Charlotte Scholl: Verpackter Hund

„Das ist doch ein grandioser Auftakt“, kommentierte Stefan Kraus, Museumsleiter vom Kolumba, den Auftritt der Ballett-AG des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums zu Beginn des gemeinsamen Museumstages von NCG und Kunstmuseum des Erzbistums  am Samstag. Zu den Klängen des “dans macabre” von Camille Saint-Saens eröffneten fünf Schülerinnen der Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung von Frau Korb-Hrankovich das Programm.

Doch die nächsten Programmpunkte und die Exponate der Schüler standen dieser Aufführung in Nichts nach. Zahlreiche Plastiken und Installationen von Schülerinnen und Schülern wurden passend zur Jahresausstellung “zeigen verhüllen verbergen. Schrein. Eine Ausstellung zur Ästhetik des Unsichtbaren” gezeigt, junge Musikerinnen und Musiker brachten das Gebäude zum Klingen, außerdem wurde getanzt und an historischer Stätte ein lateinisches Theaterstück aufgeführt.

Geigenklänge an ungewöhnlichen Orten

Im Rahmen eines Kammerkonzertes brachten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassen das Museumsgebäude mit seiner beeindruckenden Akkustik zum Klingen: Melodien eines Trios für Violinen und einiger Duette für Querflöten bzw. Violinen und Klaviere wehten durch die verschiedenen Ausstellungsräume. Solisten an Trompete, Saxophon, Klavier und Harfe stellten zwischen den kostbaren Reliquienschreinen aus Siegburg, die das Museum in diesem Jahr als Leihgabe ausstellen darf, ihr Können unter Beweis.

Im Anschluss spielten die Musiker dann mit den Möglichkeiten, die ihnen das eindrucksvolle Gebäude anbot. Immer wieder wechselten sie die Orte, um zwischen den Kunstwerken ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler, die in die Exponate der diesjährigen Jahresausstellung eingereiht waren, die anderen Besucher zu unterhalten.

Sie schreckten dabei auch nicht vor ungewöhnlichen Plätzen zurück. Geigenklänge hallten zum Beispiel durch die zum Museum gehörigen Ausgrabungen aus Antike und Mittelalter genauso wie aus dem Museumsaufzug.

Kasimir Dederichs und Stephan Groß

Theaterpremiere auf historischem Boden

Nach den vielen musikalischen Beiträgen wurde im Innenhof des Museums ein lateinisches Theaterstück aufgeführt, das im letzten halben Jahr von der Klasse 7b mit Unterstützung ihrer Lehrerin Daniela Gerber selbst geschrieben und einstudiert worden war. Die Geschichte um einen heimlichen Mord am Limes, einen verlorenen Hund, eine Familie, die nach vielen Jahren unfreiwilliger Trennung wieder zusammenfindet, und um Freundschaft zwischen Menschen verschiedener Kulturen nach anfänglichen Vorurteilen war auch für das Museum eine Premiere.

Wie geeignet der Innenhof des Museums als Ort für szenische Aufführungen ist, wurde den Mitarbeitern des Museums erst in diesem Moment klar. So äußerte Marc Steinmann, der als stellvertretender Leiter des Museums die Kooperationen mit Schulen betreut, in seinen Dankesworten an die Schauspielerinnen und Schauspieler die Hoffnung, dass das Museum diese Idee in Zukunft aufgreifen könne: „Theater gespielt wurde in diesem Haus noch nie, aber vielleicht habt Ihr mit Eurer Aufführung ja eine neue Tradition begründet.”

Dass gerade ein lateinisches Theaterstück vorgestellt wurde, mache an diesem Ort noch aus einem anderen Grund Sinn: “Unter diesem Innenhof wurde beim Bau des Museums eine gut erhaltene Wand eines römischen Wohnhauses gefunden. Die Besitzer dieses Hauses müssen – so lässt es die Bemalung der Wand vermuten – recht wohlhabend gewesen sein. Ich stelle mir gerade vor, wie die Menschen, die vor 2000 Jahren hier lebten, lateinische Literatur und lateinische Theaterstücke gelesen haben”, erläuterte Herr Steinmann.

