Links Köln, rechts Bergisch Gladbach. Foto: Google Earth

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Josef Cramer hat den Vorentwurf zum Flächennutzungsplan einer Analyse unterzogen – und kommt zu einem klaren Urteil: Der Entwurf beruhe auf falschen, zum Teil frisierten Annahmen und auf einem überholten Leitbild. Dieses Konzept würde Bergisch Gladbachs Charakter einer Vorstand zementieren. Um aber aus Bergisch Gladbach eine echte urbane Stadt zu machen, sei ein neues Leitbild notwendig – und ein ganz anderer Flächennutzungsplan.

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Von Josef Cramer

Auf dem Deckblatt der Informationsbroschüre der Stadt Bergisch Gladbach zum neuen Flächennutzungsplan steht in großen Lettern: „2035: Wo wollen wir wohnen, wo wollen wir arbeiten?“ Schon in der Überschrift kommt also der Wille zur funktionsräumlichen Trennung von Stadtfunktionen nach der Charta von Athen zum Ausdruck: Die Verantwortlichen gehen offensichtlich davon aus, dass man nicht dort wohnen will, wo man arbeitet.

Befasst man sich mit dem Stadtplanungsdiskurs der letzten 40 Jahre etwas intensiver, so stellt man sich unweigerlich die Frage: Wieso heißt es hier eigentlich nicht: „2035: Wo wollen wir wohnen und arbeiten?“ bzw. „Wo und wie wollen wir leben?“

Dieser kleine Unterschied mag auf den ersten Eindruck banal klingen, er steht aber für zwei völlig konträre Stadtplanungstheorien:

  • Die erste Überschrift steht für die orthodox-moderne Planungsschule (und damit die deutsche Baunutzungsverordnung sowie das Baugesetzbuch, das aus dem Jahr 1960 stammt und maßgeblich von der Charta von Athen beeinflusst wurde).
  • Die zweite steht für die Idee der kompakten Stadt der kurzen Wege, die als Antwort auf die Fehlentwicklungen moderner Stadtplanung gelten kann und nach 1961 entwickelt wurde. Insbesondere ist hier Jane Jacobs und ihr bahnbrechendes Buch „The Death and Life of great American Cities“ hervorzuheben.

Städtische Quartiere mit kurzen Wegen reduzieren Verkehrslast

Es ist heute wissenschaftlicher Konsens, dass die funktionsräumliche Trennung von Stadtfunktionen wie Wohnen, Arbeiten, Ausgehen und Einkaufen, die in der Charta von Athen und der deutschen Baunutzungsverordnung festgeschrieben wurde, nicht mehr zeitgemäß ist, da sie den Anforderungen an einen sparsamen Umgang mit Flächen entgegen steht.

Auch entspricht sie nicht den Wünschen und Erwartungen der Bürger, die in einem städtischen Umfeld leben wollen.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Abhandlung, die der Autor auch als Stellungnahme bei der Stadtverwaltung formell eingereicht hat. Die komplette Stellungnahme mit zahlreichen Fußnoten und weiteren Tabellen dokumentieren wir unten.

Ferner setzt die Bundesregierung gerade die EU-Richtlinie 2014/52/EU mit der Neuschaffung des „Urbanen Gebietes“ für die Baunutzungsverordnung um. Ziel dieser Gesetzgebung ist es, die Nachverdichtung von suburbanen Räumen zu erleichtern, die funktionale Trennung von Stadtfunktionen weniger strikt zu handhaben und städtische Quartiere mit kurzen Wegen für die Bewohner zu schaffen. Denn nur mit einer höheren baulichen Dichte, einhergehend mit einer Qualifizierung von Grünflächen und öffentlichen Räumen, wird die Symbiose aus Wohnen, Arbeiten, Handel, Kultur und Freizeit, insbesondere in den wachsenden Städten, gelingen können. 

Zudem lassen sich nur durch kürzere Wege und funktionale Mischung die enormen Verkehrslasten reduzieren, die der Suburbanismus erzeugt. Nur mit einer qualitativ hochwertigen und dichten baulichen Entwicklung werden die Städte das zuzugsbedingte Wachstum ohne flächenverbrauchende Suburbanisierung bewältigen können.

Keine „Stadtentwicklung” im europäischen Sinne … 

Unter 1.2 „Anlass der Begründung zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans“ (Seite 12) für Bergisch Gladbach wird ausgeführt:

Der wirksame Flächennutzungsplan der Stadt Bergisch Gladbach stammt aus dem Jahr 1978. Das Planwerk erfuhr seitdem eine Vielzahl von Änderungen und Anpassungen, sodass der Plan heute, also nach rund 40 Jahren, keine ausreichende Basis mehr für die Steuerung der räumlichen Entwicklung der Stadt bietet. Insbesondere bei Gewerbe- und Wohnflächen zeigt sich ein zunehmender Engpass an Reserveflächen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Bergisch Gladbach entschieden, den Flächennutzungsplan als Basis für eine nachhaltige Stadtentwicklung der nächsten 15 bis 20 Jahre neu aufzustellen.

