Anna (links) und Carmen sammeln Müll im Rosengarten. Fotos: Redaktion

Sie ärgern sich über den Müll in Parks und auf Wegen, über weggeworfene Zigaretten und Plastikverpackungen in den Blumenbeeten. Aber statt nur zu meckern, werden engagierte Bürger:innen wie Carmen und Anna selbst aktiv. Wir haben die beiden Frauen bei ihrer ersten Sammelaktion begleitet. Nachahmer:innen sind erwünscht.

Carmen und Anna sind bestens ausgestattet: Mit Eimer, Müllsäcken, Greifzangen und Arbeitshandschuhen legen sie im Rosengarten los. „Sieht ja gar nicht so schlimm aus wie sonst“, lautet Annas Urteil nach einem ersten Blick. Auf den zweiten und dritten entdecken die beiden Frauen aber doch noch jede Menge Müll, den sie einsammeln.

Nicht mal eine Woche ist seit dem Workshop zum Thema Müll und Sauberkeit vergangen, bei dem sich die beiden Bergisch Gladbacherinnen kennengelernt hatten: In der Redaktion des Bürgerportals hatten rund 20 engagierte Bürger:innen nach der Auftaktveranstaltung von „GL spricht“ in der Fußgängerzone erste konkrete Ideen entwickelt, wie die Stadt sauberer werden kann.

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Für unsere Umwelt. Für unsere Stadt. Für uns alle

Die Auftaktveranstaltung von „GL spricht“ zum Thema Müll und Sauberkeit zeigt Wirkung: Rund 20 engagierte Bürger:innen haben bei einem Workshop Ideen entwickelt, wie man gemeinsam dafür sorgen kann, dass Bergisch Gladbach sauberer und liebenswerter wird – und damit den Grundstein für die Initiative „GL glänzt“ gelegt.

„Unsere Stadt ist so sauber, wie wir uns verhalten“

Zum Auftakt des Dialogprojekts „GL spricht“ hat das Bürgerportal mit den Menschen in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone über das Thema Müll und Sauberkeit diskutiert. Im Fokus stand dabei die Frage: Was braucht es, damit wir uns in unserer Stadt wohlfühlen? Und wie können wir selbst dazu beitragen? Dabei wurden viele Ideen gesammelt, die nun konkretisiert werden sollen.

Eine der Ideen ist. es, dass Menschen für bestimmte Bereiche Patenschaften übernehmen, die sie regelmäßig von Müll und Unrat befreien. Für eine Straße, für einen Spielplatz oder für ein Beet im öffentlichen Raum.

Sie wollen sich an dem Projekt für mehr Sauberkeit in GL beteiligen? Dann tragen Sie sich bitte hier ein – wir halten Sie auf dem Laufenden. Die nächste Aktion ist für den 30. Mai an der oberen Hauptstraße (Strundorf) geplant.

Carmen und Anna haben sich für den Rosengarten zwischen Odenthaler Straße und Buchmühle in der Innenstadt gemeldet. „Wir wollten möglichst schnell loslegen“, sagt Carmen und stülpt einen Müllbeutel in ihren Eimer. 

Kippen vergiften das Grundwasser

Vor allem an den vielen achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen stört sich die 69-Jährige. „Dadurch gelangen so viele Schadstoffe und Mikroplastik ins Grundwasser.“ Dagegen etwas zu unternehmen, bezeichnet Carmen als ihre größte Motivation. Beim Blick auf den Müll rund um die Bänke und im Sandkasten im benachbarten Spielplatz schüttelt sie den Kopf: „Nicht mal vor Spielplätzen haben manche Menschen Respekt.“

Carmen ist unter anderem Mitglied im Bürgerverein Gierath-Schlodderdich und bei den Klimafreunden aktiv. Sie sammelt regelmäßig Müll – gemeinsam mit Anderen oder allein. „Oft werde ich von anderen Menschen gefragt, ob ich dafür Geld bekomme“, sagt die 69-Jährige und lacht. Wenn sie antworte, dass sie das ehrenamtlich mache, reagierten manche Leute mit Unverständnis: „Wir zahlen doch Steuern dafür.“

Lob und Anerkennung

An diesem Vormittag im Rosengarten ernten die beiden Frauen hingegen anerkennende Blicke und lobende Worte von einigen Passant:innen. „Danke, dass Sie das machen“, sagt ein Mann im Vorbeigehen. 

