Joachim Gauck. Foto: Thoma CC BY-SA 2.0

Wie angekündigt nimmt sich Bundespräsident Joachim Gauck am kommenden Donnerstag einige Stunden Zeit, um in Bergisch Gladbach Flüchtlingsunterkünfte zu besuchen und intensiv mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern zu sprechen.

Darüber hinaus stellt er sich in einer größeren Veranstaltung weiteren Bürgern: Für 13 Uhr steht auf dem Terminplan des Bundespräsidalamtes eine „Bürgerbegegnung im Bürgerhaus Bergischer Löwe”. Dabei werde Gauck ein paar Worte sagen und dann versuchen, mit Gruppen von Bürgern in ein Gespräch zu kommen, erläuterte das Bundespräsidalamt auf Anfrage.

Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen für das Staatsoberhaupt wird es jedoch keinen freien Zugang zu der Veranstaltung geben, sondern nur für geladene und registrierte Gäste.

Bürgermeister Lutz Urbach bestätigt, dass die Verwaltung im Moment alle Initiativen und Einrichtungen kontaktiert, die im weiteren Sinne mit den Flüchtlingen zu tun haben. Dazu gehörten zum Beispiel auch Vereine und Schulen, deren Sporthallen mit Flüchtlingen belegt sind.

Interessenten aus diesem Umfeld können sich auch direkt bei der Stadt melden (pressebuero@stadt-gl.de).

Termine in Heidkamp, Katterbach und in der Innenstadt

Möglichkeiten, Joachim Gauck wenigstens zu Gesicht zu bekommen, dürften sich bei seinen Terminen in den Flüchtlingsunterkünften in Heidkamp und Katterbach, beim Eintreffen am späten Vormittag im Rathaus und beim Weg quer über den Konrad-Adenauer-Platz zum Bergischen Löwen ergeben.

Zu Beginn des Aufenthaltes wird der Bundespräsident die Flüchtlingsunterkünfte im Lübbe-Gebäude in Heidkamp und die Notunterkunft in Katterbach besuchen.

Für das anschließende Gespräch mit haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern im Gladbacher Rathaus ist eine gute Stunde veranschlagt. Pressevertreter sind zu dem Gespräch und beim Besuch in den Unterkünften nicht zugelassen.

Grundsätzlich wolle sich der Bundespräsident In Bergisch Gladbach darüber informieren, welche Herausforderungen die Aufnahme, Unterbringung und Integration von Flüchtlingen für die Stadt mit sich bringe, beispielhaft für viele andere Kommunen in Deutschland, heißt es im Bundespräsidalamt.

Bergisch Gladbach als „positives, aber nicht seltenes Beispiel”

Warum er ausgerechnet Bergisch Gladbach dafür ausgesucht hat? Darauf gibt es im Bundespräsidialamt keine Antwort; Bürgermeister Lutz Urbach verweist auf Nachfrage darauf, dass Bergisch Gladbach offenbar ein „positives, aber dann auch wieder gar nicht so seltenes Beispiel” für den Umgang mit dem Thema Flüchtlinge darstelle.

Allerdings ist Urbach im Moment ein gefragter Gesprächspartner, nicht nur bei den Medien. Für Dienstag ist der Bürgermeister zu einer Gesprächsrunde bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin eingeladen.

„Wir schaffen das. Noch. Aber unsere Kräfe sind nicht unendlich.”

Insgesamt sind in Bergisch Gladbach derzeit mehr als 1500 Flüchtlinge untergebracht. Die neue große Erstaufnahme in der Sporthalle Feldstraße hat am Wochenende mit 103 Personen begonnen; ist die Halle mit 260 Menschen voll belegt werden es deutlich mehr als 1600 sein.

Damit erfüllt die Stadt knapp ihr Soll, das vom Königsteiner Schlüssel entsprechend der Größe und Wirtschaftskraft vorgegeben wird. Urbach hatte mehrfach in TV-Interviews eine bessere Unterstützung der Kommunen durch Bund und Land angemahnt. Seine anfängliche Haltung „Wir schaffen das” hatte er später zu einem „Wir schaffen das. Noch. Aber unsere Kräfte sind nicht unendlich …” modifiziert.

Er engagiert sich auch im Städte- und Gemeindebund NRW und gehört zu den Unterzeichnern des Briefs der NRW-Bürgermeister, die erneut eine bessere Koordination und mehr Unterstütztung bei Kanzlerin Merkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eingefordert hatte.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. „Gauck trifft in Bergisch Gladbach Helfer und Bürger“

    Selbstverständlich nur ausgewählte und geladene Gäste!

    Da lässt es sich dann um 13:00 Uhr, mitten in der Woche, während die übergroße Mehrheit von Unternehmern, Angestellten und Arbeitern ihren Soll zur geplanten Steuererhöhung abarbeitet, ganz unbekümmert „Ringelreihen“.

    Anschließend kann der Bundespräsident dann nach Berlin kabeln, dass man es eben doch noch schafft.
    Dann dürfte die Illusion der Atempause für Bergisch Gladbach bald als das identifiziert werden was sie ist.
    Eine Illusion.
    Herr Gauck kann das dann ja bei seiner nächsten Indien-Reise noch mal aufgreifen.

    Ich habe übrigens großes Verständnis für die Sicherheitsbegehren des Herrn Bundespräsidenten.

    Sehr geehrter Herr Urbach,
    Was ist mit Ihnen?
    Machen Sie die 18:00 Uhr Veranstaltungen eigentlich gerne?
    Haben Sie da nicht manchmal auch ein komisches Gefühl?
    Insbesondere auch nach dem feigen und asozialen Mordversuch zum Nachteil der Kölner Oberbürgermeisterin?

    (Es ist schändlich und widerwärtig wenn irgendwelche Straftäter meinen, dass sie einer politischen Meinung Gewicht durch Gewalt verleihen könnten. Ich glaube sogar, dass dieses „Pack“ nicht mal eine politische Meinung vertritt. Im Gegenteil. Hier geht es um blanken Hass, Wut und um einen Kanal der blinde Zerstörungswut und manchmal auch Tötungsabsichten an die Oberfläche spült.)

    Während also der Herr Bundespräsident nach Bergisch Gladbach kommt und sich in einer „größeren Veranstaltung“ den Bürgern stellt, wird der Bürgermeister von Bergisch Gladbach sich wohl schon auf seinen Termin in Berlin vorbereitet haben bzw. das in Kürze noch tun.

    Denn:
    „Allerdings ist Urbach im Moment ein gefragter Gesprächspartner, nicht nur bei den Medien. Für Dienstag ist der Bürgermeister zu einer Gesprächsrunde bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin eingeladen.“

    Als Bürger der Stadt Bergisch Gladbach würde ich mir dann von Ihnen, Herr Bürgermeister wünschen, dass Sie die Haltung aus dem Interview mit der Tagesschau beibehalten würden. Ich wünsche mir, dass Sie in Berlin Rückgrat beweisen, so wie Sie das im Interview gezeigt haben.

    https://www.tagesschau.de/inland/interview-fluechtlinge-101.html

    Ich befürchte ja fast, dass die Futtertröge im Bundesbereich Ihnen zu gut schmecken könnten. Sie könnten dann Ihren Fiesta gegen einen A8 eintauschen. Ihrer Familie und Ihren Kindern eine weit privatisierte Zukunft, weit weg von Integrationsofpern, in Aussicht stellen. Wer würde das nicht tun?

    Sie etwa, Herr Bürgermeister?