Auch hier wird von der funktionsräumlichen Trennung von Wohnen und Arbeiten ausgegangen und darauf verwiesen, dass es zu wenig Flächen für diese städtischen Funktionen geben würde – der Grund für die Stadt, in den kommenden 15 bis 20 Jahren eine „nachhaltige Stadtentwicklung“ anzustreben.

Dass die Ideen, die den Entwurf des neuen Flächennutzungsplans prägen, jedoch bereits über 80 Jahre alt sind und damit doppelt so alt wie der alte Flächennutzungsplan, lässt den interessierten Leser allerdings stutzen: Das präsentierte Ergebnis enthält weder eine „Stadtentwicklung“ im europäischen Sinne noch eine doch angestrebte „Nachhaltigkeit“.

… sondern ein Entwurf für eine Vorstadt

Vielmehr entspricht der Entwurf der Vorstadtentwicklung unter dem Leitbild der aufgelockerten und gegliederten Stadt, also dem stadtplanerischen Modernismus der Charta von Athen. Die Realisierung würde somit die Suburbanisierung weiter vertiefen, was die bestehenden Probleme der Stadt in Bezug auf Verkehr und Infrastruktur noch verstärken wird.

Auf Seite 20 der Begründung zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans wird dargelegt, dass Bergisch Gladbach eine Siedlungsdichte von 1.340 Menschen pro Quadratkilometer hat. Was dann jedoch fehlt, ist eine anthropogeographische Einordnung dieser Zahl: Tatsächlich ist Bergisch Gladbach damit halb so dicht besiedelt wie andere europäische Vorstädte.

Niedrige Siedlungsdichte, hohe PKW-Dichte

Es bleibt also festzustellen, dass Bergisch Gladbach bereits heute eine sehr suburban geprägte Stadt bzw. Vorstadt ist, welche eine der höchsten PKW-Dichten in ganz Deutschland aufweist und mit enormen Verkehrsproblemen zu kämpfen hat.

Im darauf folgenden Absatz der Begründung zum FNP wird dann stichpunktartig auf die historische Entwicklung der Stadt eingegangen, ohne dass die Siedlungsgeschichte dargestellt wird, die ja maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Bergisch Gladbach heute eine niedrige Siedlungsdichte aufweist und von suburbaner Bebauung geprägt ist. Zu nennen wären hier:

  • Der erste „Bebauungsplan“ von Richard Zanders, der sich an der Gartenstadt orientierte (Gronauer Waldsiedlung) und bereits einen starken anti-urbanen Fokus hatte.
  • Die aufgelockerte und gegliederte Stadt in Refrath, die von Dr. Konrad Adenauer feierlich eingeweiht wurde.
  • Die Bandstadt und die Versuche „Urbanität durch Dichte“ mit funktionaler Trennung in Bensberg herzustellen.

Was also fehlt, ist eine kritische Reflexion darüber, wie Bergisch Gladbach siedlungsgeschichtlich zu dem geworden ist, was es heute ist, und welche Ideen es waren, die die erfolgten Entscheidungen maßgeblich beeinflusst haben – schon in den drei von mir oben kurz angerissenen Planungsideen steckt eine anti-urbane Tendenz.

Um es etwas überspitzt zu formulieren:  Bergisch Gladbach wollte planungsgeschichtlich noch nie eine kompakte europäische Stadt werden, was sich im präsentierten Entwurf nun fortsetzt. 

Das Leitbild ist bereits jetzt überholt

In der Begründung zur Neuaufstellung des FNP (Seite 32) wird unter Punkt 3.1 erläutert:

Allerdings geht das integrierte Stadtentwicklungskonzept von einer grundlegend anderen Bevölkerungsentwicklung aus, als sie aktuell prognostiziert wird. Wurde seinerzeit eine stagnierende, später leicht abnehmende Bevölkerungszahl erwartet, so ist aus heutiger Sicht von einem langfristigen Wachstum der Region Köln/Bonn und der Stadt Bergisch Gladbach auszugehen […]. Die räumlichen Leitbilder des ISEK sind unter diesem Aspekt zu betrachten und in die Abwägung für den neuen Flächennutzungsplan einzustellen.

Hier wird also festgestellt, dass eine zentrale Grundannahme des ISEK 2030 nicht mehr zutrifft, und nun behilft man sich damit, diese für neue räumliche Leitbilder „einzustellen“.

Wenn aber Grundannahmen nicht mehr zutreffen, kann man sie nicht einfach neu „einstellen“ – eine Stadt mit alternder und später abnehmender Bevölkerung ist etwas grundlegend anderes als eine Stadt, die außer von Alterung auch von Wachstum und Zuwanderung geprägt ist.

Bergisch Gladbach wird offensichtlich von diesen beiden Prozessen geprägt, und daher ist das Leitbild der Stadt bereits jetzt überholt und bedarf einer grundlegenden Neuausrichtung und Neubestimmung.

Ferner ist es bezeichnend für die Qualität des Gutachtens, dass diese im Jahr 2016 als überholt geltenden Grundannahmen keine vier Jahre zugetroffen haben sollen.

