Das von Bürgermeister Trutz Altwasser und seinem Denk-Lenkkreis Herrlisch Raubach ursprünglich im bürgerschonenden Schatten geplante HeLKuW-Geschäft steht nach seiner überraschenden Entschattung jetzt im Lichte ebenso verwirrter wie verwirrender Aufmerksamkeit. Und auch die politische Tektonik der Stadt ist nun in Wallung geraten.

Twilight over Herrlisch Raubach – HeLKuW-Connection 2

Aus dem gestörten Schatten, über das verstörte Dementi, in die störende Öffentlichkeit – etwa so verläuft der plötzlich holperig gewordene Weg des HeLKuW-Geschäfts bis jetzt. Zur Erinnerung:

Nach dem unerforschlichen Ratschluss Trutz Altwassers wie seines Denk-Lenkkreises Herrlisch Raubach sollte und soll die Stadt mit einem schnellen und schlanken 80 Millionen EURO-Kredit Anteile der ehemals stadteigenen, jetzt zur DomEnergie gehörenden HeLKuW (Herrlische Lisch-,Kraff- und Wasserwerke) zurückerwarten. (Mehr dazu in diesem Beitrag.)

Dieses Geschäft stehe nicht fest nur auf rohen Eiern, sondern beschere der Stadt auch eine spannende Zukunft, versicherten erneut die Experten. Schließlich habe die DomEnergie ihre ansonsten schwer vermittelbare Konzerntochter aufgrund deren eigener Angaben noch einmal selbst geprüft und sei in guter Gebrauchtwagen-Handelstradition zum Ergebnis gekommen, dass der Kilometerstand stimme.

Die dennoch ob der vielen und eher verwirrend ans Licht kommenden Details dieser todsicheren Transaktion bereits angemessen verwirrten Bürger Herrlisch Raubachs sahen sich nun außerdem den väterlichen bis ungehaltenen Erklärungen der unbedingten Befürworter des HeLKuW-Geschäfts gegenüber.

„Fragen ist gut, Zustimmen ist besser!“

So forderte der schwarze Fraktionschef Karl „Charly“ Dönekes mit einem klassischen Zitat erneut das gebotene Vertrauen ein: „Fragen ist gut, Zustimmen ist besser!“ Denn alle selbst gestellten Fragen seien von den Mitgliedern des Denk-Lenkkreises HR bereits untereinander beantwortet, jetzt müsse der Bürger die für ihn geleistete harte Kopfarbeit bloß noch in der willigen Währung geboten blinden Vertrauens auch wider besseren Wissens entlohnen. Dies gebiete die schlichte demokratische Sitte.

Zur Seite sprang ihm hier das hellrote Ratsmitglied, der ehemalige Bürgermeister Hans Corth, mit einer Art verzweifelt wütendem Appell: Es gehe hier schließlich um nichts Geringeres als seine also vielmehr eine Versorgungszukunft in Herrlisch Raubach und jetzt sei hohe Zeit, diese endlich sicherzustellen!

Mustergültige win-win-Situation

Im Übrigen habe diese seine Zustimmung ganz und überhaupt nichts mit einem nie getroffenen Wechsel-Agreement seiner Fraktion vor dem Hintergrund einer schwarzen Zustimmung zur Laufzeit-Verlängerung für den hellroten Stadt-Schatzkanzler zu tun.

Und schon gar nichts mit der geradezu schamlosen Reservierung, das heißt vielmehr schamlosen Unterstellung der Reservierung von Aufsichtsrats- und weiterer Gremienpositionen in der dann zwischen DomEnergie und Herrlisch Raubach neu strukturierten HeLKuW.

Im Zuge dieser vorgesehenen Neustrukturierung sei allerdings, so ein Sprecher der DomEnergie gegenüber der Netzpforte in-HR.de, auch die Schaffung neuer sowie die Ausweitung bestehender Gremien vorgesehen.

Dies diene aber einzig und allein einer Sicherstellung der Versorgungszukunft grundsätzlich aller Bürger Herrlisch Raubachs sowie natürlich einiger Bürger im Besonderen, die sich aber durch eine Sicherstellung ihrer Versorgungszukunft dann in besonderem Maße um die Sicherstellung der Versorgungszukunft aller verdient machen würden. Eine mustergültige win-win-Situation.

Informationsveranstaltung trotz fokussierter Neutralität außer Fassung

Angesichts der nun einmal angerichteten Verwirrung des Bürgers durch eine jede Schutzpflicht demselben gegenüber vermissen lassende Berichterstattung, hatten sich Bürgermeister Altwasser und die Verwaltung im allerletzten Moment dann doch auch noch zu einer quasi kavaliersgestarteten Öffentlichkeitsoffensive entschlossen: „Bürger pro Versorgungszukunft in HR“, so das durchaus doppelsinnige Motto.

Drei  – im Übrigen von der schwarzen Fraktion jetzt für den „Deutschen Neutralitätspreis für absolut ergebnisoffene Entscheidungsprozesse“ vorgeschlagene –  Veranstaltungen sollten in einer teils etwas fassungs- wie orientierungslosen Mischung aus galoppierenden Zinsfüßen und dezenten Vertrauensappellen den Herrlisch Raubacher Bürgern den bereits im Schatten entschiedenen Weg zur HeLKuW heimleuchten.

