Noch im Dezember 2005 galt die Anbindung der L286 an das Merheimer Kreuz (IGVP 24251) als vernünftigste und natürlichste Verbindung von Bergisch Gladbach an die A4 und wurde mit einem Faktor 4,53 dreimal so hoch bewertet wie die alternative oberirdische Verbindung über den Bahndamm bis an die A4 mit einer niedrigen Bewertung von 1,45 Punkten (IGVP 24219).

Dann kam die große Überraschung: die Bewertung einer halben Bahndammvariante ohne direkte A4-Anbindung nur bis zur Frankenforster Straße (IGVP 24222). Diese Variante wurde mit dem vergleichsweise absurden Wert von 3,63 bewertet!

Für diesen viel zu hohen Wert kommt als Erklärung im Grunde nur ein Vorzeichenfehler in der Kosten-Nutzenbilanz in Frage. Die plausible Korrektur der Rechnung würde zu einem Wert von höchstens einer 1 vor dem Komma führen und damit wäre diese Idee nicht förderungsfähig gewesen. Alle am Verfahren Beteiligten, auch der damals zuständige Minister Wittke, waren über diese Unstimmigkeit schriftlich in Kenntnis worden.

Dennoch bildeten und bilden diese absurden 3,63 die Basis für die gesamte folgende Bahndammdiskussion bis heute. Die notwendige Korrektur hätte zum endgültigen Aus aller Bahndamm-Varianten, übrigens auch einschließlich der Tunnel-Varianten, geführt!

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Mit Schreiben vom 07.02.2006 teilte der damalige SPD-Bürgermeister Klaus Orth dem Minister u.a. mit:

  • „Fakt ist, dass die Bewertung von einem Fachgutachter im Auftrag Ihres Ministeriums erstellt wurde.
  • Fakt ist, dass sich die beiden großen Volksparteien im Rat der Stadt auf diese Trasse (IGVP 24222) geeinigt haben.
  • Fakt ist: die Trasse ist breit genug für beides (einspuriger Güterverkehr und Landesstraße)
  • …und erklärt weiter in diesem Schreiben, die Anbindung an das Merheimer Kreuz sei aus Naturschutzgründen und wegen der Ablehnung durch den Kölner Rat „nicht realisierbar“.

Nur durch den zu hohen Bewertungsfaktor gelang es, das Vorhaben IGVP 24222 in der Stufe 1 der Maßnahmen des Verkehrsinfrastrukturbedarfsplanes unterzubringen. Die Anbindung an das Merheimer Kreuz wurde daraufhin vom Rat endgültig ad acta gelegt.

Das Ergebnis einer weiteren Verkehrsuntersuchung vom Januar 2010 war, dass keine Bahndamm-Variante ohne Direktanbindung an die A 4 zu einer nennenswerten Entlastung des innerstädtischen Verkehrs führen würde, was wiederum beweist, wie unsinnig und falsch der Faktor 3,63 war.

Die heutige Idee, die Brüderstraße zur Anbindung an die A 4 zu missbrauchen, kann logischerweise auch nur zu einer vergleichbar niedrigen Bewertung wie IGVP 24219, also weniger als 1,45 führen, kann also die Nähe des Zielwertes zur Erlangung der nötigen Fördermittel von ca. 2,5 niemals erreichen.

Folglich ist und bleibt die Anbindung an das Merheimer Kreuz die einzig vernünftige Lösung! Warum sollte diese heute nicht mehr möglich sein?

Es ist zynisch, wenn ausgerechnet die Nachfolger in der SPD derer, die die ursprünglich geplante Anbindung von Bergisch Gladbach an das Merheimer Kreuz – warum auch immer- vereitelt haben, heute dieses als Illusion naiver Zeitgenossen bezeichnen und alles tun, um durch die leidige Bahndamm-Diskussion vom fatalen Fehler ihrer Vorgänger abzulenken. Warum die CDU da mitmacht, ist unbegreiflich und unverzeihlich.

Man kann nur dringend an alle verantwortungsbewussten politischen Entscheidungsträger dieser Stadt appellieren, das Vorhaben IGVP 24151 zu reaktivieren und gemeinsam mit Köln die Lösung zum Nutzen beider Städte am runden Tisch zu erarbeiten.

Kölns Oberbürgermeisterin Reker hat ja bereits signalisiert, dass ihrerseits kein Interesse an Konfrontation, sondern vielmehr an einer intensiven Zusammenarbeit besteht. Köln übt auf GL Siedlungsdruck aus, GL braucht Köln zur Verringerung beider Verkehrsprobleme!