Die folgende Grafik zeigt das überholte Leitbild des Entwurfs des neuen Flächennutzungsplans, welches auf Seite 32 zu finden ist und bereits im ISEK 2030 entwickelt wurde.

Im Entwurf wird erläutert:

Städtischer Freiraum (grün schraffiert): Bergisch Gladbach besticht durch das Arbeiten und Wohnen im Grünen. Die Landschaft ist als strukturierendes und gestaltendes Element herauszustellen. Hierzu gehört die Aufwertung des wohnortnahen Freiraumes zu Aktionsräumen für Sport, Erholung und Spiel.

Argumente aus den 1930er Jahren

Die insgesamt angestrebten 230 Hektar Neuausweisung von Flächen für Wohnen und Gewerbe findet zu einem großen Teil in städtischen „Frei- und Qualifizierungsräumen“ und am Stadtrand statt, was wiederum weitergehender Suburbanisierung entspricht und bereits 1922 von Fritz Schuhmacher folgendermaßen dargestellt wurde:

Auch wenn die Grafik von Fritz Schuhmacher etwas künstlerisch anmuten mag, stellt sie doch genau das heutige Leitbild der Stadt dar: Die schraffierten Flächen im Umland der Metropole Köln sind die Gebiete, die suburbanisiert werden sollen, darunter Bergisch Gladbach.

Und auch die Begründungen für die massiven Flächenausweisungen von heute gleichen den Argumenten aus den 1930er Jahren. Damals war es der Mietwucher in völlig überfüllten Mietskasernen, gegenwärtig ist es die Preisentwicklung in innerstädtischen Wohnlagen bzw. die Gentrifizierung. Man weiß heute allerdings, dass diese Art der Planung mehr Probleme schafft als sie löst, was aber offenbar keinen der Akteure daran hindert, diesen offensichtlich nicht nachhaltigen Weg zu beschreiten. 

Die Vorstadt GL soll weiter zersiedelt werden

Die folgende Grafik veranschaulicht den durch den neuen FNP angestrebten Suburbanisierungsprozess in Bergisch Gladbach. Die dunkelroten Flächen sind die Flächen, in welchen Siedlungsentwicklung mit extrem niedrigen Siedlungsdichten stattfinden soll.

Dabei ist leicht ersichtlich, dass diese Entwicklung nahezu ausschließlich an den Stadträndern stattfinden soll. Die Stadt, die bereits heute eine sehr niedrige Siedlungsdichte aufweist, soll also weiter zersiedelt und suburbanisiert werden. 

Fraglich bleibt, wie die potentiellen Bewohner dieser potentiellen neuen Siedlungen in fußläufiger Entfernung Einkaufen, Arbeiten und Ausgehen sollen? Es ist daher davon auszugehen, dass die Siedlungen extreme Verkehrslasten und Infrastrukturkosten erzeugen werden.

Ferner möchte ich auf die Einschränkungen im BauGB zu weiterer Siedlungsentwicklung im Außenbereich hinweisen. Im BauGB steht unter §1 Satz (5) „Hierzu soll die städtebauliche Entwicklung vorrangig durch Maßnahmen der Innenentwicklung erfolgen.“

Und im Entwurf (Seite 28) wird dann wiederum erläutert:

Innerhalb des Siedlungskörpers liegen mit dem Stadtgarten Bensberg, der Katterbachaue, der Margareten- und der Marienhöhe, der Grube Weiß, der Flächen entlang der Strunde und dem Milchbornbach sowie beiderseits des Duckterather Weges weitere, nicht für eine Siedlungsentwicklung zur Verfügung stehende Areale, die zusammen mehr als 80 Hektar Allgemeiner Siedlungsbereich-Flächen umfassen.
Seitens der Stadt ist eine Entwicklung dieser Flächen dauerhaft nicht gewünscht, sodass angestrebt wird, diese Allgemeiner Siedlungsbereich-Reserven gemäß dem gewünschten Leitbild der Siedlungsentwicklung neu zu verteilen.

Die Stadt verfügt also über 80 Hektar Siedlungsfläche im Innenbereich, auf welchen sie keine weitere Siedlungsentwicklung wünscht. Stattdessen soll diese in den städtischen Frei- und Qualifizierungsräume bzw. am Stadtrand stattfinden, was zu einer verschärften Suburbanisierung führt.

Das daraus resultierende Problem – hier durch eine Illustration veranschaulicht – kann man im Übrigen schon heute in Bergisch Gladbach beobachten (die jahrzehntelange Diskussion um den Autobahnzubringer ist hierfür nur ein Symptom):

Mit geringen Siedlungsdichten wird eine Schlafstadt geplant

Der größte Widerspruch zwischen dem Entwurf des Flächennutzungsplans und der oftmals wiederholten Aussage der Planer und der Politik: „Wir wollen keine Schlafstadt werden“ zeigt sich jedoch in der Ausweisung von 180 Hektar Siedlungsfläche mit 22-46 Wohneinheiten/ha – das entspricht nämlich exakt der Vor-Stadt bzw. Schlafstadt. Man will also keine „Schlafstadt“ werden, plant dann jedoch dank geringer Siedlungsdichten exakt diese Schlafstadt. 

