Der Blick vom Kirchturm St. Johann Baptist: auf dem Grundstück links sollen Doppelhäuser entstehen, in der Mitte das Mehrgenerationenhaus. Foto: Bergisch Schön

Der Verein mitein-anders will im Grünzug Kippekausen ein Mehrgenerationenhaus bauen. Der Stadtplanungsausschuss begrüßt das Vorhaben und stimmte für die Aufstellung einen entsprechenden Bebauungsplans, der zudem den Bau einer Doppelhaus-Siedlung erlauben würde. 

Seit Jahren sucht mitein-anders nach geeigneten und bezahlbaren Grundstücken, um die Vorstellung des Vereins vom gemeinsamen Wohnen aller Generationen sowie von Behinderten und Nichtbehinderten umsetzen zu können. Ein lange geplantes Projekt an der Buchmühle ist durch die Kanalbaustelle dort vor Ort verzögert worden. Doch nach einem ersten Fehlschlag in Refrath hat der Verein jetzt ein konkretes Projekt in Kippekausen im Blick.

Der Stadtplanungs- und Entwicklungsausschuss debattierte am Dienstag über das Vorhaben, auf dem städtischen Grundstück zwischen dem Refrather Friedhof und der Siedlung An der Wallburg ein Mehrgenerationenhaus zu errichten. Einstimmig beschloss der Ausschuss, die notwendigen Schritte für einen entsprechenden Bebauuungsplan in die Wege zu leiten. 

Dabei geht es um ein ganz besonderes Grundstück. Denn die Siedlung Kippekausen war Ende der 50er Jahre nach dem Leitbild einer gegliederten, aufgelockerten Stadt entstanden; der Grünzug mit der Zeltkirche, der Grundschule und der Kita „Arche Noah” sowie einen eigenen Wegenetz bildet das Rückgrat der Siedlung.

RBS soll Mehrgenerationenhaus bauen

Für dieses Haus hat mitein-anders bereits den projektbezogenen Verein „Wohnfreu(n)de Refrath” gegründet, die Rheinisch-Bergische Siedlungsesellschaft (RBS) soll als Bauträger fungieren. Die RBS würde das Grundstück von der Stadt kaufen, das Gebäude errichten und die Wohnungen an die Mitglieder des Vereins vermieten. In einem Teil des Gebäudes soll eine Wohngruppe ehemaliger Schüler der Fröbel-Schule untergebracht werden. 

Ein erster Entwurf des Mehrgenerationenhauses

Für das Mehrgenerationenhaus gibt es bereits einen Entwurf, der ein langgestrecktes Wohnhaus mit zwei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss vorsieht. Es soll insgesamt 27 Wohneinheiten enthalten. Ein Drittel des Gebäudes soll im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus entstehen. 

Neubaugebiet neben St. Johann Baptist

Ein Vorhaben, dass die Stadt unterstützt. Gleichzeitig will die Verwaltung bei der Aufstellung des neuen Bebauungsplans ein Grundstück östlich der Kirche St. Johann Baptist als Neubaugebiet für eine „verdichtete zweigeschossige Bebauung aus Doppelhäusern mit ingesamt zehn Wohneinheiten” ausweisen. Eine dort vorhandene alte Hofanlage soll in die Neubausiedlung integriert werden.

Unter dem wachsenden Druck, mehr Wohnungen im Zuge einer Innenverdichtung zu bauen, mache dies an dieser Stelle Sinn – ohne den Charakter der Siedlung Kippekausen zu beeinträchtigen, erklärte Planungschef Wolfgang Honecker in der Ausschusssitzung. Auch werde die Durchgängigkeit des Grünzugs für Radfahrer und Fußgänger erhalten. 

Das Projekt wurde von den Vertretern aller Fraktionen begrüßt. Für die SPD appellierte Andreas Ebert an die Planer, die Fuß- und Radwegverbindungen in Kippekausen zu erhalten und sensibel zu planen. Nur die Grünen plädierten dafür, das Mehrgenerationenhaus auf  dem Grundstück neben der Kirche zu errichten, das jetzt für die Doppelhäuser vorgesehen ist – und stimmten als einzige Fraktion gegen die Beschlussvorlage. 

Der Bebauungsplan soll nun im beschleunigten Verfahren im Rahmen der Innenstadtverdichtung aufgestellt werden. Die Pläne sollen bald öffentlich ausgehängt werden, dann können die Bürger Stellungnahmen abgeben. 

Mehr Infos: Website von mitein-anders

Dokumentation: Die Details der Planung

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Schön, Mehrgenerationen Projekte sollten vermehrt geplant und auch umgesetzt werden. Zentrumsnah, um die Mobilität der Bewohner zu erhalten und soziale Kontakte zu erleichtern.

  2. Da bin ich baff erstaund!! Fast klammheimlich und wenig transparent werden hier Tatsachen geschaffen! Mit Verdichtung erscheint mir dieses Vorhaben allerdings falsch beschrieben! Hier wird einfach versiegelt und zugebaut!!

  3. Ein Mehrgenerationenhaus ist eine tolle Sache. Schade ist, wenn es in einen Grünzug gesetzt wird statt an einen Standort mit städtebaulich und ökologisch vorteilhafter Nachverdichtung.
    Die Kombination mit Doppelhäusern ist indes eine Sünde. Doppelhäuser sind unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten und angesichts der demographischen Entwicklung nicht mehr zeitgemäß. Wir sollten die Hinweise des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung (Studie: Der Umzug der Menschheit, die transformative Kraft der Städte) ernst nehmen in zukünftigen Planungen.

  4. Die „Wohnfreu(n)de Refrath” sind ein Projekt des Vereins „mitein-anders”, auf deren Website finden sich Kontaktmöglichkeiten und mehr Infos zum Projekt in Refrath:
    mitein-anders.de
    mitein-anders.de/index.php/projekte/wohnprojekt-refrath.html

  5. Der Verein “Wohnfreu(n)de Refrath” interessiert mich. Wie und wo kann ich Kontakt aufnehmen?