Eine Arbeitsgruppenleiterin stellt die Ergebnisse zum Wohnpark Bensberg vor

Im Rahmen des „Integrierten Handlungskonzeptes Bensberg” (InHK) waren die Bürger in dieser Woche zum zweiten Mal aufgerufen, Hinweise, Kritik und Vorschläge einzubringen. Immerhin 100 Personen waren der Einladung der Stadtverwaltung ins AMG gefolgt. Dabei spiegelten sie die verschiedenen Interessenslagen gut wider: Es waren Anwohner, Immobilieneigentümer, Einzelhändler und Besucher vertreten.

Moderiert wurde die Veranstaltung durch das Stadtplanungsbüro Welters, das im Auftrag der Stadt das InHK erstellt – und sich wie schon bei der Auftaktveranstaltung eine ordentliche Portion Kritik abholen musste. Da es bereits eine erste Runde, Experten-Workshops (Doku siehe unten) und eine Online-Befragung gegeben hatte waren viele Teilnehmer davon ausgegangen dass nun Zwischenergebnisse präsentiert werden, auf die man aufbauen könne – was nicht der Fall war, monierten mehrere Besucher.

Dennoch ließen sie sich nicht beirren, nahmen die Einengung des Themenfeldes auf drei große Blöcke hin und begaben sich in vier Arbeitsgruppen, von denen sich zwei mit der Schlossstraße und je eine mit den Grünanlagen und mit dem Wohnpark befassten. Jede Gruppe bekam einen Liste möglicher Fragestellungen, war aber völlig frei, wie sie sich selbst organisierte und welche Fragen sie bearbeitete.

Nebenbei: Stadtplanungschef Wolfgang Honecker hatte im Vorfeld angekündigt, dass das AMG selbst als Zentrum eines gestärkten Bildungs- und Kulturnetzwerkes eine wichtige Rolle im InHK spielen könne. Zwar war das Plangebiet um das Gebiet um den Schulkomplex erweitert worden, das AMG spielte an diesem Abend aber keine Rolle.

Die Gruppe „Schloßstraße 1″ bei der Arbeit

Die Arbeitsgruppen funktionierten erstaunlich gut; nach zum Teil kontroversen Diskussionen präsentierte jede Gruppe einen bunten Strauß von Erkenntnissen und gewünschten Einzelmaßnahmen, bei denen weitgehend Konsens bestand.

Wir dokumentieren diese Ergebnisse im Folgenden in Stichpunkten.

Die Schloßstraße, dominiert vom leerstehenden Löwencenter (rechts) Foto: HG Ullmann

Schloßstraße

  • Die grundlegende Erkenntnis: ohne das zentrale Projekt der Marktgalerie macht es eigentlich keinen Sinn, über die zentrale Einkaufsmeile zu sprechen. Aber da die Zukunft dieses Projektes nach wie vor offen ist kann man auch nicht darauf warten, sondern muss Prämissen festlegen.
  • Ein Bürgerappell soll Stadtrat und Stadtverwaltung auffordern, einen zu Bensberg passenden Investor zu finden. Ein Vorschlag, der starken Beifall bekam.
  • Ein genossenschaftlicher Bürgerfonds könne eine Alternative zu einem externen Investor sein, das alte Löwencenter kaufen und revitalisieren.
  • Deutliche Zustimmung in beiden Arbeitsgruppen (die explizit darüber abstimmten) bekam der Vorschlag, die Schloßstraße komplett zur Einbahnstraße zu machen und damit die derzeitige unechte Fußgängerzone aufzulösen.
  • Diese Einbahnstraße könnte als „shared space” angelegt werden, in der Fußgänger, Radler und Autofahrer gleichberechtigt sind.
  • Ob und in welchem Maße Autoverkehr in der Schloßstraße sinnvoll oder gar notwendig ist, wurde sehr kontrovers disktutiert.
  • Parkhäusern an der Steinstraße sollten die Situation entlasten. Hier gibt es schon Pläne der Händlerschaft, die aber bislang an einzelnen Grundstückseigentümern scheitern.
  • Ein Parkleitsystem und ein Parkraumkonzept soll die vorhandenen Parkplätze besser zugänglich machen und auslasten. Der Verdrängungswettbewerb von Anwohnern und Auswärtigen müsse beendet wreden.
  • Eine Einbahnstraßenregelung könne auch mehr Raum für ältere Fußgänger mit Rollatoren bieten – und für die Außengastronomie. Zwar gebe es bereits 19 Open-Air-Angebote an der Schloßstraße, aber an der Qualität müsse man noch arbeiten.
  • Überhaupt war das Stichwort „Aufenthaltsqualität” in vieler Munde: es müsse wieder Spaß machen, nach Bensberg zu kommen, hier zu flanieren, einzukaufen, zu essen und sich zu unterhalten.
  • Eine „mondäne Wirkung” des Schlosses auf die Schloßstraße konnte die Arbeitsgruppe nicht erkennen, dieses Klischee sei auch eher kontraproduktiv.
  • Für ganz Bensberg wichtig sei es jedoch, die besondere Lage und den Weitblick bei allen Entscheidungen zu schützen.