So werden die Verkehrsprobleme verschärft

Und es sind genau diese niedrigen Siedlungsdichten, die die Verkehrsproblematik extrem verschärfen werden.

Der Rheinisch Bergische Kreis hat eine PKW-Dichte von 595 PKW pro 1000 Einwohner. Bei den angedachten Planungen für rund 5.000 bis 10.000 Menschen , die in 20 Jahren mehr in Bergisch Gladbach wohnen werden, würden das im worst case also 5950 PKW mehr bedeuten.

Ein großer Teil der neu zu erwartenden Bürger würde dann mit dem PKW vom Stadtrand Bergisch Gladbachs nicht nur in die Metropole Köln pendeln, sondern auch zum Einkaufen, Ausgehen und Arbeiten das Auto nutzen, was weder „nachhaltig“ ist noch einer „Stadtentwicklung“ entspricht.

Der bisherige Baurat Stephan Schmickler behauptet in einer Mitteilungsvorlage des FNP-Ausschusses (Drucksachen-Nr.0021/2016):

Auf der anderen Seite ist allen Beteiligten klar, dass die Nichtausweisung nennenswerter Wohn- und Gewerbeflächen zu massiven sozialen und ökonomischen Verwerfungen und nachhaltigen Problemen führen wird.

Ich als „Beteiligter“ kann nur dagegen halten, dass Herr Schmickler hier, wie so oft, kontrafaktisch argumentiert bzw. Argumente und Fehler der 1930er Jahre wiederholt.

Nicht die Nichtausweisung von „nennenswerten Siedlungsflächen“ auf der grünen Wiese schafft massive soziale und ökonomische Verwerfungen.  Es ist diese Stadtplanung, die die Probleme schafft, die Mitglieder des Rates bevormundet und keinerlei zukunftsweisende Ideen aufweist. 

Es sind die „nennenswerten Wohn- und Gewerbeflächen“, die erwiesenermaßen zu nachhaltigen Problemen führen werden.

Die Innenstadt wurde bereits vollkommen entvölkert

Ferner fördern die von Herr Schmickler anvisierten niedrigen Siedlungsdichten Ghettoisierung bzw. die Verödung der Innenstädte, was in Bergisch Gladbach ja bereits heute infolge „moderner“ Stadtplanung in der Fußgängerzone geschehen ist. Der zentrale Versorgungsbereich Innenstadt wurde, der funktionalen Segregation folgend, nahezu vollkommen entvölkert.

Und mit dem Einzelhandelskonzept soll diese absurde Planung nun weiter zementiert werden, aus Kerngebieten sollen Mischgebiete werden – eine Kapitalvernichtung, die in einer wachsenden Stadt stadtplanerisch gesehen vollkommen irrwitzig und anachronistisch ist.

Demographie: Für wen wird eigentlich geplant?

Der erste Fehler, der hier im Entwurf vollzogen wurde, ist, dass man erst das Leitbild entwickelt und dann feststellt, dass es nicht mehr zur demographischen Entwicklung passt – Stadtplanung sollte jedoch grundsätzlich so verfahren, dass man sich erst fragt, für welche zukünftige Bevölkerung man eigentlich plant.

In Bergisch Gladbach gibt es folglich zwei Prozesse, die berücksichtigt werden müssen, der demographische Wandel (bzw. die Alterung) und die Zuwanderung.

Zweitens hat die Stadt, wie man unter dem Punkt „Bevölkerungsentwicklung“ erfährt, eine demographische Prognose bei der Firma SSR Schulten Stadt und Raumentwicklung in Auftrag gegeben. Warum wurde mit dieser wichtigen Studie ein Raumentwicklungsbüro beauftragt und nicht ein unabhängiges Institut oder Forschungsbüro, welches auf demographische Studien spezialisiert ist?

Ferner veröffentlicht man die Grundannahmen, die zu eben diesen demographischen Prognosen geführt haben, und insbesondere die Annahmen zur Fertilität, Mortalität und Migration, so dass jeder nachvollziehen kann, wie man zu entsprechenden Prognosen gekommen ist. Der wissenschaftliche Grundsatz der Intersubjektivität wird hier nicht gewahrt , denn es werden vier Szenarien vorgestellt, die allesamt höchst spekulativ sind, jedoch den Anschein erwecken, wissenschaftlich zu sein – und auf dieser Grundlage soll der zukünftige Flächenbedarf zu rechtfertigen sein.

Annahmen zur Migration werden in wissenschaftlichen Prognosen grundsätzlich konstant gesetzt bzw. gemittelt, da man sie nicht berechnen kann. Wer weiß schon, ob es Krieg in Osteuropa, Frieden im Nahen Osten oder zu Masseneinwanderung aus Subsahara Afrika kommen wird? Das einzige, was man verlässlich weiß, ist, dass die Regionen um Europa herum von Instabilität und teilweise hohen Fertilitätsraten (mit Ausnahme von Osteuropa) geprägt sind. Zuwanderung ist daher sehr wahrscheinlich, sie zu berechnen ist hingegen unmöglich.

