Technologiepark und Technologie Zentrum Moitzfeld. Foto: Milko Murat

Viel hat nicht gefehlt, dann wäre der Technologie-Park in Moitzfeld vor drei Jahren den Bach runter gegangen. „Als wir hier im Mai 2012 aktiv wurden lief der Wert der Immobilie gegen Null, da waren nicht mal mehr die Stromrechnungen bezahlt worden,” berichtet Park-Manager Albert Hanseder-Schießl. Vom „Superknall” sei der Park nur ein winziges Stück entfernt gewesen.

Mit 17 Jahren stand der Technologiepark am Abgrund – und das Rheinisch-Bergische Technologie-Zentrum (RBTZ) und einige seiner erfolgreichsten Mieter vor massiven Problemen. Ein Stromausfall wäre für die energiehungrigen Mieter der ersten Stunde wie Oevermann Networks zur Katastrophe geworden. Research Instruments stand kurz vor dem Absprung.

Der damaligen Besitzer, eine niederländische Investorengruppe, hatte den Technologiepark verlottern lassen. Dann geriet der Park in die Zwangsverwaltung. Und alles wurde besser.

So schnell, dass es jetzt zum 20. Geburtstag nur zufriedene Gesichter gibt – und das Duo von Technologiepark und Technologiezentrum die zweite Erfolgsgeschichte seit seiner Gründung feiern kann.

Männer der ersten Stunde mit Zwangsverwalter: Dieter Porzberg, Martin Westermann, Michael Peininger, Albert Hanseder-Schießl

Ende von Interatom ermöglichte Dualität in Moitzfeld

Auch die erste Erfolgsgeschichte begann mit einer Beinah-Katastrophe, berichtet Martin Westermann, seit 1992 bei der Wirtschaftsförderung Bergisch Gladbach und einer der drei Geschäftsführer des Technologiezentrums. 1994 flatterte die Entscheidung der Firma Siemens ins Rathaus, die Hightech-Tochter Interatom in Moitzfeld mit 1800 Mitarbeitern zu schließen. Mit dem Ende der Kerntechnologie des Schnellen Brüters hatte Siemens für Interatom keine Verwendung mehr.

Aus dieser Not heraus entstand das duale Angebot „Technologiepark plus Technologiezentrum”:

  • Die Kölner Lammerting-Immobilien-Gruppe übernahm das komplette Gelände von Siemens und wandelte es in einen privaten Gewerbepark um, der die Gebäude mitsamt Infrastruktur an technologie-getriebene Unternehmen untervermietet.
  • Die Stadt Bergisch Gladbach, der Rheinisch-Bergische Kreis, die Kreissparkasse Köln und die IHK Köln gründeten mit staatlicher Förderung das Rheinisch-Bergische Technologiezentrum, das Unternehmensgründern Beratung, günstige Infrastruktur und ein regionales Netzwerk zur Verfügung stellt – und neue Mieter für den Park heranzog.

Tatsächlich ging das Konzept auf. Nicht zuletzt, weil sich für den Technologiepark und für das Technologiezentrum aufstrebende Unternehmer fanden, die sich hier optimal entwickeln konnten.

Research Instruments: Vom Ingenieur zum Unternehmer

Zum Beispiel Michael Peininger, der gar kein Unternehmer war, sondern Ingenieur – und noch heute von den Bedingungen schwärmt, unter denen er bei Interatom superleitende Teilchenbeschleuniger entwickelt hatte. Mit zwei Kollegen sah er die Chance, diese Technologie außerhalb der Kernenergie einzusetzen und auf der Basis von Interatom ein neues Unternehmen aufzubauen.

Für den Gegenwert von „drei Kölsch”, so berichtet Peininger jetzt, übernahm die neue Firma Research Instruments alle Forschungs- und Produktionsanlagen in Moitzfeld und verpflichtete sich im Gegenzug, für die Abwicklung von Interatom zu sorgen.

Aus einem Kern, der zunächst nur die drei Gründer umfasste, entstand ein Unternehmen, dass mit derzeit 180 Beschäftigen die Schlüsseltechnologie für die europäische Kernforschungseinrichtung CERN liefert – und nach wie vor Mieter des Technologieparks ist.

