Nachrichten, Hintergründe, Termine und Service aus Bergisch Gladbach

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

2 Kommentare zu “Bürger legen Bensbergs Stärken & Schwächen offen”

  1. Herrn Müllers Ausführungen ist kaum etwas hinzuzufügen.
    Ich kann fast alle “unterschreiben”.

    Und mit fachkundigen Freunden geführte Gespräche hinsichtlich des ehemaligen Kaufringgebäudes haben denselben Tenor: Kein Investor kann in dieser Schloßstraße die benötigten Mieten erzielen, um ein solches Projekt wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen.

    Ihnen Herr Müller danke für Ihre umfangreiche fundierte Stellungnahme.

    Gute Nacht

    Detlef Kribus

  2. Ich habe an der Veranstaltung teilgenommen und war überrascht, dass die überwiegende Zahl der Anwesenden das Pensionsalter schon weit überschritten hatten. Das legt zum einen nahe, dass die Vergrößerung der örtlichen Friedhöfe eine in naher Zukunft anstehende städteplanerische Aufgabe sein wird. Zum Anderen scheint der überwiegende Teil der arbeitenden Bevölkerung in Bensberg kein großes Interesse an der Stadtplanung zu haben, wenn er sich nicht unmittelbar betroffen fühlt.

    Zur Schlossstrasse:
    Das hohe Lied auf den inhabergeführten Einzelhandel ist ein Abgesang auf vergangene Zeiten. Der Bestand an Einzelhandelsbetrieben ist in Bergisch Gladbach in den Jahren von 2009 bis 2014 um rund 8% zurückgegangen. Liest man das Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept der Stadt, waren 2013 lediglich 55% der befragten Bürger mit dem Angebot in der Schlossstr. zufrieden, während der Wert 2008 noch bei 70% lag..

    Wie aus einzelnen Kommentaren deutlich wurde, sind unterschiedliche Öffnungszeiten, fehlende Auswahl, hohe Preise und fehlende bekannte Parkplätze wesentliche Hindernisse für den Einkauf auf der Schlossstr.. Der Bensberger Einzelhandel lebt von der großen Zahl der “Silver Agers”, denen das Internet als Einkaufsquelle weitgehend unbekannt ist oder die nicht gerne in der Großstadt Köln einkaufen. Bei dieser Kundschaft kann man es sich auch leisten, werktags um 18.00 Uhr und samstags um 14.00 sein Geschäft zu schließen. Solche Öffnungszeiten gehen mittlerweile am Großteil der arbeitenden Bevölkerung vorbei. Und warum soll ich mich beim Einkauf in Bensberg unter Zeitdruck setzen, wenn ich mit der Linie 1 in 15 Minuten beim Kaufland in Merheim oder in den Köln-Arcaden in Kalk sein kann, um dort in Ruhe ohne Zeitdruck einkaufen zu können.

    Nur drei Beispiele für den Kampf des inhabergeführten Einzelhandels ums wirtschaftliche Überleben:

    Der Fotoladen verkauft seit kurzem Essig und Öl, die Metzgerei Himperich wirbt mit warmen Mittagessen, das ausgeliefert wird – Essen auf Rädern, anscheinend schafft es die älter werdende Kundschaft schon nicht mehr bis in den Laden – und neben dem Schreibwarenladen steht schon seit längerem ein Ladenlokal leer.

    Die Ausdehnung der Gastronomie ist auch kein geeignetes Mittel, um die Schlossstr. zu beleben. Bereits jetzt ist Gastronomie in ausreichendem Maß vorhanden. Fünf Bäckereien/Cafes, eine Expressobar, zwei italienische und ein griechisches Restaurant, ein irischer Pub, zwei Imbisse und ein Feinkostgeschäft mit Imbiss decken den Bedarf. Das Fachwerkhaus ist sang- und klanglos eingegangen, nachdem die Richertzhagens 2013 das Restaurant abgegeben haben.

    Eine Vergrößerung der bis jetzt noch zurückhaltenden Außengastronomie im Sommer wird schnell zum Streit mit den Anwohnern der Schlossstr. führen, die nachts ihre Ruhe haben wollen. Die Problematik ist aus Köln nur allzu gut bekannt.

    Die Marktgalerie
    schwebt als scheinbar rettender Engel über der Schlossstr. und mit einem angeblich neuen Investor und neuer Hoffnung über der Schlossstr.. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

    Fakt ist, mit dem jetzigen Konzept kann kein Investor wirtschaftlich auf Dauer erfolgreich sein. Für einen weiteren Discounter ist neben Netto und Aldi sowie Lidl auf der Kölner Str. kein Bedarf.

