Vizebürgermeister Josef Willnecker überreicht Heinrich Lang die Goldene Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach (Foto: Luhr)

Am 18.8.1994 trafen sich sieben Bürgerinnen und Bürger im Hause Heiligenstock 56 und bildeten den Verein „Bürgerwehr gegen Behördenunrecht“. Die Initiative ging von Heinz Lang aus. Er war kurz vorher aus dem Dienste der Stadt Bergisch Gladbach ausgeschieden, in der er nacheinander das Rechts-, das Wohnungs- und das Ordnungsamt geleitet hatte.

Die Gründer wählten Heinz Lang zum ersten Vorsitzenden. Das blieb er bis heute.

Zuerst bekämpfte der Verein die überhöhten Müllgebühren. Bis 1964 berechnete die Stadt diese nach dem Grundsteuermessbetrag: Jeder Haushalt kaufte sich den Mülleimer selbst und konnte daher auch seine Größe bestimmen. Er brauchte nur eine Marke aufzukleben. Die Stadtverwaltung brauchte die Eimer nicht anzuschaffen, zu verwalten und abzuschreiben.

Stattdessen folgte die Pflicht der Grundstückseigentümer, Eimer nach Zahl der Haushalte und ihrer Größe von der Stadt abzunehmen und für jeden Haushalt mindestens einen Eimer bereitzustellen. Die Stadt führte ein ungerechtes Befreiungssystem ein, nach dem ein Vierpersonenhaushalt und 2 Personen erreichen können, dass die Gebühr halbiert wird, 3 Personen dagegen nur eine Senkung um ein Drittel, während der Alleinbenutzer einer Wohnung voll bezahlen muss. Die Gebühren stiegen auf ein Mehrfaches.

Der Verein konnte mit seinen Klagen erreichen, dass die Biogebühren nicht mehr quersubventioniert werden durften. Darauf änderte das Land das Gesetz und gab damit den Gemeinden das Recht, diese wieder einzuführen.

Während die Haushalte stark mehr belastet wurden, gab es für Gewerbetreibende keine Anschluss- und Benutzungspflicht. Die hiergegen erhobenen Klagen waren erfolglos.

Im Jahre 1999 warb das Vorstandsmitglied Hubert Hungenberg des Kreisvereins Unabhängige Bürger für Bürger Rheinberg (BfBB) den Verein Bürgerwehr als Mitglied. Die Kreistagsfraktion der BfBB benannte Heinz Lang als sachkundigen Bürger in einem Ausschuss und lud ihn zu ihren Sitzungen ein. In dieser Eigenschaft entwarf Heinz Lang Anträge der Fraktion. Mit den Anträgen erreichte die Fraktion zwei bedeutsame Entscheidungen:

Zum ersten klagten die Städte Gummersbach und Bergisch Gladbach und der Oberbergische Abfallsammelverband mit den Argumenten der UWG Rheinberg. Die Gebühren des Abfallwirtschaftverbandes des Rheinisch Bergischen und Oberbergischen Kreises (BAV) wurden für zwei Jahre um rund 8 Mio. DM gesenkt. Das wirkt sich auch heute noch günstig für die Bürgerinnen und Bürger der beiden Kreise aus.

Zweitens hatten der BAV und die beiden Kreise beschlossen, eine mechanisch-biologische Abfallbeseitigungsanlage zu bauen. Hierdurch hätte beispielsweise die Stadt Bergisch Gladbach jedes Jahr ½ Mio. Euro mehr zahlen müssen. Die Bezirksregierung hatte zugestimmt.

Gegen diese Absicht erhob die Kreistagsfraktion in einem vom Vorsitzenden der BfBB entworfenen Schreiben Bedenken. Danach gaben die Kreise und der BAV ihren Plan auf.

