Die Brachenflächenstudie. Foto: Screenshot

Es gibt in Bergisch Gladbach genau zwei Flächen, die als Gewerbebrachen identifiziert werden können.“

Zu diesem Fazit kommt die vom Stadtentwicklungsbetrieb AöR (SEB) in Auftrag gegebene Brachflächenanalyse des renommierten Kölner Regionalplanungsinstituts Dr. Jansen, die das Entwicklungspotential von nicht genutzten Gewerbeflächen in der Stadt untersucht hat. Die Gutachter stellten ihre Untersuchung und ihre daraus resultierenden Vorschläge heute in der Sitzung des SEB-Verwaltungsrates vor.

Reichliche Leerstands- und Brachflächen? Eine Fabel

Das Gutachten war in Auftrag gegeben worden, um möglichst nachhaltige Flächenpolitik betreiben zu können: In Bergisch Gladbach sind Gewerbeflächen knapp, und deshalb sollen erst Brachflächen in den Fokus gebracht werden, bevor neuer Freiraum in Anspruch genommen wird.

Die angeblich reichlich vorhandenen Leerstands- und Brachflächen in der Stadt sind aber mit dem Untersuchungsergebnis ins Reich der Fabel verwiesen.

Das Gutachten kommt folgerichtig zu dem Schluss, dass die „Wiederbelebung“ alter Gewerbeflächen allein längst nicht ausreicht: In Bergisch Gladbach wird in absehbarer Zeit ein zusätzlicher Bedarf bestehen, der „nur durch eine bedarfsorientierte, umsichtige Ausweisung neuer Gewerbegebiete gedeckt werden kann.“

Das gesamte Kurzfassung der Studie wird weiter unten dokumentiert

Die untersuchten Gewerbegebiete. Foto: Screenshot der Studie. Originalquelle: Geoportal Stadt BGL

Was leer steht oder brach liegt kann meistens nicht genutzt werden

Untersuchen ließ der SEB im Februar und März 2014 11 von 12 Gewerbegebieten im Stadtgebiet. Nicht berücksichtigt wurde das Gelände an der Locher Mühle, da es sich planungsrechtlich um Mischgebiet handelt. Die Ergebnisse:

  • 233,6 ha des Flächenbestandes werden genutzt, das sind 86,8 Prozent.
  • Der Anteil der Freiflächen liegt bei 13,2 Prozent, allerdings muss hier noch einmal zwischen „verfügbar“ und „nicht verfügbar“ unterschieden werden.
  • Nicht verfügbar sind 9,1 % (24,5 ha), weil z.B. das Areal in der Grube Weiß (16,3 ha) zwischenzeitlich zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Oder es handelt sich um betriebsgebundene Reserveflächen für Erweiterungs- und Ausbaumaßnahmen. Beim Köttgen-Gelände (2,2 ha) im Stadtzentrum ist die Nutzung „verschoben“, das bedeutet, Stadt und Eigentümer haben sich über eine Nutzung bisher nicht einigen können.
  • Lediglich 4,1 % aller in Bergisch Gladbach erfassten Gewerbegrundstücke (11,1 ha) sind schließlich verfügbar, davon allein 4,6 ha im neu entwickelten Gewerbegebiet Obereschbach, wo der Verkauf aufgrund der hohen Nachfrage in vollem Gange ist.
  • Weitere größere Flächen befinden sich in den Bereichen Hermann-Löns-Viertel und Kradepohl.
  • Zusätzlich konnten 3,4 ha Potenzialflächen ohne verbindliches Baurecht erfasst werden. Alles wahrlich keine riesigen Areale, die nachhaltig den Bedarf befriedigen könnten.

Die verfügbaren Flächen teilen sich noch einmal auf in Leerstände (sofort brauchbare Immobilien) und schließlich die Brachflächen, die der Analyse den Namen gaben, sprich brach gefallene Gewerbe- oder Industrieflächen, für deren Wiedernutzung beispielsweise Abriss, Grundstücksaufbereitung oder Umbau erforderlich sind.

Zwei Brachflächen: Kradepohl und Grube Weiß

In der letzteren Kategorie der Brachflächen gibt es genau zwei im Stadtgebiet, nämlich eine im Bereich Kradepohl (wo sich zur Zeit schon einiges zur Wiedernutzung tut) und eine in der Grube Weiß (außerhalb des Naturschutzes), die aufgrund ihrer Abseitigkeit und schwieriger Topographie nur sehr bedingt zum Recycling taugt.

Das Resümee der Untersuchung kommt also zu dem Ergebnis:

Die Erarbeitung von Mobilisierungsstrategien für Brachflächen in Bergisch Gladbach ist nicht möglich, da keine Flächen zur Mobilisierung vorhanden sind.“

Auch Leerstände und ungenutzte Flächen seien stark limitiert. Das Brachflächenrecycling wird aufgrund mangelnden Potentials als nicht geeignet eingestuft; allein die bereits erwähnte „bedarfsorientierte, umsichtige Ausweisung“ neuer Gewerbegebiete kann den Bedarf decken.

Bedarf an neuen Gewerbeflächen liegt bei 20 Hektar

Die Stadt Bergisch Gladbach stellt zur Zeit ihren Flächennutzungsplan neu auf und hat dazu bereits umfangreiche Voruntersuchungen in Auftrag gegeben, unter anderem ein Gewerbeflächenkonzept. Das zeigt einen Bedarf von zusätzlichen 20 Hektar auf und hat auch Potenzialflächen für Gewerbestandorte untersucht.

Die konkrete Neuausweisung von Gewerbeflächen wird als schwierig durchsetzbar erachtet, wie bei den Bürgerprotesten in den Bereichen Voislöhe und Lustheide zuletzt erfahren.

Wer Arbeitsplätze will muss Gewerbeflächen ausweisen

Auf der anderen Seite ist unstrittig: Bergisch Gladbach braucht Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen; wenn Firmen die Stadt verlassen, ist die Trauer groß, aber niemand möchte das Gewerbe vor der eigenen Haustür.

SEB-Vorstand Bernd Martmann:

Das Gutachten zeigt, dass wir mit der Entwicklung von Obereschbach genau den richtigen Kurs gefahren sind. Aber Topografie, Verkehrsanbindung und Siedlungsstruktur machen es nicht einfach, weitere neue Flächen vorzuhalten. Wir müssen die Entwicklung neuer Flächen mit Augenmaß vorantreiben, aber auch die Bürgerinnen und Bürger stärker für die Notwendigkeiten sensibilisieren.“

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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