Wenn zwei ausgewachsene und ältere Querdenker zum dritten Mal im ungewöhnlichen Lang-DIN C 6-Quer-Format Texte und Bilder präsentieren, können dabei nur noch skurrilere Kleinkunstwerke als bei dem letzten Haiku(h)-Bildband herauskommen.

Der Kölner Dieter Höss liefert in gewohnter satirischer Manier Texte, die sich Lesern zumeist nur erschließen, wenn sie bereit sind, um nicht nur eine Ecke zu denken.

Und die Bilder des Bergisch Gladbacher Fotografen Klaus Hansen sind jeweils aus einem Blickwinkel geschossen, der Realitäten einfängt, die allerdings nicht real zu sein scheinen und sich daher erst durch mehrfaches Hinschauen verstehen lassen.

Foto: Klaus Hansen

Deutscher Dreizeiler scheut kein heißes Eisen

Höss beginnt den Band mit einer „Kettengedichtreaktion“ und erläutert darin ausgiebig und zugleich kurzweilig, was einen japanischen Haiku ausmache. Er prophezeit darüber hinaus, dass ein Haiku als „deutscher Dreizeiler kein heißes Eisen“ scheut.

Und genau an diese Vorhersage hält sich der Autor, wenn er Amnesty International und Metzgereien, Scheinhinrichtungen, Muttertags-Torten, die Narretei, Zärteleien sowie andere vermeintliche Unsagbarkeiten gekonnt in jene notwendigen siebzehn Silben und drei Zeilen des Haikus presst.

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So lässt er sich in einem Maffayku über die Verkehrsprobleme in und um seine Wahlheimat Köln aus mit:

„Der Schwerlastverkehr
geht über sieben Brücken.
Bis gar nichts mehr geht.“

Wie Sänger Peter Maffay das gefallen mag, konnte der Rezensent leider nicht in Erfahrung bringen. Dennoch wäre ein Plakat mit dem Sänger und diesem Dreizeiler vor der unreparierbaren Leverkusener Brücke sicherlich ein auffälliger Hinweis, der auch so manchen Kapitän der Landstraße und Autobahn daran hindern könnte, rückwärts von der Brücke zurück zum nächsten Umleitungsschild zu fahren.

Foto: Klaus Hansen

Und selbst als nachhaltiger Ernergiesparer versucht sich Dieter Höss in seinem Standbyku, in dem er mahnend feststellt:

„Ständig unter Strom,
ohne noch viel zu bringen.
Das frisst Energie.“

So blödelt er sich ausgesprochen (oder besser ausgedruckt) intelligent durch Politik, Gesellschaft und Privatleben, albert sich bis zur hinteren äußeren Umschlagseite voran, um dort am Ende festzustellen:

„Die Versfüße wund.
Aller Dreizeiler müde.
Doch guter Dinge.“

Foto: Klaus Hansen

Bilder und Verse bergen einige versteckte Wahrheiten

Die Leser werden vermutlich, dennoch nicht so müde sein und das Querformat gleich zur Seite legen. Bestimmt machen sie sich zu einem zweiten oder gar dritten Durchgang auf, um in Bildern und Versen neue versteckte Wahrheiten zu entdecken, die ihnen das Leben bisher so nicht beschert hat.

Aller guten Dinge sind Dreiku ist ein literarisch-fotografisches Kleinod für Leser und Bildbetracher, die den Ernst und die Absurdität der derzeitigen Weltlage ernst nehmen wollen, ohne dabei das Lachen und Schmunzeln zu vergessen.

Aller guten Dinge sind Dreiku, Dieter Höss (Verse), Klaus Hansen (Fotos), Köln/Bergisch Gladbach, Herbst 2015, 54 Seiten, € 6,80.

Die Broschüre kann bestellt werden bei Klaus Hansen, An der Flora 7, 51469 Bergisch Gladbach oder über Email: klaus.hansen@koeln.de. Selbstabholer sparen Porto und Verpackung – und bekommen einen Kaffee umsonst.

Foto: Klaus Hansen

KFeldkamp

1943 in Lübeck geboren, wohnte lange in Frankenforst, lebt inzwischen in Wallefeld. Er arbeitet als selbständiger Supervisor und freier Autor, schreibt Gedichte, Geschichten, Kolumnen, Sachbeiträge, Rezensionen.

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