Foto: HG Ullmann

Burg, Löwencenter, Schlossstraße, Aussicht. Foto: HG Ullmann

Bei der neuen Planung des Projektes Marktgalerie in der Bensberger Schlossstraße geht es um nicht viel weniger als um die zukunftsfähige Gestaltung eines Stadtteils, der mit seinen historischen Bauwerken in einer außergewöhnlichen Lage eine Wiege der kleinen Großstadt Bergisch Gladbach ist, der Schlossstadt an der Strunde.

Durch den geplanten Eigentümerwechsel ergibt sich nun plötzlich eine Chance, die Zukunft des alten Löwencenters unter wirtschaftlichen und gestalterischen Aspekten noch einmal neu zu denken. Der neue mögliche Partner weckt Hoffnungen, von Profis für Profis. Er wäre hier richtig.

Perfekt dazu passt, dass sich auch die Stadtverwaltung gerade jetzt gemeinsam mit den Bürgern beim Integrierten Handlungskonzept Bensberg mit diesen Zukunftsfragen beschäftigt. Das ist eine zweite große Chance. Wir sollten beide Chancen nutzen.

Der Blick über Schlossresidenz und Schloss Bensberg über die Kölner Bucht. Foto: BergischSchön

Rückbesinnung auf das, was Bensberg ausmacht

Dabei erscheint mir, aus langer Beschäftigung mit den Anforderungen, den unterschiedlichen Wünschen und Einflussfaktoren, den Veränderungen in Handel und Demographie aber auch der Entwicklung der Stadtteile und der Umlandgemeinden, eine Rückbesinnung auf das zwingend, was Bensberg ausmacht: Die Höhenlage am Rande der Kölner Bucht und die historische Bausubstanz.

Im Zentrum der Überlegungen steht das alte Löwencenter/die neue Marktgalerie. Aber davon ausgehend reichen sie weiter und umfassen in vier Teilen das Herz von Bensberg und die dazu mögliche Entwicklung:

  1. Planung, Arrondierung, Revitalisierung und Ausbau des bisherigen Gebäudes „Löwencenter“
  2. Gestaltung, Ausbau (und Vermarktung) des „Marktplatzes“ im Zentrum
  3. Bau einer Tiefgarage unter dem alten Markt oder vor dem Rathaus auf öffentlicher Fläche
  4. Erweiterung des Museumsgeländes um stadtbekannte Fachwerkhäuser

Lassen Sie uns diese vier Punkte rasch durchgehen, einen tiefen Blick in Bensbergs Strukturen und Geschichte werfen – und dann zu Lösungen kommen.

Das Loewencenter versperrt den Blick auf Schloss und Markt. Foto: HG Ullmann

1. Die Revitalisierung des Löwencenters

Wesentlich bei der Planung des Projektes ist die Revitalisierung des Altbaus, die Reduktion von Einzelhandelsfläche, ggf. auch Einrichtung anderer Gewerbeflächen z.B. für Büros oder Serviceanbieter und die Schaffung von Wohnraum mit der Maßgabe zur Einrichtung eines Lebensmittelmarktes, der aber aus der Schlossstrasse beliefert wird.

Dabei ist die Engelbertstraße, ähnlich wie auf der anderen Seite des alten Marktes derzeit im Bau, mit Wohnungen zu bebauen. Sie bleibt auch weiterhin barrierefrei mit der Schlossstrasse verbunden.
Insgesamt sollte die terrassenförmige Bebauung wegen der Sichtachsen und der Topographie beibehalten werden.

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Endpunkt einer langen Affäre: Centerscape stößt Projekt Marktgalerie ab
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Markthalle statt Marktgalerie? Debatte in der FB-Gruppe „Politik in BGL”

Foto: HG Ullmann

2. Ein Marktplatz für Bensbergs Zentrum

Im Zentrum ist durch geschickte Planung unter Einbeziehung des Toiletten- und Belkaw-Gebäudes und des freien Platzes durch Verkleinerung des „Löwencenter“ ein größtmöglicher Marktplatz zu gestalten. Dabei sollte auch das bisher zur Bebauung vorgesehene Straßengelände mit einbezogen werden.

