Asphalt-Apologeten gegen Realitätsvergessene Romantiker und umgekehrt

Es ist wieder soweit, die Truppen sammeln sich, bringen sich in Stellung. Und es sind die alten Gräben: Der Zukunft zugewandte Asphalt-Apologeten grenzenlosen Wachstums gegen romantisierend realitätsvergessene Träumer im Wald, auf Feld und Flur.

Denn Fakten hin, Zahlen her: Letztlich geht es hier um Grundsatz- oder sogar Glaubensfragen über das Gestalten von Zukunft im Jahre 2016. Deshalb scheinen oder sind alle Diskussionen darüber auch so schwierig.

Nur als derzeit kulminierendes Beispiel: Die Forderungen der Unternehmerinitiative ILA nach 70 Hektar großen neuen Gewerbegebieten – und der sich formierende Widerstand.

Die Agenda auf der Schwelle in’s Morgen

Und es gibt eben viel Diskussionsbedarf, wenn es zu einer gescheiten Entwicklung jenseits einseitiger „Glaubenssätze“ der einen oder anderen Seite kommen soll:

  • Neuaufstellung des Flächennutzungs-Planes für Bergisch Gladbach,
  • die massive Forderung nach neuen Gewerbeflächen weitesten Ausmaßes, ganzheitliche Innenstadt-Entwicklung,
  • der hiesige Evergreen „Stadtautobahn über’n Bahndamm“,
  • Verkehrs- bzw. Mobilitätskonzept und, im ganz großen Zusammenhang,
  • auch der Bundesverkehrswege-Plan mit seinen potentiell lokalen Folgewirkungen …

Bleiben wir hier ‘mal beim FNP (Flächennutzungs-Plan) und besagten Gewerbeflächen, die den eigentlich dicken Hund bei dessen Neuaufstellung ausmachen.

 „Jetzt wird wieder in die Landschaft geguckt …

– wir planieren für´s Bruttosozialprodukt …!“ In etwa so. Und darin liegt eines der grundlegenden Probleme, sozusagen  schon im Anpack. Die „Initiative Leben und Arbeiten in GL“, kurz ILA, ist eine Interessenvertretung und verfolgt berechtigterweise die in ihr versammelten Interessen.

Das tun andere Interessenvertretungen, etwa die jeweils sublokal von jeweiligen Begehrlichkeiten betroffenen Bürgerinitiativen, auch – Und zunächst einmal hat keine Seite per se und an und für sich recht, sondern nur eine Position, eine Meinung …

De’ Eine sagen so, de Andere so … Aber gehen tut´s nur gemeinsam!

Die Blicke aus dem Tunnel kippen und gemeinsam den Horizont erfassen

Schon dieser Satz entlarvt mich als hoffnungslosen Romantiker, der die knallharte Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen will – Stimmt!

Ich nehme sie zwar durchaus zur Kenntnis, weigere mich aber, kreatives, konstruktives und ja, auch verrücktes = Perspektiven verrückendes Denken durch einseitiges Perma-Behaupten von diversen „Alternativlosigkeiten“, „Sachzwänglichkeiten“  „Komplexitäten“ etc. röhrenartig beplanken oder verbrettern bzw. ohne Luftholen betonieren zu lassen.

Riesige Neuflächen kein „alternativloses Muss“ – Plus ein paar naiver Fragen

Und es stimmt auch: Ich sehe zunächst eben kein „alternativloses Muss“ im Neuausweis riesiger Neuflächen für Gewerbe nach dem Motto: Was sich nicht wehrt, ist fällig und stelle zum Augenrollen der Megaprofis wiederholend die Fragen:

  • Würden alle bestehenden Gewerbeflächen der Stadt vital und nach einem übergreifenden Wirtschaftskonzept sanft steuernd bespielt z.B. auch hier, dann …;
  • Würden die gleich riesigen Zaunpfählen winkenden Brachflächen intelligent und gemeinsam entwickelt, z.B. in der Stadtmitte, von bereits großen Teilen des unmittelbar gleisangebundenen Zanders-Geländes nicht zu reden, dann …;
  • Wenn das einzige Argument gegen eine Wiederbelebung reichlich bestehender Flächen ´mal wieder die Gewinnschmälerung sein sollte – Freunde, der ständige Neuverbrauch von Flächen ist keinesfalls günstiger, er sourct nur die Kosten aus, an die Allgemeinheit und die Zukunft, gell?!;
  • Wird überhaupt der Wert von „Landschaft“ als Wirtschaftsfaktor in einer Region wie der hiesigen erkannt und berücksichtigt – oder ist das nicht „sexy“ genug (man glaubt gar nicht, welche Rolle die pure Psychologie und allerlei Archetypen bei alledem spielen …)?;
  • Welche Gewerbe sollen denn auf den in vorauseilendem Gehorsam weitestflächig versiegelten Flächen angesiedelt werden? Welche Arten Gewerbe passen hier zu Stadt, Lage, Stärken? Welche Gedanken gibt es in dem Sinn zum Wirtschaftsstandort GL als Einheit, z.B. synergetische Clusterbildung (zukunftsfähige Kernansiedlungen mit Folgezug) , Zusammenhang auch mit Einzelhandels- und touristischer Gesamtperspektive?