Mehr Details zum Faktor Migration (bitte klicken=
Eine der wenigen Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Migration und demografischer Transition befasst, ist Wilbur Zelinskys „The Hypothesis oft the Mobility Transition“ aus dem Jahre 1971.

Da die demografische Transition, also der Übergang von hohen Fertilitätsraten zu niedrigen Fertilitätsraten, in Deutschland aber schon vor dem Ersten Weltkrieg begann, sich danach fortsetzte und heute abgeschlossen ist, ist dieses Modell für Deutschland nur noch insofern brauchbar, als dass es die strikte Kontrolle von Migration und unkalkulierbarer Binnenmigration in super hoch entwickelten Gesellschaften bereits 1971 postulierte. Wendet man die Hypothese auf die Regionen in Europas Nachbarschaft an, so kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Zuwanderung nach Europa anhalten wird.

Da beide Prognosen, also sowohl die des Landes als auch die von SSR, das Bevölkerungswachstum aus anzunehmender Zuwanderung herleiten, fehlt der Verweis darauf, dass Annahmen zur Migration grundsätzlich „blinde Flecken“ demographischer Projektionen darstellen.

Man kann relativ verlässlich errechnen, wie viele Menschen geboren und wie viele Menschen sterben werden, und daraus ableiten, wie viel Wohnfläche durch den demographischen Wandel frei wird. Das wurde auch im Einführungskapitel des ISEK 2030 getan: „Bereits heute sind ca. 13 Prozent aller Wohngebäude (rund 3.200 Gebäude) ausschließlich von Personen im Alter über 70 Jahre bewohnt.“ (ISEK, Seite 2)

Deutliche Anzeichen für interessensgeleitete Politik

Verlässlich hochrechnen, wie viele Menschen sich in Bergisch Gladbach in den kommenden 15 bis 20 Jahren niederlassen werden, kann man hingegen nicht. Den Flächenbedarf aus demografischen Projektionen abzuleiten, die die Stadt selbst in Auftrag gegeben hat und die wissenschaftlich völlig unhaltbar sind, zeugt daher deutlich von interessengeleiteter Politik. In Variante 4 wird erläutert:

„Zuwanderung“ wird unter Berücksichtigung der Zuwanderung von Flüchtlingen hinzugefügt. Die Migration nach Deutschland und Europa als neue, unbekannte Variable, welche in den anderen drei Bevölkerungsprognosen nicht wiedergegeben wird, soll durch diese Variante greifbar gemacht werden. Somit werden die jüngsten Entwicklungen bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans berücksichtigt. Die Variante 4 „Zuwanderung“ sieht für das Jahr 2030 eine Einwohnerzahl von 120.000 Menschen vor.

Tatsächlich wird jedoch in jeder demographischen Projektion die Zuwanderung berücksichtigt, denn jede beinhaltet die Dimension Migration. Hier zu suggerieren, die Zuwanderung von Flüchtlingen sei etwas Neues, das durch diese vierte Variante aufgefangen werden könnte, ist ebenso haarsträubend wie die anderen drei Szenarien.

Im Flächennutzungsplan-Ausschuss wurde am 01.12.2015 Szenario 3 als vorläufige Ausgangslage zustimmend zur Kenntnis genommen. An keiner Stelle ist im Protokoll vermerkt, dass die Mitglieder des Stadtrates darüber aufgeklärt wurden, dass die demographischen Projektionen der Firma SSR unwissenschaftlich sind.

Nachlesen kann man allerdings, dass sich die kleineren Fraktionen darüber beschwerten, mit den Vorgaben bzw. dem Flächengerüst überrumpelt worden zu sein.

Zuwachs um 5000 Menschen ist hochspekulativ

Ein Bevölkerungszuwachs von rund 5000 Menschen in den nächsten 15 bis 20 Jahren ist eine hoch spekulative Annahme, und darauf sollte die Politik seitens der Verwaltung zumindest hingewiesen werden. Davon ist in der Mitteilungsvorlage zum Flächengerüst vom 01.12.2015 allerdings keine Rede.

Ferner fehlt der Hinweis darauf, dass der größte Teil des Bedarfs an Wohnfläche für Binnenmigranten durch den demographischen Wandel bereits ohne Neuausweisung von Flächen gedeckt werden kann. Hier wird stattdessen suggeriert, dass man den zukünftigen Flächenbedarf aus den demografischen Projektionen hochrechnen kann,  was wissenschaftlich jedoch unseriös ist. 

Ferner wird seitens der Planer explizit nicht hervorgehoben, dass in der Gemeindemodellrechnung 2014–2045 des Landes NRW, also der offiziellen demographischen Projektion für Bergisch Gladbach, von einem Bevölkerungswachstums von nur 2973 Menschen in 20 Jahren ausgegangen wird.

Die Zahlen der Stadt sind also fast doppelt so hoch wie die des Landes, und da die Siedlungsdichten extrem niedrig sind, führt das in der Folge zu der angestrebten umfangreichen Flächenneuausweisung. Um es auf den Punkt zu bringen:  Das Flächengerüst wurde durch die Projektionen von SSR „frisiert“. 

