Die Belkaw-Geschäftsführer Klaus Kaiser und Klaus Henninger

Die Rückverwandelung der Belkaw vollzieht sich ganz langsam. Zwar hat Bergisch Gladbachs Bädergesellschaft die 78 Millionen Euro für den Kauf von 49,9 Prozent des Versorgungsunternehmens an die RheinEnergie in Köln überwiesen, aber auf der Website der Belkaw ist das Unternehmen nach wie vor „100-prozentiges Tochterunternehmen der RheinEnergie AG“.

Screenshot der Webseite des KSTA

Am Firmensitz in der Herman-Löns-Straße prangt nach wie vor der Namenszug „Belkaw“ und nicht „Stadtwerke Bergisch Gladbach“, wie der Kölner-Stadtanzeiger in einer Fotomontage glauben macht. Im Gebäude gehen nach wir vor die Geschäftsführer Klaus Kaiser und Klaus Henninger ihrer Arbeit nach. Vorerst.

Denn hinter den Kulissen hat der Kampf um Posten und Einfluss längst begonnen. RheinEnergie und Stadt hatten vertraglich festgelegt, dass jeder Gesellschafter einen der beiden Geschäftsführer stellen darf. Allerdings sind die Kölner nun offenbar der Meinung, dass es bei der Belkaw nur für 1,5 Geschäftsführer genug Arbeit gebe.

Daher soll die Stadt mit einer halben Stelle zufrieden sein. Tatsächlich arbeiten auch Kaiser und Henninger bei der Belkaw in Teilzeit, beide führen gleichzeitig in der RheinEnergie große Abteilungen.

Eine halbe Stelle für die Stadt, 3500 Euro für Stadträte?

So sieht es am Hauptsitz der Belkaw wirklich aus

RheinEnergie-Sprecher Christoph Preuss will zu diesem Sachverhalt auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Aber Bürgermeister Lutz Urbach bestätigt indirekt die Auseinandersetzung, über die der KSTA am Dienstag berichtet hatte. Die Stadt Bergisch Gladbach werde auf eine volle Stelle bestehen – und können sich damit auch durchsetzen, betonte der Bürgermeister.

Einig sind sich RheinEnergie und Stadt vor allem in der Auskunft, dass nach wie vor vieles noch offen sei. Die Besetzung der Geschäftsführung, so der RheinEnergie-Sprecher, werde zwischen den Gesellschaftern diskutiert, aber nicht in der Öffentlichkeit. Die Stadtverwaltung stellt klar, dass auch solche Dinge wie die Aufwandsentschädigung der nun 19 Aufsichtsräte nocht nicht entschieden wurden.

Die vom KSTA genannte Summe von 3500 Euro pro Mann kann sich daher auch nicht auf das Kontrollgremium der neuen Belkaw beziehen. Gemeint ist vielleicht das Salär der bislang sieben alten Aufsichtsräte. Laut Bundesanzeiger bezogen die in den vergangenen Jahren jedoch weit mehr, zuletzt waren es insgesamt 78.000 Euro.

SPD-Mann führt den Aufsichtsrat an – und kontrolliert die Belkaw

Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Belkaw ist übrigens nicht der aktuelle Bürgermeister, sondern sein Vorgänger Klaus Orth (SPD). Urbach ist einfaches Mitglied und kündigte jetzt an, seine Tantieme direkt an die Stadtkasse zu überweisen. Der Vorschlag aus dem Wahlkampf, die Aufsichtsratsgelder dem Förderverein der Theas Theaterschule zu spenden, ist wohl passé.

Nach dem Beschluss des Stadtrates vor der Sommerpause sitzen neben Urbach und Orth folgende Ratsmitglieder im Aufsichtsgremium: Peter Mömkes, Hans-Hosef Haasbach, Michael Metten, Harald Henkel (alle CDU), Klaus Waldschmidt (SPD), Edeltraud Schundau (Grüne) und Oliver Wuttke (AfD). Die RheinEnergie besetzt acht Sitze, einen hat sie an einen Vertreter der Umlandgemeinden abgetreten.

Gewinnanteile bereits vorab überwiesen

Immerhin bestätigt die Stadtverwaltung, dass die Belkaw bereits einen Abschlag auf den zu erwartenden Gewinn an die Bädergesellschaft (und in gleicher Höhe an die RheinEnergie) überwiesen hat. Eine Summe nennt sie nicht. Die Zahlung war nötig, damit die Bädergesellschaft den 78-Millionen-Euro-Kredit für den Kaufpreis überhaupt bedienen kann. Eine Bäderbetriebsgesellschaft muss auch noch gegründet werden.

Wann nun Bewegung in die Führungsetage der Belkaw kommt, ist offen. Denn die Stadt will auf der Suche nach einem starken Geschäftsführer gründlich vorgehen. Daher wird ein Personalberater eingesetzt, der aber bislang noch nicht einmal beauftragt worden ist.

Bis es soweit ist, kümmert sich erst einmal Aufsichtsratschef Klaus Orth darum, dass die Interessen der Stadt Bergisch Gladbach gewahrt werden. Aber das ist ohnehin seine Aufgabe.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Abgesehen von dem überdurchnittlich aufgeblähten Aufsichtsrat, glaube ich
    als Bürger dieser Stadt nicht an die aufgezeigten Gewinne, die in die Stadtkasse
    fließen sollen. Dieses werden wir ja (Jahresbericht Belkaw) erleben dürfen.
    Folgende Fragen sind grundsätzlich nicht abschließend beantwortet worden:
    1.) Bleibt der niedrige Zinssatz auf Dauer? (die Zinsen werden in den nächsten Jahren
    steigen; aus vielerlei Gründen; siehe auch Kommentare von Wirtschaftsexperten).
    2.) Kann der KW/Std-Preis von der Belkaw gehalten werden?
    (die Strompreise sind, siehe Propleme der Stromkonzerne,in der Tendenz nachgebend)
    3.) Kann die Belkaw auf Dauer Ihre Kunden in der Größenordnung behalten.
    (Ich werde den Markt kritisch prüfen und dann die preisgünstigere Variante wählen).
    Man muß kein Pessimist oder Experte sein, um zu erkennen, das hier ein Konstrukt bzw.
    eine zusätzliche Einnahmequelle der Stadt gewählt wurde,deren Zukunft auf hölzernen
    Beinen steht. Hoffentlich sind sich die verantwortlichen Ratsherren und Aufsichtsräte
    darüber bewußt. Der Energiemarkt erfährt in den nächsten Jahren einen gewaltigen
    Wandel, in welcher Richtung die Kosten für den Bürger sich bewegen werden, wird
    auch politische soziale Fragen aufwerfen.
    Klaus Voigt/ EXAN-Ing.-büro für Anlagensicherheit/Weiterbildung/Beratung