Mit der der zuständigen Naturschutzbehörde lässt sich unter Beachtung des entsprechenden Vorbehaltes in der textl. Darstellungen/ Festsetzungen zum Naturschutzgebiet „Gierather Wald“ (GL-2.1-13) sicherlich immer noch die Lösung finden, die sowohl der Natur als auch den Menschen gerecht wird!

Sollte der „Runde Tisch“ nach intensiver und ernsthafter Güterabwägung wirklich keine realisierbare Anbindung an das Merheimer Kreuz mehr sehen, müsste er die Bürger nachvollziehbar davon überzeugen, dass über weniger effiziente Lösungen nachgedacht werden muss.

Ulrich Müller-Frank

ist ein Bürger aus Bensberg

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7 Kommentare

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  1. Der neue Hit, das 23 m breite Mobilitätsband, lässt mich noch einmal nachlegen:

    bei seinen aktuellen Beiträgen zum Runden Tisch beruft sich Herr Flügge formal korrekt auf den alten Ratsbeschluss, in GL möge man sich künftig ausschließlich auf eine Straße auf dem Bahndamm konzentrieren. Das wurde 2006 beschlossen auf der Basis der Bewertung des Vorhabens 24222 mit dem Faktor 3,6 und der folgerichtigen Aufnahme genau dieses Projektes in die Stufe 1 des Landesbedarfsplanes, verbunden mit der Inaussichtstellung der notwendigen Fördermittel des Landes für eben dieses Vorhaben. Wie das bis heute strittige Ergebnis zu Stande gekommen ist, bleibt das Geheimnis des damaligen Bürgermeisters, seines Baurates und der damaligen Bewerter im Düsseldorfer Ministerium……und ließ sich bis heute nicht in Erfahrung bringen.
    Der heutige Baurat lässt außer Acht, dass die Idee, den Bahndamm ganz abzutragen, nicht mehr mit dem, wie er selbst sagt, „bösen alten Projekt auf der Dammkrone“ 24222 identisch ist, sondern kostenmäßig eher in die Nähe der abgeschmetterten, weil unbezahlbaren Tunnelvariante, Vorhaben 24206 (Faktor 0,73) kommt. Dennoch wird er nicht müde, am Runden Tisch ernsthaft die Utopie eines 23 m breiten „Mobilitätsbandes“ mit der Option auf eine Rohrpost mit Namen Cargocab als seine neue Idee zur Lösung aller Probleme zu propagieren.
    Diese „neue“ Idee, den Bahndamm abzutragen, wird nicht mehr durch die Bewertung der ohnehin zu hoch bewerteten, Variante 24222 abgedeckt, da in dieser natürlich die einige zig Millionen der zusätzlichen Abtragungs- und Sondermüllentsorgungskosten nicht berücksichtigt sind. Ob nach der notwendigen Neubewertung des dann nicht mehr „bösen alten Projektes“ die begehrten Landesmittel immer noch in Aussicht stehen, muss bezweifelt werden. Und was dann? Wenn die neue Bewertung ähnlich mickrig ausfällt wie alle bisherigen?
    Damit ist der unsägliche Ratsbeschluss von damals im Nachhinein doppelt obsolet, nämlich wegen der strittigen Bewertung einerseits und des nachträglich geänderten Vorhabens andererseits! Solange sich aber unsere Politiker durch diesen Beschluss gebunden sehen, blockiert er jede weitere vernünftige Überlegung zur Behebung unserer Verkehrs- und Umweltmisere und begrenzt darüber hinaus den Sinn der nächsten angekündigten Machbarkeitsstudie zum Thema Bahndamm. Mit dieser Beschlusslage hat und behält GL freiwillig den Schwarzen Peter und Köln darf sich zurücklehnen. Jedes Ratsmitglied sollte die angeführten Ungereimtheiten hinterfragen und alles daransetzen, dem Rat neue klare politische Vorgaben zu geben, die möglichst wenig durch Fehler der Vergangenheit geprägt sind.

  2. Zumindest Teile der CDU sind sich darüber im Klaren, dass die unterstellte Fehlbewertung des Projektes 24222 die danach getroffenen Weichenstellungen bzgl. Bahndamm in Frage stellen würde. Wie das Büro des MdL Müller, CDU, im Oktober d.J. mitteilte, steht die Antwort des zuständigen Ministeriums auf eine diesbezügliche Anfrage zur Klärung der fraglichen Bewertung noch aus.

  3. Mich erstaunt die Nichtreaktion seitens der CDU doch sehr. Bürgernähe sieht doch anders aus. Und die Ausführungen des Herrn Dr. Müller-Frank verdienen allemal eine qualifizierte Antwort. Oder sollte man die Nichtreaktion als Eingeständnis eines Fehlers werten?

