Bahndamm Doppelgleis HDR 600

Mit dem Vorschlag eines Bürgerentscheids zum Thema „Schnellstraße über dem Bahndamm“ wird die Debatte über eine Straße quer durch die Wohngebiete unserer Stadt neu entfacht. Ein demokratischer Bürgerentscheid gäbe den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, den von einflussreichen politischen Kräften forcierten Wahnsinnsplan zu stoppen. Ein breites Bürgerbündnis beginnt sich zu formieren.

Die Gegner des Bahndammplans im Stadtrat werden sich einem „Ratsbürgerentscheid“ wohl nicht verschließen. Immerhin geht es um ein Thema, welches die Stadt seit Jahren entzweit. Eine Zweidrittelmehrheit im Rat aus CDU, GRÜNEN, LINKEN, FDP und anderen zeichnet sich ab.

CDU: Flucht nach vorne

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Das überraschende Manöver der CDU erweckt den Eindruck einer Flucht nach vorne. Möglicherweise hat man erkannt, dass die einsamen Entscheidungen des Stadtrats in der eigenen Wählerschaft zunehmend auf Widerstand stoßen, denn auch bei den eigenen Mitgliedern ist die Bahndammtrasse umstritten und die Partei ist gespalten. Um diese Problem möglichst elegant zu lösen will die CDU nun ihre Verantwortung abgeben, dami sie am Ende nicht als Buhmann dazusteht.

Dabei stößt sie der Koalitionspartnerin (SPD), die davon offenbar völlig überrascht ist, vor den Kopf. Die Union punktet, während die Sozialdemokraten wie begossene Pudel dastehen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Koalitionspartner sich gegenseitig brüskieren und die Kooperationsvereinbarung übergehen.

SPD: Bürgernähe und Bürgerbeteiligung nur Wahlkampflüge?

Auch wenn die SPD nicht müde wird, dieses zu behaupten, ist tatsächlich völlig unklar, ob es eine Mehrheit in der Bevölkerung für den Plan einer Schnellstraße gibt. Offenbar fürchtet sie sich vor einer Basisentscheidung durch die Bürgerinnen und Bürger und stellt sich gegen die Idee eines demokratischen Bürgerentscheids.

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Die SPD verliert damit beim Thema Bürgernähe und Bürgerbeteiligung weiter an Glaubwürdigkeit, denn auch wenn sie nicht müde wird dieses verbal und im Koalitionsvertrag mit der CDU zu bekunden, besteht sie anscheinend auch weiter darauf, über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden zu dürfen.

Nur LINKE und GRÜNE konsequent

Bisher standen sich zwei Lager im Stadtrat gegenüber und eine deutliche Mehrheit aus CDU und SPD hat in den letzten Jahren immer dafür gestimmt, den Plan über den Bahndamm weiter voranzutreiben. Lediglich DIE LINKE und Grüne/Bündnis90 haben konsequent gegen dieses Vorhaben gestimmt und vehement dagegen gestritten. Hinzu traten widersprüchliche Positionen der FDP, die zwar immer erklärt hat, gegen eine neue Straße zu sein, aber in Abstimmungen dann regelmäßig umgefallen ist.

Während die SPD im Stadtrat geschlossen pro geblieben ist, obwohl es auch dort kritische Stimmen gibt, haben einige wenige CDU-Stadtratsmitglieder durchaus ihren Unmut zum Ausdruck gebracht.

Autobahnzubringer-Lobby ist gerüstet

Den Lobbyisten der Wirtschaft und ihren Vertretern in der Politik scheint der demokratische Vorschlag nicht geheuer, denn man befürchtet, dass dieses nach hinten losgehen könnte und in Düsseldorf dem Projekt schaden würde. Lieber wäre ihnen eine Entscheidung des Stadtrats an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei, denn das können sie besser “im Auge behalten”, ist berechen- und beeinflussbarer und die Kosten der “Lobbyarbeit” sind überschaubarer.

Wenn es zu einem Bürgerentscheid kommen sollte kann man von einem medialen Trommelfeuer flankiert von SPD und CDU ausgehen, welches durch großzügige Geldspenden der begünstigten Unternehmen finanziert würde.

Für Bürgermeister Lutz Urbach steht einiges auf dem Spiel, denn es ginge auch um sein umstrittenes Gewerbeflächen- und Wirtschaftsförderungskonzept, denn eine Schnellstraße über den Bahndamm ist einer der Kernpunkte dieses Konzepts.