Oevermann Networks: von drei auf 90 Mitarbeiter

Das Beispiel für den Erfolg des Technologiezentrums ist der Internet-Dienstleister Oevermann Networks. Auch er wurde 1995 von drei Männern gegründet, den Brüdern Robert und Uwe Oevermann und Dieter Porzberg. Die drei bekamen in Moitzfeld Beratung, Infrastruktur und vor allem die Räume, die sich immer wieder ihren wachsenden Bedürfnissen anpassten. Anfangen hatte Oevermann mit anderthalb Räumen in der ehemaligen Poststelle, inzwischen arbeiten in einem neu gebauten Gebäude 90 Beschäftigte auf mehreren Etagen.

Technologiepark: 2400 Beschäftigte in 140 Unternehmen

Mit seinen Mietern wuchs auch der Technologiepark, von ursprünglich 35.000 auf 73.000 Quadratmeter Nutzfläche.  2400 Menschen arbeiten heute in 140 Unternehmen im Technologie-Park. Und es gibt noch ein Ausbaupotenzial von 55.000 Quadratmetern.

Technologiezentrum: 110 Start-Ups aus der Taufe gehoben

Das Technologiezentrum hat in den 20 Jahren 700 Gründungsvorhaben betreut, 110 davon siedelten sich im Park an. Davon befinden sind noch 17 im Gründerzentrum – die anderen sind expandiert und ausgezogen, zum Teil – wie Oevermann – nahtlos in den Technologiepark gewechselt. Damit ist das RBTZ nicht nur „Durchlauferhitzer” für Gründer, sondern zugleich auch Keimzelle für den Park, betont Geschäftsführer Westermann.

Zwangsverwalter setzte Niedergang ein Ende

Doch nach der dynamischen Startphase verkaufte Lammerting den Technologiepark an die niederländischen Investoren, die Talfahrt bis zum absoluten Tiefpunkt in 2013 zehrte an Nerven und Vertrauen der Mieter.

Ausgerechnet mit der Zwangsverwaltung unter der Führung von HWW Wienberg Wilhelm begann die zweite Erfolgsgeschichte. Die Düsseldorfer setzten Albert Hanseder-Schießl als Krisenmanager ein, der heute von allen Beteiligten hoch gelobt wird.

Dabei hatte Hanseder-Schießl in den ersten sechs Monaten noch nicht einmal Zeit, die wichtigsten Mieter auch nur kennen zu lernen, erinnert er sich heute. Zuerst musste er sich um die Grundbedürfnisse kümmern: funktionierende Heizung und Abwasserkanal, sichere Stromversorgung, ein Wlan.

Aber gleich ging es ihm nicht nur darum, die Defizite aufzuarbeiten, sondern neue Standards zu setzen. So wurde das Gelände mit einer ultraschnellen Lichtwellenleitertechnik verkabelt. Erst danach habe er sich daran machen können, eine neue „Grundruhe” zu etablieren und das Vertrauen der Mieter zurück zu gewinnen.

Mieter binden sich langfristig an den Technologiepark

Offenbar mit Erfolg, Research Instruments und Oevermann haben ihre Mietverträge gerade für die nächsten zehn Jahre verlängert, beide wollen im Technologiepark expandieren. Denn die alten Standortvorteile, die Nähe zur Autobahn und zum Flughafen, die Flexibilität bei den Räumen, die große Reserve an Flächen und das technologische Umfeld zählten heute wie früher.

Drei Millionen für eine eigene Energiewende

Gleichzeitig will der Parkmanager weiter modernisieren. So sollen die Arbeitsflächen, die noch vielfach den Charme der 80er ausstrahlen, moderner und repräsentativer werden.

Vor allem aber wird in die Nachhaltigkeit investiert: Mit einem Blockheizkraftwerk und Solardächern für insgesamt drei Millionen Euro soll Moitzfeld zum „Green Park” werden. Das hört sich nicht nur gut an, sondern bringt bei Ausschreibungen beim Kriterium nachhaltige Produktion Vorteile – und den Mietern bei der Stromrechnung ordentliche Einsparungen.

Die Braut ist hübsch, der Bräutigam fehlt (noch)

Die Modernisierung des Parks, das kündigt Manager Hanseder-Schießl schon einmal an, wird wohl sein Nachfolger vollenden müssen. Denn seine Aufgabe als Zwangsverwalter sei es vor allem, „die Braut hübsch zu machen”, für einen Verkauf des sanierten Technologieparks an einen neuen Investor.

Diese Aufgabe sei immerhin zu 80 Prozent schon erledigt – einen potenziellen Bräutigam sei aber noch nicht in Sicht.

Mehr Informationen:
Website des Technologieparks Bergisch Gladbach
Website des Rheinisch Bergischen Technologiezentrums

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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