Foto: Klaus Hansen

Drei Einkaufszentren mit der Konzentration von Geschäften des täglichen Bedarfs und einem großen Parkplatzangebot um den Bahnhof herum lassen zwangsläufig die untere und obere Hauptstraße in Bergisch Gladbach veröden. Das geplante Einkaufszentrum in Bensberg wird natürlich auch keine Erhöhung der Kaufkraft und neue Kunden in die Stadtmitte bringen. Im Gegenteil: Es wird Umsatz aus der Innenstadt und aus Refrath abziehen. Dann werden die Probleme noch schärfer mit Leerstand sichtbar.

Keine Geschäfte des täglichen Bedarfs

In der oberen Hauptstraße zwischen Konrad-Adenauer-Platz und dem Kulturhaus Zanders finden sich keine Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerieartikel etc.). Es gibt dort stärker frequentiert lediglich zwei Bäckereien und eine Apotheke. Dazu die Filiale der Kreissparkasse, die noch viele Kunden anzieht. Ein Eiscafé, das Galerie-Café und ein italienisches Restaurant können das Fehlen stark frequentierter Geschäfte mit Laufkundschaft im Laurentiusviertel nicht wettmachen.

Es fehlen in unserer Stadt hochwertige Geschäfte, die Kunden nach Bergisch Gladbach bringen könnten. Zahlungskräftige Käufer aus Bergisch Gladbach suchen Geschäfte dieser Art in Köln und Düsseldorf.

Forderungen in der Not

Foto: Klaus Hansen

Die Einzelhändler des Laurentiusviertels fordern in ihrer nachvollziehbaren Not die Öffnung des Weges vor der Volkshochschule, die Schaffung weiterer Parkplätze durch Asphaltierung geplanter und vorhandener Grünanlagen und damit die Zerstörung des Forum-Parks.

Parkplätze lösen aber nicht die Probleme der oberen Hauptstraße.

Parkplätze für Kunden, die nicht weiter als 50 Meter von einem Geschäft entfernt parken wollen, wird es außerdem sowieso nicht geben können. Es sei denn, die Innenstadt wird zugunsten von Parkplätzen weiter verschandelt.

Horst Stern befürchtete schon vor über dreißig Jahren:

Bald werden wir überall parken können – aber es wird sich nicht mehr lohnen, dort anzukommen.”

Politiker, die dem Einzelhandel Lösungen an der Buchmühle und im Forum-Park versprochen haben, scheinen eine sinnvolle Stadtgestaltung aus dem Blick verloren zu haben, oder – schlimmer noch –, sie haben die Versprechungen wider besseren Wissens gemacht.

Kaum neue Kunden, kaum mehr Kaufkraft

Das überfällige Parkplatz-Leitsystem wird den Parkplatz-Suchverkehr verringern und zu einer besseren Auslastung der vorhandenen Parkplätze führen. Mehr aber auch nicht. Das System dürfte kaum neue Kunden und zusätzliche Kaufkraft in die Innenstadt bringen. Wie auch? Woher auch?

Also müssen Alternativen gedacht werden:

  • Großzügige Aufstockung und menschliche Anbindung des Schnabelsmühlen-Parkplatzes,
  • eine städtebaulich sinnvolle und optimierte Neugestaltung der vielen kleinlichen Parkplätze An der Gohrsmühle (auf der südlichen Rückseite der Hauptstraße),
  • ein komfortables Radwegenetz,
  • ein weitere Verbesserung des Busverkehrs,
  • ein einheitliches, vernünftiges Parkraum-Bewirtschaftungs-Konzept.

Kreativität ist gefragt.

Foto: Klaus Hansen

Zum Parkraum-Bewirtschaftungs-Konzept: Jetzt gibt es mehrere unterschiedliche Systeme nebeneinander. Die Betreiber versuchen über Rabatte, unterschiedliche Tarife und kostenlose Anfangsstunden, sich gegenseitig die Besucher von Parkhäusern und Parkplätzen abspenstig zu machen.

Viele Bürgerinnen und Bürger halten sich als Folge (… die erste Stunde frei parken) nur kurze Zeit in der Stadt auf. Auch, weil die eher schlichte und kahle neue Fußgängerzone mit (offensichtlich missglückten) Mülleimern zwischen Bänken nicht zum Verweilen, zum Flanieren einlädt. Es gibt kaum einen Grund, sich hier mit anderen zu treffen. Außer in der Grünen Ladenstraße. Oder am Bürgerhaus.

