Das Kamera-Auto mitten in Bergisch Gladbach

Das Kamera-Auto mitten in Bergisch Gladbach

Vor sechs Jahren hatte Google für Unruhe gesucht, als es seine auffälligen Kamera-Autos durch Deutschland geschickt hatte. Die fotografierten Straßenzüge und Häuser, um sie über den Kartendienst Streetview im Internet zugänglich zu machen. Der Aufstand der Bevölkerung und Datenschützer hatte das Problem entschärft. Die Fotos werden verpixelt, Betroffene können Einwände erheben – und Bergisch Gladbach wurde ohnehin nicht erfasst.

+ Anzeige +

Die blau markierten Bereiche hat Google bei Streetview erfasst. Quelle: Google/Screenshot

Die blau markierten Bereiche hat Google bei Streetview erfasst. Quelle: Google/Screenshot

Derzeit sind die Autos zwar wieder unterwegs, aber laut Google fotografieren sie nur für interne Zwecke, um die Genauigkeit der Karten zu verbessern. Im Moment ist Google in diesen Großstädten unterwegs, 2015 auch überall sonst.

Nokia-Tochter schickt Autos durch Bergisch Gladbach

Dafür ist nun ein anderes Unternehmen unterwegs – auch in Bergisch Gladbach. Here.com ist eine Tochter von Nokia mit Sitz in Berlin und betreibt einen eigenen Kartendienst, der in Navigationsgeräten eingesetzt wird, aber auch auf einer Website.

Um diese Karten mit Panoramabilder aufzupeppen schickt here.com derzeit Kamera-Autos durch einige deutsche Städte, darunter auch durch Bergisch Gladbach. Unternehmenssprecher Sebastian Kurme bestätigt gegenüber dem Bürgerportal: „Unsere Autos sind mit Kameras ausgestattet, um 360° Panorama-Aufnahmen für Straßenansichten zu machen.“

Fotos sollen im Netz erscheinen – und weiterverkauft werden

Die Bilder sollen zwar erst frühestens sechs Monate nach ihrer Aufnahme eingesetzt werden. Aber dann ebenso wie in festeingebauten Navigationssystemen auch im Computer-Kartenservice des Unternehmens. Bislang ist das nur in ausgewählten ausländischen Städten der Fall möglich, künftig aber auch in deutschen Städten.

Darüber hinaus will here.com, so der Unternehmenssprecher weiter, das Kartenmaterial und damit wohl auch die Fotos „an Partner wie z.B. Yahoo lizensieren“. Daher sei es möglich, dass das Material auch dort zum Einsatz komme.

Sondernutzungssatzung verlangt Genehmigung – und Gebühr

Ein Streetview-Auto von Google im Sommer 2010 in Bergisch Gladbach

Google-Auto im Sommer 2010 in Bergisch Gladbach

Offenbar nicht bewusst ist dem Unternehmen, dass es damit gegen Bergisch Gladbacher Ortsrecht verstößt. Denn der Stadtrat hatte 2010 eine Sondersatzung erlassen, wonach „Kamerafahrten durch das Stadtgebiet zum Zweck der Veröffentlichung von Bildern im Internet“ genehmigungspflichtig sind. Außerdem müssen die Unternehmen kräftig zahlen: pro angefangenen gefahrenen Kilometer auf Bergisch Gladbachs Straßen 100 Euro.

Das scheint here.com nicht bewusst gewesen zu sein. Von einer Anfrage oder gar einer Genehmigung der Kamerafahrten ist im Rathaus nichts bekannt.

Damit könnte der Ausflug nach Bergisch Gladbach für die Berliner teuer werden.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Da kann man nur hoffen, dass die Stadt ihre Forderungen aus der Sondersatzung auch entsprechend konsequent einfordert. Für den Grundstein des geplanten neuen Stadthauses reich`s dann vielleicht, auch wenn die restliche Finanzierung und deren Kompensation noch in den Sternen steht.