prozent.

Und so ganz erfolglos ist die Polizei auch nicht: im Durchschnitt liegt die Aufklärungsquote bei 46,7 Prozent. Allerdings schwankt sie stark: bei Geschäftseinbrüchen werden gerade mal jeder 30. Fall aufgeklärt, bei der Gewaltkriminalität sind es dagegen drei von vier.

Gefährlicher als Odenthal, harmloser als Rösrath

Um die Belastung der Kriminalität für die Bürger vergleichbar zu machen, werden sogenannte Häufigkeitszahlen berechnet. Und obwohl auch der Landestrend positiv ist, liegt Bergisch Gladbach gar nicht so schlecht. 2013 gab es je 100.000 Einwohner

  • in Nordrhein-Westfalen 8320 Straftaten,
  • in Rösrath 6824 Straftaten, 179 Fälle von Gewaltkriminalität
  • in Bergisch Gladbach 6427 Straftaten, 161 Fälle von Gewaltkriminalität
  • im Rheinisch-Bergisch-Kreis 5162 Straftaten, 130 Fälle von Gewaltkriminalität
  • in Odenthal 2478 Straftaten, 64 Fälle von Gewaltkriminalität

Aber, so wenden einige ein, früher war dennoch alles besser. War es nicht, wenn man die aktuellen Zahlen mit denen vor zehn Jahren vergleicht:

  • 2003 gab es in Bergisch Gladbach je 100.000  Einwohner 6958 Straftaten, 2013 waren es 531 weniger
  • 2003 gab es in Bergisch Gladbach je 100.000  Einwohner 186 Fälle von Gewaltkriminalität, 2013 waren es 25 weniger

Landrat Tebroke: Mehr gute als schlechte Nachrichten für RheinBerg

Insgesamt zeigte sich Landrat Herman-Josef Tebroke, der auch der Polizeichef des Rheinisch-Bergischen Kreises ist, einigermaßen zufrieden: Die Zahl der Straftaten steige in RheinBerg immerhin nicht an und liege weit unter dem Landesdurchschnitt, die Aufklärungsquote steige und der Anstieg der Wohnungseinbrüche sei (auf hohem Niveau) gestoppt worden.

Noch positiver sei die langfristige Entwicklung: bei der Gewaltkriminalität insgesamt seien 2013 die niedrigsten Fallzahlen seit zehn Jahren ermittelt worden, bei den Raubdelikten sogar seit 12 Jahren.

Rösrath steigt zum gefährlichsten Ort in RheinBerg ab

Kriminalitätstrend in Rösrath im Detail. Zum Vergrößern Anklicken.

Die positiven Entwicklungen, so Tebroke, würden in fast allen Städten des Kreises überwiegen – mit einer eklatanten Ausnahme: Rösrath hat zum ersten Mal Bergisch Gladbach als „gefährlichsten Ort“ in RheinBerg abgelöst, hier stieg die Zahl der Straftaten um satte 18,6 Prozent der Fälle, die Gewaltkriminalität um 25 Prozent, die Zahl der Wohnungseinbrüche um 60 Prozent.

Und das habe nichts, erläutert Polizeidirektor Manfred Frorath auf Nachfrage, mit der Schließung der Wache in Rösrath vor einigen Jahren zu tun. Schließlich seien die Fallzahl direkt nach der Schließung der Wache zunächst zurück gegangen. Für die Entwicklung der Kriminalität sei die Präsenz der Polizei auf der Straße wichtig, aber nicht der Standort der Wache.

Die Kreispolizei werde nun gemeinsam mit der Stadt Rösrath sehr genau untersuchen, welche Kriminalitätsschwerpunkte es gebe – und was man dagegen tun könne.

Alle Details finden Sie in den Unterlagen der Polizei:

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Weitere Informationen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. “Rösrath hat zum ersten Mal Bergisch Gladbach als „gefährlichsten Ort“ in RheinBerg abgelöst, (…) Und das habe nichts (…) mit der Schließung der Wache in Rösrath vor einigen Jahren zu tun.”
    Hört sich nicht sehr logisch an. Es sei denn, dass der Rösrather an sich in den letzten beiden Jahren zum gemeinen Verbrecher mutiert ist.