Wolfgang Bosbach auf einem offiziellen Pressefoto aus dem Archiv. Vor der Seniorenunion im Tannenhof trat er in legerer Sommerkluft auf. Foto: Manfred Esser

Diesen einen Satz will Wolfgang Bosbach unbedingt noch los werden. Als gegen Ende der Veranstaltung im Gronauer Tannenhof das Stichwort „Bundestagswahl” fällt, beantwortet der 64-Jährige wie aus der Pistole geschossen, was gar nicht gefragt worden war: „Am 22. August tagt der Kreisvorstand der CDU. Dann sage ich Bescheid.”

In wenigen Tagen will der 64-Jährige also bekannt geben, ob er bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 zum siebten Mal für die CDU antritt. Bosbach hatte aus seiner unheilbaren Krebserkrankung nie einen Hehl gemacht, war zweimal bei Veranstaltungen zusammengebrochen und  hatte zwischenzeitlich einen Rückzug angedeutet. Doch bei seinem Auftritt am Mittwoch vor 100 konservativen Bergisch Gladbacher Senioren zeigt er sich im rosa T-Shirt gut gebräunt, gut gelaunt und trotz der großen innenpolitischen Probleme kein bisschen amtsmüde.

Eloquent, faktensicher und sehr präsent erklärt Bosbach den Senioren ausführlich die Lage der Nation. Geschickt nimmt er die mehrheitlich besorgte Stimmung auf, lässt dumpfe Stimmen ins Leere laufen und wirbt energisch dafür, Deutschlands Kultur und Werte zu verteidigen.

„Ich habe weniger Sorgen vor einer Islamisierung unserer Gesellschaft als vor einer Entchristianisierung”, bringt es der CDU-Innenpolitiker auf den Punkt. „Davor, dass wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen genug verteidigen.” Dafür sei aber nicht der Islamrat verantwortlich. „Sondern wir selbst”.

Diese Sorge macht Bosbach an konkreten Entwicklungen fest: daran, dass der Weihnachtsmarkt in Refrath nun Wintermarkt heißt. Daran, dass eine lokale Bank mit einer verschleierte Frau einen Vertrag abschließe, sich dann aber beschwere, wenn die Muslima mit einer „Burka” vor der Kasse stehe. Daran, dass deutsche Gerichte sogenannte „Handschuhehen” akzeptiere, bei der islamische Mädchen mit Männern zum Beispiel in Beirut verheiratet werden, obwohl sie Berlin nie verlassen haben. Das sei mit der deutschen Rechtsordnung nicht vereinbar.

In der Flüchtlingspolitik gebe es zwischen den großen Parteien keinen Konsens; eine überwältigende Mehrheit des Bundestages stehe für mehr Zuwanderung und auch in der CDU-Fraktion sei monatelang leidenschaftlich über das Thema diskutiert worden, berichtet Bosbach. Kanzlerin Angela Merkel kritisiert er direkt mit keinem Wort. Aber er betont, wie er von Anfang an dafür plädiert habe, niemand unkontrolliert über die Grenze zu lassen. Doch in der Bundesregierung sei die Entscheidung gefallen die Grenzen zu öffnen – und offen zu halten. Und dennoch: „Das Gefühl, dass ich mit meiner Auffassung alleine stehe, habe ich noch nie gehabt.”

Er widerspricht der These von einer wachsenden Politikverdrossenheit. Die Bürger seien sehr an Politik interessiert und gut informiert, doch die Parteien, Gewerkschaften und auch Kirchen hätten an Bindungskraft verloren: „Es gibt eine Politikerverdrossenheit und eine Parteienverdrossenheit.”

Vor diesem Hintergrund sei er erstaunt, dass sich „die CDU bundesweit relativ stabil bei 33 oder 34 Prozent hält”. Dennoch müsse man damit rechnen, dass sechs Parteien in den nächsten Bundestag einziehen. Bosbach: „Dann reicht es zwar vielleicht wieder für eine große Koalition. Aber ob die dann noch groß ist, das ist die Frage.”

Mehrfach betont er beim Auftritt im Tannenhof „Ich war dabei.” Und so soll das offenbar bleiben.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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