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Der zerstückelte Parkplatz zwischen Gohrsmühle und Hauptstraße: scheußliche Brache in bester Lage.

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann*

Fast vierzig Jahre ist der aktuelle Flächennutzungsplan alt: Jetzt endlich scheint ein Nachfolger Gestalt anzunehmen. Eine gute Gelegenheit, die Versäumnisse und Chancen der Stadt im Zusammenhang zu überdenken.

Bergisch Gladbach wächst. Mehr Menschen, mehr Gewerbe, mehr Verkehr. Und damit wächst auch die Zahl und Größe der Probleme.

Wer sich bei Google Earth unsere Gewerbegebiete aus der Vogelperspektive im Detail anschaut, sieht, dass es lohnen könnte, über eine Verdichtung dieser Gebiete nachzudenken. Jetzt liegen Produktionsstätten, Lager, Verwaltung und Parkplätze vieler Unternehmen meistens in der Fläche nebeneinander statt übereinander. Einige Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

Das Denken von gestern ad acta legen

1. Warum müssen Autohäuser ihre Autos in der Fläche abstellen? Warum nicht in mehrgeschossigen Parkhäusern? Wenige machen es, viele andere könnten folgen. Bei drei Geschossen wäre die benötigte Fläche um zwei Drittel kleiner. Auf die ganze Stadt bezogen dürfte es ergiebig sein. Und für kleine Unternehmen in vorhandener Infrastruktur Platz schaffen.

2. Warum müssen bei einem Hersteller im Gewerbegebiet West – am Rand der Innenstadt – die Produkte auf einer riesigen Fläche unter freiem Himmel gelagert werden? Warum nicht in einem Hochregallager? Für die Logistik kein Problem. Und der Raum für weiteres Gewerbe wäre da, auch Platz für ein Parkhaus.

3. Was wäre, wenn im Gewerbegebiet Zinkhütte statt eines großen Parkplatzes für über 360 PKW eine Parkpalette mit mehreren Geschossen entstehen würde? Sie würde Platz schaffen für Gewerbebetriebe, ohne dass woanders neue Flächen gesucht, erschlossen und versiegelt werden müssten.

4. Warum können bei neuen Gewerbebauten Parkplätze nicht in einer Tiefgarage unter dem eigentlichen Bau liegen statt in der Fläche daneben? Im Gewerbegebiet Locher Mühle an der Kürtener Straße verschlingen Parkplätze und Zufahrten mehr Fläche als Läden, Werkstätten und Büros. Welche Verschwendung der knappen und teuren Ressource Boden. Platz für Parkhaus und neues Gewerbe.

5. Was ist mit dem zerstückelten Abstellplatz für Autos zwischen Gohrsmühle und Hauptstraße? Seit Jahrzehnten eine große scheußliche Brache in bester Innenstadtlage. Ein Parkhaus könnte viel Platz schaffen für Grün und eine qualifizierte Randbebauung. Diese wiederum wäre hochattraktiv für die Kreativbranche, für kleineres Gewerbe, für Start-up-Unternehmen. Attraktiv auch für die Vermarktung des Zanders-Areals gegenüber.

Intelligente Logistik statt überholte Logik

Gleichzeitig könnte die Logistik für einen Teil der alten und neuen Unternehmen in den Gewerbegebieten intelligenter gelöst werden: Zum Beispiel durch den Transport der Produkte in kleineren Einheiten (Paletten) mit einer (eingehausten) Transportbahn auf der alten Bahntrasse zu einem Verteilzentrum an der A4.

Statt wie nach bisheriger Logik auf einer neuen Straße. Mit bewährten Transportsystemen wie auf dem Kölner Flughafen oder in Automobilfabriken. Auch der Transport mit kleineren Lastwagen – ohne Schwerlastverkehr – in der Stadt wäre besser.

So wie es in anderen Teilen der Welt in dicht besiedelten Gegenden bereits gemacht wird (Mercedes entwickelt gerade einen Elektro-LKW mit maximal 26 Tonnen für diesen Zukunftsmarkt).

Abwägung: Verlust versus Gewinn

Vielleicht muss – so schmerzhaft es auch ist – zur Reduzierung der Belastung vieler Menschen durch Verkehr ein Stück Königsforst an der A4 für ein Verteilzentrum geopfert werden. Ein Verlust, ganz sicher. Aber das kleinere Übel. Der Gewinn: Weniger Schwerlastverkehr, weniger Lärm, Abgase und Stau. Geringere Zerstörung von Straßen, geringere Folgekosten.

Natürlich muss parallel an einer Entzerrung und Verminderung des Verkehrs gearbeitet werden. Mit einem komfortablen Radwegenetz (‚share the road’), mit einem gut getakteten Straßenbahn- und Busverkehr, mit einem zweiten S-Bahn-Gleis.

Natürlich werden die Bedenkenträger schon bald Schlange stehen: Das kostet zu viel, dort gibt es unterschiedliche Besitzverhältnisse, die Unternehmen machen nicht mit etc.etc.

Natürlich ergeben sich Fragen nach Eigentumsverhältnissen, nach Zusammenarbeit und gemeinsamen Lösungen. Keine leichte Aufgabe. Aber Unternehmen, die weltweit operieren, sollten diese lokalen Probleme mit Fantasie und Tatkraft lösen können. Gemeinsam mit einer kreativen und engagierten Verwaltung. Dann sind Sonderzahlungen auch nachzuvollziehen.

Vielleicht untersuchen unsere Planer vorhandene Gewerbeflächen, ermitteln die frei werdenden Hektar. Und reden dann mit den Unternehmen, fragen, was diese für ihre Heimatstadt tun können, bevor Wald gerodet, neue Böden erschlossen und versiegelt werden.

In die Zukunft gedacht

Ganz sicher: Umplanung und Umbau kosten Geld. Geld, das über die Vermarktung der neuen alten Flächen zum Teil aber wieder hereingeholt werden kann. Der Verzicht auf eine Verdichtung kostet allerdings auch: Er kostet Natur, er kostet Gesundheit, er kostet Zukunft. Und damit langfristig auch viel Geld. Die Verdichtung wäre ein innovatives, nachhaltiges Konjunkturprogramm.

* Francis Picabia (1879-1953), französischer Schriftsteller, Maler und Grafiker

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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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