    Aus der Betreuung eines Mandanten ist mir zudem bekannt, dass die Filialentwicklungsabteilungen der großen Vollsortimenter wie Rewe und Edeka mit Mindestflächen von 1.400 bis 1.500 m² Verkaufsfläche auf einer Ebene planen. Wer wissen will, wie sich Rewe einen Markt vorstellt, kann sich den Rewe-Markt in Porz-Wahn, Wilhelm-Ruppertstr. 27 ansehen oder wenige Meter weiter an der S-Bahnstation den EDEKA-Markt Hein. Dann wird einem auch klar, warum die Filialentwickler der großen Lebensmittelketten kein Interesse an der Marktgalerie haben.

    – zu geringer Einzugsbereich (ca. 16.000 Einwohner)
    – Kannibalisierung bestehender Märkte
    Rewe Overather Str.,
    EDEKA Kaufmann Kölner Str.
    – Konkurrenz durch Discounter
    Aldi Am Stockbrunnen
    Netto Schlossstr.
    Lidl Kölner Str.
    – eine zu geringe Anzahl (125 für Gewerbe und Wohnungen/Büros) von Parkplätzen, der bereits erwähnte EDEKA-Markt in Porz hat 160 Plätze
    – kein ebenerdiger Zugang vom Parkplatz zum Einkauf,
    – die angelieferten Waren müssten über einen Aufzug von der Ebene Markt auf die Ebene Schlossstr. transportiert werden. Dafür müssten zusätzliche Lagerräume auf der Marktebene bereitgehalten werden, weil die angelieferten Waren nicht in einem Zug mit einem Aufzug abtransportiert werden können (zusätzlicher Personalaufwand)..

    In diesem Zusammenhang hat das OVG Münster auch zur Recht den Bebauungsplan der Stadt aufgehoben. Die Stadt hatte nämlich u.a. nicht berücksichtigt, dass nach berufsgenossenschaftlichen Vorschriften Lkws mit Rangier-Warneinrichtungen nach DIN 75031 versehen werden müssen. Bei Warntönen von bis zu 100 dbA bei rückwärts fahrenden LKW’s in der Ladezone passte daher die Einordnung in die Lärmpegelzone III nicht. Bei vergleichbaren Objekten muss daher die Ladezone komplett eingehaust werden. Wie man es richtig macht, kann man hier lesen:

    https://www.neuss.de/leben/stadtplanung/bauleitplanung/bauleitplanung-aktuell/vorhabenbezogener-bebauungsplan-v348-1-furth-mitte-further-strasse-venloer-strasse-lebensmittelmarkt/vorhabenbezogener-bebauungsplan-planzeichnung

    Bezeichnend ist meiner Meinung auch, dass der ortsansässige auf EInkaufszentren spezialisierte Immobilienentwickler Hahn AG anscheinend kein Interesse an dem Objekt hat. Die wissen schon, warum.

    Man sollte nicht weitere Zeit verschenken und abwarten, was mit der Marktgalerie passiert. Das Beispiel in Neuss zeigt, dass es selbst bei eingermaßen reibungslos verlaufendem Verfahren mehr als drei Jahre von der Einleitung des Bebauungsplanverfahrens dauert, bis der Bebauungsplan rechtssicher steht.

    Da die Stadt bisher noch keine Baugenehmigung erteilt hat, sind bei einer Neuplanung auch die verschärften Vorschriften der Energieeinsparverordnung zu beachten und schließlich führt auch die Lage in der Abflugzone des Köln-Bonner Flughafens zu besonders teuren Lärmschutzmaßnahmen in den geplanten Wohnungen.

    Ob die List-Bau der richtige Entwickler für eine Marktgalerie ist, erscheint mir fraglich. Wenn man sich die Unternehmensseite im Internet ansieht, haben die bisher nicht viel mehr als unförmige quadratische Schachtel mit augenschädlicher Werbung fabriziert.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans Jakob Müller

Kommentare sind nur unter der Angabe des korrekten Namens möglich. Alle anderen Kommentare werden gelöscht. *

Newsletter: Der Tag in BGL

Damit Sie nichts verpassen liefern wir Ihnen alle Infos kostenlos per Mail. Dann, wenn Sie die Nachrichten gebrauchen können: jeden Morgen oder am Abend oder am Wochenende. Hier können Sie Ihre Bestellungen abgeben:
   

Unterstützen Sie uns!

Termine des Tages

19Jan12:00Der Karneval der Tiere

19Jan14:00Allgemeine FührungPapiermuseum

20Jan10:30- 12:45Gottfried Böhm - ein Jahrhundert ArchitektBöhm-Jahr 2020

20Jan17:00- 18:30Schreibcafé

20Jan18:00KammermusikabendStudierende der IAFM Köln

20Jan19:00Flucht früher und heuteVernissage

Termine, Termine, Termine

kalender-logo-300-x-200

Sponsoren

Pütz-Roth: Bestattungen und Trauerbegleitung     schloss-apotheke-versand

Partner Business

Banner Lernstudio-Logo 300 x 100
X