„Dass unsere Experten angesichts der ungeschützten Konfrontation mit dem massiven bis sogar aggressiven Unwissen der Bürger, vor dem wir dieselben ja aus bestem Grunde immer schützen wollten, selber in mehr als verständliche Verwirrung gerieten, das ist Ergebnis eines unverantwortlichen Versuchs, das Vertrauensverhältnis zwischen Denkenden wie Lenkenden und Duldsamen wie Folgsamen in unserer schönen Stadt zu stören!“, erklärte Trutz Altwasser mit mahnender Sorge.

Stadt-Schatzkanzler Hochdrei bleibt aufrecht stehen

Einzig die Präsentation des gerade frisch laufzeitverlängert hellroten Stadt-Schatzkanzlers Johann Hochdrei ließ erstaunlich deutlich werden, dass es neben dem gebetsmühlenhaft verkündigten HeLKuW-Paradies durchaus andere Optionen gäbe, sofern es denn um die Versorgungszukunft in HR, also für ganz HR und alle Bürger ginge.

Wollte Johann Hochdrei seine eigene Partei indirekt noch einmal zum Nachdenken auffordern? Er, der keineswegs hochbeglückt darüber schien, im ganzen Zusammenhang sozusagen die verkörperten Silberlinge darstellen zu müssen. Denn die Position der hellroten Partei in diesem schwarzen Schattenstück und auch im anlaufenden Wahlkampf, sie ist, wie nicht selten in ihrer langen Geschichte, von gewisser Tragik gezeichnet.

Flüssiger Beton wird nicht zu Schaum

So erfuhr die Netzpforte gerade, dass der hellrote Bürgermeister-Kandidat Rüdiger Buscheck ausgerechnet zum Wahlkampfauftakt und beim ausdauernd einsamen Versuch, flüssigen Beton zu Schaum zu schlagen, um ihn vor völliger Erstarrung zu bewahren, einen schweren Krampf erlitten habe.

„Wir wünschen dem Genossen Buscheck eine lange Genesungsphase und die dafür notwendige Ruhe!“ ließ der hellrote Fraktionschef Forsthauer dazu mit starrem Lächeln verlauten.

Sein schwarzer Kollege Dönekes schloss sich den Wünschen an und ergänzte beschwingt: „Rüdiger Buscheck kann sich alle Zeit zur Genesung nehmen, denn er darf sicher sein, dass Trutz Altwasser als gemeinsamer Bürgermeister-Kandidat der schwarzen und hellroten Partei die schlechthinnige Verkörperung fairen Interessenausgleichs ist!“

Den unwillkürlichen Lachanfall nach diesem Statement, erklärte Dönekes damit, dass ihm schon die ganze Zeit ein Witz nicht aus dem Kopf gehe, den er aber aus Pietätsgründen nicht öffentlich erzählen könne.

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben …“

Der sich aus einer vollkommen neutralen, von niemandem beeinflussten, schon gar nicht in den unendlichen Weiten des Zahlenraums von vornherein manipulierten Sachabwägung jetzt völlig überraschend ergebende HeLKuW-Deal scheint damit ebenso besiegelt wie die sensationelle Hochzeit der schwarzen und hellroten Partei kurz vor den Kommunalqualen.

Offizielle Hochzeitsfeier sei dann am 25. Mai, dem Tag der Kommunalwahl. Ungewohnt pathetisch lässt sich Möring weiter vernehmen:

„Der große Rat dreht das große Rad“

Unterdessen kam der umtriebige Redaktionspraktikant Gregor Platzdaweg auf der Suche nach dem bislang unerforschlichen Sinn des ganzen HeLKuW-Deals ein gutes Stück weiter. Mit hier nicht näher zu beschreibenden Methoden auf dem Gebiet der elektronischen Recherche, gelang es ihm, einige Teile eines merkwürdigen Puzzles zusammen zu tragen.

So hat Bürgermeister Altwasser in letzter Zeit offenbar mehrfach SMS erhalten, die lediglich aus der Ziffernfolge „111“ bestanden, um sich jeweils kurz darauf dann in einen schwarzen Chat mit der Bezeichnung „Der große Rat dreht das große Rad“ einzuloggen.

Beinahe hätte Gregor Platzdaweg dies lediglich für eine private Passion des sehr netzaffinen wie – aktiven Trutz Altwasser gehalten, wenn nach dem Einloggen nicht eine düster verzerrte Stimme folgenden Spruch intoniert hätte:

„Klüngel die Stadt, Klingel die Kass´, loss´ mer lure, dat es pass´; Klüngel-Klingel, keine Bange, et hät´ noch immer joot jejange!“

Kenner der hiesigen Verhältnisse identifizieren dieses Zweizeiler seit Langem als Sinnspruch des geheimnisvollen 111´er-Rats, von dem immer schon  die Geschicke nicht bloß in der benachbarten Domstadt, sondern auch ihrem weiteren Umland mit sanftem Nachdruck zu Bürgers Wohl gelenkt werden …

Aufgrund der Brisanz dieser Zusammenhänge ist Gregor Platzdaweg vorerst abgetaucht, auch um seine Recherche-Ergebnisse in Ruhe auszuwerten. Die noch vorösterlich politischen Überraschungseier haben ohnehin den Schwerpunkt der Berichterstattung verschoben – Es wird also einen Beitrag „Die HeLKuW-Connection-3“ geben.

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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