Das historische Rathaus, Amtssitz von Bürgermeister Lutz Urbach. Foto: Marcus Ruhkiek

Auf die Bekanntmachung der Bürgerinitiative für den Erhalt der Landschaft zwischen Moitzfeld und Herkenrath, sich für die Zukunft breiter aufzustellen, gab es viele positive Reaktionen. In dem Zuge hat sich auch Bürgermeister Lutz Urbach wieder mehrfach zum Thema Voislöhe geäußert, allerdings in erschreckender Weise. In einem ansonsten lesenswerten Artikel im Kölner Stadtanzeiger und der Bergischen Landeszeitung wird er mit folgender Aussage zitiert:

„Dabei darf es keine Rolle spielen, ob der Widerstand für die eine oder andere Fläche groß ist oder persönliche Interessen für oder gegen ein Gebiet bestehen.“ (BM Urbach)

Das ist doch bemerkenswert: Für den Bürgermeister spielen die Willensäußerungen der Bürger also schlicht „keine Rolle“ – ein bezeichnendes und mittlerweile offenbar verbreitetes Verständnis von Demokratie. In einem folgenden Interview angesprochen auf den Widerstand gegen ein Gewerbegebiet Voislöhe legt er nach:

„Da müssen wir durch. Wir müssen uns entscheiden, ob wir Gewerbestadt bleiben, oder reine Schlafstadt werden wollen.“ (BM Urbach)

Offensichtlich hat der Bürgermeister also seine Entscheidung längst getroffen und kein Interesse an einem sachlichen Dialog mit den Bürgern.

Lutz Urbach legt dabei zunehmend eine Medien-Rhetorik an den Tag, wie sie leider bei einigen Berufspolitikern Standard geworden ist: Er versucht gar nicht erst, inhaltliche Gründe zu liefern oder sich auf eine sachliche Argumentation einzulassen, sondern beschränkt sich auf das Vorbringen von Flosklen und Hüllwörter.

Dabei ist Urbach in der Diskussion um Voislöhe bis jetzt generell noch nicht dadurch aufgefallen, dass er auf irgendeines der von der Bürgerinitiative vorgetragenen Sachargumente für den Schutz der Landschaft und einer Suche nach Alternativen eingegangen wäre.

So wurde von der Initiative in zahllosen Papieren und Diskussionen z.B. auf die gutachterlich belegten überregionale Bedeutung der Landschaft oder auf die im Vergleich zur unzuverlässigen Gewerbesteuer viel wichtigere konstante Einkommensteuer der hier lebenden Bürger für den Stadthaushalt hingewiesen. Statt hierauf im Detail einzugehen, erschöpft sich die Argumentation des Bürgermeisters stets in zwei inhaltsleeren Phrasen:

Es dürfe keine „Denkverbote“ geben

Was für ein Unsinn, das ist ja gerade das, was die Initiative fordert: Das endlich einmal intelligent geplant und nachgedacht wird. Aber der Bürgermeister redet fortwährend von Denkverboten, lässt aber selber (wie auch die Stadtverwaltung) keine Diskussion zu!

Bergisch Gladbach drohe zur „Schlafstadt“ zu werden

Was für ein Unsinn: Wer angesichts der Faktenlage, dass in Bergisch Gladbach bereits heute 3 von 4 Arbeitsplätzen außerhalb von Gewerbegebieten liegen, von einer drohenden „Schlafstadt“ redet, hat entweder keine Ahnung oder will Wähler bewusst für dumm verkaufen.

Mehr Informationen auf der Website der Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath

moitzfeldherkenrath

Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath - Für den Erhalt der geschützten Landschaft zwischen Moitzfeld und Herkenrath! Kein Gewerbegebiet Voislöhe!

