„Ich bin mit meinem Mann und meiner kleinen Tochter nach Deutschland gekommen, um hier in Frieden zu leben“, beschrieb eine junge Syrien ihre Beweggründe für die Flucht aus der Heimat. Mit diesen Worten und weiteren Schilderungen über ihre lebensgefährliche Reise beeindruckte die junge Frau die rund 270 Besucher der Bürgerinformationsveranstaltung „Wir heißen Flüchtlinge in Rösrath willkommen“.

Gastgeber des Abends im Bürgerforum Hoffnungsthal waren die Stadt Rösrath und der Rheinisch-Bergische Kreis. Dort informierten Bürgermeister Marcus Mombauer, Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Flüchtlingshilfe Rösrath. Auch die Besucher bekamen viel Raum für Fragen, Anregungen und konkrete Hilfsangebote, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde.

Die Solidarität von Menschen und Vereinen sowie deren Hilfsbereitschaft waren beeindruckend. Moderiert wurde die Veranstaltung von dem Journalisten Jürgen Wiebicke, der unter anderem durch die Sendung „Das philosophische Radio“ auf WDR 5 bekannt ist.

Von der großen Resonanz der Bevölkerung zeigten sich Landrat und Bürgermeister begeistert. Sie lobten die Solidarität in Rösrath. Aber auch der Zusammenhalt sowie die Aufbruchsstimmung bei Städten, Gemeinden und Kreis, um die Herausforderung gemeinsam zu meistern, hob Dr. Hermann-Josef Tebroke hervor. Als die Bezirksregierung vergangene Woche beim Kreis 500 Unterbringungsplätze anforderte, kamen die Kommunen gleich mit an Bord. „Uns war sofort klar, dass wir unterstützen“, erklärte Bürgermeister Marcus Mombauer.

Moderator Jürgen Wiebicke (r.) spricht mit (v. li.) Leonore Sünner, Axel Breunsbach und Renate Tautz von der Flüchtlingshilfe Rösrath.

Neben den beiden Standorten zur Unterbringung der Flüchtlinge in Rösrath erhalten weitere Menschen in Overath und Wermelskirchen ein Dach über dem Kopf und werden versorgt. Weitere Betten entstehen derzeit noch in Leichlingen und Burscheid.

Auf der Flucht inhaftiert

Bewegend schilderte eine syrische Frau die gemeinsame Flucht mit ihrem Mann und einem Säugling. Sie verließen die Heimat, da in Aleppo durch den Krieg alles zusammenbrach. Es gab weder Wasser noch Nahrung für das ein Monat alte Kind oder Behandlung durch Ärzte. Zu Fuß machte sich die junge Familie auf den Weg nach Deutschland. Sie durchquerten die Türkei, landeten im Gefängnis und kamen danach in ein Auffanglager. Im Anschluss schlugen sie sich weiter bis nach Deutschland durch.

„Als wir in Deutschland eintrafen, waren wir erst mal glücklich, dass wir ein Dach über dem Kopf hatten, einen Arzt besuchen konnten, Essen bekamen und Ruhe und Frieden fanden“, schilderte sie. Im November 2014 kamen sie in der Bundesrepublik an, lebten zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung und wurden dann nach Rösrath vermittelt. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass ihre Tochter Kindergarten und Schule besuchen kann. Zudem hoffen die Erwachsenen auf Arbeitsstellen. Das Wichtigste ist aber, dass die Familie in Frieden leben kann.

Hallen in Rösrath für Erstaufnahme

Die erste Station für die Flüchtlinge ist eine sogenannte Erstaufnahmeeinrichtung. Dafür stellen Kreis und Stadt die Turnhallen der Martin-Luther-King-Schule und des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums zur Verfügung. Betrieben werden die Unterkünfte vom Deutschen Roten Kreuz.

Steffen Schmidt, Leiter der beiden Quartiere, berichtete von der Ankunft der ersten Flüchtlinge und was dann alles geschah. Dazu gehörte die Versorgung mit Essen und Trinken, eine provisorische Registrierung sowie die ärztliche Untersuchung der Menschen. Danach wurden sie auf die beiden Unterkünfte verteilt. Zudem schilderte er, was im Vorfeld der Ankunft alles getan werden musste, um die Halle bezugsfertig zumachen.

Wer den Neuankömmlingen helfen möchte, kann dies durch Sachspenden tun. Gebraucht werden warme Kleidung und Winterschuhe, Duschgel, Deo, Zahnpasta sowie viele weitere Hygieneartikel. Aber auch Bettwäsche, Winterdecken und vieles mehr wird benötigt. „Bitte geben Sie Spenden nicht an den Hallen ab“, appellierte Steffen Schmidt an die Teilnehmer.

Wer Spenden abgeben oder sich ehrenamtlich engagieren möchte, wendet sich bitte unter 02202 2356-281 an die DRK-Service-Hotline „Flüchtlingshilfe“. Die E-Mail-Adresse lautet fluechtlingshilfe@rhein-berg.drk.de.
Langfristige Unterstützung durch Flüchtlingshilfe Rösrath


Neben der kurzfristigen Hilfe, gibt es auch langfristig Unterstützung in der Sülztalstadt durch die Flüchtlingshilfe Rösrath. Diese hilft Menschen, die schon die Erstaufnahme hinter sich haben und nach der Registrierung in die Stadt Rösrath vermittelt wurden, bei den ersten Schritten im neuen Leben. Sie haben einen Asylantrag gestellt und warten auf die Entscheidung.

„Wer helfen möchte, kann sich bei uns melden“, sagte Renate Tautz von der Flüchtlingshilfe. Gesucht werden beispielsweise Personen, die dolmetschen, Sprachunterricht geben und ganz generell im Alltag unterstützen. Nach der positiven Entscheidung über den Asylantrag, wenn die Menschen in Deutschland bleiben dürfen, werden Helfer benötigt, die bei den vielen Behördengängen unterstützen. Es gibt also vielfältige Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Die Flüchtlingshilfe Rösrath ist telefonisch (02205 90100815) und per E-Mail fluechtlingshilfe.roesrath@gmail.com) erreichbar.

Sportvereine regen runden Tisch an

Natürlich wurden an dem Abend auch Sorgen geäußert. Besonders den Sportvereinen fehlen Trainingszeiten in den belegten Hallen. Daher können sie ihr Angebot nicht mehr in der gewohnten Form aufrechterhalten. Aus dem Publikum kam allerdings gleich eine Hilfsofferte. Die Sportvereine regten zudem einen runden Tisch an, um die Hallennutzung zu regeln.

Dort wollen die Klubs auch überlegen, welche Angebote zur Freizeitbeschäftigung den Flüchtlingen gemacht werden können. Auch eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Einwohner sowie ein Schwarzes Brett für Hilfsangebote wurde aus dem Publikum angeregt. Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass alle zusammen an einem Strang ziehen.

Am Ende des Abends war klar: die Flüchtlinge in Rösrath können auf die vielfältige Hilfe von Bevölkerung, Vereinen, Institutionen sowie natürlich von Stadt und Kreis zählen. Und das ganz unabhängig davon, ob sie nur für wenige Wochen bleiben oder für immer. In Rösrath finden sie nun hoffentlich den Frieden, der in ihrer Heimat verloren ging.

Zentraler Ansprechpartner für Anliegen, Sorgen und Anregungen
Stadtverwaltung Rösrath
Telefon 02205 8020
E-Mail: InfoStadt@roesrath.de

RBK

Rheinisch-Bergischer Kreis

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