Im Jahre 2004 benannte sich der Verein in Bürger für Bergisch Gladbach und Bensberg um. Er trat bei der Stadtratswahl in Bergisch Gladbach an und erzielte 5,5 Prozent der Stimmen und vier Sitze. In den Folgejahren zeichnete er sich vor allem durch kritische Bemerkungen an den Mehrheitsbeschlüssen der Stadt aus.

Kurzfristig gehörte er einer Koalition von SPD, Grünen, der Kiditiative an, bis Bürgermeister Orth sich entschloss, mit der CDU zusammen zu arbeiten, um dadurch bequemer „regieren“ zu können.

Nach der Ratswahl 2009 strebten zwei der dann gewählten Ratsmitglieder der BfBB den Fraktionsvorsitz an, den bisher Heinz Lang innehatte. Sie gingen auf einen Vorschlag des Bürgermeisters Urbach, der ihnen mehr Information und sonst nichts angeboten hatte. Die übrigen Fraktionsmitglieder waren damit nicht einverstanden. Deshalb traten die zwei Fraktionsmitglieder aus.

Der nun allein stehende Heinz Lang hätte im Rat so gut wie nichts mehr erreichen, dort nur noch reden, keine Anträge stellen und keine sachkundigen Bürger benennen können. Aus diesem Grunde arbeitete er danach mit den LINKEN, mit denen er eine gemeinsame übereinstimmende Zielrichtung und seine Eigenständigkeit vereinbart hatte.

Die neue Fraktion war lange die einzige, die die CDU und SPD hartnäckig kritisierte und hierbei die Tätigkeit der BfBB fortsetzte. Sie begleitete die von Heinz Lang erhobenen Klagen gegen die Abwassergebühren mit eigenen Anträgen und unterstützte ihn damit. Seine Klagen richteten sich vor allem
gegen die von der Stadt berechnete Höhe Zinsen und Abschreibungen, mit denen diese jährlich über 10
Mio. Euro Gewinn erzielte, die sie dem Gesamthaushalt zuführte. Das Verwaltungsgericht wies die Klagen mit rechnerisch falschen Gründen ab.

Zurzeit läuft ein Antrag beim Oberverwaltungsgericht, die Berufung zuzulassen. Es ist beabsichtigt, Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einzulegen.

Dem Verein fehlen Personen, die die Arbeit des Heinz Lang fortsetzen können, nachdem er sie infolge seines Krankheitszustandes nicht mehr erledigen kann. Die Mitglieder des Vereins BfBB beschlossen in ihrer letzten Sitzung im September den Verein aufzulösen. Das hat ein Notar inzwischen dem Vereinsregister beim Amtsgericht mitgeteilt.

Der Bundespräsident hat Heinz Lang am 5.12.1985 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Am 6.11.2015 überreicht ihm der stellvertretende Bürgermeister Herr Willnecker die Goldene Ehrennadel der Stadt Bergisch Gladbach. Sie wird solchen Persönlichkeiten verliehen, die sich um das Ansehen und das Wohl der Stadt Bergisch Gladbach außerordentlich verdient gemacht haben.

Zur Ergänzung: Die Dokumentation der Pressemitteilung der Stadt Bergisch Gladbach zur Verleihung der Goldenen Ehrennadel an Heinrich Lang:

70 Jahre Ehrenamt – auf dieses lange und erfüllte Schaffen kann Heinrich Lang zurückblicken. Jugendarbeit, politisches Engagement, Ratsmitgliedschaft, Gewerkschaftsaktivität, Vereins- und Schulpflegschaftsvorsitz haben in vielen Bereichen des Bergisch Gladbacher Gesellschaftslebens Akzente gesetzt. Für seine weit über das übliche Maß hinausgehende Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit verlieh der Erste Stellvertretende Bürgermeister Josef Willnecker ihm am Freitag, dem 6. November 2015 die Ehrennadel in Gold. Einige ausgewählte Stationen zeigen sein beeindruckendes Engagement:

Bereits 1946 wurde Heinrich Lang Jugendführer in der katholischen Jugend. Schon zu dieser Zeit hat er sich gegen die Obrigkeit der Nationalsozialisten als Mitglied der damals verbotenen Katholischen Jugend gestellt. Geprägt durch sein katholisches Elternhaus übernahm er früh öffentliche Aufgaben.