Jetzt breites Bürgerbündnis formieren

Die Gegner der Trasse sind aufgefordert sich über Weltanschauungen hinweg zu einer NEIN-Kampagne und lokalen Bündnis zusammenzuschließen, um den finanzkräftigen Befürwortern auf Augenhöhe entgegentreten zu können und um die Bürgerinnen und Bürger sachlich über die zerstörerischen Pläne und die Auswirkungen auf deren Wohnen und Leben zu informieren.

Kontakt: Die elf Bürgerinitiativen

In den letzten Jahren haben sich unabhängige Stadtteil- und Bürgerinitiativen aufgestellt, die sich an einen Tisch setzen wollen, um für den Flächennutzungsplan gemeinsam konstruktive Positionen zu entwickeln. Durch die Vorlage der Pläne zweier neuer Gewerbegebiete entlang der A4 in Frankenforst und Bensberg-Süd bildet sich aktuell weiterer Widerstand bei den Anwohnern, die sich gegen die Straße über den Bahndamm, den Ausbau der A4 und die neuen Gewerbegebiete zur Wehr setzen. Besonders Frankenforst und Bensberg-Süd wären von diesen drei Plänen massiv betroffen und die dortigen Auswirkungen für das gesamte Wohnquartier wären verherrend.

Auch wenn die finanzielle Ausgangslage eines solchen Bündnisses gegenüber den finanzstarken Befürwortern eher dünn sein wird, würden die Aussichten für einen Abstimmungssieg nicht schlecht stehen. Dafür müsste es gelingen aus den heterogenen Gruppen, Bürger- und Stadtteilinitiativen (zum Beispiel: 11. Bürgerinitiativen “Rettet unsere Stadt im Grünen”, BI Voislöhe, BI Lustheide, BI Frankenforst, BI Bensberg-Süd, BI Tannenbergstr. u.a.), kleinen Parteien (LINKE, GRÜNE, FDP u.a.), Kritiker aus CDU & SPD, unabhängigen Bürgerinnen und Bürgern, betroffenen Anwohnern, Globalisierungskritikern, Verkehrs- und Umweltverbänden (VCD; ADFC, RBN, BUND, NABU u.a.) eine parteiübergreifende und konstruktive NEIN-Kampagne zu entwickeln.

Der erste und letzte Bürgerentscheid in Bergisch Gladbach zum „Cross-Border-Leasing“, bei dem der Vorschlag zur Privatisierung des Abwassernetz mit 96,5% (22.338 : 802 Stimmen) abgelehnt wurde, hat 2003 gezeigt was Bürgerinitiativen erreichen können. Damals hatte selbst die Bürgerinitiative nicht mit so einem hohen Wahlsieg gerechnet. Danach wurde die ehemaligen Bürgermeisterin Opladen Maria Theresia Opladen (CDU) bei der Kommunalwahl 2004 abgewählt und die CDU musste Stimmverluste hinnehmen.

Der Vorschlag für einen Bürgerentscheid ist nicht unriskant und die Distanz der SPD und Autobahnzubringer-Lobby deshalb nachvollziebar. Die CDU dagegen hat daraus gelernt, denn es ist auch eine gute Möglichkeit den Straßenplan voranzubringen.

Über was soll abgestimmt werden?

Es ist noch nicht klar wie, was und wann abgestimmt werden soll und kann. Immer noch geistern verschiedene Pläne und Varianten durch die Diskussion. Stichworte dazu sind Bahnunterführung Tannenbergstr., Autobahnaufahrt A4, Ausbau Frankenforster Str., Trassenführung u.a..

Nach der Gemeindeordnung ist ein „Ratsbürgerentscheid“ über Angelegenheiten, die Gegenstand eines Planfeststellungsverfahrens oder eines anderen förmlichen Verwaltungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung sein können sowie zu Bauleitplänen gesetzlich nicht zulässig.

Es muss zunächst geklärt werden, was man eigentlich abstimmen will und darf. In der gesamten Debatte der letzten 30 Jahre und dem laufenden Verfahren wurde viel getrickst, verschleppt, verheimlicht und ausmanövriert. Die Gegner rechnen damit, dass man dies auch bei einem Bürgerentscheid versuchen wird. Statt zunächst mit den Bürgerinnen und Bürgern darüber zu diskutieren, über was und wie man abstimmen soll und kann, will Bürgermeister Lutz Urbach mit dem Verkehrsministerium  hinter verschlossen Türen mit dem Landesverkehrsministerium darüber verhandeln.

