„Jetzt erst recht“ ist ein gutes Buch, geschrieben aber aus einem traurigen Anlass: Denn Wolfgang Bosbach – der immer Tennis und Fußball spielte, immer schlank war, nie rauchte – hat trotzdem Krebs bekommen. Und nicht nur das: wegen seiner Herz-Erkrankung kann Bosbach nicht so behandelt werden wie man es bei einer Prostatakrebs-Erkrankung sonst machen würde…

Die medizinischen Aspekte werden in der neuen Biografie in allen Einzelheiten geschildert. Für die Menschen im Rheinisch- Bergischen Kreis, die Wolfgang Bosbach schon lange kennen und mögen, fast zu ausführlich. Für die Menschen, die selbst mit einer solchen Erkrankung kämpfen, tröstlich.

Aber auch Blicke hinter die Kulissen des Politikbetriebes gibt es reichlich. So beschreibt die Autorin Anna von Bayern, wie Bosbach sich gefühlt hat, als Ronald Pofalla sagte: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.” Ein Wunsch, der sich übrigens so schnell nicht erfüllen wird. Denn: „Machen Sie einfach die Dinge, die Ihnen Spaß machen”, hat ihm sein Mediziner geraten.

Und Dinge, die Wolfgang Bosbach Spaß machen, sind 16-Stunden-Tage als Abgeordneter des Deutschen Bundestages, möglichst mit einer abendlichen Redeveranstaltung irgendwo im Land. Dass der Onkologe mit seiner Empfehlung vielleicht etwas anderes gemeint hat als das ständige Pendeln zwischen Bergisch Gladbach und Berlin, die vielen tausend Kilometer auf Deutschlands Straßen, die langen Nächte und frühen Morgen zwischen Bundestag, Partei, Kanzlei, Interviews, Fernsehauftritten und Wahlkreis, ist zweitrangig.

Er will weitermachen, wie bisher. Jetzt erst recht – so auch der Titel des Buches.

Seine Ehefrau kennt ihn nicht anders. Als sie ihren fast zwölf Jahre älteren Mann kennen lernte, war er bereits ständig unterwegs. Schon immer habe er tagsüber gearbeitet und sei abends mit Politik beschäftigt gewesen, erzählt Sabine Bosbach der Autorin: „Das ist, wie wenn man eine Sache mit einem Mangel kauft, das können sie hinterher nicht reklamieren.” Das über die Krankheit zu Hause nicht gesprochen wird, findet sie richtig.

Sabine und Wolfgang Bosbach mit den Töchtern Caroline, Natalie und Viktoria

Im übrigen, sagt Sabine Bosbach der Autorin, habe sie aufgehört, Pläne zu machen. Es komme ja doch immer etwas dazwischen. Vielleicht, so Anna von Bayern in einer Art Fazit, geht es im Leben gar nicht darum, sich zu schonen und sich zu finden? Vielleicht geht es darum, sich in dem zu verlieren, zu dem man sich berufen fühlt und dabei zu akzeptieren, dass alles im Leben seinen Preis hat.

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Lohnt sich der Buchkauf für einen aus Bergisch Gladbach, der ihn ohnehin kennt? Unbedingt. Einige Geschichten werden die heimischen Leser schon kennen, andere noch nicht, in jedem Fall bekannte Gesichter auf den Bildern wieder entdecken: „WoBo” als Kind, mit Mama, mit den eigenen Töchtern im Kindesalter, mit Freunden, beim Sport, unterwegs… Da stellt sich beim Lesen bei den Rhein-Bergern das Gefühl ein: „Ich war dabei!”

Es ist übrigens die zweite Biografie der Autorin. Die erste schrieb sie über Karl Theodor von Guttenberg. Sie war ein Riesen-Erfolg.

Anna von Bayern: „Wolfgang Bosbach – Jetzt erst recht! Die Biografie“, Verlag: Heyne, 19,99 Euro

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Doro Dietsch

Verheiratet, drei Töchter. War lange beim WDR, arbeitet heute in der Verwaltung des Düsseldorfer Landtags.

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1 Kommentar

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  1. Nur ein Hinweis! Sie schreiben: “Die erste schrieb sie über Karl Theodor von Guttenberg.” Er heist: Karl Theodor zu Guttenberg! Ansonsten sehr gut geschrieben. Es macht neugierig auf das Buch.