Seinen beruflichen Werdegang nahm er in der Kommunalverwaltung, wo er im Personalrat bei der Stadt Bergisch Gladbach von 1952 bis 1963 und nach 1970 tätig war. Er wurde zum Schöffen und Geschworenen beim Landgericht, ebenso zum ehrenamtlichen Richter beim Verwaltungsgericht berufen.

Heinrich Lang fand seinen Weg in die Gewerkschaft ÖTV, deren Kreisvorsitzender er von 1956 bis 1979 war – zuerst für den Rheinisch-Bergischen Kreis, dann für den Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis, zuletzt für den Rheinisch-Bergischen, Oberbergischen und Rhein-Sieg Kreis. 1970 wurde er in den Vorstand des DGB berufen, dessen Vorstandsposten er bis 1979 besetzte. Darüber hinaus war er von 1975 bis 1979 Mitglied im Bezirksvorstand der Gewerkschaft ÖTV.

Als Mitglied der SPD wurde Heinrich Lang Vorsitzender des Ortsvereins und später, von 1965 bis 1970, Vorsitzender des Stadtverbandes. Von 1978 bis 1979 war er Vorsitzender im Ortsverein Alt-Bergisch Gladbach, von 1964 bis 1970 Mitglied des Rates der Stadt Bergisch Gladbach. Sein Engagement für die Arbeiter machte ihn zum stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft „Arbeitnehmerfragen“. Vor seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben war er Berater im brandenburgischen Landkreis Senftenberg und zuletzt Verwaltungschef der Doppelgemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf bei Berlin.

Bemerkenswert ist auch sein politischer Einsatz nach der Versetzung in den Ruhestand: 1994 gründete er „Bürger für Bergisch Gladbach und Bensberg e.V.“ (BfBB; vorher: „Bürgerwehr gegen Behördenunrecht e.V.“), dessen Vorsitzender er war, und engagierte sich bis 2014 im Rat der Stadt Bergisch Gladbach. 2009 ging die BfBB mit der Fraktion DIE LINKE als DIE LINKE./BfBB unter dem Vorsitzenden Tomás M. Santillán zusammen. Heinrich Langs Schwerpunkte in der Ausschussarbeit waren der Hauptausschuss und der Finanzausschuss.

Doch ist Heinrich Lang nicht nur politisch aktiv, er übernahm auch verantwortungsvolle Positionen in Vereinen. So war er von 1949 bis 1972 Vorstandsmitglied des MGV Concordia, davon 10 Jahre lang Erster Vorsitzender. Von 1955 bis 1963 war er Vorsitzender der Bezirksgruppe Bergisch Gladbach im Deutschen Sängerbund, von 1966 bis 1970 Vorstandsmitglied im Bürgerverein Rommerscheid.

Seine Verbundenheit mit dem Ortsteil Sand machte Heinrich Lang von 1971 bis 1976 zum Mitglied des Pfarrgemeinderates und von 1974 bis 1977 zum Mitglied der Sprechergruppe im Förderkreis Sander Turnhalle. Sein Engagement galt auch den Kindern im Stadtteil: In den Jahren 1968 bis 1979 war er Mitglied der Schulpflegschaften und während des Schulbesuchs seiner Tochter Vorsitzender der Schulpflegschaft der betreffenden Realschule. Er sorgte dafür, dass in Sand ein Kindergarten entstand. Von 1970 bis 1976 war er stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Sander Kindergarten. Zugunsten des Kindergartens brachte er als Hauptorganisator einer Sammlung und eines Ortsfestes 22.000 DM ein!

Ein Höhepunkt: 1985 verlieh ihm der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine bis dahin geleistete ehrenamtliche Arbeit.

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