Hier sind die Gegner aufgefordert sich lautstark in die Debatte über einen Bürgerentscheid einzumischen, denn gerade bei der Fragestellung, die zur Abstimmung mit Ja oder Nein (nur das ist zulässig) vorgelegt wird, muss nicht nur Klarheit und Einvernehmen zwischen Gegnern und Befürworten hergestellt werden, sondern es muss auch Fairness garantiert werden. Dieses ist wohl die schwierigste Herausforderung. Die Bürgerinitiativen gegen den Bahndamm haben deutlich gemacht, dass sie weitere unfaire Tricks befürchten und haben erklärt, dass die sie das Vorhaben eines Ratsbürgerentscheids für juristisch fragwürdig oder sogar unzulässig halten.

Theoretisch wäre auch eine „unverbindliche“ Bürgerbefragung Ja/Nein an der Urne möglich, an die sich die Ratsparteien politisch binden und die Entscheidung respektieren. Ob das möglich sein wird ist eher unwahrscheinlich, denn Befürworter und Gegner stehen geblockt gegenüber und werden ein JA oder NEIN auch danach nicht ohne Widerstand und juristischen Grabenkrieg hinnehmen. Doch auch bei einen verbindlichen Bürgerentscheid wäre das nicht beendet, auch wenn man das nun Glauben machen will.

Selbst wenn es eine Mehrheit für eine Straße geben würde, werden die betroffenen Anwohner alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen um den Bau zu verhindern. Ihre Chancen stehen nicht schlecht dafür, denn das ganze Verfahren steht auf tönernen Füßen, wie die bisherigen Ergebnisse und Untersuchungen gezeigt haben.

Bürgerentscheid zur Landtagswahl 2017

Sinnvoll wäre ein Urnengang gleichzeitig zur Landtagswahl NRW im Mai 2017. Damit würden nicht nur die Kosten verringert, sondern auch eine breite Beteiligung der Bevölkerung sichergestellt, welche die Entscheidung gegen nachträgliche Zweifel schützt. Der Gesetzgeber sieht Bürgerentscheide zu Wahlterminen ausdrücklich vor.

Zeitplan unklar

Ob es zu einer Abstimmung kommen könnte, lässt sich er klären wenn das Landesverkehrsministerium die laufende Planung in den nächsten Wochen abgeschlossen hat. Es bleibt zu hoffen, dass das Verkehrsministerium und die Stadtverwaltung die Ergebnisse zeitnah veröffentlicht und nicht wie bei der dazugehörigen Umweltverträglichkeitsstudie wieder verschleppt und nur durch politischen Druck der Bürgerinnen und Bürger Informationen herausgegibt.

Auch kann es sein, dass man das weitere Vorgehen verschiebt, bis es zu einer Konkretisierung der Pläne zum Um- und Ausbau der Autobahn A4 kommt, denn die Gestaltung der Zufahrt und Abfahrt zu Autobahn ist ein entscheidender Knackpunkt für die Straßenpläne.

Mit der Vorlage des Bundesverkehrswegeplan 2030 im März, in der der sechspurige Ausbau der A6 vorgesehen ist, hat zunächst das Bürgerbeteiligung begonnen und alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert ihre Stellungnahme zu diesem Plan bis zum 2. Mai 2016 bei der Bundesregierung einzureichen. Das gesamte Verfahren für den Plan A4 wird erst in 10 Jahren abgeschlossen sein und dann ist noch lange kein Baubeginn.

Wie soll Bergisch Gladbach aussehen?

Immer noch wird die Planung von einer längst überholten Wachstumsglauben bestimmt. Wir brauchen eine grundsätzliche und offene Debatte über die Zielsetzung für die Entwicklung der Stadt, die auch andere Perspektiven einbezieht.

Die größte Belastung für die Menschen auf und an den innerstädtischen Straßen entsteht durch Gewerbeverkehr und deshalb müssen Verkehrsplanung und die Pläne für neue Gewerbeflächen zusammen betrachtet und diskutiert werden. Beide Themenkomplexe gehören zusammen, denn die Pläne neuer Gewerbflächen im Süden der Stadt sind der Nähe zur Autobahn geschuldet.

