Driescher Kreisel mit Skulptur. Fotomontage

„Ein großartiger Rahmen – aber wo ist das Bild?“ Diese Frage drängt sich Eugen Ignatius jedesmal auf, wenn er den Driescher Kreisel passiert. Das aufwendig angelegte Rondell im Kreisverkehr am östlichen Stadteingang lenke den Blick  in die Mitte. Und da ist – nichts.

Daher hat der Bildhauer ein Konzept für eine große Statue entwickelt, die diese Leerstelle passgenau ausfüllen könnte: eine Skulptur, die aus vier ineinander übergehenden Gesichtern besteht. „Die Gesichter verschmelzen miteinander und blicken in die vier Straßen am Driescher Kreisel hinein.  Dabei bietet sie immer neue Perspektiven, wenn man sie im Kreisverkehr umrundet”, erläutert Ignatius.

Aus dieser Idee heraus entstand eine vier Meter hohe Betonstatur mit grau-glänzender, satinierter Oberfläche – und das Angebot an die Stadt Bergisch Gladbach, sie im Mittelpunkt des Driescher Kreisels aufzustellen. Als Schenkung, nur die  überschaubaren Kosten für Transport und Aufbau auf einem Sockel müsste die Stadt tragen.

Eugen Ignatius in seinem Skulpturen-Garten

Doch damit biss Ignatius auf Granit. Mehrere Anläufe bei Bürgermeister Lutz Urbach und MdB Wolfgang Bosbach liefen trotz grundsätzlichen Interesses ins Leere. Zwischendurch erreichten den 68-jährigen Bildhauer Rückmeldungen, eine solche Skulptur müsse der Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt dienen, dies werde durch die Gesichter-Statue nach Einschätzung von Bau- und Kulturamt nicht erfüllt. Ignatius reagierte erbost, zumal sich bislang niemand aus Verwaltung oder Politik seine inzwischen fertiggestellte Statue angesehen hatte. Und er fasste beim Bürgermeister noch einmal nach.

Heute erhielt er eine ausführliche Antwort, eine klare Ablehnung. Baurat Stephan Schmickler begründet die Absage an eine Schenkung formal: Der Driescher Kreisel und das Rondell seien Bestandteil der vom Land geförderten Regionale 2010. Lange im Vorfeld hätten Architekt und ein überregionaler Gestaltungsbeirat festgelegt, wie das Gesamtprojekt vom Buchmühlenpark über die Fußgängerzone bis zum Driescher Kreisel auszusehen hätte. Und daran wolle und dürfe man nicht mehr rütteln.

Die Tatsache, dass der Mittelpunkt des Driescher Kreisel leer ist, sei auch kein Versehen, sondern Konzept. Schmickler verweist auf die „erhebliche Komplexität“ des Platzes und des Raums drumherum. Diese Komplexität solle nicht durch ein weiteres Element erhöht, sondern durch eine teppichartige Begrünung beruhigt werden.

Driescher Kreisel mit Blick auf den S-Bahnhof. Fotomontage

Damit sieht auch Ignatius die Hoffnung für sein Projekt schwinden. Aber so ganz abfinden will er sich damit nicht, will wenigstens seine Skulptur „aus dem stillen Kämmerlein“ in die Öffentlichkeit und die Diskussion bringen. „Das wäre doch einmal etwas ganz neues, modernes, das weit aus dem Kleinstadtniveau herausragt”, sagt der Bildhauer. Mehr Kunst im öffentlichen Raum würde Bergisch Gladbach auf jeden Fall gut tun – und mit seiner Statue könnte sich die Stadt seinen Besuchern als weltoffen präsentieren.

Jetzt sind Sie dran: Sind Sie mit der Gestaltung des Driescher Kreisels zufrieden – oder könnten Sie sich die von Eugen Ignatius vorgeschlagene Skulptur dort vorstellen? Bitte nutzen Sie das Kommentarfeld unten.

Falls Sie sich ein Bild von der Statue (und den anderen Werken des Künstlers) bilden möchen: sie steht im Skulpturengarten des Künstlers an der Reuterstraße am Kreisel zur Paffrather Straße und ist auch von draußen gut zu sehen. Für eine Besichtigung des Skulpturen-Gartens können Sie sich hier anmelden.

Weitere Informationen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Oooh, dieser Gestaltungsvorschlag hat sicher arg weh getan. Nun müssen sich “Architekt und ein überregionaler Gestaltungsbeirat” ein zweites Mal sagen lassen, das es nicht so wirklich künstlerisch ist. Zuerst musste die Perfektion des Kreisels zerstört werden, weil ein rostiger Güterzug sich dran kratzte. Nun wird optische Leere in der Mitte moniert. Ja leben denn hier in BGL nur noch Kulturbanausen?

    Kann man das Risiko eingehen, dass in ein paar Jahren sich niemand erinnert, dass eigentlich die kreiselige Granitgestaltung das eigentliche Kunstwerk war? Nicht, dass dann jemand glaubt, der Kreisel sei nur eine passende Dekoration für die Statue in seinem Zentrum.

    Mir gefällt die Statue von Herrn Ignatius. Sie würde dem Kreisel sehr gut tun. Ich vermute aber, dass das gesamte Kunstwerk eher in der Partnerstadt Herrlisch Raubach landet, als dass in BGL dort eine Skulptur aufgestellt wird.

