Paffrath City. Foto: Stefan Krill

Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Hochhäuser in Paffrath. Aber der Bestand an preiswerten Wohnungen reicht schon lange nicht mehr. Foto: Stefan Krill

Im Auftrag der IG Bau hat das Pestel-Institut Deutschlands Landkreise auf den „Wohn-Prüfstand“ gestellt. Das Ergebnis für den Rheinisch-Bergische Kreis: Es werden viel zu wenige Wohnungen gebaut, um auch nur einen Teil der Flüchtlinge unterbringen zu können.

Gebrauch werden in RheinBerg in diesem Jahr zusätzlich rund 1.350 Wohnungen nur für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen. Laut Pestel-Institut steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für den Rheinisch-Bergischen Kreis damit auf ingesamt rund 2.070 Wohnungen. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren aber nur  rund 670 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.

Allein in Bergisch Gladbach fehlen 800 Wohnungen

Dabei geht die Untersuchung von rund 3.370 Flüchtlingen in RheinBerg in diesem Jahr aus, de facto werden es zum Jahresende deutlich mehr sein.

Allein in Bergisch Gladbach sind derzeit 1500 Flüchtlinge untergebracht; zum Jahresende könnten es bis zu 2000 werden. Daraus ergibt sich nach dem Schlüssel, den das Pestel-Institut anwendet (40 Wohnungen je 100 Flüchtlige) ein Bedarf von bis zu 800 Wohnungen allein in der Kreisstadt.

„Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht der Rheinisch-Bergische Kreis in diesem Jahr 3,1-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther.

Kein Leerstand, zu wenig Sozialwohnungen

Mit dieser Unterdeckung bewegt sich RheinBerg in etwa im bundesdeutschen Durchschnitt, ergänzt Güther. Aber erstens gebe es hier (im Gegensatz zum Beispiel zu Oberberg) so gut wie keinen Leerstand, auf den man zurückgreifen könne.

Zudem leide der Kreis an zwei speziellen Mangelerscheinungen: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich.

Bei Neubauten müssten oft Kaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter verlangt werden, um kein Minus zu machen – Sozialmieten liegen dagegen bei sechs Euro, der sogenannte „bezahlbare Wohnraum” bei 7,50 Euro.

Baubranche fordert höhere staatliche Förderung

Hinter der Untersuchung steht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Die IG BAU hat gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) die Wohnungsmarkt-Analyse in Auftrag gegeben.

Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Baubranche für eine Ankurbelung vom Wohnungsneubau und für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen aus. Ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden kann dies, so das Pestel-Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen.

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Ebenso eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Diese gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, so Günther.

Vom Bundesprogramm wird RheinBerg nicht spürbar profitieren.

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10.000 und 12.000 Wohnungen neu entstehen. Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt. Der Rheinisch-Bergische Kreis wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther.

So wurde gerechnet

Das Pestel-Institut in Hannover geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 3.370 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres in den Landkreis kommen werden. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer berechneten die Wissenschaftler nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl.

„Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Rheinisch-Bergischen Kreis kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Matthias Günther.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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4 Kommentare

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  1. Servus Herr Santillan, seh ich anders. Da das Gro der Flüchtlinge explizit nach DE will kann es sich nur um Wohlstandsflüchtlinge handeln. Junge Männer die Ihre Familien zurück lassen um durch 4, 5, 6 sichere Länder zu Wandern und erst zur Rast zu kommen wenn sie in DE sind treffen eine klar andere Aussage. Die Tatsache dass es für Ihre Familien sicherer ist allein im Herkunftsland zu verweilen, also nicht den Gefahren der Reise zu unterziehen, mag ein weiteres Indiz dafür sein dass das Wandern durch Europa offensichtlich gefährlicher ist als in Teilen der Bürgerkriegsregionen zu Verweilen.
    Was das mögliche Konjunkturprogramm betrifft. Ja in gewisser Weise haben sie da nicht Unrecht. Nur ist es eben kein Nachhaltiges Wachstum sondern lediglich ein vom Steuerzahler auf Pump finanziertes. Alles was es hervorbringt sind neue noch umfangreichere Sozialindustrien die dann dauerhaft Alimentiert werden wollen und den Standort nachhaltig und dauerhaft schaden werden. Die Lohnnebenkosten werden nämlich dermaßen steigen dass das auf kurz oder lang negative Auswirkungen auf den Standort haben muss. Sicher man könnte jetzt natürlich argumentieren dass das im Europäischen Kontext, Stichwort Außenhandelsbilanzüberschuss wegen fortgesetztem Lohndumping, eher positiv zu werten ist. Wirklich aufrichtig wäre es dann aber den Arbeitnehmern zu sagen, schaut her, ihr habt hier was erwirtschaftet und Jahrelang Lohnverzicht geübt damit nun die Flüchtlinge der Welt das nun verfrühstücken dürfen. Wenn das des Wählers Demokratische Mehrheitsentscheidung ist nun gut dann beug ich mich der, die Meinige ist es jedenfalls nicht. Schon gar nicht wenn es sich lediglich um die einer FDJ Sekretärin handelt die einen Teil ihres Studiums in Russland absolviert hat und das Demokratieverständnis von Erich Honecker verinnerlicht hat.

