Abstimmung im Stadtrat. Foto: Thomas Merkenich

Die Stadtverwaltung das Ergebnis der Abstimmung des Stadtrats über den Haushalt überprüft – und um eine Stimme korrigiert. Am Resultat ändert das nichts. Für die CDU belegt es aber, dass für die Mehrheit für ihre Position die Stimmen der AfD nicht erforderlich waren. Allerdings nur unter einer Voraussetzung.

Der Haushalt der Stadt Bergisch Gladbach war am 24. März vom Stadtrat beschlossen worden – in einer Fassung, die auf Vorschlag der CDU in wichtigen Punkten vom Entwurf der Verwaltung abwich. Dafür stimmten die CDU, die AfD, die Bürgerpartei und das Einzelratsmitglied Benno Nuding. Mit 37 zu 31 Stimmen (keine Enthaltung) habe sich der Vorschlag der CDU durchgesetzt, verkündete Bürgermeister Marcel Kreutz nach der Abstimmung.

Diese Angabe war jedoch nicht korrekt. Der Bürgermeister räumte jetzt auf Anfrage der CDU und „nach erneuter Prüfung“ schriftlich ein, dass es tatsächlich 38 Ja-Stimmen waren.

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Die CDU misst diesem Unterschied von einer Stimme große Bedeutung bei. Sie war nach der Sitzung heftig dafür kritisiert worden, einen Antrag mit Hilfe der AfD durchgebracht zu haben.

Sie betont nun, dass eine Mehrheit auch ohne die sechs Stimmen der AfD möglich gewesen wäre: „Dieses korrigierte Ergebnis hat eine wesentliche politische Bedeutung: Anders als infolge der fehlerhaften Bekanntgabe öffentlich diskutiert, waren die Stimmen der AfD-Fraktion für die Mehrheit nicht ausschlaggebend“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichen Pressemitteilung der Fraktion.  

Hinweis der Redaktion: Inzwischen haben SPD und Grüne Stellung bezogen; wir dokumentieren ihre Reaktion unten in den Kommentaren. Die Stadtverwaltung hat die Fragen der Redaktion am Freitagmorgen beantwortet, wir fassen sie weiter unten zusammen.

Die 29 Stimmen der CDU plus zwei der Bürgerpartei von Frank Samirae und der Stimme des Einzelratsmitglieds Benno Nuding addieren sich auf 32. Das ist eine mehr, als auf der Gegenseite gezählt wurden. Und wäre eine knappe Mehrheit – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich alle Mitglieder der AfD enthalten hätten.

In einer am Donnerstag veröffentlichen Pressemitteilung stellt die CDU fest: „Die falsche Darstellung des Abstimmungsergebnisses hat eine intensive öffentliche und mediale Debatte ausgelöst, die auf einer unzutreffenden Grundlage geführt wurde. Dies hat zu einer unnötigen Verschärfung der politischen Diskussion in Bergisch Gladbach beigetragen.“ 

Aus der Korrektur des Abstimmungsergebnisses leitet sie daher eine Reihe von Fragen und Forderungen an Bürgermeister Kreutz ab:

„Wann und in welcher Form wird die Öffentlichkeit umfassend über das korrigierte Abstimmungsergebnis informiert? 

Welchen Beitrag wird der Bürgermeister leisten, um die entstandenen Missverständnisse und politischen Spannungen zu korrigieren? 

Wie wird der Bürgermeister sicherstellen, dass Abstimmungsergebnisse zukünftig in Ratssitzungen korrekt kommuniziert werden?“

Aktualisierung: Die Stadtverwaltung hat am Freitagmorgen einige Fragen der Redaktion (und damit indirekt zum Teil auch der CDU) beantwortet.

Demnach ist im Zuge der Erstellung der Niederschrift festgestellt worden, dass die in der Sitzung mündlich bekanntgegebene Zahl der Ja-Stimmen vom protokollarisch festgehaltenen Abstimmungsergebnis abweicht. Das korrigierte Ergebnis werde zu Beginn der kommenden Ratssitzung mündlich bekanntgegeben. Weitere Schritte „zur Reduzierung politischer Spannungen“ seien derzeit nicht vorgesehen. Auch sehe Bürgermeister Marcel Kreutz keinen Anlass für eine weitergehende politische Einordnung.

Unabhängig davon hatte die CDU ihre Pressemitteilung genutzt, um noch einmal ihre Haltung zur AfD klar zu stellen:

„Grundsätzlich wird nochmal deutlich: Abstimmungsergebnisse in demokratischen Gremien sind nicht vorhersagbar und ergeben sich aus freien Entscheidungen gewählter Mandatsträger.