Die geplante Schnellstraße dient zunächst nur der Anbindung von alten Gewerbegebieten und damit nur wenigen Unternehmen. Eine solche veralterte Industrie- und Verkehrspolitik ist längst gescheitert und kann die Probleme unserer Stadt nicht lösen, sondern würde sie weiter vergrößern. Die Folgen neuer Gewerbeflächen und Straßen müssen alle tragen, während nur wenige davon profitieren. Statt unsere lebenswerte Stadt zu zerstören werden tragfähige und nachhaltige Alternativen benötigt

Stau in Bergisch Gladbach

Neue Straßen vergrößern das Verkehrsproblem in allen Stadtteilen

Es ist eine wissenschaftlich belegte Tatsache, dass neue Straßen neuen Verkehr erzeugt. Es wäre nur eine Frage der Zeit, dass die neue Schnellstraße zusätzlichen Verkehr anzieht und damit das Verkehrsproblem mittelfristig sogar verschärft.

Spätestens mit dem geplanten Ausbau der A4 würde eine Straße über den Bahndamm zu einer Durchgangsstraße für das Hinterland werden, die dann nicht nur den Süden, sondern auch den Norden und die Mitte der Stadt zusätzlich belasten würde. So würde diese Straße für neuen Verkehr aus Leverkusen über Schildgen und Paffrath und von der A1 aus Burscheid über Odenthal und sogar von Remscheid und Kürten sorgen und der erwünschte Beschleunigungseffekt verschwindet. Noch mehr Menschen und mehr Stadtteile wären von hohen Verkehrsaufkommen betroffen.

Wenn die Bevölkerung sachlich darüber informiert würde, welche realen Risiken bestehen, statt die Fakten zu verschweigen, wird der Widerstand gegen die Schnellstraße über den Bahndamm nicht nur aus den an der Trasse anliegenden Wohngebieten kommen, sondern auch aus entfernteren Quartieren. Diese Informationsarbeit muss ein Bürgerbündnis leisten, denn es ist zu erwarten, dass die Propaganda der Stadtterwaltung (gesteuert von der großen Koalition aus CDU & SPD) ähnlich wie bei dem BELKAW-Deal geschehen die Dinge beschönigt, falsche Zahlen vorlegt und negative Auswirkungen verschleiert.

Belastung für Mensch und Natur

Die geplante Schnellstraße soll wie mit einem Braunkohlebagger gezogene Schneise, mitten durch Stadt- und Wohngebiete gezogen werden, eingerahmt von 9 Meter hohen Schallschutzwänden, direkt durch gewachsene Lebensräume von Mensch und Natur hindurch.

Die Grenzwerte der Feinstaub- und Stickoxidbelastung an der A4 sind nach Auskunft der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) schon heute weit überschritten.  Eine Schnellstraße durch die Stadt und durch steigendes Verkehrsaufkommen durch den Ausbau der Autobahn A4 auf sechs Spuren würden die Emissionen nicht nur einfach verteilen, sondern sie würden überall noch höher werden.

Mit den geplanten Gewerbegebieten im Frankenforst und Bensberg zwischen Brüder- und Broicher Str. und der Autobahn würden ca. 36.500 Quadratmeter Wald entlang der Autobahn verschwinden, die heute noch die Schadstoffe filtern und so die Wohngebiete schützen. Weitere 13.500 Quadratmeter Wald stehen in Lustheide zur Disposition.

Damit könnten ingesamt 50.000 Quadratmeter Waldfläche aus dem Stadtbild verschwinden. Das bedeutet den Verlust eine Gesamtfilterleistung von jährlich bis zu 2.500 Tonnen Ruß und Staub aus der Atmosphäre. 50.000 Quadratmeter Waldboden speichern bis zu 10.000.000 Liter Wasser und erhöhen damit die Qualität unseres Trinkwassers. Alleine eine alte Buche produziert jedes Jahr 4.600 Kilogramm Sauerstoff. Davon kann ein Erwachsener mehr als 13 Jahre lang atmen. (Quelle: http://www.wald.de/der-wald/) Auch das würden man unwiederbringlich verlieren.

Wie die aktuelle Lärmkarte zeigt ist die Belastung mit Lärm an vielen Stellen der Stadt schon heute über den Grenzwerten. Auch wenn mit den Ausbau der A4 eine hohe Schallschutzwand  gebaut würde, die gesetzlich vorgeschrieben ist, kann diese eine höhere Lärmbelästigung ohne den Wald nicht verhindern. Studien zeigen, dass dieser Lärm trotz Wand noch weiter in die Stadtteile hineinreichen würde als bei einem Schutz durch Bäume.

Der Wald ist und bleibt der bessere Schutz für die Menschen. Und das nicht nur für die Nachbarn, sondern für die halbe Stadt.