Die Erotik „schöpferischer Zerstörung“ ist als einseitiges Hobby zu teuer

Mir ist schon klar, dass solche irgendwie doch grünlich verzärtelten Bedenken der hemdsärmelig ungeduldigen Macherlust vor allem einer neuen „Generation des Unbedingten“ im Wege sind

– Doch solche Brachialplanungen sind einfach nicht mehr zeitgemäß, brechen den längst virulent gewordenen Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie ohne Not wieder auf und verursachen letztlich mehr Schaden als Nutzen.

Übrigens: Der v.a. mit Schumpeter assoziierte Begriff jener „schöpferischen Zerstörung“ stammt ursprünglich vom ollen Marxen …

Wat nu’?

So, da stehen wir also und schauen aus dem einen Graben jeweils in den anderen Graben hinüber … Ich stehe natürlich auch in einem (in dem der „Romantiker“, wat willste machen …), würde aber gerne ´mal raustreten, ohne später dann in´s Fundament irgendeiner Industrieanlage gegossen zu werden …

Vorwärts planen statt rückwärts planieren

Meiner genauso irrtumsanfälligen Meinung nach sind die Zeiten wirklich vorbei, in denen wir Aufschwung und Wachstum einfach irgendwie herbeibetonieren und dabei auf zwar anstrengendes, aber notwendiges Denken samt neuer Ideen wie Konzepte verzichten können

– die es doch längst gibt, zum Beispiel beim Projekt Zukunftsstadt. Das ist Zukunftsdenken und -planen! Und wird doch wohl auch an der beschaulichen Strunde möglich sein …

Let´s dance … pardon: talk!

Jedenfalls,  bevor planiert wird, sollte und muss hier noch ´mal sehr gründlich diskutiert werden – Es hat ohnehin keinen Sinn, Maximalforderungen solchen Kalibers gegen den genauso berechtigten Zweifel und Widerstand vieler Bürger durchsetzen zu wollen … Let´s talk!

Ich selber habe zwar nirgendwo nüscht zu melden, bin aber einfach an schöpferischen Diskussionen interessiert, die uns alle weiterbringen.

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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1 Kommentar

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  1. Wenn auch an manchen Stellen nicht ganz einfach zu verstehen, legt dieser Text doch den Finger genau in die größte Wunde: Diskussion statt Konfrontation, anderen zuhören statt nur sich selbst, gemeinsame Ziele statt Selbstvewirklichung. So was zieht leider nur langsam oder gar nicht in die Köpfe ein, wie ich leidvoll erfahren musste. Mancher pflegt lieber persönliche Attacken auf einzelne, ihm nicht genehme Personen statt ein großes Ganzes zu unterstützen und versucht auch noch, dafür die Gefolgschaft einer größeren Gruppe zu gewinnen. So kommen wir nicht weiter.

    Politiker sind beruflich oder ideologisch wenig bereit, einmal gefundene Überzeugungen gegen andere Empfehlungen auszutauschen oder sich damit auseinanderzusetzen. Lobbyisten werden dafür bezahlt oder anderweitig vergütet, bestimmte Interessen, auch gegen den gesunden Menschenverstand, zu vertreten oder durchzuboxen. Diesen beiden Gruppen ist es zu verdanken, dass die Politikverdrossenheit – sollte zum Wort des Jahrzehnts werden – immer weiter um sich greift. Darum sind die privaten Interessengruppen und Bürgerinitiativen gefragt, es besser zu machen, Gespräche anzubieten, zu versuchen, Politiker und Lobbyisten von Ihrer vorgestrigen Einstellung zu befreien statt nur die Konfrontation zu suchen.