Zum Auftakt des Dialogprojekts „GL spricht“ hat das Bürgerportal mit den Menschen in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone über das Thema Müll und Sauberkeit diskutiert. Im Fokus stand dabei die Frage: Was braucht es, damit wir uns in unserer Stadt wohlfühlen? Und wie können wir selbst dazu beitragen? Dabei wurden viele Ideen gesammelt, die nun konkretisiert werden sollen.
Eigentlich herrscht Einigkeit. Alle wünschen sich eine saubere Stadt. Eine Stadt zum Wohlfühlen, wo man sich gern aufhält. So der Wunsch. Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Überquellende Abfalleimer, Asche und ausgedrückte Zigarettenstummel, Kaffeebecher und Plastikverpackungen, Kippen in den Blumenbeeten, Kaugummi und Hundehaufen auf den Wegen.
Das erleben nicht nur die Mitarbeiter der Stadtreinigung tagtäglich, sondern alle Menschen in der Fußgängerzone, Spaziergänger:innen in Parks und Wäldern, Pendler:innen auf dem Weg zur Arbeit.
Das Thema liegt buchstäblich auf der Straße: Müll betrifft jede und jeden. Wir alle produzieren täglich Müll. Für den Auftakt unserer neuen Dialogreihe „GL spricht. Zuhören. Reden. Zusammenfinden.“ sind wir daher bewusst dorthin gegangen, wo das Thema sichtbar wird und wo viele Menschen unterwegs sind – in die Fußgängerzone.



Die Sache mit der Verantwortung
Bei Live-Musik von Lucas Wielpütz, Kaffee und Keksen konnte sich jede und jeder einbringen, eigene Ideen und Wünsche für eine saubere Stadt in einen großen Kreis aus Straßenkreide schreiben und malen, Kritik üben oder mitdiskutieren.
Weiter unten finden Sie ein Video, das sie Stimmung gut einfängt.
Warum sieht es dann überhaupt so aus, wenn doch eigentlich Einigkeit herrscht? Und wer ist für das Erscheinungsbild verantwortlich? Die Stadt selbst, die mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb und den dort Beschäftigten den Müll beseitigt? Die Händler:innen, die mehr Abfalleimer vor ihren Geschäften aufstellen müssten? Oder jeder und jede Einzelne selbst?
Gemeinsam Müll sammeln
Bei „GL spricht“ ging es um Fragen wie diese. Passant:innen und Besucher:innen der von Michael Schubek und Georg Watzlawek moderierten Veranstaltung diskutierten intensiv miteinander sowie mit den geladenen Gästen Ulrich Gürster, Bezirkspolizist in der Stadtmitte, und Reiner Breuning, Leiter der städtischen Straßenreinigung. Neben Bürgermeister Marcel Kreutz sind auch einige Vertreter:innen aus dem Stadtrat sowie des Einzelhandels im Publikum vertreten.
Eine Stadt und jeder Stadtteil sind genau so sauber, „wie wir uns verhalten“, sagt Gürster, der in Sand wohnt und sich dort mehrfach im Jahr an Müllsammel-Aktionen beteiligt. „Mein Stadtteil ist mein Vorgarten. Und ich möchte, dass mein Vorgarten sauber ist.“ Es geht also um Eigeninitiative – für Gürster eine Selbstverständlichkeit. Eine saubere Stadt steigere deren Attraktivität.
„Wir sind auf Leute, die Müll sammeln, angewiesen“, bilanziert Reiner Breuning. Primär sei es zwar Aufgabe der Stadtreinigung, Fußgängerzone, Straßen, Plätze und Wanderwege zu reinigen und wilden Müll zu entfernen.
Aber personell reiche es eben nicht. „Wir tun, was wir können.“ Besonders problematisch seien Kaugummis und Kippen. Um die zu entfernen, hätten die Mitarbeiter schlicht zu wenig Zeit, sagt der Leiter der Straßenreinigung.