Mit ihrer Grillzange greift Carmen eine Kippe nach der anderen und manövriert sie in ihren türkisfarbenen Eimer. „Wenn man eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug mit sich rumträgt, sollte es doch auch möglich sein, einen kleinen Taschen-Aschenbecher dabei zu haben.“ 

Die beiden Frauen befreien Beete von Glasscherben und Plastik-Verpackungen, sammeln Gummibärchen-Tüten und eine abgebrochene Bierflasche rund um die Parkbänke und die Wege ein.

Umgerüsteter Wanderstock

Anna nutzt eine Greifzange, die sie vor einigen Jahren nach einer Hüft-Operation gebraucht hat, um Dinge aufzuheben, ohne sich zu bücken. Die festgetretenen Kronkorken können Annas Zange allerdings nicht greifen, also gräbt sie sie mit ihren Händen aus. Sie trägt Gartenhandschuhe. 

Mit dabei hat sie außerdem einen umgerüsteten Wanderstock: An der Spitze hat die 66-Jährige mit Klebeband einen Nagel befestigt, um damit Zigarettenkippen aufzuspießen. „Ich habe Knieprobleme und kann mich daher nicht so gut bücken“, erklärt sie. 

Körperliche Gebrechen halten die engagierten Frauen allerdings nicht von ihrem Einsatz für die Umwelt ab. Sie hoffen, dass sich ihnen weitere Müllsammler:innen anschließen, um mit zu einer saubereren Stadt beizutragen.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Hallo liebes Team von in-gl.,

    ich finde eure Beiträge sehr lesenswert und freue mich jeden Morgen darauf.
    Was das Müllproblem angeht ist mir aufgefallen, dass es wenn man zu Fuß unterwegs ist von der Bushaltestelle Gronau Kirche Richtung Innenstadt bis zur nächsten Bushaltestelle Dechant-Müller-Straße keinen einzigen Mülleimer gibt. Ich finde die Strecke sehr lang und es gibt viele, die dort langgehen, vielleicht mit einem Brötchen vom Bäcker oder einem Sandwich von Subway und daher ist es nicht verwunderlich, dass am Wegesrand immer viel Müll liegt.
    Man muss hier seinen Müll schon recht lange mit sich rum tragen, um ehrlich zu sein.
    Gibt es eine Möglichkeit, das vielleicht an die Stadt weiterzugeben?

    Herzlichen Dank und freundliche Grüße,
    Marlies Eller

    1. Hallo Marlies Eller,
      wenn ich die Brötchentüte gefüllt mit Inhalt tragen kann werde ich sie doch auch geleert (auch über einen längeren Weg) mit mir nehmen können.

    2. Müllsammler:innen, alle Helden ! !
      Wir alle können uns doch jeden Tag ein bis zweimal bücken und Müll aufheben. Sammelaktionen definitiv noch besser.
      Bitte weiterhin (dem Bürgerportal sei dank) jeden Tag AUCH gute Geschichten – wie diese. Danke !
      Zum Beispiel reihum über die tausenden Ehrenamtlichen.
      Animiert -mit Einschränkung- zum mitmachen.
      Wir werden überschwemmt von negativen Nachrichten…
      …die Dosis macht das Gift: allgemeines Jammern (auf hohem Niveau) statt Dankbarkeit und Wertschätzung… ein Fressen für die AfD.

    3. @ alle: statt schimpfen und jammern (leider der allgemeine Standard) besser Kritik und Anregungen an die RICHTIGEN Stellen adressieren:
      Tellme-Mängel app oder Stadtverwaltung/Beschwerden (02202142222) oder Ordnungsamt (überZentrale 02202140 oder 01606152184) oder per Post : Stadt Bergisch Gladbach, Zentrales Beschwerdemanagement,Postfach 200920,51439

      Oder welche weitere bzw. bessere Ideen ?