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4 Kommentare

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  1. Vielleicht sollte die eine Seite mal versuchen, seine Emotionen in den Griff zu bekommen und die andere Seite – vertreten durch Herrn Urbach – sich vernünftig und verständlich den Interessen der Bevölkerung stellen um dann gemeinsam konstruktiv eine Lösung zu erarbeiten.
    Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die zu beachten sind.
    Jede Stadt braucht Einnahmen um sich zu entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben, seine Attraktivität für Unternehmem/Investoren ABER AUCH für seine Einwohner zu erhalten und auszubauen. Dazu ist Gewerbegebiet nicht gleich Gewerbegebiet. Hier kann gestaltungstechnich und mit Blick auf Natur-/Umweltaspekte eine Menge umgesetzt werden.
    Mit einem grundsätzlichen und schmollenden “DAGEGEN” können diese Herausforderungen ebensowenig gemeistert werden wie mit inhaltleeren Phrasen a la “keine Denkverbote”.
    Vielleicht reißen sich mal beide Seiten zusammen und verhalten sich wie erwachsene und vor allem klar denkende Menschen mit dem Willen, Lösungen herbei zu führen anstatt weitere Probleme. Momentan bewegen sie sich wenn überhaupt auf Kindergartenniveau!

  2. @Heinz Weikert:

    Dieses – auch von der Verwaltung immer vorgebrachte Pauschalargument – würden wir gerne kritisch hinterfragen. Warum soll es eigentlich erstrebenswert sein, den Austausch mit dem Umland einzuschränken?

    1. Die Fakten: Es stimmt, viele (30.000) Bergisch Gladbacher pendeln zu Arbeitsplätzen in andere Gemeinden, aber fast so viele (26.000) nicht-Gladbacher arbeiten bei uns. Das heißt, das Pendeln kommt nicht von fehlenden Arbeitsplätzen, sondern einfach daher, dass wir vielfältige Interessen und Fähigkeiten haben und daher über unsere Stadtgrenzen hinaus passende Arbeitsplätze finden. Es ist doch toll, dass Bergisch Gladbach ein attraktives Umland hat, und natürlich spiegelt sich das auch in Pendlerströmen wieder. Was soll daran schlecht sein?

    2. Die Emotionen: Die Lobbyisten für Gewerbegebiete in Bergisch Gladbach nutzen zudem oft so eine Art „Zugbrücken“-Argumentation: Gladbacher sollen auch in Gladbach Arbeit finden – gerne auch von Stadtbaurat Schmickler mit einem Sozialmantel verkauft. Aber wie sinnvoll ist dieses Argument? Bergisch Gladbach ist zweifellos eng eingebunden in den Großraum Köln – viele Bergisch Gladbacher wohnen deutlich näher „am Dom“ als „echte“ Kölner. Warum sollte es erstrebenswert sein, die in diesem Großraum recht willkürlich existierenden Stadtgrenzen für die Arbeitsplatzansiedlung heranzuziehen.

    Zu fordern, Gladbacher sollten möglichst in Gladbach arbeiten ist ungefähr so sinnvoll wie zu fordern, alle (Köln-)Ehrenfelder müssten auch in Ehrenfeld Arbeit finden. Und warum es besser sein soll, wenn ein Schildgener Bürger einen Arbeitsplatz in einem Moitzfelder Gewerbegebiet hat, statt in Schlebusch, nur damit auf dem Papier er oder sie nicht zum Pendler wird, verstehen auch nur die, die mit diesem Argument Freiräume asphaltieren wollen.

  3. Bensberg braucht neue Arbeitsplätze und damit auch eine Rückführung derjenigen, die täglich nach Köln oder anderen Standort fahren müssen!

  4. Lutz Urbach!
    sie sollten nach Berlin gehen! Dort spielt es auch keine Rolle was die Bevölkerung möchte!
    Da passen Sie hin!
    Man sollte Ihnen eine Wohnung in einem Industriegebiet besorgen!

    Wir sind das Volk und wünschen uns Natur! Also Herr Urbach! Finger wg von unserer Natur!