„Viele sind zu faul, zum nächsten Mülleimer zu gehen“
Menschen werfen ihnen Müll vor die Füße, schnippen Kippen in Blumenbeete, lassen Kaffeebecher einfach fallen. Das ist Alltag für Duran Sekmec und Bernd Magdalinski von der Stadtreinigung. Wir haben sie auf ihrer täglichen Schicht durch die Bergisch Gladbacher Fußgängerzone begleitet. Eine Sisyphusarbeit.
Das Müllaufkommen habe sich in den vergangenen Jahren schleichend erhöht. Für die Mitarbeiter der Stadtreinigung sei es ein Kampf gegen Windmühlen: „Eine Stunde, nachdem wir mit der Fußgängerzone fertig sind, sieht man nicht mehr, dass wir da waren“, so Breuning. „Die Leute lassen ihren Müll einfach fallen.“
Die Langzeitfolgen von Kippen
Auch Bezirkspolizist Gürster beobachtet dieses Verhalten regelmäßig. „Die Hemmschwelle sinkt.“ Wenn er Müllsünder erwische, suche er zunächst das Gespräch: „Ich bin der freundliche Polizist.“
Denjenigen, die uneinsichtig seien oder aggressiv reagierten, bekämen ein Knöllchen. Für „banalen Müll“ wie eine weggeworfene Kippe würden 55 Euro fällig. In den Applaus mischen sich Zwischenrufe: „Das ist zu wenig“ und „Es wird zu selten kontrolliert“.

Alles andere als „banal“ sind die Folgen jeder einzelnen weggeworfenen Zigarette, wie Gürster ausführt: Mindestens 40 Liter Wasser würden dadurch verseucht und es dauere 200 Jahre, bis sich der Filter einer Kippe aufgelöst hat. „Das sollten sich die Verursacher bewusst machen.“
Die Sache mit den Mülleimern
Auch über die Müllbehälter, deren Anzahl und Beschaffenheit wurde kontrovers debattiert. „Es gibt mehr als 500 Mülleimer, die über die Stadt verteilt sind. Das sind genug“, findet Breuning. Die Modelle aus Metall mit Ausdrückplatte funktionieren seiner Ansicht nach gut und werden genutzt. „Wir haben keine Probleme mit den Eimern, sondern mit dem Müll zwischen den Eimern.“

Fehlende Hundekotbeutel monierte eine Hundehalterin, die sich an den vielen Hundehaufen stört. „Wir haben das schon einmal testweise ausprobiert und schlechte Erfahrungen damit gemacht“, sagt Breuning. Die Beutel seien zweckentfremdet worden. Außerdem sei es eine Kostenfrage, alle Mülleimer damit auszustatten.
„Kann man von Hundebesitzer:innen nicht erwarten, dass sie selbst Tüten dabei haben?“, fragt Moderator Schubek und erntet energisches Kopfschütteln der Hundehalterin.
Vor allem am Wochenende quillen die Mülleimer in der Fußgängerzone häufig über und der Wind wehe den Abfall überall hin, so die Beobachtungen eines Mannes. Breuning kündigt an, dass der AWB plane, Reinigungskolonnen auch feiertags und sonntags durch die Stadt zu schicken.
QR-Codes für die Mülleimer
Eine Verbesserung erhoffen sich Breuning und Gürster auch davon, dass künftig alle Mülleimer mit einem QR-Code versehen werden. Wenn ein Behälter kaputt oder voll ist, können die Bürger:innen den QR-Code scannen und dem AWB mitteilen. Bis dahin können sie sich in solchen Fällen per E-Mail melden – ebenso, wenn sie wilden Müll oder Unrat entdecken: info@awb.de
Ob der AWB überhaupt genug Personal habe, um auch noch diese Meldungen abzuarbeiten, will Moderator Watzlawek wissen. „Es ist knapp und an der Grenze des Machbaren. Aber meine Kollegen sind sehr engagiert“, antwortet Breuning ausweichend.