Grenzen des Wachstums

Diese Stadt stößt an die Grenzen des Wachstums. Der Flächenbedarf für dringend notwendigen bezahlbaren Wohnraum zeigt dieses deutlich auf. Statt die wertvolle teilweise bewaldete Fläche des Bahndamms für eine Straße zu opfern, könnte man diese für Wohnungsbebauung nutzen oder als ökologische Ausgleichsfläche einsetzen, um an anderer Stelle Flächen für den Wohnungsbau zu erschließen.

Es wird klar, dass es bei der Auseinandersetzung um den Bahndamm nicht nur um Verkehrsfragen geht, sondern um die rigorose Umgestaltung unserer Stadt zu Gunsten von Gewerbeflächen und der wirtschaftlichen Interessen weniger, welche die Zerstörung der Stadt, der Umwelt und die Gefährdung der Menschen rücksichtslos in Kauf nimmt.

Diese Fixierung auf den Ausbau von Gewerbeflächen mit der Brechstange und gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger blockiert moderne Ansätze für eine zukunftweisende Stadtentwicklung und einen Flächennutzungsplanung, welche Leben, Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Mobilität, Kultur und Umweltschutz miteinander verbinden. Hier muss ein Umdenken in der Stadtplanung erfolgen, welche zukünftig zuerst den Menschen als Teil unserer Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Es gibt Alternativen.

Alternative Konzepte

Es müssen mehr Steuermittel in alternative und nachhaltige Verkehrs- und Gewerbeflächenkonzepte investiert werden, um die Bürgerinnen und Bürger vom Verkehr zu entlasten, deren berechtigten Mobilitätsanforderung langfristig abzusichern und auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Kommune zu fördern.

Es werden moderne Konzepte und Lösungen benötigt. Dieses müssen eine bessere Anbindung und Taktung des öffentlichen Nahverkehrs mit mehr Park & Ride Parkplätzen, verbunden mit einem zweiten Gleis für die S-Bahn, zu einer Entlastung des Verkehrs auf unseren Hauptverkehrsstraßen vorsehen. Ein solches modernes Verkehrskonzept muss zukunftsträchtige Fortbewegungsmittel beinhalten, wie die Förderung der Mobilität mit Fahrrädern und Elektrofahrzeugen durch Einrichtung von Ladestationen und bevorzugten Parkräumen.

Notwendig ist ein Wende hin zu einer grünen und lebenswerten Stadt Bergisch Gladbach, mit weniger Individual-Autoverkehr und weniger Gewerbeverkehr auf unseren Straßen. Wir benötigen neue Ansätze und Lösungen für die Anforderung der gewerblichen Logistik.

Die Stadt Bergisch Gladbach beteiligt sich am landesweiten Modellprojekt „Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung in NRW“ des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (hier zum download als PDF).  Ein Ziel ist es, auf diese Weise den Flächenverbrauch zu reduzieren, indem beispielsweise Brachflächen wieder genutzt oder nicht ausgelastete Gewerbegebiete aufgewertet werden. Gewerbeflächen sollen wirtschaftlich, umweltfreundlich und sozial entwickelt werden. Leider ist von der Beteiligung an dem Modellprojekt nichts in die aktuelle Planung eingeflossen. Es wird schlicht ignoriert.

Natürlich kostet sowas Geld, aber auch der Bau einer neuen Straße und die Erschließung von neuen Flächen kostet Millionen € Steuergelder. Alleine mit den in der Diskussion stehenden mehr als 150 Millionen € Kosten für alle Ausbaumaßmahnen für die Bahndammstraße könnte der öffentliche Personennahverkehr in Bergisch Gladbach nicht nur verbessert, sondern auch sehr lange kostenfrei betrieben werden und damit einen erheblichen Beitrag zur Entlastung des Verkehrs und der Umwelt leisten. Darüber hinaus könnten auch viele andere Maßnahmen umgesetzt werden, welche die Belastung durch den Verkehr, Lärm und Schadstoffe dort verringern, wo die Menschen schon heute darunter leiden.

Es bleibt sehr spannend!

Tomás M. Santillán

Tomás M. Santillán lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Bergisch Gladbach Refrath. Bekannt wurde Tomás M. Santillán als Antragsteller des Bürgerentscheid gegen des Cross-Border-Leasing 2003 und seine Kandidaturen als Bürgermeister und Landrat. Heute engagiert er sich in unabhängigen Initiativen...