Dieser Marktplatz sollte zum Berg hin im Halbrund gestaltet sein (Beispiel Rhein-Boulevard), mit Aufgängen zum Schloss und zum alten Markt. Der Marktplatz sollte nach Möglichkeit professionell für Veranstaltungen im Zentrum vermarktet werden, der Örtlichkeit angemessen.

3. Die Autos gehören in die Tiefe, damit die Schönheit sichtbar wird

Die zu erstellende Tiefgarage unter dem alten Markt bzw. auf öffentlicher Fläche sollte zwingend den Anliegern als Parkmöglichkeit vorgeschrieben werden. Vor allem aber sollte sie die parkenden Autos aus dem Umfeld der historischen Bauten aufnehmen, die Hotel- und Gaststättenkunden und auch die Kunden des Einzelhandels.

Foto: HG Ullmann

4. Ausbau des Bergischen Museums

In Ergänzung, Erweiterung des bisherigen Museumsgeländes könnten auf der bisher als Parkplatz genutzten Fläche stadtbekannte und zu erhaltende Fachwerkhäuser oder andere Exponate aufgebaut werden.

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Das würde nicht nur die Bedeutung und Attraktivität des Museums steigern sondern auch die Gestaltung des Rathausumfeldes erheblich aufwerten und als den Schwerpunkt des Stadtteils betonen. Abgesehen davon würden so stadtbekannte erhaltenswerte Bauten angemessen präsentiert.

Das geht nicht gilt so lange, bis einer kommt der es einfach macht, weil er nicht wusste dass es nicht geht.

Um die Tragweite, aber auch das Potenzial dieses ehrgeizigen Projektes zu erfassen, macht es Sinn, einen tieferen Blick in die jüngere Geschichte Bensbergs zu werfen. Bitte folgen Sie mir auf diesem Exkurs in die Veränderungen des Ortsteils mit Schloss, Museumsmeile, Altstadt und Hotelviertel aber auch einer außergewöhnlichen Hanglage.

Foto: HG Ullmann

… Geheimnisse des Einzelhandels in Bensberg

Bis in die 70er Jahre gab es an der Hauptstraße (heute Schlossstraße) auf der Bergseite von Bensberg nur drei kleine Einzelhandelsgeschäfte, heute kaum noch vorstellbar.

Wie Bensberg damals aussah hat Willi Fritzen akribisch dokumentiert, alle folgenden historischen Fotos stammen von ihm. Auf seiner Website sind hier und hier weitere Fotos aus dieser Zeit und davor zu finden.

Hauptstraße und Wipperfürther Straße, die in den 70er Jahren verschwand. Foto: Willi Fritzen

Kennzeichnend waren auf der Bergseite

  • ein Autohändler mit Werkstatt (Opel Gieraths),
  • eine Treppe zum Schloss (Das Treppchen) an der abzweigende Wipperfürther Straße,
  • diese wiederum mit dem Kinderwagenweg als Verbindung von der Wipperfürther Straße (Einzugsgebiet) zur Hauptstraße in Höhe Kino Berg (heute Erna-Klug-Weg) – damals genutzt als Verbindung zur Endhaltestelle der KVB im Hoppenkamp -,
  • das Gieraths-Gässchen als Verbindung von der Hauptstraße (heute Schlossstraße) zur Engelbertstraße in Höhe NKD gegenüber geradeaus hoch zum Malerwinkel
  • die Einmündung Burggraben mit einer Treppe zur Außen Terrasse und Engelbertstrasse.

Also nur wenige Quadratmeter Einzelhandelsfläche auf dieser dem Berg zugewandten Straßenseite, aber zahlreiche für die Bewohner wegen der Hanglage bedeutende Straßen- und Wegeverbindungen. Steil ansteigend, aber barrierefrei.

