Kaum eine Baustelle ist so präsent, keine beeinträchtigt die Anlieger stärker als das Bauloch in der Fußgängerzone an der Buchmühle. Ausgerechnet hier tut sich seit mehr als vier Wochen nichts. Dafür gibt es Gründe. Und Konsequenzen, die den Geschäften im Laurentiusviertel (erneut) weh tun werden. 

Die Bauarbeiten sind nicht, wie zunächst angekündigt, in dieser Woche wieder angelaufen, die Baustelle liegt verlassen da. Kein Wunder, berichten Anlieger: die Baufirma habe sich nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Bauherrn Strundeverband geweigert weiterzubauen und sei abgezogen. 

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Eine Darstellung, die der Strundeverband mit einem klaren „Nein” zurückweist. Verantwortlich für den Baustopp seien technische Probleme in der Baugrube (Details siehe unten), die neue Planungen und neue Absprachen erforderten. Im Hintergrund spielt offenbar auch die Sorge eine Rolle, die Kosten könnten den bisher vorgesehenen Rahmen sprengen.

Die Konsequenzen sind nicht absehbar, aber bereits jetzt musste der Strundeverband nach eigenen Angaben einen Verzug von knapp zwei Wochen gegenüber der Planung verbuchen. Mit Auswirkungen auf die Geschäfte im Laurentiusviertel.

Inzwischen sei nicht mehr klar, ob die Fußgängerzone tatsächlich wie versprochen bis zum Weihnachtsgeschäft frei werde, räumt der Bauherr ein. Sollte dieses Ziel nicht eingehalten werden können, werde die Baugrube immerhin soweit zurückgebaut, dass es für Anfahrt und Parken keine Einschränkungen gibt.

Obwohl es im Laurentiusviertel kaum Parkplätze gibt wird der Fronhof wenig genutzt

Einen Durchgang zur Buchmühlenstraße werde es im Weihnachtsgeschäft bestenfalls für Fußgänger geben. Die wichtige Zufahrt von der Hauptstraße zum Parkplatz auf dem Fronhof für Autos könne erst im Frühjahr 2018 frei gegeben werden, wenn auch die Arbeiten in der Gasse hinter dem Reisebüro Hebbel abgeschlossen sind. 

Dieser Umstand schmerzt die Geschäftsinhaber im gesamten Laurentiusviertel besonders. Er führt dazu, dass der Parkplatz auf dem Fronhof kaum noch angefahren wird. Ohnehin mussten die Anlieger den Verlust vieler Parkplätze im Buchmühlenpark verkraften, der durch die neue Parkpalette nur zum Teil ausgeglichen wurde.

Finanzielle Sorgen

Kritik von Anliegern, an der Baustelle werde nicht mit dem erforderlichen Hochdruck gearbeitet, weist der Strundeverband zurück. Die Planer müssten sehr akribisch vorgehen und jeden einzelnen Schritt dokumentieren – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Sonst liefen sie Gefahr, dass die vom Steuerzahler getragenen Kosten aus dem Ruder liefen und/oder Fördermittel gestrichen würden.

Die vielen Überraschungen im Boden haben bereits jetzt dazu geführt, dass einige Bauschritte neu geplant oder komplett neu hinzugenommen werden mussten. Damit wurden Arbeiten notwendig, die vorher gar nicht mit den Baufirmen vereinbart waren – und jetzt neu verhandelt werden müssen. 

Ein Blick in die Baugrube zeigt, wie schwierig die Arbeiten hier sind

Der technische Hintergrund

Das Bauloch gehört zum Megaprojekt „Strunde hoch 4″, hier werden die Strunde und die neuen Hochwasserrohre aus dem Buchmühlenpark an die fertigen Röhren im Forumpark angeschlossen. Wer einmal in die Grube geschaut hat ahnt, wie komplex die Arbeiten in einem von extrem vielen Rohren und Leitungen verbauten Gebiet sind.

Trotz langwieriger Vorarbeiten und Leitungsverlegungen durch die Belkaw stoßen die Bauarbeiter immer wieder auf neue auf Überraschungen. Hinzu kommt, dass ausgerechnet hier insgesamt vier Baufirmen aufeinandertreffen, die ihre Arbeiten miteinander koordinieren müssen.

Die größten Probleme bereitet die Streckenführung eines sogenannten 800er Rohrs, das die unterirdische Strunde aufnehmen soll. An der Kreuzung zur Hauptstraße gibt es einen Höhenunterschied, daher muss das Rohr über eine Stirnwand geführt werden. Und das ganze bei „laufendem Betrieb”: auch jetzt werden die Strunde und mögliche Hochwasser quer durch die Baustelle geführt.

Die Planung für besagte Stirnwand ist erst an diesem Freitag fertig gestellt worden, berichtet der Strundeverband. Jetzt müsse sie noch mit den beteiligten Baufirmen besprochen werden.

Wie diese Trasse weiter geführt wird, so der Strundeverband, lasse sich überhaupt nicht planen: „Vor Ort muss geschaut werden, wie die Bedingungen sind, der Aufwand wird dann entsprechend abgerechnet.”

Im Klartext: ob es zu weiteren Verzögerungen kommen wird kann niemand zuverlässig vorher sagen.

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Planerische Pause an der Baustelle Buchmühle

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Die Überraschungen bestanden in diesem Fall aus alten Betonfundamenten und Leitungen, die man dort weder vermutet noch bei den Voruntersuchungen aufgespürt hatte.

  2. Im Artikel wird an vier Stellen erwähnt, dass es immer wieder Überraschungen gibt, mit denen keiner gerechnet hat.
    Was aber sind denn diese Überraschungen? Dass es an der Stelle bergauf geht kann es ja nicht sein, oder?

  3. Der Untergrund von Bergisch Gladbach hat sich bei Bauprojekten schon oft als “Wundertüte” erwiesen:
    – Grundwasser, das während der Bauarbeiten ständig abgepumpt werden musste und teure Drainagen erforderlich machte,
    – Fließsand, der Bauprojekte gleich ganz zunichte machte.
    Dabei handelte es sich um kaum planbare und unvorhersehbare Risiken.
    Im vorliegenden Fall allerdings hätte vielleicht vor Planung und Baubeginn ein Blick in die Lagepläne der Rohre und Leitungen helfen können, das sich nun erweisende Desaster zu verhindern. Oder wurde und wird in Bergisch Gladbach alles planlos ins Erdreich verbuddelt?