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3 Kommentare

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  1. ich kann dem Kommentar von Herrn Santillián nur zustimmen. Je mehr Straßen gebaut werden, je mehr Fahzeuge wird es anziehen. Die in mitleidenschaft gezogenen Gebiete – Bensberg Broicher Str. z. B. wird nicht nur den durch Flugzeuglärm, sondern auch durch den Lärm der BAB A4 extrem belastet. Nun soll hier auch noch eine Streckenführung über den Bahndamm den Verkehr aus Bergisch Gladbach heraus leiten. Es kann doch nicht funktionieren, dass der eine Wohnteil entlastet und der andere um ein vielfaches belastet wird. Entweder es gibt eine Lösung, mit der alle leben können oder es wird keine geben. Aber zum Schicksal des einen kann der andere nicht provitieren.

    Auch die Heimlichkeiten der Politik sind nicht mehr zu ertragen. Der am 29.08.2016 einberufene „Runde Tisch“ in Bensberg ist bisher noch nicht veröffentlich worden und Nachfragen werden wohl ignoriert und stillschweigen ist vereinbart worden:

    Die Beteiligten haben „Stillschweigen“ vereinbart. Ich habe im
    >> Verkehrsausschuss offiziell nach der Teilnehmerliste und den
    >> Gesprächsprotokollen gefragt, bzw. nach einer schriftlichen Begründung,
    >> auf welcher Rechtsgrundlage die Geheimhaltung beruht. Eine Antwort habe
    >> ich noch nicht erhalten

    auch hier sollten die Bürger aufgerufen werden und auf die Informationspflicht zu bestehen:

    Jeder Bürger*in kann eine individuelle Auskunft
    gegenüber Behörden nach Informationsfreiheitsgesetz NRW verlangen. Mit Bezug
    darauf kann natürlich jeder beim Bürgermeister nachfragen was im Termin besprochen wurde und welche Richtung die Politik einschlägt.

    Mit der Hoffung, dass sich die Bürger die weitere Zerstörung ihrer Stadt nicht weiter gefallen lassen und sich gegen diese Entscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg wehren werden. Endlich die Politiker einsehen, dass „solche geheimen“ Treffen nicht mehr zeitgemäß sind. Die Bürgervertreter sollten verstehen, dass sie die Stimme der Bürger sind und ihre eigenen Interessen hinten an stellen müssen.

  2. Sorry! Es müsste heißen: „Warum können sich nur noch große Handelsketten die Pachten im Innenstadtbereich leisten?“

  3. Tja, diesem irrsinnigen Glauben an unbegrenztem Wachstum in einem begrenzten Raum ist irgendwie nicht beizukommen. Das bereitet mir nicht nur regional betrachtet tüchtig Aua im Kopf.

    Bergisch Gladbach wird optisch schon seit längerem zerstört und statt auf die Qualitäten zu bauen, die unsere Stadt bietet, erleben wir einen bekloppten Bau Boom nach zwei anderen. Ich frage mich da nur noch – wem nützt es? Oder deutlicher: wer macht sich hier auf Kosten unserer Stadt die Taschen voll?

    Unsere Stadt versinkt bereits jetzt im Verkehrschaos und zur Rush Hour fühlt man sich an manchen Straßen eher, wie an der A3, als in einem beschaulichen Ortsteil. Da nützt auch der Kreiselwahnsinn nix. Und hier frage ich mich (nicht nur für Bergisch Gladbach) warum man nicht so viel Geld und Energie in den öffentlichen Personen Nahverkehr einbringt. Wie will man hierfür Fahrgäste gewinnen, wenn die Tickets so teuer sind (es ist immer wieder niederschmetternd, die Preise in D-Mark unzurechnen) und man in stinkigen, schmutzigen, überfüllten Bussen im Stau steht? Warum sind viele attraktive Ausflugsziele unserer schönen Region ausgerechnet Sonntags, wenn die Leute Zeit für Tagesausflüge haben, so mies mit dem Bus erreichbar?

    Zudem: wo bleibt die Förderung regionalen Handels und Kunsthandwerks? Warum können sich noch große Handelsketten die Pachten im Innenstadtbereich leisten? Warum soll Bergisch Gladbach so langweilig sein wie jede andere Stadt? Wo ist die individuelle Note, welche Gäste anlockt? Billigläden und gefühlte 10000 Handyshops empfinde ich nicht als Bereicherung. Bergisch Gladbach ist doch eigentlich viel mehr, als Billigshops und Industrie.