Die Einzelhandelsflächen verteilten sich im Wesentlichen auf die Bensberger Laufseite, der Köln zugewandten Seite.

Opel Gierath an der Hangseite. Foto: Willi Fritzen

Einweihung des neuen Rathauses 1969 krönte den Aufschwung

Die Einzelhandelslagen auf dem zum Schloss Bensberg führenden Stück der Hauptstraße (heute Schlossstraße) bis zur Bergisch Gladbacher Straße waren gekennzeichnet durch die Hanglage und hatten daher einen erschwerten Kundenzugang (schräger Eingang, Treppe, Sichtbehinderungen, etc.). Die Topographie ist geblieben.

Die insgesamt positive Entwicklung Bensbergs entsprechend der damals für Bensberg vorhandenen Stadtplanung hatte mit der Einweihung des neuen Rathauses 1969 einen Höhepunkt, angetrieben auch durch einen Wettlauf mit der benachbarten Stadt Bergisch Gladbach.

Blick aus der Nikolausstraße in die Hauptstraße. Foto: Willi Fritzen

Kommunale Neuordnung und eine Sanierung in fünf Schritten

Dann kam 1975 mit der kommunalen Neuordnung die Zusammenführung der Stadt Bergisch Gladbach mit der Stadt Bensberg – was damals von vielen Bensberger Bürgern als Übernahme empfunden wurde.

Der Wettlauf ging (leider) weiter und führte mit dem Sanierungsbeginn des Zentrums von Bensberg (1971- 1984 in fünf Bauabschnitten) zu erheblichen Anstrengungen, Bensberg in „neue Größenordnungen“ zu führen. Es entstanden Einzelhandelsflächen im Terrassenhaus an der Bergisch Gladbacher Straße (vorher Amtsgericht/Feuerwehr). Vor allem aber wurde die Bergseite im Zentrum von Bensberg fast vollständig in fünf Bauabschnitten mit Einzelhandelsfläche bebaut.

Blick in die Hauptstraße, hinten links wird gebaut. Foto: Willi Fritzen

Die vermeintliche Krönung dieser Planung, neben der Blick-versperrenden hohen Bebauung, war ein Einkaufszentrum. Da es im Berg liegt, ist der Zugang für Käufer wie Lieferanten naturgegeben schwierig, was aber keine Berücksichtigung fand.

Dabei wurde Bensbergs Alleinstellungsmerkmal, sein USP (Unique Selling Point) schwer beschädigt. die Lage, die Architektur bei Hanglage und ihre Erschließung, das Schloss Bensberg und der Burgfried mit neuem Rathaus einschließlich des “Altstadtviertels“ verschwanden überwiegend.

Der Franzen-Riegel. Foto: Willi Fritzen

Was nicht abgerissen wurde verschwand hinter dieser Bebauung (u.a. dem Franzen-Riegel, im Volksmund so benannt nach dem damaligen Baurat). Mit dieser Umsetzung der Planung die aus der Wettbewerbs Situation vor der kommunalen Neuordnung stammte, gingen bereits viele Sichtachsen im Zentrum von Bensberg verloren.

Es folgte später noch das Schlossberg Center, eröffnet 1990. Es war eine Bereicherung für die schwierige Hanglage des Einzelhandels an dieser Stelle, da die Gefahr bestand, durch Zentralisierung mit dem „Kaufhaus im Berg“ (Kaufring/Löwencenter), eine Verödung der Hanglage herbeizuführen. Allerdings ist es auch trotz zugehörigem Parkhaus eine schwierige Hanglage geblieben.

Hauptstraße mit Blick auf die Burg. Foto: Willi Fritzen

Selbst bis in die jüngste Entwicklung vor dem Platz vom Pro(gymnasium) machten die neuen Einzelhandelsflächen nicht halt. Selbstverständlich wurden auch in dieser Zeit die Baulücken auf der Laufseite von Bensberg geschlossen und einige Neubauten ersetzten die alte Bausubstanz.