330 mehr Verstorbene als Geborene pro Jahr

Das Bevölkerungswachstum lag in den letzten 20 Jahren bei 4575 Personen. Davon auszugehen, dass es in den kommenden 20 Jahren bei rund 5000 Menschen liegen wird, ist deshalb mehr als fraglich, vor allem, da die Alterskohorten über 65 Jahren (24,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) ableben werden. In den letzten 10 Jahren hat es jährlich rund 330 mehr Verstorbene als Geborene geben.

Selbst wenn es also massiven Zuzug geben wird, so wird dieser erst einmal dazu beitragen, das Bevölkerungsniveau zu halten. Zwischen 2004 und 2014 wuchs die Bevölkerung im Durchschnitt um 33,7 Personen im Jahr!

Hätte man eine verlässliche demographische Projektion (was die vier derzeit vorliegenden SSR-Szenarien nicht sind), könnte man überlegen, wie viel Fläche für den Bevölkerungszuwachs benötigt wird bzw. man würde politisch festlegen, welche Siedlungsdichte man anstrebt und was für ein Stadt man eigentlich planen möchte. Im Entwurf des Flächennutzungsplans wird aber überhaupt keine zukünftige Stadt entworfen, es werden lediglich Siedlungsflächen an bereits bestehende Siedlungsflächen „angeklebt“.   Man beschränkt sich darauf, Flächen für Wohnen und Gewerbe auszuweisen – doch so entsteht keine Stadt im europäischen Sinne.

Geplant wird wie in der DDR

Bezüglich der zu erwartenden Binnenmigration nach Bergisch Gladbach wird im Entwurf (Seite 52) erläutert:

Stärker werdende Milieus sind tendenziell „jünger“ und „leistungsstärker“, sowohl in ihrem Alltag als auch in Bezug zum Wohnstandort mobil und präferieren ein Wohnumfeld mit urbanen Qualitäten. Für diese Milieus sind Quartiere mit höheren Dichten und gemischten Nutzungen attraktiv, weshalb eine Tendenz zu höheren Bebauungsdichten künftig zumindest in Teilen geschehen kann/ sollte. 

Es wird also angenommen, dass der Bedarf und damit die Nachfrage, wie auch vom zentralen Immobilienausschuss der deutschen Wirtschaft angenommen und von mir in der Einleitung kurz angedeutet, in Richtung hohe Dichten und gemischte Nutzungen geht. Im Entwurf sind aber nur geringe Dichten mit reiner Wohnfunktion am Stadtrand genannt.

Geplant wird also wie in der DDR am Markt vorbei und nur für das klassische Einfamilienhaus (als Beispiel: Im neuen Feld) oder die monofunktionale Wohnsiedlung (als Beispiel: Willy-Brandt-Straße).

Durchmischte urbane Wohnlagen kommen nicht vor

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf die Präsentation der Stadtverwaltung im FNPA vom 15.03.2016 hinweisen (Sitzungsplanunterlagen vom 15.03.2016) und das folgende Beispielbild hervorheben:

Keine dieser Wohnsiedlungen ist funktional durchmischt, und alle weisen im Vergleich zu klassischen urbanen Wohnlagen geringe Dichtewerte aus. Die Beispiele sind damit alle Beispiele für die Schlafstadt in unterschiedlichen Dichten.

Klassisch durchmischte urbane Wohnlagen kommen in der Vorlage überhaupt nicht vor, und sie wurden den Mitgliedern des Stadtrates auch nie präsentiert.

Als Beispiele könnte man hier die Paffrather Straße vom Markt bis zur Stationsstraße (neuer Urbanismus), die Laurentiusstraße, die Odenthaler Straße sowie die obere und untere Hauptstraße in Bergisch Gladbach nennen oder die rechte „Kinoseite“ der Schlossstraße in Bensberg. Ihre Entstehung fällt größtenteils in die Zeit, bevor man in Bergisch Gladbach auf funktionale Segregation von Stadtfunktionen setzte.

Was es in Bergisch Gladbach und Bensberg generell nur sehr rudimentär gibt, sind Stadtquartiere mit funktionaler Durchmischung und Blockrandbebauung, dem nachhaltigsten urbanen Siedlungstypen des europäische Städtebaus überhaupt.

Vorgesehene Siedlungsdichten entsprechen einer Gartenstadt

Als Beispiele aus der direkten Nachbarschaft Bergisch Gladbachs können hier die Quartiere um die Mühlheimer Freiheit, die Berliner Straße, die Dellbrücker Hauptstraße und die Frankfurter Straße genannt werden.

In einer „kompakten, europäischen Stadt der kurzen Wege“ mit Blockrandbebauung und funktionaler Mischung, was Bergisch Gladbach ja laut Mobilitätskonzept werden will, und was im kompletten Widerspruch zum Entwurf steht, findet man weitaus höhere Siedlungsdichten als die im Ausschuss präsentierten.

Diese entsprechen eher dem Siedlungstyp der Gartenstadt, welcher jedoch weder Garten noch Stadt ist, hohe Verkehrslasten erzeugt und die klassischen sozialen und ökologischen Probleme des Suburbanismus und hohe Infrastrukturkosten erzeugt.

