Ein einziges Gewerbegebiet hat GL in den vergangenen Jahren neu ausgewiesen, in Obereschbach

Eigentlich will die „Initiative Leben + Arbeiten in GL” vermeiden, dass die wichtige Debatte über den neuen Flächennutzungsplan zu einem ideologischen, von individuellen privaten Interessen dominierten Streit wird. Doch mit dieser Zahl bringen die Unternehmer die Gegner großer neuer Gewerbeflächen auf die Barrikaden: Der von Gutachtern der Stadt geschätzte Flächenbedarf von 55 Hektar sei noch zu niedrig, für ein vernünftiges Wachstum müssten langfristig 70 Hektar oder mehr vorgehalten werden, formuliert der ILA-Arbeitskreis Gewerbegebiete in einem Positionspapier.

Oliver Schillings. Foto: AOPR

Natürlich wolle auch die ILA nicht sofort Gewerbeflächen in dieser Größe ausweisen, stellte Vorstandsmitglieds  Oliver Schillings (Alpha & Omega PR) bei einem Pressegespräch klar. Eine einfache Modellrechnung der ILA habe ergeben, dass Bergisch Gladbach schon dann weitere 70 Hektar benötige, wenn die Unternehmen nur konstant weiter wachsen.

Die Tatsache, dass die Digitalisierung der Wirtschaft den Flächenbedarf senken werde, sei dabei nicht berücksichtigt, erläutert Schillings. Aber wenn man eben nicht nur den Bestand halten, sondern darüber hinaus Unternehmen mit neuen Arbeitsplätzen in die Stadt holen wolle, müsse man darüber hinaus gehen.

Fred Arnulf Busen. Foto: Peter Boettcher

Unterstützung erhielt er von Fred Arnulf Busen (Polytron Kunststofftechnik), der zwar nicht Mitglied der ILA ist, aber das Anliegen als Sprecher der Industrieakzeptanzinitiative teilt. Wenn Bergisch Gladbach nicht zur Schlafstadt absinken, sondern seine Chancen im Speckgürtel von Köln offensiv nutzen wolle, müsse es Flächen in diesem Volumen bereit halten – und nach Bedarf in den kommenden 25 Jahren Schritt für Schritt entlang einer Prioritätenliste erschließen.

Die ILA habe diese Position mit den Fraktionen im Stadtrat (Alfa und Linke stehen noch aus) diskutiert und sei durchaus auf Verständnis gestoßen. Natürlich müsse man auch über das Recycling alter Gewerbeflächen wie das zum Teil brach liegende Zanders-Gelände reden. Aber dort sei das Potenzial begrenzt, die Verkehrsanbindung nicht optimal.

Hintergrund: Die ILA wurde  Anfang 2014 von 17 Unternehmensvertretern gegründet, um die Interessen der wirtschaftlich Tätigen zu bündeln. Inzwischen sind 50 Firmen vertreten, die nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der Arbeitsplätze Bergisch Gladbachs vertreten.
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Busen kennt die Widerstände vieler Bürger gegen Industrie und Gewerbe. Um so leidenschaftlicher plädiert er erstens dafür, zu erkennen, dass Gewerbebetriebe längst nicht mehr mit stinkenden Schloten gleichzusetzen sind. Und dass eine Stadt wie Bergisch Gladbach mit einer Mischung von Leben und Arbeiten besser fahre.

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Seine Heimatstadt Wuppertal sei ein klägliches Beispiel für das, was passiert, wenn man die Unternehmen aus der Stadt treibt. Auch das Unternehmen Polytron hatte die Stadt 1999 weitgehend verlassen – und sich in der Zinkhütte angesiedelt.

So sehen alte Industriegebiete aus. Sie lassen sich nur begrenzt recyclen. Foto: Stefan Krill

Mit der Zahl „70 Hektar” habe man einen Pfeiler eingeschlagen, jetzt müsse man in der gesamten Stadtgesellschaft offen darüber reden, welche Strategie Bergisch Gladbach in den nächsten Jahrzehnten verfolgen wolle, fordern Busen und Schillings. Als reine „Schlafstadt im Grünen” würde es sein Potenzial bei weitem nicht ausschöpfen, sondern degenerieren. Siehe Wuppertal.

Auch das Positionspapier der ILA kommt zu diesem Fazit:

„Finanziell stabile und gesunde Städte sind Lebens- und Arbeitsort zugleich. ILA-GL möchte sich für eine Versachlichung der Diskussion rund um Gewerbegebiete einsetzen. Gewerbeflächen sind wichtig für Bergisch Gladbach, denn eine Stadt ohne Wirtschaft und Unternehmen ist nicht lebenswert.”

Dokumentation: Positionspapier des AK Gewerbegebiete der ILA

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Gerade lese ich von einem weiteren Gaul, der sich vor den Karren der Stadtplaner spannt und die sogar noch übertrumpft oder sollte man sagen “überTrumpt”? 55 ha neue Gewerbegebiete sind der Industrie zu wenig, 70 sollten es sein, damit Bergisch Gladbach nicht zur “Schlafstadt absinkt”. Schon wieder wird dieser Begriff als Synonym für eine negative Stadtentwicklung eingesetzt mit der Drohung, unsere Stadt würde degenerieren. Selbstverständlich müssen neue Gewerbegebiete her, aber die Kirche sollte doch im Dorf bleiben. Außerdem wird es mit der steigenden Gewerbesteuetr nichts, wenn sich weiter Unternehmen etablieren, die diese Steuer Gott weiß wo zahlen, aber nicht bei uns. Und was macht denn Bergisch Gladbach so attraktiv für das Gewerbe? Die tolle Infrastruktur, die wahnsinnig gute Anbindung an das Autobahnnetzt, der prachtvolle ÖPNV? Sollte man sich nicht davor hüten, den 3. und 4. Schritt vor dem 1. und 2. zumachen, sollten nicht Verkwehrswege angeboten werden können, die Sinn machen und ein ÖPNV, der gute und schnelle Verbindungen anbietet? Und schon sind wir wieder beim Bahndamm, wo die Diskussionen über seine Verwendungsmöglichkeiten seit über 30 Jahren mehr oder weniger nutzlos waren und selbst eine Ratsbürgerentscheidung nicht bringen wird, weil die Stadt es nicht fertig bringt, den Bürgern eindeutige Fakten nahe zu bringen und sich lieber auf eine Lobby verlässt, die unehrlich agiert.
    Wo sollen denn all die Firmen und Arbeitnehmer herkommen, wenn innerhalb der nächsten 15 Jahre 70 ha, das sind über 90 Fußballfelder, mit Gewerbe besiedelt werden sollen? Kann man das mit fundierten Erhebungen belegen oder hat man das nur eben mal selbst “errechnet(?)”. Es mag ja angehen, dass Mischgebiete ausgewiesen werden, wo dann Arbeitnehmer direkt neben ihrem Job wohnen können. Wo aber, würde ich gerne wissen, wohnen denn die Unternehmer der 50 Firmen der ILA, die angeblich 60% der Bergisch Gladbacher Arbeitsplätzte verteilen? Wenn überhaupt in BGL, dann im Grünen, wo sie demnächst auch wegziehen müssen, weil ja die neuen Gebiete kommen.

    Neue gewerbegebiete, ja, Schlafstadt ja, grünes Tor zum bergsichen Land, ja, 55 oder gar 70 ha neues Gewerbegebiet, NEIN!!!