Nach großem Protest der Anlieger, Bewohner und Benutzer der Wegeverbindungen wurden der Kinderwagenweg und das Gieraths-Gässchen damals zusammengelegt und architektonisch geschickt geplant durch das neue Einkaufszentrum geführt, barrierefrei und seniorengerecht als Verbindung zwischen Engelbertstraße und Hauptstraße (heute Schlossstraße). Bei dieser Topographie ein planerisches Glanzstück.

Mit dem Bau der Steinstraße (Innenstadtumgehung) und den Veränderungen auf der Bensberger Laufseite gab es auch Veränderungen in den Verkehrsverbindungen:

  • Die Forsbacher-/ Friederich- Offermann-Straße ist mit einem Stück als Anbindung weggefallen neben dem Progymnasium,
  • die Gartenstraße wurde im oberen Bereich zur fußläufigen Verbindung zum Verkehrsbauwerk (Busbahnhof/Linie 1 – (ein Segen für Bensberg)),
  • ein Gässchen von der Schlossstraße zur Steinstraße ist zwischen Photo Porst und Adlerapotheke hinzugekommen,
  • ein weiterer Durchgang zur Steinstraße ist zwischen NKD und Nimo entstanden,
  • auch Gräfrath hält einen Durchgang zur Steinstraße bereit,
  • es folgt der Erna-Klug-Weg (Kino Berg)
  • und zu guter Letzt auf der Bensberger Laufseite der Treppenaufgang von der Steinstraße zur Schlossstraße.
  • Zusätzliche Treppenverbindungen von der Schlosstrasse ausgehend zum Schloss Bensberg, zum Markt, die Freitreppe zum Weg zur Engelbertstrasse, der Treppenaufgang im „Riegel“ und der zur Außengastronomie am Ende der Engelbertstraße kommen dazu.

Diese vielen Verbindungswege sind der Topographie geschuldet, die sich in all den Jahren nicht geändert hat, der Berg wird nach unten eben breiter und die Wegeverbindungen setzen sich fort. Alle diese Verbindungen sind ein Segen für den Bensberger Einzelhandel und für die Events, die im Bensberger Zentrum veranstaltet werden. Der Berg an sich stellt eine Herausforderung dar.

Leider sind diese Laufwege nicht oder aber nur schlecht ausgeschildert, selbst alteingesessenen Bensberger Bewohnern ist z.B. die barrierefreie Verbindung von der Schlossstraße zum Rathaus nicht bekannt.

Foto: HG Ullmann

Seit der Eröffnung des Verkehrsbauwerks im Mai 2000 mit Busbahnhof und Endhaltestelle der Linie 1 (ein Segen für Bensberg) haben all diese Verbindungen eine noch größere Bedeutung als Laufwege erhalten, auch mit dem etwas erweiterten Parkplatzangebot, leicht zu finden sind sie leider deshalb nicht.
Nachfolgend sind diese Laufwege in einer Karte Bensbergs dargestellt.

Weg von den inhabergeführten Geschäften, hin zu Filialisten

Von einer eigentümer- und inhabergeführten Einzelhändlerstruktur hat es über die Zeit einen Wandel hin zum Filialisten gegeben, wobei gleichzeitig sehr viele Einzelhandelsflächen als Mietflächen angeboten werden.

Neben der dramatischen Vergrößerung des Angebotes von Einzelhandelsflächen in Bensberg von 1971 bis heute haben viele weitere Gründe zu einer Veränderung im Einzelhandel am Ort geführt, was sich heute neben geringeren Mieten selbst in guten Lagen im Leerstand wiederspiegelt.