80 bis 120 WE/ha und eine Geschossflächenzahl von über 3, die das neue „Urbane Gebiet“ wieder erlaubt, finden sich im Entwurf an keiner Stelle, ebenso wenig wie eine angestrebte Nachverdichtung der bereits existierenden Siedlungen, mit Ausnahme der Baulückenbörse, die aber nur ein Teil einer Nachverdichtungsstrategie sein kann. Dabei muss gesagt werden, dass höhere Siedlungsdichten und funktionale Mischung nicht zur Zunahme sozialer Probleme führt, sondern Teil einer Gegenmaßnahme sind. 

Vorhandenen 80 Hektar Reserveflächen reichen aus

Bei dichterer bzw. kompakter Bauweise und funktionaler Durchmischung bräuchte man im Flächengerüst also keine 230 ha Neuausweisung – die 80 ha Reserveflächen, über die die Stadt bereits heute verfügt, würden vollkommen ausreichen, um das potentielle Bevölkerungswachstum abzufedern und sozial verträglich Wohnraum zu schaffen.

Ferner ist nicht nachzuvollziehen, wieso am Stadtrand neue Gewerbegebiete geschaffen werden sollen, wenn man für die Industriebrachen im innerstädtischen Bereich keine Nachnutzungskonzepte vorlegt und keine überzeugenden Antworten auf den Strukturwandel findet. Die Beschäftigung im sekundären Sektor in Bergisch Gladbach nimmt seit über 20 Jahren relativ konstant ab.

Die folgende Grafik (aus Isek 2030)  veranschaulicht die suburbane Siedlungsstruktur der Stadt.  Durch höhere Geschossflächen und funktionale Mischung, die durch das „Urbane Gebiet“ nun geschaffen werden könnten, könnte die Stadt Bergisch Gladbach nun endlich einmal wirklich Stadt werden. Diese Chance bleibt im jetzigen Entwurf gänzlich ungenutzt, sie wird nicht einmal erkannt. 

In der Kölner Erklärung zur Städtebauausbildung „Die Stadt zuerst!“ heißt es:

Wenn in Deutschland Stadt gebaut wird, planen die Hauptverantwortlichen zumeist aneinander vorbei: Architekten planen solitäre Einzelbauten statt den Stadtraum zu ergänzen, in den sie sich einzufügen haben. Stadtplaner planen die Organisation von Prozessen, statt Stadträume zu entwerfen. Verkehrsplaner planen Verkehrs-Trassen, statt Stadtstraßen zu entwerfen.

Niemand plant also den konkreten Stadtraum: Die Stadt kommt zuletzt.

Tagtäglich entstehen in unseren Städten: Ungestaltete Stadträume, Häuser ohne Adresse und ohne anschauliche Straßenfassade, Resträume, die weder privat noch öffentlich sind,
Abstellplätze für Müllcontainer an der Straßenecke,
Autoschneisen in der Innenstadt,
Supermärkte im Gewerbegebiet statt im Wohnviertel.

Lebenswerte Stadträume aber entstehen so nicht.

Deutschland war noch nie so wohlhabend, seine Stadträume aber noch nie so armselig. Die Planungssysteme waren noch nie so ausgefeilt, die Bürger aber erhielten noch nie so wenig städtebauliche Qualität.

Der heute üblichen Aufsplitterung der Planungsprozesse in zweidimensionale Funktionspläne, isolierte Fachplanungen und eine auf sich bezogene Architektur entspricht die Trennung der Fachgebiete in der Ausbildung. („Die Stadt zuerst!“ – Kölner Erklärung zur Städtebauausbildung 2014).

Auf Seite 7 der Begründung zur Neuaufstellung des FNP findet man dann ein eindrucksvolles Beispiel für das, wovor die Kölner Erklärung warnt. Hier wird exakt so vorgegangen wie oben beschrieben!

Das Mobilitätskonzept plant den Verkehr, das Wohnbaulandkonzept entwickelt Siedlungsdichten, das Einzelhandelskonzept protektiert die Fußgängerzonen, kurzum: die funktionale Segregation der Stadtplanung setzt sich in den Planungsprozessen fort und führt im Endergebnis dazu, dass die „Vorstadt“ weiter gebaut wird.  Es wird an keiner Stelle ein Stadtraum entworfen, sondern es werden massenhaft Flächen für suburbane Siedlungstypen geschaffen – das Gegenteil der europäischen Stadt und das Gegenteil von Stadtplanung. 

Bergisch Gladbach braucht Leben – und einen neuen FNP-Entwurf

Anstatt weiterer Suburbanisierung braucht Bergisch Gladbach Urbanisierung – Bergisch Gladbach braucht Leben!  Und dieses Leben erzeugt man nur durch die Mischung von Stadtfunktionen und nicht durch ihre Segregation – die wohl grundlegendste Fehlannahme moderner Stadtplanung. 

Die Flächenkategorie „Urbanes Gebiet“ bietet dafür eine neue Möglichkeit, die es seit rund 100 Jahren nicht gab.

