Der Vorentwurf für den neuen Flächennutzungsplan Bergisch Gladbach

Die Ausweisung eines bedarfsgerechten und ausgewogenen FNP ist grundsätzlich zu begrüßen, ebenso die Beteiligung der Öffentlichkeit, solange diese nicht ausschließlich als Feigenblatt einer rigorosen Verteidigung des Vorentwurfes dient, sondern ihn auch ernsthaft zu hinterfragen bereit ist.

Der vorgelegte Entwurf erscheint mir aber weder bedarfsgerecht noch ausgewogen. Ich verurteile ihn daher entschieden als in wesentlichen Teilen unzumutbar und unausgegoren.

Die Gründe aus meiner Sicht:

1 Der FNP-Entwurf nimmt dem Bürger die Entscheidung ab, lieber wie bisher in einer natur- und landschaftsbetonten Umgebung oder in einer für das Gewerbe optimierten Vorstadttristesse wohnen zu wollen. Er entscheidet für ihn in Richtung der Gewerbevariante, ob der Bürger das will oder nicht. Der Verwaltungsentwurf soll durchgesetzt, der Bürger über den Tisch gezogen werden.

2 Der FNP-Entwurf ist maßlos überzogen im Hinblick auf Landschafts-, Flächenverbrauch und Umweltschädigung. Die Schaden-/ Nutzenrelation ist unverhältnismäßig.

3 Die “7 Thesen” als Ausdruck in der Bevölkerung weit verbreiteter Wünsche finden weder direkt noch indirekt ihren Niederschlag im FNP-Entwurf.

4 Der FNP-Entwurf basiert auf nicht nachvollziehbaren Bedarfsprognosen in Bezug auf Gewerbe, Gewerbeart, Wohnen und der Bebauungsdichte WE/ha. Nicht nur soll der Abzug vorhandenen Gewerbes verhindert werden, sondern es besteht die Absicht, auch weiteres Gewerbe von außen anzulocken.

5 Der FNP-Entwurf geht in ganz besonderem Maße zu Lasten von Moitzfeld und würde dessen Stadtteilcharakter komplett zu seinem Nachteil verändern (MO1, MO4, MO6, MO8). Von Gleichbehandlung aller Bürger der Stadt keine Spur!

6 Der FNP-Entwurf hätte darüber hinaus die umfassende negative Veränderung des Landschaftsbildes zwischen Moitzfeld und Herkenrath zur Folge.

7 Der FNP-Entwurf führt mit Sicherheit zum zeitweiligen Verkehrskollaps auf der heute schon stark überlasteten Friedr. Eberth/ Dr. Müller-Frank-Straße. Sollten wie geplant Gewerbegebiete in Kürten/ Spitze noch hinzukommen, gilt das umso mehr. Die Konzentration auf diesen Straßenzug zieht sich als ein wesentlicher Leitgedanke durch die Planung des FNP und zwar unabhängig davon, ob, wie und zu wessen Lasten diese Ertüchtigung überhaupt bewerkstelligt werden könnte.

8 Der FNP-Entwurf weist eine wegen der Topographie nicht bezahlbar realisierbare Weiterführung der Straßenbahn bis Herkenrath aus, welche die obige Trasse noch problematischer und trennender ausfallen lassen würde. Straßen- und Straßenbahntrassen können jedoch in keinem Fall unabhängig voneinander konzipiert werden.

9 Der FNP-Entwurf erfordert die Vernichtung wichtiger biologischer Filter gegen Feinstaub, NOx, Lärm entlang der A4 zum Schaden der Gesundheit der dort lebenden Bürger und führt zu einem erheblichen Wertverlust der dortigen Immobilien.

10 Der FNP-Entwurf hält an der sinnlosen Straßenführung auf dem ehemaligen Bahndamm nebst nicht genehmigungsfähiger A4-Anbindung fest. Die Verlagerung des Verkehrsstaus bringt keinerlei Nutzen.

11 Der FNP-Entwurf verzichtet auf eine Ertüchtigung der Schienenanbindung des Gewerbegebietes Zinkhütte

12 Der FNP-Entwurf zeigt ein einseitiges Entgegenkommen in Richtung IHK, statt deren Mithilfe zur Einbindung in den verkehrstechnischen Anschluss an das Merheimer Kreuz mit Nachdruck anzustreben. Dieser, einst sinnvollerweise vorgesehene, dann von der Politik verhinderte aber heute noch klar als optimal anzusehende Autobahnanschluss würde nicht nur die gemeinsamen Verkehrsprobleme signifikant verringern, sondern für einen Bergisch Gladbacher FNP bedeutende Potenziale im Sinne einer ausgewogenen städtischen Lastverteilung eröffnen.

13 Der FNP-Entwurf weist nicht die ungenutzten Flächen des noch leerstehenden Angebotes, z.B. Obereschbach und Bockenberg aus.

14 Der FNP-Entwurf enthält keinerlei Erwähnung des Gewerbeflächenpotenzials des zum Kauf angebotenen Zandersgelände in der Bergisch Gladbacher Innenstadt.