Neben der Großstadtlage Köln und der guten Anbindung dorthin (hin wie her zu nutzen!) -, haben auch die „Einzelhandelsaufrüstung“ der Umlandgemeinden und die positive Entwicklung in Bergisch Gladbach dazu ihren Beitrag geleistet.

Auch hat das Wachstum des Stadtteils oder der Einzugsgebiete nicht Schritt gehalten mit dem Wachstum der Einzelhandelsfläche in Bensberg. Das geschah u.a. auch wegen der Zusammenlegung von Bensberg und Bergisch Gladbach und der in dieser Zeit nicht ausreichend oder – besser noch – gar nicht vorhandenen gemeinsamen Stadtplanung/Stadtentwicklung.

Es war eben zur damaligen Zeit aus einer Wettbewerbssituation der beiden bislang selbständigen Städte Bensberg und Bergisch Gladbach heraus offensichtlich nur so möglich.

Das scheint heute überwunden. Allerdings hat auch die Demographie ihre Spuren hinterlassen und wird noch verstärkt zu Veränderungen führen, die „Babyboomer“ stehen soeben erst vor dem Sprung in den Ruhestand.

Der Blick von Bensberg über die Kölner Bucht. Ein Klick öffnet die Großansicht. Foto: HG Ullmann

Aus der Vergangenheit in die Zukunft

Dieser Rückblick dient ausschließlich der Standortbestimmung und Beschreibung, einschließlich der persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen, es soll nicht als nostalgischer Blick in bessere Zeiten verstanden werden und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

(Dabei treibt mich zunächst mein persönliches Interesse an meinem Wohn- und Geburtsort, sowie kreative Unruhe bei dem Verfügbaren Wissen, es dauert alles viel zu lange.)

Der geschilderte Zustand am Standort Bensberg ist heute nicht mit noch mehr Einzelhandelsfläche zu verbessern, auch nicht damit, „Kundenmagnete“ auf der Schlossstraße von A nach B zu verlegen, das Internet lässt grüßen (Online shopping). Aktuelle Studien gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre weitere 30 Prozent des derzeitig noch lokal erfolgten Einzelhandelsumsatzes ins Internet abwandern, es droht also eine noch größere Veränderung.

Ebenso ist ein „Kaufhaus“ an der bisherigen Stelle, egal wie man es nennt, wahrscheinlich auch nicht zur Behebung der derzeitigen Misere, geschweige denn zur Stärkung der Besonderheiten des Standortes in dieser Lage geeignet (siehe RheinBerg-Galerie und ihre Auswirkungen), die abseitigen Lagen sterben.

Die oben betrachteten Einzelfaktoren am Standort Bensberg sollten aber nicht nur als Bedrohung empfunden werden, auch wenn die Situation schon länger anhält und auch noch viele Mühen kosten wird.

Die jetzige Möglichkeit einer substantiellen Veränderung der Stadtteilplanung für Bensberg sollte von der Politik, der Verwaltung, der IBH, der ISG aber auch von den Bürgern als die Chance verstanden werden, für eine positive Veränderung. Auf Grund der glücklichen Umstände mit möglichem Investorenwechsel und zeitgleich der Erstellung des Integrierten Handlungskonzeptes für das Zentrum von Bensberg ist es wahrscheinlich auch auf Jahre hin das Beste, was dem Stadtteil passieren kann.

Das Alleinstellungsmerkmal wieder stärken

Für die Zukunft sind die Alleinstellungsmerkmale des Standortes noch viel wichtiger und erfolgskritisch. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit gilt es, die Alleinstellungsmerkmale zu betonen, heraus zu stellen und bei neuen Planungen zwingend zu berücksichtigen, da sie es sind, die den Unterschied zu anderen Standorten ausmachen werden.

Gefragt sind also innovative Ideen und zukunftsweisende Konzepte, die dem ortsgebundenen Einzelhandel in Bensberg die Chancen zum Überleben geben, im eigenen Interesse, im Interesse der Bensberger Bürger und ebenso der Immobilieneigentümer, zum Vorteil des Stadtteils und der Stadt Bergisch Gladbach insgesamt in einer Zeit mit großen Veränderungen.