    Ich bin also der Meinung das 80% der Menschen wieder gehen müssen sobald die Länder wieder befriedet sind. Schließlich werden die in ihren Herkunftländern dann dringen zum Wideraufbau benötigt oder wer soll das machen, auch wir?

  2. Sehr geehrter Herr Schröters,
    ich kann Ihnen natürlich keine solide Schätzung abgeben, denn die Zahlen der zu erwartenden Flüchtlinge schwanken.
    Es ist aber tatsächlich zu erwarten, dass in den nächsten Jahren Flüchtlinge kommen. Die Ursachen sind klar und seit Jahren und sogar seit Jahrzehnten bekannt. Die Millenniumsziele wurden nicht erreicht und auch Deutschland hat sich dabei nicht an ihre Versprechen gehalten, obwohl es einer der reichsten Länder der Welt ist. Sobald die Folgen des Klimawandelns, der Konflikt um Wasser und weitere Religionsauseinandersetzungen zunehmen, und das ist überall in der Welt zu erwarten, da auch die NATO-Staaten diese mit Waffenlieferungen und Kriegseinsätzen eskalieren, wird es weitere Flüchtlinge geben.
    Der größte Teil der aktuellen Flüchtlinge wird wohl anerkannt. Rechnen Sie mal mit ca. 60% (+). Die Zahlen sind unklar, aber ich würde mich nicht wundern, dass wir Ende 2016 sogar mehr als 3.000 Flüchtlinge (+ X) in Bergisch Gladbach untergebracht werden.
    Das schaffen wir, wenn wir durchstarten und Unterkünfte und Wohnungen bauen. Diese Wohnungen müssen auch allen anderen Einwohnern dieser Stadt zur Verfügung stehen, denn alle brauchen bezahlbaren Wohnraum.
    Ich habe keine Befürchtung, dass diese Wohnungen zukünftig nicht gebraucht werden, denn die Entwicklung am Wohnungsmarkt war auch schon vor den Flüchtlingen so schlecht, dass wir hätten schon vor Jahren anfangen müssen den sozialen Wohnungsbaus zu forcieren. Das wurde aber versäumt und ideologisch blockiert.

    Ich befürchte nicht, dass die Menschen, die zu uns kommen nur auf Transferleistungen zielen. Die wollen sich etwas eigenes Leben aufbauen. Wir sollten die Herausforderung als Chance sehen und in Menschen investieren. Insofern ist diese Aufgabe auch als ein neues Konjunkturpaket zu betrachten, welche unsere Infrastruktur, den Wohnungsbau und die Bildungs- und Kultureinrichtung neu entwickeln und neue Arbeitsplätze schaffen kann.

    mfg,
    Tomás M. Santillán

  3. Ja genau Herr Santillan. Und wenn wir damit fertig sind werden sich die anderen Flüchtlinge in den Entwicklungsländern dieser Welt die Sache mit dem Zeltleben nochmals durch den Kopf gehen lassen und sich ebenfalls auf den Weg machen.
    Wie viel Sozialwohnungen werden dann wohl gebraucht? Wie viel müssen dann gebaut werden. Haben Sie ne Schätzung zur Hand damit der Stadtrat planen kann?
    Und was machen wir mit den ganzen Wohnungen wenn die Menschen nach zwei, drei Jahren wieder zurück gehen müssen. Immerhin ist ihr Status hier begrenzt. Oder scheißen wir hier mittlerweile Kollektiv auf geltendes Recht und machen aus einem Kriegsflüchtlings Status den Status auf Dauerhaften Harz IV Empfänger im gelobten Land. Wenn dem so sein sollte dann ist es vermutlich besser lieber heut als Morgen alle Einkommen zu beschlagnahmen und den Bürgern ein Taschengeld zu zuweisen weil die Abgabenlast dann eh bei 97% liegen wird.

    Wenn dann sollte Multifunktional gebaut werden. Kleine in sich geschlossene Einheiten aus Eingeschossern die später mit wenig Aufwand umgebaut werden können bspw. zu kleinen Lagerflächen für Handwerker, Werkstätten etc. So besteht zukünftig die Chance das die Kommune ihre Investition wieder zurück bekommt, später sogar ihre Einkünfte durch ein gestiegenes Gewerbesteueraufkommen verbessert.