Die Eindrücke der Reisegruppe des Arbeitskreises Ganey Tikva wirken auch nach der Rückkehr noch spürbar nach.  Es waren nicht nur die schockierenden Orte und die zu Herzen gehenden Geschichten in Auschwitz und Birkenau, es war auch das aufstrebende Polen, die historische Stadt Krakau mit ihren vielen jungen Leuten und die Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern in Pszczyna, die offen und interessiert waren.

Den ersten Teil des Reiseberichts lesen Sie hier

Neben dem persönlichen Fazit aller Mitreisenden bleiben vielleicht zwei Gesichtspunkte, die von allgemeinem Interesse sei dürften:

Widerstandskraft aufbauen

Es überrascht, dass so wenige Deutsche nach Auschwitz fahren. Zugegeben, es ist schmerzlich, dass dieses schreckliche systematische Morden von Deutschen ausging.  Theodor Heuss sagte: Es gibt keine Kollektivschuld, aber eine Kollektivscham. das spürt wohl jeder, der diese Orte als Deutscher aufsucht.

Aber nur, wenn wir uns für die Gegenwart und für die Zukunft entschieden dieser Gräuel erinnern und uns gegen Ideologien und Geschehnisse dieser Art proaktiv wehren, können wir etwas von der Würde zurück gewinnen, die Deutschland mit seinen christlichen und kulturellen Errungenschaften ehedem hatte. Wir sind es erst recht den vielen Opfern und ihren heutigen Angehörigen schuldig.

Kann man Bach, Beethoven, Schiller, Lessing, Kant und all die anderen noch genießen, wenn man nicht intensiv und ehrlich gegen Antisemitismus und Faschismus Position bezieht?  Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hat deutlich gemacht, wie wenig Widerstandskraft die Deutschen insgesamt gegen diese Menschenverachtung hatten. Es bleibt unsere Aufgabe,  mehr Widerstandskraft aufzubauen und klare ethische Werte zu leben.

Deshalb werden wir in Zusammenarbeit mit Klaus Farber weitere Fahrten nach Krakau und Auschwitz anbieten.  Und wir möchten unseren Schulen mit Sekundarstufe anbieten, diese Reise mit ihren Schülerinnen und Schülern zu unternehmen.  Die Bethe-Stiftung fördert die Fahrten von Schulklassen und Schulstufen so stark, dass die Reise pro SchülerIn und LehrerIn nur 30 Euro kostet. Es besteht also kein finanzielles Hindernis.

Ein neuer Anfang in der Städtepartnerschaft mit Pszczyna

Die evangelische Kirche in Pszczyna

Die Begegnungen in Pszczyna verliefen herzlich und ermutigend. Der Empfang im Rathaus, die Besichtigung der schönen evangelischen Kirche, des beeindruckenden Schlosses, der hübschen Innenstadt und des interessanten Museums waren nicht einmal das wichtigste. Erstmals konnten Bürgerinnen und Bürgern beider Partnerstädte einander persönlich begegnen.  Es ist ein neuer Anfang in dieser Städtepartnerschaft gemacht worden. Dafür hat sich insbesondere Klaus Farber sehr eingesetzt.

Er schmiedet dieses Eisen weiter. Bereits für Ende August dürfen wir eine Besuchergruppe aus Pszczyna erwarten.  Dafür werden Gästequartiere gesucht. Interessierte können sich z.B. bei info@heilsbrunnen.de melden. Wir leiten die Mail dann weiter.

Interessant war, dass auch der evangelische Pfarrer von Pszczyna, eine Künstlerin, eine Volkshochschulleiterin und eine größere Gruppe von Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu uns traten.  Das lässt auf Begegnungen in allen Generationen hoffen für den Besuch in unserer Stadt.

Begegnung im Rathaus von Pszczyna

Klaus Farber hat diese Reise großartig organisiert und die Reisegruppe hat gut miteinander harmoniert. So dürfte es jetzt einige Botschafterinnen und Botschafter mehr geben, die für Auschwitz, Krakau und Pszczyna werben.

Achim Dehmel

Pfarrer der Kirche zum Heilsbrunnen, 4. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach.

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