Lob ernten er und sein Team von einer Frau, die in einem Haus mitten in der Fußgängerzone wohnt. „Die machen einen super Job! Wir machen den Müll und wir können ihn vermeiden“, lautet ihr Appell. Regelmäßig fordere sie Passanten auf, ihren Müll wieder aufzuheben. „Oft werde ich beschimpft. Aber ich bin lieber eine blöde Kuh als eine Umweltsau!“







Die Sache mit den Altkleider-Containern
Nach den bisherigen Effekten der Videoüberwachung für Altkleider-Container gefragt, antwortet Breuning, dass diese erst angelaufen sei. „Die genauen Standorte teilen wir nicht mit.“ Von insgesamt 90 Standorten könnten nur einzelne überwacht werden. Alle seien nicht möglich. Früher habe es regelmäßige Sammlungen in Säcken gegeben. „Da war oft hochwertige Kleidung bei. Das ist heute nicht mehr so. Und wenn man die Container öffnet, fällt einem der Restmüll entgegen.“
Mehrfach sprechen Teilnehmer:innen die Bildungs- und Aufklärungsarbeit in Kitas und Schulen in Sachen Müllverhalten an. Zuallererst liege dieser Erziehungsauftrag bei den Eltern, lautet der Einwand eines Lehrers im Publikum.
Eigeninitiative ist gefragt
Im Laufe der Gesprächsrunde wird immer wieder deutlich: Es kommt auf das Verhalten und Engagement der Einzelnen an. „Es kann doch nicht so schwer sein, dass Raucher ihre Kippen mitnehmen, genau wie Hundebesitzer deren Haufen.“ Es könnte so einfach sein. Ist es aber offensichtlich nicht.
In vielen Stadtteilen gibt es laut Breuning Müllsammel-Aktionen von Privatpersonen oder Initiativen. „Ihnen gilt ein großes Dankeschön!“ Wer so etwas plane, könne sich an den AWB wenden. „Wir stellen Handschuhe, Greifzangen und Säcke bereit“, so Breuning. „Wir könnten das in allen Stadtvierteln machen. Das ist eine tolle Nachbarschafts-Aktion“, wirbt Gürster. Im Anschluss könne man gemeinsam Kaffee trinken oder grillen.



Nach dem offiziellen Programm bleiben einige Besucher:innen, um weiter zu diskutieren. Viele haben ihre Ideen für eine saubere Stadt auf einer Pinnwand hinterlassen, die wir hier dokumentieren:
Ideen für eine saubere Stadt
Für das Bürgerportal ist das Thema Sauberkeit und Wohlfühlen mit dieser Auftaktveranstaltung nicht beendet. Wir planen weitere Aktivitäten und auch eine Auflistung der bereits bestehenden Initiativen (einige davon finde Sie in den Beiträgen unten).
Wer Interesse daran hat, mit uns gemeinsam die Ideen für einen saubere Stadt weiter zu entwickeln, ist eingeladen für einen Treffen am 13. Mai ab 18 Uhr in der Redaktion des Bürgerportals (Hauptstraße 257). Hier können Sie sich anmelden.
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Zwecks ÜBERSICHT (behalten) gerne/bitte eine Liste der besten VORSCHLÄGE und nach Wochen/Monaten, was davon umgesetzt (!?!) und verbessert wurde. Danke!
“„Kann man von Hundebesitzer:innen nicht erwarten, dass sie selbst Tüten dabei haben?“, fragt Moderator Schubek und erntet energisches Kopfschütteln der Hundehalterin.”
Also hierzu kann ich nur selbst ennergisch den Kopf über die Reaktion der Hundehalterin schütteln.
Wir haben selbst einen Hund, und natürlich ist es nicht zuviel verlangt diese Beutel (einer davon kostet im Normalfall um die 2-3 Cent) mit sich zu führen, um die Hinterlassenschaft seines Hundes mitzunehmen und zu entsorgen. Was denn auch sonst? Die allermeisten Hundehalter/innen tun dies zum Glück auch gewissenhaft. Es gibt aber auch hier diejenigen, die meinen mit der Entrichtung der Hundesteuer sei es ihr gutes Recht die Hinterlassenschaft des Vierbeiners einfach an Ort und Stelle liegen zu lassen. Sprechen sie mal mit den Mitarbeitern der Stadt, die die Grünanlagen mähen müssen und sich mit den geschredderten Tretmienen auseinandersetzen dürfen. Das muss doch einfach nicht sein, oder?