Ausstellungsprofis belohnten Schüler durch Profi-Behandlung

Marc Steinmann hatte gemeinsam mit seiner Kollegin Barbara von Flüe in den letzten Tagen und Wochen in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern von Kunstkursen aus der Klasse 9 und des Oberstufenjahrganges Q1, die von den Kollegen Herrn Grothe und David Boakye-Ansah unterrichtet werden, auch die Präsentation der erarbeiteten Plastiken begleitet und vorbereitet.

Für hohe Motivation bei den Schülerinnen und Schülern sorgte dabei vor allem die Erfahrung, dass sie von Seiten des Museums von Anfang an genauso ernst genommen wurden wie die renommierten Künstler, deren Werke im Kolumba ausgestellt werden. Barbara von Flüe und Marc Steinmann ließen sich im Vorfeld bei einem Besuch in Bergisch Gladbach Ideen und Konzepte zu den geplanten Plastiken erläutern und entwickelten erste Vorschläge, an welchen Orten die Schülerprodukte ausgestellt werden könnten.

Am Tag vor der Ausstellung wurden die Kunstwerke zum Museum transportiert, und gemeinsam mit den Museumskuratoren konnten die Schülerinnen und Schüler dann ihrer Plastiken aufstellen. Von der Professionalität und dem Ergebnis war dann auch der betreuende Kunstlehrer Thorsten Grothe beeindruckt: “Man ahnt im Vorfeld nicht, welche Wirkung von einer Schülerarbeit ausgeht, wenn sie in diesen Räumlichkeiten ausgestellt werden kann.”

Vom verpackten Hund bis zum WM-Protest

Die Menge und die Bandbreite der Schülerexponate überraschte am Präsentationstag selbst auch alle Beteiligten und Besucher. Schon am Eingang empfing die Gäste eine nach Art des Verpackungskünstlers Christo verhüllte Hundeplastik.

Im Foyer hatten Schüler mit Hilfe von Legobauteilen eine Installation entwickelt, die auf den Protest gegen die hohen Kosten zur Durchführung der Fußball-WM in Brasilien einging. Eine Nische des Museums war für die Präsentation von Videoinstallationen aus dem Differenzierungskurs Musik-Kunst reserviert.

An anderer Stelle ragten Hände aus Kisten oder aus dem Fußboden in die Ausstellungsräume, eine fliegende Schildkröte – eingehüllt in allerlei Abfall – kritisierte die Verschmutzung der Meere. Eine Plastik, die die Massentierhaltung anprangerte, fand ebenso Platz wie eine übergroße venezianische Maske.

Verwendung fanden schließlich durchaus ungewöhnliche Materialien: Während in einem Objekt eine Wassermelone zum Einsatz kam, brachten Mehlwürmer in einer Installation die Hinfälligkeit alles Lebendigen zum Ausdruck.

Für eine – durchaus beabsichtige – Beunruhigung sorgte eine Reisetasche, aus der im Abstand von einigen Minuten immer wieder ein Warnsignal ertönte und die während des Tages mehrfach ihren Platz wechselte.

Was stammt von Künstlern, was von Schülern?

Eine Besucherin fotografiert die fliegende Schildkröte von Valerie Menzel

Das größte Lob für die Schülerinnen und Schüler dürfte die Rückmeldung vieler Besucher sein, dass man oft zwischen den eigentlichen Exponaten der Ausstellung und den Schülerarbeiten keinen Unterschied ausmachen könne.

Eine Museumsaufsicht etwa musste immer wieder erklären, warum bestimmte Exponate denn eigentlich nicht in dem kleinen Museumsführer aufgeführt seien: “Die Besucher waren überrascht und tief beeindruckt, wenn ich ihnen dann erläutert habe, dass das Werke von Schülern sind, die im Rahmen des Projekttages hier ausgestellt werden.”

Den Abschluss dieses gelungenen Tages bildete ein Gespräch zwischen den jugendlichen Künstlerinnen und Künstlern und dem Museumsleiter Stefan Kraus, in dem dieser sich auch noch einmal wesentliche Aspekte des vorangehenden Schaffensprozesses erklären ließ. Am Ende waren sich alle Beteiligten einig, dass man hier etwas Besonderes geschafft hatte: “Wer heute nicht hier war, der hat wirklich etwas verpasst!”

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