Ein Kaugummi ganz frisch — und nach 100 Überläufe. Foto: Reiner Thor

Als die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zwischen vier Grautönen für das Pflaster der neuen Fußgängerzone entscheiden durften, ist ihnen ein schwerer Fehler unterlaufen: Das ausgewählte Material ist eindeutig zu hell für Kaugummi, das nach zirka einhundert „Überläufen“ ein tiefes Anthrazit erhält. Das entnehmen wir einer Untersuchung des Berliner Instituts für Canibis (IFC).

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Bessere Pflasterfarbe in Köln — und vor der RheinBergGalerie. Foto: Reiner Thor

Die Entfernung der Placken wird immer teurer, biologisch abbaubares Kaugummi lässt noch Jahre auf sich warten. Überlegungen, die Reste nicht mehr zu entfernen und stattdessen darauf zu hoffen, dass nach kurzer Zeit die schöne Fußgängerzone komplett mit Kaugummi bedeckt sein könnte und damit das Laufen wesentlich angenehmer wäre, haben sich als voreilig herausgestellt: Bevor die Kaugummiplacken flächendeckend als Polster wirksam wären, sind die Steine bereits weitgehend verschlissen.

Die Gladbacher Fußgängerzone in etwa zehn Jahren. Foto: Reiner Thor

Verwaltung und IFC haben gemeinsam eine nachhaltige Lösung gesucht und sind in den USA fündig geworden: In Kalifornien werden seit einiger Zeit Hunde gegen Kaugummis eingesetzt. Kaugummi und Hundekot sind auch in amerikanischen Großstädten ein Problem – Kot lässt sich zwar wunderbar breittreten, breiter sogar als Kaugummi, dennoch ist er weniger schmuck. Und er duftet auch nicht so aromatisch.

Pragmatisch haben die Forscher versucht, hier zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Hunde werden von speziellen Trainern für die Aufgabe vorbereitet, mit ihrer Zunge Kaugummiplacken vom Straßenpflaster zu schlecken. In die engere Wahl werden Züchtungen genommen, die Anlagen zu Raspelzungen wie z. B. Katzen haben.

Alle Kaugummis enthalten Stoffe wie Polyvinylacetat, Aluminiumoxid, Kieselsäure und Zellulose, Antioxidantien, Farbstoffe und Emulgatoren. Sie zügeln den Appetit. Der Hund bleibt schlank, Frauchen und Herrchen müssen seltener Gassigehen und ihrem Gefährten nicht mehr allabendlich beim Koten zuschauen.

Anfangs bilden sich bei einigen Hunderassen durch Blähungen kleine Blasen (bubble dog poops) während des Ausscheidens. Diese sind jedoch biologisch abbaubar. Der Hund zerlegt mit seinem Stoffwechsel die bisher resistenten Kaugummis. In den meisten Fällen sollen überhaupt keine Abfälle mehr anfallen.

Mit den aufgeschleckten Kaugummis können die Hunde zudem ihr Gebiss reinigen. Die enthaltenen Weichmacher dämpfen Aggressionen, machen das Tier anschmiegsamer.

Kaugummigesättigten Hunden vergeht nachweisbar der Appetit: Sie hetzen keine Rehkitze mehr zu Tode, sie verzichten schnell auf normales Hundefutter (und damit auch auf Phosphate) und sogar Hundeeis – außer als Leckerli.

Frauchen und Herrchen sparen die Wilderergebühren und Futterkosten. Und darüber hinaus wird die gewöhnliche Kotmenge, die der gemeine Halter eigentlich entsorgen müsste (es aber selten genug tut), deutlich reduziert.

Weitere Vorteile:

  • Auszeichnungen als „Kaugummi-Ehrenhund“ – zu verleihen beim Stadt- und Kulturfest

Edler vom Trottoir: 1. Gladbacher Chewinggum Dog (CD)

  • Event: Einmal im Jahr eine Hundeparade wie beispielsweise die Oldtimerrallye
  • Der Hund als bester Freund des Menschen („Kein Kind kann einen Hund ersetzen!“) hätte seinen gesellschaftlichen Platz gesichert
  • Die von der Stadt vor Jahren in großer Zahl angeschafften, aber noch eingelagerten Hundekottütenautomaten könnten an den Hersteller zurückgehen (sie wurden noch nicht aufgestellt, weil das Geld für die Tüten fehlte)
  • Die Kaugummiausspuckjäger, die zur Zeit kauende Bürger verfolgen, um sie zu ertappen und ihnen ein Strafmandat zu überreichen, könnten künftig die Kaugummischleckerhunde beobachten und für Auszeichnungen vorschlagen (s.o.)

An der Liste geeigneter Hunderassen arbeitet die Kaugummi-Kommission der Stadt fieberhaft. Am Ende des Jahres soll die Liste allen Hundehaltern zur Verfügung stehen. Für die erste CD-Hundestaffel sollte die Stadt die Trainingsgebühren übernehmen. Und für diese qualifizierten Hunde könnte sogar auf die Hundesteuer verzichtet oder nach Leistung gestaffelt werden.

Jetzt ist die Politik gefordert. ­­­Es wäre zur rechten Zeit ein richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ein Trost: Die heute noch als Plage empfundenen Kaugummiplacken sind gleichzeitig Indiz dafür, dass viele junge Menschen in der Innenstadt unterwegs sind. Mehr als Senioren jedenfalls. Ein Hoffnungsschimmer auch hier.

Reiner Thor

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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3 Kommentare

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  1. Guter Denkansatz, und sogar umsetzbar mit langem Atem.

    Ich stehe in intensiven Überlegungen, mich wieder als Züchter zu betätigen. Als Züchter von Hybridhunden, die durch sorgsames Zusammenfügen zweier Genpools nur in der ersten Generation, also F1, jenen Nachwuchs hervorbringen, der definitiv in der Lage ist, Kaugummi restlos zu verdauen. Dann entfiele bei diesen Hybriden auch die Notwendigkeit zum Gassigehen. Weil die Verdauungssäfte derart aggressiv arbeiten, dass die Hunde nicht ins fortpflanzungsfähige Alter kommen, müssen immer wieder entweder Clone oder Gen-getestete Elternhunde für die Nachproduktion eingesetzt werden.
    Bei aller Trauer um das vorzeitige Dahinscheiden des Kaugummihundes hat der Halter dann die Gewähr, immer ein Exemplar in niedlichen Welpen- und Junghundalter zu besitzen. Damit wäre auch das Kindchenschema voll abgedeckt.
    Vorteil: immer ein frisches Exemplar und kein Kaugummi sowie Hundes heiße auf den Straßen.
    Ich bin mir bewusst, dass dies ein ehrgeiziges Zuchtziel ist. Wahrscheinlich ist jedoch, dass mir als Züchter einer Rasse, die die dem Wohl der gesamten Stadt dient, nicht unerhebliche Fördergelder aus den Städtebau- und Landwirtschaftsministerien und aus den Eu-Töpfen zustehen. Mein persönliches Vorbild für das Abschöpfen der öffentlichen Gelder ist die Regionale 2010.

    Lieber Herr Thor, mein Konzept erspart mir den Verkauf hinter der Theke eines Biohofs.

  2. Danke für diesen sehr aufschlussreichen und sauber recherchierten Artikel.
    Leider wird eine Alternative überhaupt nicht erwähnt:
    Den Kaugummi als Punktverklebung für eine neue Bepflasterung zu benutzen.