Ulrich Müller-Frank

ist ein Bürger aus Bensberg

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3 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Müller Frank,
    vielen Dank für Ihre ausführliche und fachlich versierte Stellungnahme. Wir schließen uns Ihren Forderungen im Namen der BIMH vollumfänglich an. Ihren Ausführungen haben wir nichts mehr hinzuzufügen, alles drin, alles dran. Alle anderen Initiativen und Bürger unserer Stadt bitten wir zu erwägen, das gleiche zu tun. Schließ Euch an! Lasst uns diesen FNP Prozess insgesamt wieder vom Kopf auf die Füße stellen, das maßlose Monopoly Spiel der Verwaltung beenden und alle wieder zurück auf START! Das soll schließlich unsere Zukunft werden und über die entscheidet nicht die Verwaltung, sondern die Bürger!

    Der Vorstand
    Trägerverein der Bürgerinitiative
    Moitzfeld Herkenrath e.V.

  2. Ganz starker Beitrag! Danke.
    Zu Herkenrath und Bärbroich (gleiche Achse) möchte ich folgendes beisteuern:

    Das ist meine Stellungnahme zum sog. Vorentwurf dieses geradezu gigantomanischen Flächennutzungsplanes.

    Ich wende mich hier ganz entschieden klar und strikt gegen die geplante derartig maßlose Erweiterung der Wohnbebauung und Gewerbeflächen in Herkenrath und Bärbroich. Die Infrastruktur (Straßen) können schon jetzt in den entsprechenden Zeiten den Verkehr nicht mehr bewältigen. Ganz sicher wird das mit dieser Planung einhergehende Mehr an Fahrzeugen sowohl auf der L329 (Einmündung L289) und erst recht auf der L289 (von Herkenrath bis zur Auffahrt auf die A4) zu sehr viel mehr Stau für den Berufsverkehr und Belastung für Anwohner und Umwelt führen! Eine vernünftige Stadtplanung/Siedlungsplanung stellt doch zunächst einmal die erforderlichen Verkehrswege her um diese dann anschließend mit Bebauung zu füllen. Vorliegend ist dies nicht mehr möglich da die zur Aufnahme vorgesehenen Straßen mit dem Istzustand bereits überfordert sind wie von allen dortigen Pendlern bestätigt werden kann. In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage wie die direkte Anbindung an eine leistungsfähige Straße als gegeben angenommen werden kann (siehe Steckbriefe) wenn die “leistungsfähige Straße” in eine Problematische Straße mündet? Da muss ich leider sagen: “Meine Damen und Herren, machen Sie erst einmal Ihre Hausaufgaben und sorgen sie dafür das der bereits vorhandene Verkehr staufrei zur Autobahn kommt!”

    Im Tagesdurchschnitt mag die L289 durchaus noch mehr Verkehr aufnehmen können. Aber in den Stoßzeiten morgens und abends ist das im Bereich Strassen und Bärbroicher Straße bereits jetzt eine Zumutung. Das geplante Mehr an Wohnbebauung (vorsichtig geschätzt 30% Wachstum) wird auch ein entsprechendes Mehr an Fahrzeugen mit sich bringen. Das wird entlang der Bärbroicher Straße besonders ins Gewicht fallen da deren Einmündung auf die L289 (Strassen) als Nadelöhr hinlänglich bekannt ist.

    Darüber hinaus fällt bei der Durchsicht des FNP auf, dass offenbar ein exorbitantes Wohnwachstum für Herkenrath/Bärbroich geplant ist. Hinzu kommen riesige Gewerbeflächen welche ebenfalls entlang der L289 (A4-Abfahrt, Moitzfeld, Herkenrath Spitze) bis nach Spitze geplant werden sollen. Auffällig ist weiterhin das offenbar keinerlei weitere Wohnbauflächen in Herrenstrunden ausgewiesen werden (von Gewerbe ganz zu schweigen). Warum eigentlich nicht? Flächen gibt es da genug und die Kürtener Straße ist deutlich leistungsfähiger als die jetzt schon total überlastete L289. Wenn man mehr Wohnbebauung schaffen möchte sollte man dies nicht so einseitig zulasten eines Stadtteils planen während andere offenbar völlig unangetastet bleiben. Das ist nicht nur ungerecht, es ist auch ungeschickt.
    Speziell zu den Gebiet Bb1 und Bb2 noch folgendes:
    Die Familien welche dort einmal wohnen sollen werden schulpflichtige Kinder haben. Wo sollen diese Kinder auf ihren Schulbus warten? Es gibt in Bärbroich eine Bushaltestelle von genau einer Gehwegbreite OHNE! Haltebucht. Das bedeutet, dass die die Kinder hier ohne jeden Sicherheitsraum (da war auch Bauland wichtiger) morgens zu 20 auf dem Gehweg unmittelbar an der Hauptstraße stehen während unmittelbar daneben der Verkehr ungebremst vorbeirauscht. Warum man auch in diesem winzigen Ortsteil versucht die Wohnbebauung derartig auszuweiten ist mir völlig unverständlich. Das Gebiet als solches ist auch aufgrund der Böschungslage nicht unproblematisch. Es müsste ja angeschüttet werden. In diesen beiden Bereichen bin ich gegen jegliche weitere Ausweisung von Bauland um die ländliche Struktur dort zu erhalten.

  3. Endlich Klartext! Sehr geehrter Herr Müller Frank: DANKE. Nicht nur im Namen der besonders betroffenen “Highlander” aus den östlichen Höhenzügen, sondern im Namen der Bürger unserer Stadt und aller Bürger der Region! Dieser FNP Wahnsinn der Verwaltung muss endlich gestoppt werden!!!