Ausriss aus der Anzeige

Der Wahlkampf in Bergisch Gladbach wird fast alleine von den Parteien betrieben, andere Akteure oder gesellschaftliche Gruppen halten sich mit öffentlichen Bekundungen weitgehend zurück. Mit einer Ausnahme: Die „Elf“, ein Zusammenschluss von elf Bürgerinitiativen mit der Website „Rettet unsere Stadt im Grünen“, hat jetzt ein prominente Anzeige in den Lokalzeitungen geschaltet, um vor dem Projekt „Autobahnzubringer über den Bahndamm” zu warnen – und indirekt davor, die SPD oder CDU zu wählen.

Die Anzeige zeigt in einer Fotomontage, wie sich das Bild entlang des Zubringers ändern würde – in Form meterhoher Lärmschutzwände. Wörtlich heißt es in der Anzeige: „Der Bürgermeister hält den Autobahnzubringer über den Bahndamm übrigens für die einzige Lösung, so auch die mehrheitlichen Stimmen aus SPD und CDU. Seien Sie also wachsam und gehen Sie am 25. Mai zur Wahl.“

Sprecherin der „Elf” ist Liane Schneider. Die Anzeige sei aus Spenden finanziert worden, die auf einem speziellen gemeinsamen Konto der Bürgerinitiativen für die Öffentlichkeitsarbeit gesammelt worden sei. Ziel der Aktion sei es, die Bürger darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei dem Thema keinesfalls umd eine „Phantomdebatte“ handelt und das die versprochene Entlastungen bestimmter Ortsteile völlig illusorisch sei.

„Es gibt ein Dutzend guter Sachargumente und jede Menge Studien gegen das Projekt, aber die werden ignoriert – die Planung geht im Hintergrund immer weiter”, warnt Schneider.

Die Sprecherin weist auf zwei Aspekte besonders hin. Zum einen gehe aus dem Umweltverträglichkeitsgutachten klar hervor, dass das intakte Bahngleis zur Zinkhütte bestehen bleiben soll. Demnach müsste eine Paralleltrasse „durch die Gärten der Anwohner” gebaut werden. Zudem werde das letzte Teilstück von der Kölner Straße bis zur Autobahn, also der eigentliche „Anschluss“ als völlig unrealistisch bewertet. Und dennoch werde an der sogenannten „Vorzugsvariante“ von der Zinkhütte bis zu Kölner Straße weiter geplant.

Weitere Informationen: Alle Beiträge über die Bahndammtrasse

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. @Peter Baeumle-Courth,

    absolut richtig: Eine intelligente und gesamtheitliche Stadtverkehrs-Planung/- Optimierung sollte unter Führung des dann „regierenden“ BM von Verwaltung, Experten, Praktikern und Betroffenen komplett ideologiefrei, realistisch und vor allem unter Nutzung dessen, das zeitnah umsetzbar wäre, aufgesetzt werden.

    @Klaus Haltermann,
    Zitat: „… ist ein gut ausgebauter Autobahnzubringer ein ‚Muss‘ für eine Stadt wie Bergisch Gladbach.“ – vorausgesetzt, es ist ein Autobahnzubringer und keine Großumleitung auf eine weitere Behelfszuleitung zur Autobahn. Wenn man dafür Opfer solchen Ausmaßes bringen will, bleibt die Ergebnisqualität jeder Lösung ein Muss.

  2. Lieber Herr Haltermann,

    auf den einen Satz muss ich etwas kurz erwidern:

    „Haben sie (…) ein Just-In-Time Konzept mit der Verbindung durch eine Stadt geplant, in der niemand sagen kann, ob es 10 oder 60 Minuten dauert, um von A nach B zu kommen?“

    Mir ist bekannt, dass namhafte Bergisch Gladbacher Unternehmen keinen Einfluss darauf nehmen (wollen), sprich: keinerlei Planung durchführen, wie Rohmaterialien angeliefert werden!

    Das wäre einer von mehreren Ansatzpunkten für einen gemeinsamen konstruktiven Austausch der Unternehmen mit dem Bürgermeister ;-) , der Verwaltung und der Politik.

  3. Ist ja schön wie weit die Leute doch immer über den Tellerrand hinausschauen. Um die Wirtschaft anzukurbeln muss man den Ort bergisch Gladbach auch für die Industrie interessanter machen indem diese kürzere und einfachere Wege für ihren Wahrentransport benutzten können. Haben sie schon mal ein ein Just-In-Time Konzept mit der Verbindung durch eine Stadt geplant in der niemand sagen kann ob es 10 oder 60min dauert um von A nach B zu kommen? Nein? Natürlich nicht! Macht ja auch niemand, daher ist ein gut ausgebauter Autobahnzubringer ein „Muss“ für eine Stadt wie Bergisch Gladbach.

  4. Wenn ich richtig informiert bin, gab es genau diese Fotos bereits 2009 pünktlich vor der Wahl – also „kalter Kaffee“. Nur der Text ist neu und nicht unbedingt besser – es sollten Zitate, wenn sie schon erfolgen, dann auch vollständig sein – z. B. durch das Gesagte „… in naher und ferner Zukunft ist die Autobahnanbindung nicht finanzierbar …“
    Und zum anderen: Kritik ist sicher berechtigt, besser wären durchführbare (!!!) Alternativvorschläge! Das wäre doch mal konstruktive Kritik.