Das Bauschild steht seit November 2014.

Das Löwencenter als Chance verstehen

Daher ist das Objekt „Löwencenter“ heute eher eine Chance als ein Schandfleck und das Scheitern des Investors Centerscape mit seiner „Marktgalerie“ ein Glücksfall. Es ist eben nicht „grüne Wiese“, wie man mittlerweile gelernt hat. Und es dauert auch schon viel zu lange, die Suche nach einer tragfähigen, wirtschaftlichen Lösung und nach Mi(e)tstreitern dafür. Das Offensichtliche scheint nicht immer das Beste – Abriss und Neubau.

Wenn nun eine Änderung der bisherigen Planungen und des bislang geplanten Nutzungskonzeptes vorgesehen sein sollte, dann sollte es auch die Chance geben, das unter den geänderten Randbedingungen mit einem erweiterten Blick tun zu können.

Auch das Integrierte Handlungskonzept bietet dazu wie zufällig hervorragende Möglichkeiten und stärkt die Politik und Verwaltung in ihrer Handlungsposition. Das bisherige Paket wieder aufzuschnüren ist in diesem Kontext kein Rückschritt an sich, es bedeutet für alle, dem Erkenntnisgewinn Rechnung zu tragen und eine zukunftsfähige wirtschaftliche Lösung zu entwickeln. Vielleicht von Profis für Profis.

Revitalisierung statt Abriss

Im Zentrum einer solchen tragfähigen Lösung sollte nicht der Abriss des Löwencenters stehen, sondern eine Revitalisierung auf Basis des vorhandenen Bauwerks. Die Gestaltung des Marktplatzes, der Bau einer Tiefgarage auf öffentlicher Fläche und der Ausbau des Bergischen Museums fügen sich dann wie Puzzlesteine zusammen.

Mehr noch: bei der Suche nach einem erfolgreichen Konzept könnten die Bensberg bestimmenden Bauwerke wieder an die Stelle gerückt werden, die ihnen eigentlich zustehen – auf Grund der Lage in der Region, der Lage im Ortsteil, der außergewöhnlichen Topographie und ihrer Bedeutung auf der Höhe zur Kölner Bucht und der Beständigkeit dieser Bauwerke. Ein kleines Stück Veränderung würde schon reichen, um die Richtung zu ändern. Bei der Standortvermarktung würde das einem „Upgrade“ gleichkommen.

Einzig die Topographie wird sich so schnell nicht ändern. Daher müssen die vielen Verkehrsverbindungen und Rundwege, der Burggraben mit Museum, das Rathaus und das Schloss Bensberg, bis hin zur Thomas Morus Akademie und Vinzenz Pallotti Hospital mit herrlichen Weitblicken in die Kölner Tiefebene und auf den Kölner Dom, mit einbezogen werden.

Das alles bietet in der heutigen eventgesteuerten Zeit eine tolle Perspektive für kreatives und Zukunft gerichtetes Tun.

Nicht weil wir es nicht jedem recht machen können ist es schwierig, sondern weil wir es nicht einmal erkennbar versuchen.

Lothar Eschbach

ist Bergisch Gladbacher Bürger und gebürtiger Bensberger, er hat als IT-Manager jahrzehntelang in der ganzen Welt gearbeitet und lebt nun wieder in Bensberg.

