Archivbild. Foto: Danny Klünder

Archivbild. Foto: Danny Klünder

Am frühen Montagmorgen ist ein Geldautomat im Foyer der Commerzbank in der Schloßstraße in Bensberg gesprengt worden. Gegen 4:40 Uhr gab es einen lauten Knall. Zeugen sahen zwei Mäner, die mit einem dunklen Audi TT mit Kölner Kennzeichen flüchteten, teilte die Kreispolizei am Montag mit.

Es ist der zweite Fall in Bergisch Gladbach – und bereits der 107. in NRW alleine in diesem Jahr, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes dem Bürgerportal. Die Zahl der Fälle steigt dramatisch an: 2014 waren es insgesamt 23, im Vorjahr bereits 67.

Die Täter, so das LKA, gehören in der Regel zu Banden, die aus Vororten von Amsterdam und Utrecht in den Niederlanden kommen und sich die zum Teil noch relativ niedrigen Sicherheitsstandards der deutschen Banken zunutze machen. (Mehr Details dazu finden Sie weiter unten).

Gebäude beschädigt, Geldkassette intakt

Die Explosion am Montag in Bensberg sei so stark gewesen, dass das Gebäude beschädigt wurde. Allerdings gelang des den Tätern nicht, die Schutzvorrichtung des Automaten zu überwinden – die Geldkassette blieb unversehrt. In der Regel leiten die Kriminellen Gas in den Automaten und bringen ihn zur Explosion.

Die Täter werden beide als sportlich schlank beschrieben. Der eine soll circa 190 cm groß sein. Der Zweite wird auf 170 bis 180 cm geschätzt. Beide trugen dunkle Kleidung und Sturmhauben mit Sehschlitzen. Die Polizei leitete sofort weiträumige Fahndungsmaßnahmen ein, die Täter konnten aber unerkannt flüchten.

Eine Fachdienststelle des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen aufgenommen, die Kreispolizei macht keine weiteren Angaben.

Zum zweiten Mal eine Commerzbank in GL betroffen

Bereits im Januar war in Refrath ein Geldautomat gesprengt worden, auch dort war eine Filiale der Commerzbank betroffen. Damals waren die Täter erfolgreich, hatten eine nicht genannte Summe erbeutet und waren ebenfalls in einem Audi geflüchtet.

Schon zuvor hatten einige Banken in Bergisch Gladbach angekündigt, zur Sicherheit für solchen Überfällen die Vorräume mit Geldautomaten nachts zu schließen. In Bergisch Gladbach hatte es bislang nur die Refrather Sprengung gegeben, in Kürten waren es bereits zwei.

Im August hatte LKA-Chefermittler Dietmar Kneib ausführliche Informationen zu den Hintergründen dieser Serie gegeben. Nach seien Angaben hätten die Intensivtäter hätten Automaten in Belgien und Holland reihenweise gesprengt. Inzwischen haben die Banken in diesen Ländern ihre Automaten jedoch besser gesichert – daher weichen die Banden nach Deutschland aus – und schlagen vor allem in Autobahnnähe zu, um innerhalb weniger Minuten verschwinden zu können. Meist in gestohlenen dunklen Autos der Marken BMW und Audi.

Banken könnten mehr zum Schutz der Automaten tun

In Deutschland dagegen haben viele Banken ihre Automaten noch nicht nachgerüstet. Mechanische Schutzvorrichtungen, zusätzliche Sicherungen von Geldausgabeschachtverschlüssen oder Systeme, die Gasexplosionen unterbinden bzw. die Geldscheine einfärben gibt es zwar, sie sind aber teuer. Daher scheuen viele Geldinstitute davor zurück, ihre Automaten auszustauschen. Über die Sicherheitsstandards machen sie – aus Sicherheitsgründen – in der Regel keine Angaben.

Einige Banken wie die Kreissparkasse sind aber dazu über gegangen, ihre Foyers nachts zu schließen. Dadurch werden nicht zuletzt die Bewohner von Häusern geschützt, in denen die Bankfilialen untergebracht sind – denn bei den Sprengungen kommt es häufig zu schweren Schäden an den Gebäuden.

Die Erfolgsquote der Banden ist noch hoch

Das LKA mahnt die Geldinstitute seit einem Jahr, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Laut Innenministerium wurden die Betreiber von Geldautomaten und der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft schon 2009 über Präventionsmaßnahmen informiert. Zudem stellte das LKA den Geldinstituten bereits mehrfach ergänzende Sicherheitsempfehlungen zur Verfügung. Immerhin steigt auch in Deutschland die Zahl der Fälle, in denen die Täter – wie jetzt in Bensberg – scheitern.

In exakt 54 der bislang 107 Fälle blieb es beim Versuch, die Täter mussten ohne Beute abziehen. Aber das ist immer noch eine Erfolgsquote von 50 Prozent.

____________________________________________________________________

Sie wollen in Bergisch Gladbach nichts wichtiges mehr verpassen?
Dann abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter. Oder die Eilmeldungen auf WhatsApp.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.