Blick in die Halle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium am Samstag. Ein Teil der Sichtsperren fehlt noch.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert

Der ursprüngliche Beitrag vom 20.9.: Mit 48 Stunden Verspätung sind in der Nacht auf Sonntag zwei weitere Gruppe von Flüchtlingen zur Erstaufnahme angekommen. In Overath trafen 50 schutzsuchende Menschen ein, in Wermelskirchen waren es 86. Insgesamt soll der Rheinisch-Bergische Kreis zusammen mit den kleineren Kommunen 500 Flüchtlinge als Amtshilfe für das Land unterbringen.

In Bergisch Gladbach leben bereits seit acht Wochen 80 Flüchtlinge in der provisorischen Erstaufnahme in der Turnhalle in Sand; sie sollen Anfang der Woche gegen eine neue Gruppe ausgetauscht werden. (Mehr dazu in diesem Beitrag.)

Das Land hatte zunächst nur die Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern in Anspruch genommen, am Mittwochabend forderte die Bezirksregierung Köln dann jedoch auch den Rheinisch-Bergischen Kreis auf, kurzfristig 500 Plätze einzurichten. Wie gefordert standen die ersten 150 Plätze bereits am Donnerstagabend in Wermelskirchen zur Verfügung, doch verzögerte sich die Anreise mehrfach.

Insgesamt hat der Kreis inzwischen sogar deutlich mehr als die geforderten 500 Plätze in Turnhallen in verschiedenen Gemeinden zusammen bekommen, die nun mit Hilfe des DRK, des ASB, des THW, der Feuerwehren und des DLRG für die Unterbringung der Flüchtlinge ausgestattet werden.

DRK-Kreisvorsitzende Ingeborg Schmidt bei einer Teambesprechung

Die Hauptlast trägt nach wie vor das DRK, das ja auch die Turnhalle in Sand und das neue Zelt-Lager in Katterbach in Bergisch Gladbach betreut. Ständig seien rund 60 Kräfte des DRK im Einsatz, berichtet die Kreisvorsitzenden Ingeborg Schmidt. „Das ist seit dem 2. Weltkrieg die erste wirklich große Herausforderung für uns – aber dafür sind wir gut gerüstet.“

Die Koordinierung hat der Kreis übernommen, dafür aktivierte Landrat Hermann-Josef Tebroke den Einsatzstab unter Leitung von  Kreisdirektor Erik Werdel und Dezernent Markus Fischer.

Die Details zu den einzelnen Orten und Unterkünften:

Wermelskirchen

Die Stadt Wermelskirchen hat schon am Donnerstag in der Mehrzweckhalle in Dabringhausen mit ehrenamtlicher Hilfe des DRK, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks 150 Betten aufgestellt. Die Notunterkunft wird vom DRK betrieben. Die ersten 86 Flüchtlinge wurden in der Nacht zum Sonntag aufgenommen.
Initiativen/Info: Willkommen in Wermelskirchen.
Bürgertelefon für Hilfsangebote: 02196 710 444, täglich 8:30 bis 12 Uhr

Ein Videobericht von der Bürgerversammlung am 21.9.2015 von WermelskirchenTV

Overath

Die Stadt Overath wurde am Samstag rechtzeitig fertig, in der Nacht wurden 50 der 70 Betten in der Mehrzweckhalle in Untereschbach belegt. Vor der Mehrzweckhalle wurden ein Verpflegungszelt und zwei Baucontainer aufgestellt, für Registrierung und Erstuntersuchung der Flüchtlinge. Hier ist der Arbeiter Samariter Bund (ASB) im Einsatz, die Overather Ärzteschaft hat ihre Unterstützung angeboten, berichtet Bürgermeister Jochen Weigt.
Nach Angaben von Weigt leben derzeit 236 Flüchtlinge in Overath, bis zum Jahresende werden es  wohl 390.
Am Dienstag fand eine gut besuchte Bürgerversammlung im Cyriax statt. Alle Infos dazu im Bericht von KSTA/BLZ. Mehr Infos
Initiativen und Infos: Flüchtlingshilfe Overath, Facebookgruppe „Politik in Overath”

Die Betten in der Turnhalle in Venauen

Rösrath

In Rösrath hat der Rheinisch-Bergische Kreis eine eigene Immobilie zur Verfügung gestellt: die Sporthalle an der Martin-Luther-King Schule in Venauen verfügt nun über 80 Betten. Auch diese Unterkunft wird durch das DRK betrieben.

Die Stadt Rösrath hat in der Sporthalle am Freiherr-vom-Stein Gymnasium bereits 100 Betten aufgestellt; in der Gymnastikhalle wird der Essraum eingerichtet. Auch hier ist das DRK im Einsatz. (Mehr zur Lage in Rösrath weiter unten.)