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7 Kommentare

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  1. Als alte Bensbergerin, mit ehemaligem Wohnort Hauptstrasse 54, blutet mir bei jedem Besuch das Herz, wenn ich sehe, was aus der blühenden Schlossstadt geworden ist. Natürlich war es “sündhaft” an schönster Lage diesen Bau mit Parkdeck zu errichten. Umso mehr sollte den heutigenStadtpolitikern daran gelegen sein, diese Bausünde durch eine sinnvolle Planung zu neutralisieren und den Bensbergern ein Stadtzentrum zu gönnen, das diesen Namen verdient.
    Offenbar besteht ja grosser Bedarf an Gewerbeflächen im Stadtgebiet Bergisch Gladbach. Warum nicht hier etwas Schönes und Nützliches schaffen? Bei uns in der Schweiz werden viele Projekte heute mit Crowdfunding realisiert oder unterstützt. Vielleicht gibt es ja auch in Deutschland Leute, die ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet gerne einbringen? Auf alle Fälle drücke ich Allen die Daumen, die sich für eine vernünftige Lösung stark machen.

  2. Die wegweisenden Gedanken sind in der Welt, die Erfahrungen der Vergangenheit unzweideutig, die Möglichkeiten eines gescheiten (!) Projekts jetzt noch einmal gegeben
    – Kapital kann sich durchaus mit bodenständig-zukunftsfähiger Klugheit verbinden,
    Investition mit einer zu Stadt und Lage passend baulich-gestalterischen Vision
    und Rendite mit einer Richtung, die über “binnenkapitale Rechenspielchen” hinausweist!
    Der wirkliche Realismus liegt nicht im resignativen oder reduktiven Zynismus,
    sondern im Mut zur Gestaltung der Wirklichkeit nach Maßgabe menschlicher Vernunft!

  3. Viele Aspekte von Herrn Eschbachs Beitrag sprechen den Bensbergern aus der Seele, einige werden Gegenspruch erfahren. Es wäre außerordentlich wichtig, wenn viele Büger Bensbergs von Herrn Eschbachs “Chance für Bensberg” Kenntnis nehmen könnten. Leider erfahren zu wenige von den Veröffentlichungen auf “in gl” und verlassen sich lieber auf den Kölner Stadtanzeiger, mit dem sie verlassen sind. Man las zwar von immer neuen, positiven Gefühlen der Stadt (die nun schon 6 Jahre andauern), nie aber wurde hinterfragt, woher denn dieser Optimismus kam. Heute wissen wir, dass es sich um Beruhigungs- wenn nicht Einschläferungstaktiken handelte.

    Wir Bensberger müssen uns stärker engagieren, die Stadt in Gesprächen, Mails und Briefen auffordern, endlich aufzuhören, uns so lange Sand in die Augen zu streuen, bis jedem egal ist, wie das neue Gebäude aussieht,Hauptsache, es kommt. Die “Marktgalerie” wird dann Aussehen und Nutzung zeigen, wie sie ertragsmäßig einigen wenigen in den Kram passt.

  4. Danke für die umfassende Darstellung, die ja nochmals deutlich macht, dass es eigentlich nicht sein darf, in der Vergangenheit getroffene städtebauliche Fehlentscheidungen zu wiederholen.
    Zugleich hoffe ich, dass sich zu diesem Thema auch einmal Vertreter der politischen Parteien äußern. Dies wäre doch schon einmal ein wichtiges Signal für die Bürger Bensbergs bzw. der gesamten Stadt. Denn das Wollen der Politik im Sinne einer zukunftweisenden Gestaltung der Bensberger Mitte dürfte in dieser Sache von mitentscheidender Bedeutung sein.

  5. Ein Kommentar von Ulrich Müller-Frank:

    Ich stimme Herrn Eschbach zu und freue mich über seine Aktion. In Sachen Marktgalerie möchte ich ergänzen:

    Die Centerscape-Konzeption konnte glücklicherweise wirtschaftlich nicht umgesetzt werden, da die zusätzlichen Risiken und Kosten durch den Totalabriss nicht durch sichere Einnahmen kompensiert werden konnten. Diese Konzeption führte zwangsläufig zu der weit überzogenen Größe des Gesamtkomplexes, für die es offensichtlich weder Nachfrage seitens des Marktes noch Zustimmung seitens der Öffentlichkeit gibt.

