Die Geschmacksverstärker im Theas

Das Theas Theater ausverkauft, viele Menschen karnevalistisch dekoriert und sehr gespannt. Schnell gelang es den vier (Petra Christine Schiefer konnte wegen Krankheit diese Aufführung nicht mitspielen) Schauspielern der „Geschmacksverstärker” (Heinz-D. Haun, Jan Pothof, Katharina Schüle, Barbara Werner) das Publikum in Stimmung zu bringen.

Wir nahmen mit Begeisterung an dem szenischen Prozess der Mottofindung teil und verspürten genauso wie die Akteure Hunger auf Fastelovend. Die gute Laune wurde nicht nur angefeuert durch witzige und geistreiche Texte, die abgelöst wurden von Blödeleien, sondern auch durch die zahlreichen Gelegenheiten, bekannte Karnevalslieder mitzusingen oder kölsche Krätzchen anzuhören.

Ohne die überzeugende schauspielerische Präsentation des Teams der Geschmacksverstärker und ohne die gekonnte Maske wäre der Eindruck nicht so nachhaltig gewesen. In einer Szene zum Beispiel wurden der besten Karnevalschor ausgesucht und auswärtige Juroren vorgestellt, unter anderem ein anonymer Mainzer Hofsänger. Hein D. Haun wurde perfekt als Hofsänger geschminkt und mit Lederschürze ausgestattet.

Die Geschmacksverstärker bei einem früheren Auftritt im Sporthotel Klever

Jan Pothof hatte schon vorher mit holländischem Zungenschlag begründet, dass der Fastelovend eigentlich aus dem niederländischen Städtchen Hertogenbosch stammte und schon im Mittelalter dort gefeiert wurde, als es in Köln noch keine Umzüge gab.

Der lustige und intellektuelle Höhepunkt der karnevalistischen Revue war für mich die Szene, in der die vier Akteure ein Fastelovends-Poem in der Art des legendären Literarischen Quartetts kommentierten, dabei oft überdrehte und an den Haaren herbei gezogene Bemerkungen machten, aber den Text immer als bedeutend und besonders kraftvoll bewerteten, bis sich herausstellte, dass das Poem das Produkt eines zufallsgesteuerten Lyrikgenerators war.

Alle Akteure spielten locker und engagiert und verbreiteten dadurch gute Laune im Publikum. Diese karnevalistische Revue ist etwas Einmaliges in der rheinischen Karnevals-Landschaft und kann nur empfohlen werden. Vielleicht wird sie ja später nochmals aufgeführt.

Ein Kommentar zu dieser Theaterkritik erreichte uns per Mail:

Am Aschermittwoch ist alles vorbei … . Nein, nicht wenn man die fantastische Aufführung „Fastelovendshunger“ im THEAS-Theater in Bergisch Gladbach besucht hat. Echt kölsche Stimmung gepaart mit Witz, Humor und Niveau, eine Kombination, die man leider im Rheinland immer weniger findet. Man spürt mit welch persönlicher Begeisterung die 5 Darsteller ihre Darbietungen vortragen und dieser Funke springt sofort auf das Publikum über. Das stellt sich auch ohne zu zögern dem Gesangswettbewerb unter der strengen Jury von Rüdi Carrusell und Ernst Schwarzer-Farbiger.
Ideenreichtum und echte Persiflagen-Knaller haben aber auch einen Nachteil: Die Lachmuskeln werden äusserst strapaziert….allerdings der schönste Muskelkater, den man sich denken kann und an den man gerne immer wieder zurückdenkt, auch lange noch nach Aschermittwoch. Danke für einen herzerfrischenden karnevalistischen Nachmittag vom Feinsten.
Werner Went

Günter Helmig

Autor und ehemaliger Lehrer, Vorsitzender von "Wort & Kunst e.V."

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