Szenenbild aus der Aufführung „Der Selbstmörder" im Theas-Theater Bergisch Gladbach

Szenenbild aus der Aufführung „Der Selbstmörder” im Theas

Die Premiere der satirischen Komödie „Der Selbstmörder“ im Theas-Theater bot ein unvergessliches Erlebnis. Heinz-D. Haun als Regisseur und sein vielköpfiges Ensemble „TheaterWeltenErschaffen“ boten zwei Stunden lang unterhaltsames und gleichzeitig tiefsinniges Schauspiel in dem Bergisch Gladbacher Theater in der Jakobstraße, welches fast bis auf den letzten Platz besetzt war.

Hinweis der Redaktion: Das Stück wird noch dreimal in Bergisch Gladbach gezeigt, Details unten

Der Spaß begann mit einer launigen Einführung von HD Haun in einer Sprache, die wie der Akkordeonspieler in eine russsische Atmosphäre entführten, die an Gogol erinnerte. Vorhang auf: Ein Ehebett im Dämmerlicht einer ärmlichen Behausung.

Semjon Podsekalnikow erwacht mit dem drängenden Wunsch nach Leberwurst. Souverän entwickeln der Hauptdarsteller und seine Ehefrau die Situation eines Arbeitslosen, der beschließt, seinem Leben ein Ende zu machen, alles ein groteskes Gemisch von düsterer Heiterkeit.

Noch kurioser wird die Handlung, als die zänkische Schwiegermutter des potentiellen Selbstmörders hinzukommt. Und dann nach und nach eine Fülle von farbigen Persönlichkeiten, der Intelligenzler mit französischem Akzent, die verlogene Romantikerin, ein äußerst weltlicher Vertreter der orthodoxen Kirche, eine Metzgerin, die nachbarliche Witwe mit ihrem Geliebten und viele andere. Sie alle wollen den bevorstehenden Selbstmord Semjons für ihre Zwecke ausnutzen.

Vielleicht der beeindruckendste Höhepunkt der Inszenierung ist das turbulente Abschiedsmahl an dem Tisch, der quer auf der Bühne steht. Hier ist es HD Haun gelungen, trotz des quirligen Durcheinanders die einzelnen Stimmen immer ins Ohr des Publikums gelangen zu lassen: Sätze voller Sarkasmus, manchmal philospischer Einsichten in den Sinn von Leben und Tod.

Zum Schluss kann man sich nicht entscheiden, ob nicht andere Szenen wie die Beerdigung am Ende, doch noch grotesker sind.

Der russische Autor Nikolai Erdmann hat das Stück in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben. Es wurde von der sowjetischen Zensur verboten. Im Augenblick wird es in Berlin vom Berliner Ensemble aufgeführt.

Szenenbild aus der Aufführung „Der Selbstmörder” im Theas-Theater Bergisch Gladbach

Umso erstaunlicher sind die Leistungen der Laienspieler von „TheaterWeltenErschaffen“ und der Bearbeitung von HD Haun. Dieser hat den Text um so manche Modernisierung bereichert, die auch heutige Modeerscheinungen auf die Schippe nimmt. Da fehlt auch nicht das Handy des vielbeschäftigten Kirchenmanns. Von großer Komik sind übrigens auch die Versuche Semjons, Tuba spielen zu lernen.

In der Pause konnte man sich im dem intimen Aufenthaltsraum des Theaters mit seinen begeisterten Mitzuschauern unterhalten oder die detailreichen großformatigen Zeichnungen von Dagmar Laustroer bewundern. Man kann nur empfehlen: Nichts wie sofort eine der folgenden Aufführungen reservieren!

Dieses zeitlose, bitterböse, aber auch schöne und aktuelle Stück feierte Premiere am Sonntag, 24.April 2016  im THEAS-Theater in Bergisch-Gladbach.

Weitere Aufführungen finden statt

  • am Samstag, 30.4.2016, 19.00 Uhr und
  • Sonntag, 01.5.2016, 18.00 Uhr im Ratssaal des Bensberger Rathauses
    Hinweis: Der Parkplatz des Bensberger Rathauses kann kostenlos genutzt werden
  • am Sonntag, 21.8.2016, 18.00 Uhr im Gemeindesaal der Kirche zum Frieden Gottes in Bergisch-Gladbach/Heidkamp

Reservierungen: 02202 25 08 37

Kontakt: TheaterWeltenErschaffen e.V.
c/o Heinz-D. Haun
Urbanstraße 27, 51469 Bergisch Gladbach
Website

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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