Das Baustellenschild am alten Löwencenter

Das Baustellenschild am alten Loewencenter kündigt den Start „in Kürze“ an. Passieren wird vorerst nichts.

Zunächst war der Mai anvisiert worden, dann sollte der Abriss des alten Loewencenters mitten in Bensberg im September beginnen, später richtete sich der Investor auf November ein. Jetzt ist klar, dass es mit dem 20-Millionen-Projekt Marktgalerie nicht vor Januar 2015 los gehen wird.

Für die Vertagung auf November, teilt das Unternehmen Centerscape mit, seien bürokratische Hürden verantwortlich gewesen. Erst jetzt seien die Vermessungsarbeiten für einen Grundstückstausch soweit erledigt, dass das Amtsgericht die Grundbucheinträge ändern kann, bestätigt auch die Stadtverwaltung.

Centerscape ist inzwischen Eigentümer des alten Loewencenters und kann „ die künftigen Baumaßnahmenden vorantreiben“, heißt es in der Presseerklärung. Allerdings ist der Grundstückstausch mit der Stadt Bergisch Gladbach beim Katasteramt immer noch nicht vollzogen, sondern nur „veranlasst“. Eine zuvor angekündigte Pressekonferenz fällt aus, die Pressearbeit hat die Bergisch Gladbacher Agentur Alpha & Omega PR von Oliver Schillings übernommen.

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Dauer des Verfahrens erwischt Investor auf falschem Fuß

Dass dieses juristische Verfahren in Bergisch Gladbach so lange dauern kann, damit hatte offenbar auch der erfahrene Projektentwickler Centerscape nicht gerechnet. Und immer wieder neu planen müssen. „Bei einem so großen Projekt unterliegen wir einfach gewissen Zwängen und Bedingungen, mit denen wir klarkommen müssen“, sagte Projektentwickler Heinz Fastabend dem Bürgerportal.

Aus Seite des Investors könnte es jetzt eigentlich im November mit dem Abbruch losgehen. Darauf verzichte man aber, auf Bitten der Bensberger Händler.

„Die Händlerschaft in Bensberg ist mit der Bitte an uns herangetreten, dass wir die Arbeiten für den Abriss so organisieren, dass das Weihnachtsgeschäft nicht darunter leidet“, erläutert Fastabend in der Mitteilung. „Diesem Wunsch möchten wir gerne entsprechen und verlegen den Beginn der Arbeiten von ursprünglich November 2014 in den Januar 2015.

So sieht es derzeit in Bensberg aus: das alte Löwencenter

Keine harte Abbruchphase im Weihnachtsgeschäft“

Georg Daubenbüchel, Vorstand der Interessensgemeinschaft Bensbeger Handel und Gewerbe (ibh), bestätigt das. Im Sommer habe man noch damit gerechnet, die harten zwei Abrissmonate mit täglich bis zu 60 Bauschutt-LKW im September und Oktober ertragen zu müssen. Dann wäre die Baustelle während der Vorweihnachtszeit kein Problem mehr gewesen.

Eine Megabaustelle mit Verkehr, Lärm und Dreck sowie dem Verlust von Parkplätzen im November und Dezember aber hätte vielen Händlern große Schwierigkeiten bereitet, sagt Dauenbüchel. Immerhin müssen 60.000 Kubikmeter Beton abtransportiert werden. Nachdem der frühe Termin nicht zu halten war habe man daher Centerscape um einen weiteren Aufschub gebeten, so der ibh-Vorstand.

Trafostation an der Naturbühne kann bleiben

Dennoch hatte Centerscape in den vergangenen Wochen genug zu tun. So wurde mit der Verwaltung der Verkehr  und mit der RheinEnergie die Energieversorgung während der Bauphase geplant. In einem Werkvertrag mit der Stadt wurde festgeschrieben, wie Centerscape die öffentlichen Flächen rund um die Marktgalerie (Treppenanlagen als Verbindung zwischen Schlossstraße und Engelbertstraße, Stadtplatz, Naturbühne) herzustellen hat.

So könnte es in Zukunft aussehen. Entwurf der Marktgalerie

Die Trafostation an der Naturbühne müsse nicht verlegt werden. Sie versorgt einen Großteil von Bensberg mit Strom, ein Umbau mit einer Interimslösung für die Bauzeit wäre sehr aufwändig. Allerdings verlaufe direkt neben dem Gebäude eine 10 Kilovolt-Leitung, die in die Engelbertstraße führt. Für die Sicherung der Leitung suche die RheinEnergie eine Lösung; geklärt seien die Abkopplung von Gas-, Wasser- und Abwasserleitungen für den Abriss.

Leitungen aus dem 19. Jahrhundert

„In alten Plänen sind wir noch auf eine alte Leitung aus dem 19. Jahrhundert gestoßen“, beschreibt Architekt und Generalplaner Friedrich Wilhelm Groefke die Vorarbeiten. Vor solchen Überraschungen sei man „leider nicht gefeit“.

Nach eigenen Angaben hat Centerscape an der Vermarktung der Flächen „kontinuierlich gearbeitet“. Für Dreiviertel der Mietflächen gebe es Interessenten, einige Verträge lägen vor.  Potenzielle Mieter kommen den Angaben zufolge aus den Bereichen Lebensmittel, Drogerie, Textil, Schuh, Gastronomie, Dienstleistung und Schmuck. Angestrebt werde ein „Mietermix aus regionalen und filialisierenden Einzelhändler“.

Nach Einschätzung von Branchenkennern müsse bei Baukosten von 20 und einem Grundstückspreis von rund fünf Millionen Euro eine Jahresnettokaltmiete von etwas 1,8 Millionen Euro in Bensberg erreicht werden. Oder 150.000 Euro pro Monat.

Offene Fragen, offene Klagen

Ob inzwischen der entscheidende Ankermieter gefunden wurde, lässt Centerscape offen. Eine Nachfrage dazu musste schriftlich eingereicht werden. Ebenso die Frage, wie der Abriss anläuft. KSTA/BLZ hatten zuletzt berichtet, das alte Gebäude müsse in Etappen abgerissen, das neue Gebäude in entsprechenden Tranchen gebaut werden – damit der Hang nicht abrutscht. Die Antworten stehen noch aus.

Außerdem sind noch Klagen anhängig. Das Verwaltungsgericht Köln verhandelt am 21. November über Klagen von zwei Anwohner gegen die Verkehrsbelastung und den Lärm bei der Warenanlieferung; eine weitere Klage gegen den Bebauungsplan liegt beim Oberverwaltungsgericht. Nach Aussagen des Investors und der Stadtverwaltung haben diese Gerichtsverfahren jedoch keinen Einfluss auf die Bauplanung.

Hintergrund: Die Centerscape Deutschland GmbH & Co. KG ist ein deutschlandweiter Entwickler, Eigentümer und Manager von Nahversorgungs-Einkaufszentren. Sitz des Unternehmens ist Hannover, in Nürnberg ist Centerscape mit einer Niederlassung präsent, die das Projekt in Bensberg betreut. Nach eigenen Angaben investiert das Unternehmen in „nachhaltige, gut vermietete Einzelhandelsimmobilien, die langfristig im Eigenbestand gehalten werden“. Das Portfolio umfasse derzeit 74 Nahversorgungsimmobilien mit über 200.000 Quadratmetern Mietfläche.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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