Der so genannte Stadtgarten zwischen VPH und Kardinal-Schulte-Haus

Stadtgarten

  • Diese riesige Grünfläche zwischen Kardinal-Schulte-Haus und Vinzenz-Pallotti-Hospitals wird nur von geringen Teilen der Bevölkerung wahrgenommen, geschweige denn genutzt.
  • Allein im unteren Teil hielten sich oft Jugendliche aus – diesen Freiraum sollte man lassen, allenfalls mehr Gelegenheiten für Sport- und Freizeitaktivitäten schaffen.
  • Der obere Teil soll als Ruhe- und Spazierzone erhalten bleiben.
  • Der Stadtgarten selbst, aber auch die Randbereiche dürften auf keinen Fall bebaut werden.
  • Zugänge zum Stadtgarten (diese unbekannte Bezeichnung steht seit Jahrzehnten im Flächennutzungsplan)  gibt es ausreichend, diese müssten aber besser kenntlichgemacht werden.

Der Deutsche Platz – auch bei Sonnenschein sehr schattig

Deutscher Platz (und weitere „Grünflächen” im Zentrum)

  • Dieser Platz werde von der Bevölkerung eher als „Angstraum” denn als Aufenthaltsraum wahrgenommen. Auch der ziemlich verborgenen Spielplatz hinter dem Deutschen Platz werde kaum genutzt.
  • Der Bewuchs rund um den Deutschen Platz müsse zurückgeschnitten werden.
  • Laternen sollten für eine bessere Ausleuchtung sorgen.
  • Die Restallee soll besser an die Gladbacher Straße angebunden werden. Bücherschränke und vielleicht sogar eine Wasserfläche könnten sie zu einem Treffpunkt für Jung und Alt machen.
  • Die versiegelten Flächen rund um Rathaus und Burg sollten grüner werden; wenn schon nicht durch Bäume, dann vielleicht durch Pflanzbottiche.
  • Bänke und eine Verbesserung des Spielplatzes an der Engelbertstraße könnten auch hier die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Die Lindenallee, eine verborgene Verlängerung der Kölner Straße

Grünfläche im Wohnpark

  • Die zentrale Grünfläche soll zum zentralen Kommunikationszentrum für alle Bewohner umgestaltet werden.
  • Dabei könne eine Ausrüstung mit einem verschließbaren Grillplatz, einem Kiosk, einem Springbrunnen, zwei Tischtennisplatten, einer Boule- oder Boccia-Bahn und zwei Beutel-Spender für Hundehalter helfen.
  • Die Fläche sollte versiegelt werden, damit man die Hundehaufen schon von weitem sieht.
  • Als Vorbild könne der Lenau-Platz in Köln-Neuehrenfeld dienen.

So geht es weiter

Die nächsten Schritte hin zum fertigen Integrierten Handlungskonzept Bensberg:

  • Abstimmung mit der Verwaltung
  • Abstimmung mit den potenziellen Fördermittelgeben
  • Abstimmung mit dem Stadtrat und seinen Ausschüssen
  • Kostenschätzung, Ausarbeitung der Pläne
  • Fertigstellung des Handlungskonzeptes, Vorlage bei der Bezirksregierung
  • Beantragung von Fördermitteln
  • Umsetzung

Noch ein Appell zum Schluss

Martin Wiegelmann, der gemeinsam mit H.G. Ullmann die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Schloßstraße 1 vortrug, gab den Planen mit Blick auf die weiteren Umsetzung ein paar klare Worte mit auf den Weg. Das Motiv des gesamten InHK sei offensichtlich: Fördermittel abzuschöpfen, die Empfehlungen des Konzeptes völlig unverbindlich.

Politik und Verwaltung sollten dennoch dafür sorgen, das am Ende etwas für die Bürger herauskommt und die Vorschläge nicht wie so oft „in der Tonne landen”. Nach vieler Enttäuschungen stehe hier der letzte Rest an Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Starker Applaus aus dem Plenum. Dort saßen auch Vertreter der Grünen und der Linken, Vertreter der CDU oder SPD traten nicht in Erscheinung.

Mehr Informationen und Debatten

PDFDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.