    Voraussetzung für eine harmonische und marktgerechte neue Konzeption ist jedoch, dass das Objekt jetzt in den Besitz eines Investors gelangt, der bereit ist, die lokalen Bedingungen als Ganzes zu respektieren. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn ein Verkauf/ Kauf nicht durch Konditionen blockiert wird, die nicht mit dem realen Marktwert vereinbar sind. Dieser Marktwert der Ruine kann sich doch nur an dem orientieren, was an dieser Stelle sinnvoll und wirtschaftlich realisiert werden kann und der sich in einer seriösen Kalkulation einrechnen lässt!

    Die aktuelle Hängepartie lässt bei vielen Bürgern den schwachen Hoffnungsfunken aufkommen, dass die Verunstaltung von des Stadtkerns von Bensberg doch noch vermeidbar sein könnte.

    Leider fehlen von offizieller Seite Signale der Einsicht und der Bereitschaft, den Bürgerwillen aufzugreifen, zu unterstützen und die Entwicklung endlich in die gewünschte Richtung beeinflussen zu wollen. Natürlich ist das Dilemma offensichtlich: man hat nach jahrelangen Ringen eine Baugenehmigung erteilt auf der Basis von Recht und Gesetz, und zwar genau so wie es der Rat im vermeintlichen Sinne von CS damals sah. Diese Baugenehmigung hat heute immer noch Bestand, sie könnte also immer noch die legale Verunstaltung der Bensberger Ortskerns zulassen, sie hält signifikant einen scheinbaren Wert der Ruine hoch und führt damit wohl auch noch zur weiteren Verlängerung der Hängepartie.

    Das gleichzeitig laufende „InHK soll die Rahmenbedingungen zum Erhalt und zur Stärkung eines vielfältigen und lebendigen Zentrums schaffen.“ Diese Zielsetzung für das InHK bis zum Sommer 2016 ist mit der städtischen Auftragsgeberseite abgestimmt. Das zeigt leider deutlich, dass diese nach wie vor zu denken scheint, sie habe mit der einmal erteilten Baugenehmigung ihre Pflicht erfüllt, weiterer Handlungsbedarf bestehe hier nicht und das InHK könne auch unabhängig von der Galerieplanung für den Innenstadtbereich sinnvolle Ergebnisse bringen. Nach dem Stand der Dinge besteht jedoch durchaus die Gefahr, dass bereits vor dem Sommer wieder in die falsche Richtung geplant werden könnte!

    Es liegt m.E. jetzt in der Verantwortung der Politik, also des Rates der Stadt, seine Position zu überdenken und tatkräftig mitzuhelfen, Wege zu suchen, die unsägliche Situation vor Ort zu beenden, die Hängepartie abzukürzen und die Verunstaltung der Innenstadt doch noch abzuwenden. Eine von allen getragene Initiative für dieses Ziel ist also dringend erforderlich!”

  6. Ein sehr interessanter Beitrag! Ich rege ergänzend an im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Rathausvorplatzes (Parkhaus) den gesamten Franzen-Riegel abzutragen, von dort aus die Zufahrt zu ermöglichen und durch ein ansprechenderes Bauwerk mit Ladenlokalen und Wohnungen zu ersetzen. Den Vorschlag, zwei neue Parkgaragen zu erstellen, finde ich gut. Wichtig ist hierbei eine direkte Anbindung an die Schlossstrasse! Ohne diese blieben sie weitgehend ungenutzt (siehe Schoßberggarage am Amtsgericht). Ich befürchte, dass die gesamten Ideen vermutlich nach dem Karnevalslied “Wer soll das bezahlen – wer hat soviel Geld?” von den Maßgebenden mit Interesse zur Kenntnis genommen und der Ablage “rund” zugeführt werden.

  7. Vielen Dank für die Zusammenstellung der Informationen, die gut zugänglich und aufschlussreich geschrieben sind.