Weniger Egoismus und mehr Rücksicht jedes Einzelnen auf die Allgemeinheit wäre ein guter Anfang.
Wir haben einen kleinen Hund – die Tüte ist danach selten voll.
Reicht oft noch für eine fremde ‚Altlast‘ mit.
Nennen wir: Nachbarschaftshilfe mit Griff.
Danke!
Der Bericht über „GL spricht“ zeigt, wie wichtig der Austausch über Themen wie Sauberkeit und Eigenverantwortung ist. Gleichzeitig bleibt ein Aspekt bemerkenswert, der im Artikel nur am Rande mitschwingt.
Wenn ein Bezirkspolizist öffentlich spricht, hört man ihm anders zu als anderen Diskutanten. Seine Worte tragen die Autorität des Amtes, sie wirken – bewusst oder unbewusst – normsetzend. Genau deshalb ist die Erwartung an Neutralität hier besonders hoch.
Umso interessanter wird es, wenn diese Rolle mit einem politischen Mandat zusammenfällt. Dann entsteht eine Situation, in der sich für das Publikum nicht immer eindeutig erschließt, aus welcher Perspektive gesprochen wird – aus der des neutralen Staatsdieners oder aus der eines politisch engagierten Mandatsträgers.
Das mag im Einzelfall unproblematisch erscheinen. In der Summe wirft es jedoch die Frage auf, wie klar die Trennlinie tatsächlich noch ist – und ob sie für die Öffentlichkeit überhaupt noch erkennbar bleibt.
Vertrauen in staatliches Handeln lebt von dieser Klarheit. Gerade dort, wo Rollen naturgemäß Nähe zueinander haben, wäre daher besondere Sensibilität wünschenswert.
Ulrich Gürster hatte bei dieser Veranstaltung einen Hut (den des Polizeibeamten) auf, hat ihn zwischendurch mit Ankündigung aber abgenommen, wenn er als Bürger und Aktiver des Sander Ortsrings gesprochen hat. Dass er außerdem im Ehrenamt Ratsmitglied für die CDU ist, hat an diesem Nachmittag keine Rolle gespielt. Ebensowenig wie die Tatsache, dass unser Moderator Michael Schubek bei der SPD aktiv ist.
Hallo interessierter Bürger, nach Ihrer Definition dürfte kein Beamter sich in seiner Freizeit politisch oder sozial-engagiert einbringen.
Auch Herr Gürster darf eine eigene politische Meinung haben, darf sie nur im Dienst nicht öffentlich vertreten und sie muss verfassungsgetreu sein.
Ein Beamter ist auch ohne Mütze im Dienst und behält alle Pflichten. Solange er die restliche Uniform trägt, greift das Mäßigungsgebot weiterhin. Auch wenn ein Polizist seine Mütze absetzt, unterliegt er dem beamtenrechtlichen Mäßigungsgebot gemäß § 33 BeamtStG, das auch private Äußerungen einschließt. Es gilt, Unparteilichkeit und Neutralitätspflicht in Uniform besonders streng zu wahren. Die Teilnahme an politischen Kundgebungen in (Teil-)Uniform wird sogar regelmäßig als Dienstvergehen gewertet.
In vielen Bundesländern ist die Dienstmütze laut Kleiderordnung im Außendienst zwingend vorgeschrieben. Das eigenmächtige Ablegen kann einen zusätzlichen Verstoß gegen Bekleidungsvorschriften darstellen.
Das Absetzen der Mütze ändert also nichts an der rechtlichen Bindung an das Neutralitätsgebot. Wer in Uniform Meinungen äußert, riskiert unter Umständen disziplinarische Folgen, unabhängig von der Kopfbedeckung. Grundsätzlich hat der “Interessierte Bürger” natürlich Recht, aber es ist ja gut, dass das bei uns in Bergisch Gladbach alles nicht so streng gesehen wird.