  2. Diese Plastik würde meiner Ansicht nach eine deutliche Bereicherung eines an positiven optischen Reizen armen Stadtgebiets darstellen, ohne die verkehrstechnisch bedingte Komplexität zu erhöhen. Bei der derzeitigen gestalterischen Lösung standen wohl eher Pflegeaufwand und Folgekosten im Vordergrund, so dass sich eine den benachbarten S-Bahn-Gleis-Anlagen angepasste pflegeleichte Halbwüste von sehr unterdrückter Ästhetik ergab. Über Kunst und Ästhetik kann man natürlich immer beliebig streiten und bestenfalls sein subjektives Urteil zur Diskussion beitragen. Wenn es aber um Kunst im öffentlichen Raum geht , sollte man über die Art der Entscheidungsfindung hier doch schon nachdrücklicher diskutieren. Es kann doch nicht richtig sein, dass Verwaltungsbeamte die Gestaltung des öffentlichen Raumes ohne Bürgerbeteiligung nach ihrem persönlichen Geschmack vornehmen können. Wer hat hier eigentlich die Hosen an, die Verwaltungsspitze oder die Kommunalpolitiker, Bürgermeister und die entsprechenden Ausschüße ??? Bei den im Verlauf des Kreisel-Baues offenkundig gewordenen Planungs- und Ausführungsfehlern, die eine Vielzahl von Nachbesserungen erforderlich gemacht haben, ist es leicht verständlich, dass Verantwortliche die Sache gerne als endgültig abgeschlossen sehen möchten und weitere Eingriffe strikt abwehren. Ich kann mir gut vorstellen, dass der neue Vorschlag bei Verantwortlichen überwunden geglaubte Alpträume wieder wachgerufen hat und zu reflexartiger Abwehr führen musste. Aber so leicht sollten wir es der Verwaltung nicht machen. Mit der Installierung eines parteiübergreifenden „Gestaltungsbeirats“ könnten solche Alleingänge der Verwaltung unterbunden werden. Es gibt doch in GL auch kunstbeflissene Bürger (siehe u.a. hier Beitrag zum „Kultur-Netzwerk“) , die bei Stilunsicherheit von Kommunalpolitikern Hilfe anbieten und mit einbezogen werden könnten. Noch ein kleiner Tipp an die Protagonisten: Wenn der Künstler die Gesichter noch einmal derart überarbeitet, dass Ähnlichkeiten mit Lokalpolitikern (o.Verwaltungsbeamten) erkennbar werden, dürfte die Zustimmung gesichert sein ! (möglichst noch vor der Wahl)

  3. Liebe Kollegen in Bergisch Gladbach,

    auch unsere Verwaltung, namentlich der Erste Nebenbeigeordnete und Stadtbauschrat Toni Trickler, hat jüngst die ontologisch bedingt polyzirkuläre Komplexität von Kreisvekehren erkannt.

    Anstatt nun aber bloß zu verhindern, diese durch angebliche “Kunst” noch weiter zu steigern, sind wir in Herrlisch Raubach, mit Verlaub, konsequenter

    – unser Verkehrs-Lenkungsausschuss arbeitet derzeit an einer Schutz-Verordnung, die es dem komplexitätsüberforderten Bürger im eigensten Interesse grundsätzlich verbietet, Kreisverkehre zu benutzen.

    Ausgenommen davon sind lediglich diejenigen gewählten Vertreter des Rates der Stadt, die durch ihr Abstimmungsverhalten nachweisen, mit Komplexität angemessen umgehen zu können. Und natürlich die Mitarbeiter der Verwaltung.

    Auch hier geht Herrlisch Raubach also wegsperrend und zukunftsverbauend voran!

    Österliche Grüße von der wunderbaren Schlunde!

  4. “Die erhebliche Komplexität des Platzes” wird erst durch die sterile Gestaltung des Kreisels deutlich. Ein Eyecatcher würde dieses Problem überspielen. Aber so kommen die Schranken besser zur Geltung.

  5. Zu der Skulptur von Herrn Ignatius fielen anderen Gladbacher Bürgern schon folgende Gesichtspunkte ein, als sie sie sahen:

    1. Offenheit in alle Richtungen
    2. Gleichheit aller Menschen
    3. organische Verbundenheit der Einzelnen miteinander ( Prinzip der Solidarität)
    4. Der eine trage des anderen Last
    5. Der Stärkste sollte am meisten Verantwortung und die größte Last tragen

    Sind diese Gesichtspunkte keine, mit denen sich die Gladbacher identifizieren können? Vielleicht Herr Schmickler nicht, andere (wohl die große Mehrheit) schon. Oder andererseits: Sind die sogenannten Stadtplaner so sicher, dass sich die Bevölkerung mit einem Betonpflaster identifiziert oder mit Bänken ohne Rückenlehne? Und ist sie jemals danach gefragt worden?

    Mir ist auf jeden Fall niemand bekannt, der sich in besonderer Weise mit dem bisher völlig nichtssagenden Driescher Kreisel identifiziert. Übrigens hat sich auch schon jemand gefunden, der den Transport und die Aufstellung der Großplastik bezahlen würde. Auch das wurde bisher abgelehnt. Wo leben wir hier, liebe Gladbacher Mitbürger?