Aktualisierung 23.9.: 160 Flüchtlinge in Rösrath eingetroffen, beide Hallen sind belegt.

In Rösrath fand am Mittwoch eine Bürgerinformationsveranstaltung von Kreis und Stadt im Bürgerforum Hoffnungsthal statt.

Wer sich an der Betreuung der Flüchtlinge beteiligen will soll sich an die zentrale Telefonnummer des DRK wenden: 02202 93 64 10; Ortsverein Rösrath: 02205 2340
Weitere Stellen:
Flüchtlingshilfe Rösrath (St. Nikolaus, Ev. Gemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath, Stadt Rösrath), Website,  02205 90100815, E-Mail: fluechtlingshilfe.roesrath@gmail.com
Stadt Rösrath, Website, Carsten Happ 02205-802228
Deutsche Kinderschutzbund, Kleiderladen Sterntaler, 02205-87238
Tafel Rösrath, Hauptstr. 16, 02205 8940734
Arbeit für Rösrath, Hauptstr. 105, 02205 894992

Markus Fischer, Ulrich Kowalewski, Ingeborg Schmidt und Bernhard Schilde bei der Vorstellung der Unterkunft in Rösrath Venauen.

Leichlingen

In der Stadt Leichlingen will bis zu 100 Flüchtlinge in einem ehemaligen Aldi-Markt unterbringen, der zunächst mit Sanitärausstattungen versehen werden muss. Die Einrichtung wird ebenfalls vom DRK betrieben. Am Donnerstag findet um 18:30 Uhr eine Bürgerversammlung auf dem Gelände an der Brückenstraße statt.

Burscheid

Die Stadt Burscheid hat eine mittelgroße Unterkunft angeboten, die bis Ende der Woche einsatzbereit sein soll.

Kürten

Die Stadt Kürten will ein kleineres Kontingent unterbringen.
Informationen:
Runder Tisch Asyl, Kontakt Monika Chimtschenko, 02268/939207
Fluchtpunkt Kürten, Facebook,

Bergisch Gladbach

Die Stadt Bergisch Gladbach hat bereits seit Ende Juli die Turnhalle in Sand zur Erstaufnahme umfunktioniert, daher wurde sie bei der Erfüllung des 500er Kontingents durch den Kreis nicht in Anspruch genommen. Alle Berichte über Flüchtlinge in Bergisch Gladbach finden Sie hier, alle Kontaktadressen hier.

Insgesamt hat der Kreis also deutlich mehr als 500 Betten in seinen Kommunen zusammenbekommen und die Forderung der Bezirksregierung übererfüllt.

Vor der Turnhallen in Venauen mussten zusätzliche Toiletten aufgebaut werden

Das Beispiel Rösrath

Wie gut die Zusammenarbeit zwischen Kreis, Kommunen, Hilfsorganisationen und Flüchtlingsinitiativen funktioniert zeigt sich besonders in Rösrath mit den beiden Unterkünften in der Turnhalle am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und der Turnhalle des Kreises in Venauen.

„Die kommunale Familie rückt zusammen. Die humanitäre Aufgabe schweißt alle zusammen. Auch unsere Mitarbeiter engagieren sich stark, um die Herausforderung zu meistern,“ lobt Ulrich Kowalewski, Erster Beigeordneter der Stadt Rösrath.

„Die Zusammenarbeit in Rösrath läuft ganz hervorragend zwischen allen Beteiligten“, bestätigt Einsatzstableiter Markus Fischer. Überall arbeiten die hauptamtlichen Mitarbeiter von Stadt- und Kreisverwaltung, der Hilfsorganisationen und Bürgerinitiativen sehr flexibel und kooperativ zusammen.

Das war auch nötig, denn die anständige Unterbringung von mehr als 500 Menschen ist eine große logistische Aufgabe. Die Turnhalle des Kreises in Venauen zum Beispiel, verfügt nur über zwei Toiletten und kaum Nebenräume. Hier wurde die Halle geräumt, der Boden durch einen Schutzbelag abgedeckt und Abtrennungen zum Sichtschutz installiert, berichtet Bernhard Schilde, Geschäftsführer des Einsatzstabs beim Kreis. Ein echtes Problem ist inzwischen die Beschaffung von Feldbetten, die in ganz Deutschland knapp geworden sind.

Dennoch stehen inzwischen alle Betten, frisch bezogen, mit einem Begrüßungsbonbon des DLRG auf dem Kopfkissen. Die medizinische Versorgung wird durch das DRK und ortsansäßige Ärzte geregelt, ein Sicherheitsdienst und Dolmetschern wurden organisiert.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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