Der Entwurf des Flächennutzungsplans muss grundlegend überarbeitet werden. Und in Bergisch Gladbach sollte man diese Zeit nutzen, um über die Flächenkategorie „Urbanes Gebiet“ nachzudenken. Dann könnten aus den drei/vier Vorstädten (Bensberg, Herkenrath, Refrath, Bergisch Gladbach) Städte werden – denn idealerweise würde man dann das zu erwartende Bevölkerungswachstum dazu nutzen, die Stadt bzw. die administrativ zusammengefassten Vorstädte zu Städten zu verdichten, um städtisches Leben zu ermöglichen und Infrastrukturkosten zu senken. Der Glaube, dass man durch Flächenausweisung Gentrifizierung und den Mietpreisdruck in urbanen Lagen mildert und soziales Wohnen schafft, ist ein Irrglaube.  Es gibt nicht ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit, welches diese Betrachtungsweise stützt.

Das Gentrifizierungsargument wird in Bergisch Gladbach als Vorwand genutzt, um massiv neue Flächen auszuweisen, und das in einer Stadt mit bereits heute existierender suburbanen Siedlungsstruktur und extrem niedrigen Siedlungsdichten. Will die Stadt kostengünstiges Wohnen ermöglichen, so muss sie selbst investieren und bauen  – darüber denkt sie nun seit über einem Jahr ergebnisoffen nach.

Das Fazit

Die demographischen Projektionen sind völlig unwissenschaftlich, da sie suggerieren, dass man zukünftige Migration nach Bergisch Gladbach berechnen könnte.

Das Leitbild ist bereits fünf Jahre nach seiner Erstellung völlig überholt.

Ferner wird ein Leitbild vorgeschlagen, welches nachgewiesenermaßen Städte zerstört bzw. gerade nicht die Stadt herstellt, die die zukünftigen Bewohner wünschen, da es auf funktionale Segregation setzt und Siedlungen mit extrem niedrigen Siedlungsdichten anstrebt.

Die zentralen Grundannahmen des Entwurfs sind obsolet, und das Flächengerüst wurde „frisiert“, um möglichst viel Siedlungsfläche auszuweisen.

Um es mit einer Allegorie abzuschließen: Ein Haus, das statisch nicht korrekt berechnet wurde, hält bekanntlich nicht lange.  Ein Flächennutzungsplan, dessen Grundannahmen allesamt überholt sind, kann weder nachhaltig sein, noch kann er zu Stadtentwicklung führen. 

Aus dem Gesagten ergeben sich fünf konkrete Anträge

  • Die Beauftragung eines wissenschaftlichen Forschungsbüros oder Institutes, welches auf demographische Studien spezialisiert ist, zur  Erstellung einer demographischen Projektion  für Bergisch Gladbach, welche in einem Flächengerüst neben der IT-NRW Projektion steht.
  •  Erarbeitung eines neuen Leitbildes , welches das potentielle Bevölkerungswachstum berücksichtigt und der Idee von der Stadt der kurzen Wege folgt, d.h. Siedlungsentwicklung mit funktionaler Durchmischung ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.
  •  Siedlungsdichten  mit funktionaler Mischung und einer Dichte von mindestens 75We/ha, um den totalen Verkehrskollaps zu vermeiden.
  • Eine  Aussetzung des FNP-Verfahrens , bis das Gesetzgebungsverfahren zum „Urbanen Gebiet“ abgeschlossen ist (das Gesetz geht angeblich noch dieses Jahr durch den Bundesrat).
  •  Umwidmung von Mischgebieten zu Urbanen Gebieten , um die Nachverdichtung zu erleichtern und den Städtebau in Bergisch Gladbach zu fördern.

Dokumentation: Die gesamte Stellungnahme mit Fußnoten

Josef Cramer

ist Fotograf, beschäfigt sich mit Stadtsoziologie, hat seine Doktorarbeit über Urbanisierung in Südafrika geschrieben und als Investor das Projekt „Gronauer Campus" in GL umgesetzt. Cramer ist Vorsitzender der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Stadtmitte und Kandidat der Grünen bei der...

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1 Kommentar

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  1. Endlich, endlich erhalten wir eine Betrachtung des FNP-Entwurfes, die sich an Fakten und nicht an Phantasien hält. Dadurch wird auch klar, dass die Zahlen der Fa. SSR Schulte zur Demographieentwicklung nach dem Motto:”Wes Brot ich ess, des Lied ich sing” entstanden. Endlich wird ganz klar und deutlich: Der Ausschuss zum neuen FNP unter der Leitung und – wie man vermuten kann – Direktive des 1, Beigeordneten, der immer noch bezahlt überall rumschnüffelt und seine ehemaligen Kollegen versucht, zu beeinflussen, hat viel geleistet. Leider nach überholten Vorbildern, unseriösen Zahlenwerken, veralteten Annahmen und vor allem gegen die Bürger unserer Stadt ohne umfassendes, zukunfstorientiertes Konzept. Mit anderen Worten: Für die Katz. Ich kann mich nur der Forderung Herrn Cramers anschließen einen neuen FNP-Entwurf zu erarbeiten, der den Gegebenheiten der Stadt und ihrer Bürger und den Prognosen von wirklichen Fachleuten in Düsseldorf und Berlin gerecht wird.