Und auch obwohl die Abstimmung nun nicht durch die Stimmen der AfD entschieden wurde, betont die CDU-Fraktion nochmals ihre Haltung: Sie grenzt sich ausdrücklich von einer Zusammenarbeit mit der AfD ab.

Ein sachlich richtiger Antrag wird nach der Überzeugung der CDU nicht falsch, nur weil die Falschen ihm zustimmen. Wir riskieren unsere demokratische Kultur, wenn wir uns von möglichen Abstimmungsverhältnissen einschüchtern lassen.“ 

Dokumentation

Die Pressemitteilung der CDU

Das Schreiben des Bürgermeisters

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Inzwischen hat auch die Stadtverwaltung unsere Fragen beantwortet, wir haben den Text erweitert.

  2. Noch mehr Augenwischerei der CDU, die einmal mehr den Schulterschluss mit der extremen Rechten gesucht und gefunden hat. Schämt euch!
    #NieWiederIstJetzt

  3. SPD und Grüne nehmen Stellung, wir dokumentieren hier ihre Pressemitteilung:

    „Haushaltsbeschluss bleibt politisch eindeutig – unabhängig von nachträglichen Deutungsversuchen

    Die CDU versucht mit ihrer Pressemitteilung offenkundig, die politische Debatte im Nachhinein auf eine arithmetische Nebenfrage zu verengen. Das ändert jedoch nichts am eigentlichen Kern des Vorgangs.

    Fakt ist: Der Haushalt und der umstrittene Personalkostendeckel wurden mit den Stimmen von CDU, AfD und Bürgerpartei beschlossen. Vor der Ratssitzung waren der CDU die krankheits- und abwesenheitsbedingten Ausfälle bei SPD und Grünen nicht bekannt.

    Sie hat ihren Kurs also unabhängig davon zur Abstimmung gestellt, wer ihm am Ende zur Mehrheit verhilft. Genau darin liegt der politische Widerspruch – zumal führende CDU-Vertreter zuvor selbst erklärt hatten, es sei ihnen gleich, wer ihren Anträgen zustimmt.

    Wer die Debatte jetzt im Rückblick auf eine technische Zählfrage verengen will, versucht von der eigenen politischen Verantwortung abzulenken. Für uns ist nicht entscheidend, wie die CDU den Vorgang nachträglich sprachlich kleiner machen möchte. Entscheidend ist, dass sie eine Mehrheit jenseits der demokratischen Mitte genutzt hat und dafür die politische Verantwortung trägt.

    Für SPD und Grüne ist jetzt Sachpolitik entscheidend. Nach der Prüfung durch die Verwaltung wird es politisch darauf ankommen, die Folgen dieses Haushaltsbeschlusses verantwortungsvoll zu analysieren und dort, wo es erforderlich ist, auch gegenzusteuern.

    Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen tragfähige gemeinsame Lösungen aus der Mitte des Rates. Dafür bleiben SPD und Grüne gesprächsbereit. Wer ernsthaft an solchen Lösungen interessiert ist, muss bereit sein, Brücken in die demokratische Mitte zu bauen – nicht Mehrheiten jenseits dieser Mitte zu normalisieren.“

  4. Es bleibt dabei: Die CDU ließ sich von der AfD aushalten, ob durch eine Zustimmung oder Enthaltung spielt keine wesentliche Rolle. Relevant ist, dass die CDU ein bestimmtes Abstimmungsverhalten der AfD brauchte, um ihren Antrag durchzubekommen.

    Und im übrigen muss man erwähnen, dass die Mehrheit selbst nach Rechnung der CDU nur mit den Stimme von den Spesenrittern der Bürgerpartei zustande kommt, die sich innerparteilich so undemokratisch wie gerade noch gesetzlich zulässig organisieren. Auch auf diese Stimmen will man eigentlich nicht angewiesen sein.

  5. Die CDU hat sich in den Verhandlungen mit SPD und Grün zu 90% geeinigt hieß es kurz vor der Ratssitzung. Die Fraktion Volt/FWG hat einen Vertagungsantrag gestellt, der weitere Verhandlungen ermöglicht hätte. Wir hätten genau wie bei den Verhandlungen zum Klimaschutzabkommen vermitteln können. Die CDU hat die Vertagung abgelehnt. Die CDU hat demnach die Zustimmung der AFD einer möglichen Einigung mit den anderen demokratischen Fraktionen vorgezogen. Das darf nicht vergessen werden.
    Martin Freitag, Fraktion Volt/FWG