  4. Zur Information zwischendurch:

    mein Appell vom 20. April ging parallel zur Veröffentlichung im Bürgerforum auch direkt an die Adressen der Fraktionen und des Bürgermeisters.
    Er enthielt die schwerwiegende Aussage, dass die hohe Bewertung von 3,63 und die daraus abgeleitete Förderungswürdigkeit einer Straße über den Bahndamm falsch und damit nicht gerechtfertigt, die ganze Diskussion also im Grunde obsolet ist.

    Geantwortet haben:
    Die SPD: sie verfolgt weiterhin eine „Bahndammlösung“
    Die FDP: sie teilt meinen zum Ausdruck gebrachten Standpunkt
    Ansonsten: weder Eingangsbestätigung noch Kommentar!

  5. Mit einem Vorwurf einer „Lüge“ sollte man m.E. sehr vorsichtig umgehen und dient nicht der Versachlichung.

    Interessant wäre es, ob tatsächlich ein Vorzeichenfehler vorliegt, der sich dann ohne erneute Überprüfung durchzieht ?

    Würde bejahendenfalls ja an das „Spinatgate“ erinnern ;-), vgl. Wikipedia:

    „Die falsche Annahme eines exzeptionell hohen Eisengehalts von Spinat geht auf die Nicht-Berücksichtigung der Unterschiede zwischen getrocknetem und frischem Spinat zurück. Die Legende geht vermutlich auf den Schweizer Wissenschaftler Gustav von Bunge zurück. Dieser hatte 1890 den Eisengehalt von 100 Gramm getrocknetem Spinat korrekt mit 35 Milligramm beziffert. Das Ergebnis wurde anschließend auf frischen Spinat übertragen, obwohl dieser je 100 Gramm aufgrund des hohen Wassergehalts nur rund ein Zehntel an Eisen enthält. Das Missverständnis war jahrzehntelang verbreitet, befördert auch durch Figuren wie den Spinat essenden Seemann Popeye und zahlreiche Ratgeber. Auch in der Ärzteschaft war diese These jahrzehntelang verbreitet.“

  6. Lieber Herr Müller-Frank,

    schön, dass Sie mit Ihrer fundierten Analyse den Vorwurf an die FDP relativieren, unser Beharren auf eine Lösung mit Anbindung an das Merheimer Kreuz sei eine „Illusion naiver Zeitgenossen“.
    Seit wir in einer gemeinsamen Erklärung mit den Kölner Kollegen vor nahezu zwei Jahren diese Entlastungsroute wieder in den Fokus gerückt haben – das Bürgerportal hatte darüber berichtet:https://in-gl.de/2014/09/12/fdp-startet-ueberregionale-verkehrspolitik-mit-koeln/ – ernten wir damit lediglich abfälliges Kopfschütteln, sobald wir diesen Vorschlag ins Spiel bringen.
    Möge sich das durch Ihre Intervention ändern.

    Anita Rick-Blunck | FDP-Vorsitzende

  7. Ich möchte mich sehr für diesen Artikel bei Dr. Müller-Frank bedanken, bringt er doch die Tatsachen hinsichtlich der Anbindung ans Mehrheimer Kreuz‘ und der Lügen des damaligen Bürgermeisters Orth ans Tageslicht. Leider wird das Bürgerprital immer noch, wie ich vermute, von zu wenig Bürgerinnen und Bürgern gelesen, leider sucht der KSTA als öffentliches Verbreitungs- und Informtionsorgan immer noch eher die Nähe der Bahndammlobby, leider streuen diese immer noch möglichst viel Sand in die Augen der Bürgerschaft.

    Wie die damalige Verwaltung getrixt und gelogen hat, wie man Düsseldorf mit falschen Behauptungen eingewickelt hat, wie keine andere Partei gegen die unsäglichen Bahndammpläne oponiert hat, wirft bis heute lange Schatten, auch auf die Ehrlichkeit unserer jetzigen Verwaltung. Es ist unglaublich, dass viele Bürgerinnen und Bürger seit 30 Jahren wegen der Bahndammtrasse bzw. deren Verwertung um ihre Grunstücke zittern müssen, Naherholungsgebiet, schützenwürdige Gebiete spwie die Gesundheit der Anrainer bedroht sind, und heute noch mithilfe einer falschen Zahl dieses Projekt in einigen Köpfen geistert. Wir haben es den zusammengeschlossenen Gegnern des Bahndammunsinns „Die Elf“ und deren Sprecherin Liane Schneider zu verdanken, das Herr Orth und seine Erfüllungsgehilfen nicht ihr Ziel erreicht haben.

    Der Artikel von Herrn Müler-Frank muss der gesamten Bevölkerung von Bergisch Gladbach zur Kenntnis gebracht werden, damit jeder hier erkennt, wie die Verwaltung versucht, uns zu manipulieren.