Foto: Klaus Hansen

So bitter es ist: Wir müssen uns von der Hoffnung einer schnellen Rettung des Laurentiusviertels durch mehr Parkplätze verabschieden. Wie auch von der Lebenslüge des Autobahnzubringers über die Bahntrasse. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Gefragt ist eine kreative Politik, die neue, zukunftweisende Lösungen sucht und findet.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Es kommen sicherlich mehrere Gründe zusammen. Der von Ihnen genannte ist auch einer. Ich war heute in der Stadt, Treckingschuhe kaufen. Bei Görtz bin ich rausgegangen mit den Worten: “Dann muss ich die wohl im Internet bestellen.” Die hatten echt kein einziges Paar. Dann bin ich im Löwencenter fündig geworden. Ein einziges “Modell” unter 100 Euro. Das gabs zum Glück in der richtigen Größe und ich hab es mitgenommen. Im Internet wäre die Auswahl unter 100 Euro wesentlich umfangreicher gewesen. Aber Schuhe probiert man halt gerne vorher an.

  2. Frau Wirrkopf,

    Das ist sicherlich eine richtige Beobachtung. Der Grund ist aber glaube ich eher, dass viele (ich schließe mich da ein) heute lieber online kaufen. Zu billigeren Preisen, mit weniger Stress und ohne oft nervige Verkäufer.
    Da hat der deutsche Einzelhandel einfach “den Schuss nicht gehört”. Ich denke das ist ein überregionales Phänomen.

  3. Ich wage mal zu unken und ein bisschen zu übertreiben: Mit der Zeit werden alle “die großen Namen” der Geschäftswelt hier wieder verschwinden. Nicht weil Parkplätze fehlen sondern weil Umsätze fehlen. Unsere Welt lebt doch davon, dass Menschen Dinge kaufen, die sie nicht brauchen und davon viel und jedes Jahr wieder das Neuste. Das kann nicht funktionieren, wenn Menschen kein Geld mehr haben, dass sie nicht brauchen.

    Die Stadt ist unter der Woche voller Menschen. Aber wenn man sich mal eine Weile hinstellt und guckt, was diese Menschen tun, wird man feststellen: Sie laufen rum, gucken und befühlen das Angebot, kaufen es aber nicht. Die meisten machen es mangels Kohle wie ich: Sie schauen sich an, was es gibt, was sie sich aber nicht leisten können, vermutlich weil die Miete und die Raten fürs Auto wichtiger sind. Dann kaufen sie sich eine Wurst oder irgendwas beim Billigbäcker und setzen sich auf eine Bank neben den bereits erwähnten vor Schmutz starrenden Abfallbehältern. Überall, wo es Essbares gibt, sitzen Menschen. Beispiel RheinBerg-Galerie: Dort sitzen die Leute, essen und trinken, aber in den Shops ist keine Kundschaft. Jedenfalls nicht so viel, dass so ein Laden überleben könnte. M.E. muss nicht das Angebot attraktiver werden, sondern die Menge verfügbaren Geldes in der Hosentasche der Bürger muss mehr werden. Daran können Stadtplaner aber nun mal gar nix ändern.

    Aus der RheinBerg-Galerie kann man, wenn sie dann irgendwann leersteht, sicherlich noch einen türkischen Basar machen. Aber für den Rest der Stadt seh ich schwarz!

  4. Völlig einverstanden: “nur mehr Parkplätze”, das bringt uns in unserer Stadtentwicklung nicht voran.

    Ich denke auch, dass man aus einer alten Dorfkneipe nicht so ohne Weiteres eine “Erlebnisgastronomie” (für welche Zielgruppe auch immer) machen kann. Das ist jedoch nicht tragisch: die Stärke unserer Stadt kann in der gelungenen Mischung liegen.
    Eine von den dort wohnenden Menschen akzeptierte Dorfkneipe ist mir natürlich lieber als (noch) eine Spielhalle.

  5. PS: Aus einer alten Dorfkneipe mach man keine Erlebnisgastronomie nur mit mehr Parkplätzen. Man braucht einen neuen Besitzer bzw. Pächter ;-))

  6. P. B.-C. Dem ersten Teil (Thema Parkplätze) kann ich mich 100 pro anschließen. Gedankenloses verwalten statt kreatives gestalten. Der Mut zu neuem Denken und Handeln fehlt. Die Bereitschaft alte Wege zu verlassen? Fehlanzeige! Wie tief dieses Denken bei allen Beteidigten verwurzelt ist, zeigt der Ruf nach mehr Parkplätzen. Stadtentwicklung und -planug ist mehr als die Ruf nach Parkplätzen.

  7. Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele: sowohl zum Thema Parkplätze, wie auch zum erwähnten Bahndamm wird es wirklich höchste Zeit für ein neues Denken. Inwieweit die Kommunal- und die Bürgermeisterwahl dies bringen werden?
    Schauen wir mal…